Herzweh

Buch von Carole L. Glickfeld

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Bewertungen

Herzweh wurde insgesamt 5 mal bewertet. Die durchschnittliche Bewertung liegt bei 3,6 Sternen.

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Rezensionen zum Buch

  • Rezension zu Herzweh

    Originaltitel: Swimming Toward the Ocean
    Ich habe "Herzweh" in der letzten Woche durchgeschmökert, habe aber wohl nach den Lobpreisungen zuviel erwartet und kann es deshalb leider nur mit 3 Sternen bewerten (gute solide Unterhaltung, aber das gewisse Etwas fehlte mir):
    Die russischstämmige Chenia Arnow wird in den 50er Jahren unerwartet mit 45 Jahren zum dritten Mal schwanger und sie und ihr Mann Ruben sind sich einig, dass alles gegen dieses Kind spricht. Chenia geht auf dem New Yorker Flachdach Seilspringen, badet in Senfbädern und lässt sich vom Arzt eine Spritze zum Schwangerschaftsabbruch verabreichen. Als alles nichts nutzt, geht Chenia ins Meer - mit der Absicht, sich und das heranwachsende Leben zu töten. Sie überlebt und trifft dabei auf einen charmanten hilfsbereiten Schuhverkäufer Harry, der in den folgenden Jahren einen wichtigen Part in ihrem Leben spielt. Dieser "Peter, der Wolf", wie sie ihn ihrer kleinen Tochter Devorah vorstellt, erweitert ihr Weltbild, schenkt ihr die Aufmerksamkeit und Bildung, die sie sich sehnsüchtig wünscht. Währenddessen läuft ihre Ehe weiter, wie sie vorher war: alltäglich, distanziert und enttäuschend.
    Ruben selbst ist in eine Affäre mit Trudy Fleisch verstrickt, die in ihm sexuelle Wünsche erfüllt, von denen er nicht mal wusste, dass er sie hatte. Sein Ehrgeiz wird angestachelt als er die reiche Witwe Bertha kennenlernt, die offenkundiges Interesse an ihm zeigt...
    Über 40 Jahre spannt sich die Geschichte der Arnows - erzählt aus Devorahs Perspektive. Das ist anfangs sehr überraschend, ist sie zu dem Zeitpunkt lediglich ein Embryo.
    Ich habe mich sehr schnell durch die 448 Seiten geschmökert, ohne jedoch jemals so richtig warm mit den Charakteren zu werden. Insgesamt kamen mir die Männer in dem Roman zu schlecht weg - ich will nicht glauben, dass jeder Mann fremd geht und nebenbei heuchlerische Besitzansprüche an seine Frau stellt.
    Etwas mehr Gefühl hätte dem Roman meiner Meinung nach gut getan, damit man mit Chenia (oder auch ihren Kindern) wirklich mitleiden und sich über ihre Erfolge freuen könnte.
    Gerade in der ersten Hälfte überwiegen ein Humor und leise Ironie, die ich später vermisst habe (ähnlich wie die Erzählerin Devorah in der Rückschau auf ihre Mutter Chenia).
    Insgesamt habe ich mich aber gut unterhalten gefühlt und konnte deshalb den Roman selten für lange Zeit aus der Hand legen.
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  • Rezension zu Herzweh

    Das Buch konnte ich relativ schnell von seinem Wunschlistendasein erlösen, weil meine Bücherei es vorrätig hatte.
    Erst mal ein Dank an Casoubon. Ohne die Rezension hätte ich vermutlich nicht nach dem Buch gesucht, so dass mir ein Lesevergnügen entgangen wäre, bei dem einem warm ums Herz wird.
    Das Vergnügen fängt bei den Personen an, die sich allesamt individuell und echt darstellen - auch in ihren Betrügereien und der frivolen Doppelmoral: Wehe, wenn mein Ehepartner neben mir ein Verhältnis mit einer / einem anderen unterhält! Der braucht mir nicht mehr zu kommen, dann sind wir geschiedene Leute. Wenn ich das gleiche mache: Naja, kann ja jedem mal passieren, außerdem ist sowieso mein Partner schuld, der mir gegenüber nicht die Liebe zeigt, die ich verdient hätte.
    So in etwa lautet der Grundtenor der Ehe zwischen Chenia und Ruben.
    Die Erzählperspektive muss besonders erwähnt werden: Chenias Geschichte wird von ihrer jüngsten Tochter Devorah erzählt, die bereits als ungeborenes Kind aktiv und relektierend die Handlungen und Erlebnisse der Mutter betrachtet. Als Kind, das durch einen hohen IQ auffällt und mit drei Jahren lesen und schreiben kann und über Lexikonwissen verfügt, tritt sie sowohl als Person der Geschichte als auch als deren allwissende Erzählerin auf, schildert Ereignisse, an denen sie teilhat ebenso wie Gedanken und Gefühle anderer Personen. Und Ereignisse, die außerhalb ihrer Erfahrung und ihres Erlebens liegen.
    Es ist nach Tim Pears, Die Farben eines Sommers erst mein zweites Buch, in dem ein Autor gekonnt die auktoriale Erzählperspektive mit der Ich-Erzähler-Rolle durchgehend und glaubwürdig verknüpft (nach den alten Gesetzen der Literaturwissenschaft ein Regelverstoß schlimmster Güte, der nicht gutgehen kann).
    Die jiddischen Worte und Satzfetzen, die Chenia gebraucht, stören nicht. Zum einen werden sie im nächsten Satz übersetzt (viele versteht man auch, wenn man sie halblaut vor sich hin sagt), zum anderen gibt es einen langen Anhang mit den gebräuchlichsten Vokabeln.
    Einzig der siebte und letzte Teil gefiel mir nicht mehr. Er wirkt wie angeklebt, zumal Devorah aus dem Halbdunkel ihrer Erzählerrolle schlüpft und zur Hauptperson in Chenias letztem Kapitel wird. Einiges von den Geschichten, das sich bis dahin zwischen den Zeilen versteckt, wird ans Licht geholt, wodurch ein Stück des Zaubers verloren geht.
    Dennoch: Ein Buch, das sich zu lesen lohnt.
    Marie
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Besitzer des Buches 11

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