Bounty-Land

Buch von George Saunders

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Bewertungen

Bounty-Land wurde insgesamt 4 mal bewertet. Die durchschnittliche Bewertung liegt bei 4,6 Sternen.

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Rezensionen zum Buch

  • Rezension zu Bounty-Land

    Der Autor (nach Klappentext und Wikipedia): Der am 2. Dezember 1958 in Amarillo, Texas, geborene George Saunders ist ein US-amerikanischer Schriftsteller und Hochschullehrer. Er wuchs in Oak Forest auf, einem Vorort von Chicago, hat Ingenieurwesen an der Colorado School of Mines studiert und 1981 mit einem Bachelor of Science in Geophysik abgeschlossen. Danach suchte er Als Geophysiker in Sumatra nach Öl. Nach seiner Rückkehr in die USA verdiente er sein Auskommen unter anderem als Türsteher, Dachdecker und Schlachthausgehilfe. Zwischen 1985 und 1988 studierte er kreatives Schreiben an der Syracuse University. Anschließend arbeitete er als Technischer Redakteur für eine Firma im Bereich Umweltingenieurwissenschaften. Für seine Kurzgeschichten erhielt den National Magazine Award und lebt mit seiner Familie in den Catskill Mountains, New York.
    Kurzbeschreibung (Klappentext): Die normale Gesellschaft ist zusammengebrochen, Gewalt und Ausbeutung beherrschen das Land. So etwas wie eine geordnete Welt gibt es nur noch in künstlichen Vergnügungsparks, wo Lebensechtheitskontrolleure die heile Welt bewachen und die "Normalen" aggressiv ihr Erbgut verteidigen. Amerika als Albtraumland. Die Zukunft als Trümmerfeld menschlicher Werte. Saunders versteht es, den Leser so weit zu bringen, dass er stets mit dem Schlimmsten rechnet.
    Die Geschichten - sechs Storys und eine Novelle - erschienen im Original in Buchform im Jahr 1996 unter dem Titel "CivilWarLand in Bad Decline" . Die deutsche Übersetzung aus dem Amerikanischen von Dirk van Gunsteren erschien zuerst 1997 unter dem Titel "BürgerKriegsLand fast am Ende" als Hardcover bei der Deutschen Verlags-Anstalt, Stuttgart. Ebendiese Übersetzung wurde im Jahr 2002 als Taschenbuch im Berliner Taschenbuch Verlag (BvT) unter dem geänderten Titel "Bounty-Land" veröffentlicht.
    Enthalten sind die Geschichten
    "BürgerKriegsLand fast am Ende" (erschien zuerst 1992 als "CivilWarLand in Bad Decline" in der Zeitschrift Kenyon Review),
    "Isabelle" (erschien zuerst 1994 in der Zeitschrift Indiana Review),
    "Der Wellenmacher versagt" (erschien zuerst 1993 als "The Wavemaker Falters" in der Zeitschrift Witness),
    "Der 180-Kilo-Präsident" (erschien zuerst 1993 als "The 400-Pound CEO" in der Zeitschrift Harper's),
    "Offloaden für Mrs Schwartz" (erschien zuerst 1992 als "Offloading for Mrs. Schwartz" in der Zeitschrift The New Yorker),
    "Die geknechtete Mary und ihre gescheiterte Terrorkampagne" (erschien zuerst 1992 als "Downtrodden Mary's Failed Campaign of Terror" in der Zeitschrift Quarterly West) und
    "Bounty-Land" (erschien zuerst 1995 als "Bounty" in der Zeitschrift Harper's).
    Die Geschichten "The 400-Pound CEO" und "Bounty" erhielten 1994 bzw. 1996 jeweils den National Magazine Award for Fiction.
