Der Umschuler

Buch von Josef W. Janker, Peter Handke

Titel: Der Umschuler

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2,5 von 5 Sternen bei 1 Bewertung

Verlag: Suhrkamp Verlag

Format: Taschenbuch

Seitenzahl: 144

ISBN: 9783518397923

Termin: Mai 2001

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Rezensionen zum Buch

  • Rezension zu Der Umschuler

    • 5. Juli 2013 um 17:45
    Original : Deutsch, Erstveröffentlichung 1971 ; revidierte Fassung 1988
    (in der hier verlinkten Ausgabe einschließlich eines Nachwortes von Peter Handke, basierend auf die Laudatio zur Verleihung des Hermann-Lenz-Preises 1999 an Janker)
    INHALT :
    Deutschland in der Nachkriegszeit : Der Zweite Weltkrieg scheint überwunden, aber die Narben sind lange noch nicht verheilt : « Der Schuh drückt noch und war nicht Sache der Orthopäden. » Mertens, der « Umschuler », zeigt sich weder willens noch in der Lage, sich in einer der vorgesehenen Bahnen des gesellschaftlichen oder geschäftlichen Erfolgs zu bewegen. Er ist ein Einzelgänger, hält sich im Abseits auf, will nicht am aufkommenden Konsum und Wohlstand teilnehmen. (Quelle : Suhrkamp)
    GLIEDERUNG :
    Protokoll aus dem Personenstand (Zweiseitiger Lebenslauf ab Abgangszeugnis bis circa 1966 im « Protokollstil ») gefolgt von 13 numerierten Kapiteln
    « Wer denn nun ? Mertens » gefolgt von drei Kapiteln
    Vierzehnseitiges Nachwort von Peter Handke
    BEMERKUNGEN :
    Es fällt mir recht schwer, dieses Buch zu beschreiben, zu rezensieren und zu bewerten.
    Mertens hält sich nach dem Kriege in München auf. Die Erzählung reicht wohl bis ans Ende der 60iger Jahre, doch es ist nicht stets einfach, das Erzählte zeitlich oder auch örtlich einzuordnen. Wir finden die Hauptperson in verschiedenen Situationen : als Lehrling, Soldat, Gefangener, versehrten Erwerbsunfähigen mit halber Atemkapazität, Kinoeinweiser, Zimmermann... Eigentlich steht die « Umschulung » immer noch an für den ehemaligen Zimmermann. Aber wie eh, verweigert er sich dann den Maßnahmen, und auch der Gesellschaft. Für jemanden wie Mertens ist der Krieg nicht hinter einem, er « besitzt keine Erfahrungen, die nicht durch den Krieg geprägt sind ». Und alles um ihn herum, Personen, Verhältnisse, Erlebtes, wird durch diese am eigenen Leib erfahrene , getragene « Brille » betrachtet. Dies ergibt ein manchmal grelles Nebeneinander zwischen Gegenwart und zB Adjektiven, darauf angewandte Beschreibungen, die klar aus dem Krieg und dem Dritten Reich herrühren.
    Das Spiel mit Sprache und Stil ist wohl virtuos, wenn auch nie im wahrsten Sinne in einem Erzählfluss : einerseits abkürzende Sätze, sei es ohne Verb, oder nur mit Infintivgebrauch. Auch entdeckt man inhaltlich ohne weitere Mühen die Anklage gegen das Vergessen des Mitläufertums, der (eigenen) Verantwortlichkeit, bzw den bis weit in die 60iger Jahre gehenden sehr fragwürdigen Umgang mit dem Dritten Reich : Nichtverarbeitung des Gewesenen, Rückkehr gewisser alter Schergen und SS-Kechte, aufgesetztes Prahlen mit seinen Kriegserfahrungen etc.
    Und für den gemeinen Soldaten gibt es ein Erinnern, das so rein garnichts mit einer nostalgischen Sicht auf Krieg und Mannestauglichkeit zu tun hat, und dennoch quasi zensiert wird, da man ja schon verdächtigt werden könnte, einer gewissen Seite anzugehören. Und doch gibt es kein Vergessen. Ein Böll war fähig, dies sogar noch als menschliche Erfahrung herüberzubringen, manchmal gar mit hellen Momenten, doch bei Janker bleibt es recht düster.
    Und trotz der sagen wir mal objektiven Pluspunkte erreichte mich das nicht (mehr). Hat solch ein Buch seine wichtige Wirkungszeit hinter sich ? Wahrscheinlich werden viele heutige Leser nicht nur sprach- und stilmäßig den Roman schwerer verdaulich oder « sperrig » (so Peter Handke im hervorragenden Nachwort) nennen, sondern auch inhaltlich nicht mehr erreicht werden. Irgendwo ist es schade drum, doch ich konnte es nicht ändern.
    Vielleicht fügt ein(e) andere(r) einen anderen Eindruck hinzu ???
    AUTOR :
    Josef Wilhelm Janker (* 7. August 1922 in Wolfegg; † 17. April 2010 in Ravensburg) war ein deutscher Schriftsteller. Er war der Sohn eines Schuhmachers und Mesners und wuchs in Oberschwaben auf. Nach einer Zimmermannslehre wurde er im Zweiten Weltkrieg zum Kriegsdienst eingezogen. Nach Fronteinsätzen in der Sowjetunion und in Polen kam er in Frankreich als Schwerbeschädigter in Kriegsgefangenschaft. Nach dem Krieg war er nach einem Fernstudium u. a. als Bautechniker tätig.
    1956 veröffentlichte Janker seine ersten Erzählungen, bald darauf auch Kurzromane, Feuilletons, literarische Porträts und Reiseberichte. Bekannt wurde er insbesondere durch die Vermittlung Heinrich Bölls, der Jankers Werk schätzte und einer breiteren Öffentlichkeit vorstellte. Janker las mehrmals in der Gruppe 47.
    Sein Werk ist von seinen eigenen Kriegserlebnissen geprägt und hat häufig den Krieg, seine Folgen für den Einzelnen und die fehlende Verarbeitung der Kriegserlebnisse in der deutschen Nachkriegsgesellschaft zum Thema.
    Janker lebte zuletzt in Ravensburg und Horgenzell-Kappel.
    Taschenbuch: 144 Seiten
    Verlag: Suhrkamp Verlag; Auflage: 1 (21. Mai 2001)
    Sprache: Deutsch
    ISBN-10: 3518397923
    ISBN-13: 978-3518397923
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Cover zum Buch Der Umschuler

Seitenzahl: 144

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Update: 12. Juli 2022 um 10:06