    Ich mochte Saudners ersten Roman "Lincoln im Bardo", aber die Geschichten sind eine ganz andere Nummer, auch wenn es hier wie dort zu Erfahrungen nach dem Tod kommt. Es sind Geschichten von glücklosen Menschen in einem verfremdeten Amerika, gegenwärtige soziale Probleme auf die Spitze getrieben, wie aus einer ungemütlichen Nahzukunft: Ein Bürgerkriegs-Freizeitpark wird von marodierenden Jugendbanden terrorisiert und einer der Bürgerkriegs-Darsteller vergreift sich in der Wahl der Mittel. Die Sorge um ein behindertes Mädchen wird geklärt. Ein Versager wird von der Wellenmaschine zur Entsorgung dreckiger Handtücher strafversetzt. Der kurzzeitige Höheflug eines wegen seiner Leibesfülle gehänselten Angestellten. Ein Versager saugt gegen Geld die Erinnerungen von Menschen zur Verwendung im Schulunterricht ab. Eine 92-jährige Angestellte plant glücklos ihren Widerstand. In einem Zweiklassen-Amerika, in dem Menschen mit Defekten entrechtet sind, stets in der Gefahr, versklavt zu werden, flieht ein junger Defekter aus seinem Camp, um seine Schwester zu retten. Immer auf der Flucht vor Kopfgeldjägern (engl. bounty hunter).
    Inhaltlich und sprachlich ziemlich drastisch geschrieben, dabei doch hoch literarisch bis zur Hutschnur. Ich verstehe sofort, warum Thomas Pynchon und David Foster Wallace den Autor Saunders schätzen bzw. geschätzt haben. Im Hintergrund geistert für mein Empfinden auch noch ein gerüttelt Maß von Chuck-Palahniuk-Drastik herum. Keine einfache Lektüre für gesittete Feuilleton-Leser, die auf Elke-Heidenreich-Empfehlungen warten: Da will man sich an der Erzählkunst erfreuen und fühlt sich fast besudelt von all dem Elend. Ich finde es klasse, obwohl ich nicht weiß, ob Saunders die Gesellschaft aus den gleichen Gründen ablehnt wie ich. Ist er vielleicht nur ein Bildungsbürger, der über die Dummheit seiner Umwelt entsetzt ist? Kann er keine Geschichten aus der Wirklichkeit schreiben und muss deswegen immer alles übertreiben? Immer der gleiche Ansatz in neuer Verkleidung? Alles einen Fußbreit über dem Boden der Wirklichkeit? Meinetwegen, denn seine Geschichten sind sehr besonders. Den Saunders-Tonfall wird man nach kurzem Einlesen sehr wahrscheinlich schnell heraushören können: Er hat sich sein eigenes verdorbenes Amerika-Zerrbild geschaffen, eine literarische Welt, in der seine Geschichte spielen, alle in ähnlichem Tonfall, aber doch inhaltlich unterschiedlich. Mit einer gehörigen Portion Weltekel. Wenn das, worüber er seine Geschichten schreibt, die wunden Punkte sind, die er der momentanen Gesellschaft ankreidet, dann liegt er meiner Meinung nach genau richtig: Keine Mitmenschlichkeit, stattdessen Genusssucht, Geldgeilheit und Wirklichkeitsflucht, keine Toleranz für Andersartigkeit und abweichende Lebensformen, Ausbeutung der Schwachen und erniedrigende, prekäre Arbeitswelten. Die Schwachen und Armen dienen sich an die Starken und Reichen an, um sich von den ganz Schwachen abzuheben, anstatt gemeinsam eine wirkliche Veränderung ihrer desolaten Zustände gegen die Reichen anzustreben. Was soll ich sagen: Die Geschichten sind originell, treffende Satire, fies und gemein, dabei im Grunde sehr menschlich. Ich fühle mich sehr gut unterhalten. Nicht direkt herzwärmend, aber auch nicht nur garstige Fassade: Die Geschichten gehen trotzdem ins Herz und sei es als Selbstschutz des Lesers gegenüber all dem Schrecklichen, zu dem Menschen fähig sind.
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Ausgaben von Bounty-Land

Taschenbuch

Seitenzahl: 224

Gebundene Ausgabe

Seitenzahl: 221

Bounty-Land in anderen Sprachen

  • Deutsch: Bounty-Land (Details)
  • Englisch: Civilwarland in Bad Decline (Details)

Besitzer des Buches 5

Update: