Der Traum des Kelten

Buch von Mario Vargas Llosa

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Zusammenfassung

Inhaltsangabe zu Der Traum des Kelten

August 1916, die Todeszelle eines Londoner Gefängnisses. Roger Casement erinnert sich an seine Jahre im belgischen Kongo, wo er für die britische Regierung einen Bericht über die kolonialen Grausamkeiten verfasst. Er denkt zurück an seine Kindheit in Irland und seine zwiespältige Herkunft aus einer katholisch-protestantischen Familie. An das Jahr 1910, als er die Gräuel einer mit britischem Kapital im Amazonasgebiet tätigen Firma aufdeckt. Und an seine eigentliche Mission, die Berlinreise, wo er Unterstützung für die irische Unabhängigkeitsbewegung sucht. Doch in den Wirren des Ersten Weltkrieges gerät er zwischen alle Fronten. Und wird von denen verraten, die er zu lieben glaubt … Mario Vargas Llosa zeichnet eindrucksvoll das Leben, die inneren und äußeren Kämpfe des abenteuerlichen Idealisten Roger Casement aus Irland nach, den Traum eines Kelten von einer freien, befriedeten Welt.
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Bewertungen

Der Traum des Kelten wurde insgesamt 3 mal bewertet. Die durchschnittliche Bewertung liegt bei 4 Sternen.

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Rezensionen zum Buch

  • Rezension zu Der Traum des Kelten

    Der neue Roman des Literaturnobelpreisträgers Maria Vargas Llosa ist ein biografischer Roman über den irischen Widerstandskämpfer, Nationalisten, britischen Diplomaten, Menschenrechtler und Homosexuellen Roger Casement. Er hat sich immer wieder aufgelehnt gegen die Annektierung Irlands und gegen die koloniale Ausbeutung im Kongo und am Amazonas und wurde schließlich wegen Hochverrats hingerichtet.
    Mit der Erzählung von Roger Casements Lebens- und Wirkungsgeschichte bleibt Vargas Llosa seinem Hauptthema treu. Klar und vielschichtig stellt er den Kolonialismus dar und interpretiert die britische Herrschaft in Irland als eine Form dieses Kolonialismus und setzt ihn mit der Lebensgeschichte von Casement mit der kolonialen Ausbeutung in Afrika und Lateinamerika in Beziehung.
    Das Buch beginnt und endet am Lebensende, als Roger Casement, auf die Vollstreckung eines Urteils wartend, in einer Gefängniszelle sitzt. Dazwischen entfaltet der Autor eine lebendige und eindrucksvolle Lebensgeschichte, einem Leben voller Einsatz für die Entrechteten. Ein Leben eines gefeierten Helden, aber auch als Verbrecher und Homosexueller verachteten Menschen, der träumte von einer freien und befriedeten Welt.
    Auch deshalb, weil dieser Traum immer noch nicht in Erfüllung gegangen ist, liest sich dieser in kräftiger und poetischer Sprache erzählte Roman wie ein Gegenwartsstück.
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  • Rezension zu Der Traum des Kelten

    Klappentext:
    August 1916, die Todeszelle eines Londoner Gefängnisses. Roger Casement hält Rückschau auf sein abenteuerliches Leben. Er erinnert sich an die Jahre in Afrika, als er im Auftrag der britischen Regierung einen folgenreichen Bericht über die kolonialen Grausamkeiten im belgischen Kongo verfasste. Und er denkt weiter zurück, an die Kindheit im irischen Ulster, seine zwiespältige Herkunft mit einem streng protestantischen Vater und einer tiefgläubigen katholischen Mutter, die viel zu früh verstarb. An das Jahr 1910, als Casement erneut einen humanitären Auftrag erhält und ins peruanische Amazonasgebiet reist, um die grausamen Machenschaften eines Unternehmens zu dokumentieren, das mit britischem Kapital arbeitet. Was er dort sieht und hört, bringt ihn fast um den Verstand. Dabei wird ihm, dem inzwischen kontroversen öffentlichen Idealisten und Aufklärer, immer dringlicher seine eigentliche Mission bewusst. Heimlich begibt er sich nach Berlin und sucht deutsche Unterstützung für die irische Unabhängigkeitsbewegung. Doch in den Wirren des Ersten Weltkrieges gerät er zwischen alle Fronten. Und wird von denen verraten, die er zu lieben glaubt.
    Als Aufklärer und Held verehrt, als Verbrecher und Perverser verfemt, träumte der große, visionäre Kelte Roger Casement von einer freien, befriedeten Welt. Mit seiner ganzen epischen Kraft zeichnet Mario Vargas Llosa so schonungslos wie eindrucksvoll die inneren und äußeren Kämpfe, das turbulente Wirken dieser bis heute umstrittenen historischen Figur nach. (von der Verlagsseite kopiert)
    Zum Autor:
    Mario Vargas Llosa, geboren 1936 in Arequipa/Peru, studierte Geistes- und Rechtswissenschaften in Lima und Madrid. Bereits während seines Studiums schrieb er für verschiedene Zeitschriften und Zeitungen und veröffentlichte erste Erzählungen, ehe 1963 sein erster Roman Die Stadt und die Hunde erschien. Der peruanische Romanautor und Essayist ist stets als politischer Autor aufgetreten und ist damit auch weit über die Grenzen Perus hinaus sehr erfolgreich. Zu seinen wichtigsten Werken zählen Das grüne Haus, Das Fest des Ziegenbocks, Tante Julia und der Kunstschreiber und Das böse Mädchen.
    Vargas Llosa ist Ehrendoktor verschiedener amerikanischer und europäischer Universitäten und hielt Gastprofessuren unter anderem in Harvard, Princeton und Oxford. 1990 bewarb er sich als Kandidat der oppositionellen Frente Democrático (FREDEMO) bei den peruanischen Präsidentschaftswahlen und unterlag in der Stichwahl. Daraufhin zog er sich aus der aktiven Politik zurück.
    Neben zahlreichen anderen Auszeichnungen erhielt er 1996 den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels und 2010 den Nobelpreis für Literatur. Heute lebt Mario Vargas Llosa in Madrid und Lima. (von Amazon kopiert)
    Allgemeine Informationen:
    Originaltitel: El sueño del celta
    Übersetzt von Angelica Ammar
    Erstmals erschienen 2010 bei Alfaguara, Madrid
    443 Seiten, 15 durchnummerierte Kapitel, in die Abschnitte „Kongo“, Amazonas“, „Irland“ und Epilog aufgeteilt, ausführliche Danksagung
    Die Erzählperspektive ist nicht eindeutig zu benennen: Einerseits wird die Handlung aus der personalen Sicht von Roger Casement erzählt, andererseits wirkt sie so, wie von einem unbeteiligten Chronist berichtet.
    Inhalt:
    Roger Casement (1864-1916) bangt in seiner Zelle, ob sein Gnadengesuch vom Parlament bewilligt oder abgelehnt wird. Als Verräter wurde über ihn die Todesstrafe verhängt.
    Schlaflos und gequält von Gedanken, wann und wo er Fehler gemacht hat, sinnt er über sein abenteuerliches, entbehrungs- und erfolgreiches Leben nach: Die Aufdeckung der humanitären Gräuel in den Kolonialstaaten Kongo und Peru und die Arbeit für den Widerstand des besetzten Irland.
    Eigene Meinung / Beurteilung:
    Ein gigantisches Opus, grandios recherchiert, historisch konkret und detailliert geschrieben. Roger Casement ist hierzulande – wenn überhaupt – als irischer Nationalheld bekannt, verehrt wegen seiner Rolle in der Widerstandsbewegung gegen die Briten, verfemt als Homosexueller in einer katholischen Gesellschaft. Doch seine größten Verdienste liegen zeitlich weit vor seinem Einsatz für ein freies Irland, als er im diplomatischen Dienst für Großbritannien unterwegs war und als erster die unmenschlichen Bedingungen publik machte, unter denen die Kautschuksammler im Kongo für den belgischen König und in Peru für einen britischen Industriellen arbeiteten und lebten. Nicht nur, dass ihnen der Lohn vorenthalten wurde, dass sie unentgeltliche Dienstbotenarbeiten in den Haushalten der Besatzer leisten und ihnen sexuell zu Diensten sein mussten, sie wurden bestraft, geschlagen, gefoltert, misshandelt und verstümmelt. Für ihre Wärter aus der europäischen „Zivilisation“ standen die Eingeborenen auf der Stufe von Tieren, die man abschlachten, jagen und nach Belieben töten konnte, ohne dass man juristische Konsequenzen zu befürchten hatte.
    In wohldurchdachten Schritten brachte Casement das skandalöse Vorgehen der Europäer an die Öffentlichkeit: Er überredete die einheimischen, von Angst gepeinigten Arbeiter zu Zeugenaussagen, er schloss sich mit Gleichgesinnten zusammen, er verfasste genaue Berichte, er wandte sich an die europäische Presse und legte die Berichte den Regierenden vor. Dass er als Nestbeschmutzer oder Verleumder angegriffen wurde, nahm er in Kauf.
    Nach seinem Ausscheiden aus dem diplomatischen Dienst, inzwischen sehr krank und elend, wandte er sich seinem Heimatland Irland zu, in dem sich verschiedene Gruppierungen gründeten und sammelten, um die verhassten Engländer, die Besatzungsmacht, aus dem Land zu vertreiben und autonom zu werden. Casement setzte Anfang des 1. Weltkriegs auf Deutschland, das gegen England kämpfte, und wollte das Land für eine Unterstützung Irlands gewinnen. Doch er verschätzte sich, sowohl in Deutschlands gutem Willen, als auch in der Bereitschaft seiner Landsleute. Und was er auch nicht ahnte: Längst war er ins Visier des britischen Geheimdienstes geraten, der Leute, denen Casement vertraute, auf ihn ansetzte.
    Es ist deutlich, wo Llosa den Schwerpunkt des Buches setzt: Auf die Kapitel, in denen es um die verwerfliche Kolonialpolitik europäischer Staaten geht. Dort fabuliert er, erzählt gekonnt und lebhaft, wie man es von ihm gewohnt ist, bezieht Landschaft, Dörfer, Vegetation und Klima mit ein. Dass die genau beschriebenen Gräueltaten emotional aufwühlen, Zorn und Wut wecken, liegt auf der Hand und ist vom Autor fraglos beabsichtigt. Beabsichtigt ist gewiss auch die Bewunderung des Lesers für den Protagonisten, dessen Mut und Konsequenz. Dennoch bleibt Casement bis zum Schluss ein Fremder, eine Figur, die nie ganz vertraut wird und dem Leser nie zu nahe kommt.
    Auffallend, wie sich der Irland-Teil gegenüber den ersten beiden Kapiteln absetzt. Vorbei ist das lebhafte Engagement des Autors. Jetzt berichtet er, jetzt möchte er nur noch der historischen Figur des Roger Casement gerecht werden und dessen Geschichte bis zum Ende erzählen. Warum dieser sich auf einmal zu Irland, dessen Geschick ihn lange nicht interessierte, hingezogen fühlt, warum er den Rest seiner finanziellen Mittel und seiner Kraft dem Widerstand opfert, kann man allenfalls ahnen. An dieser Stelle schafft Llosa es nicht, den Leser von den Beweggründen zu überzeugen.
    Die hintergründige Ebene, die Llosa in seinen anderen Büchern durchschimmern lässt, fehlt hier. Das Buch bleibt in die Historie verhaftet und beraubt sich der Chance zur Aktualität oder zu einem gegenwärtigen Bezug.
    Eine Empfehlung für Leser, die sich gern intensiv mit historischen Fakten auseinandersetzen und bereit sind, etliche Lesestunden mit diesem Buch zu verbringen.
    Fazit:
    Ein anstrengendes, lehrreiches, aber nicht durchgehend befriedigendes Buch.
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Ausgaben von Der Traum des Kelten

Gebundene Ausgabe

Seitenzahl: 447

Taschenbuch

Seitenzahl: 447

E-Book

Seitenzahl: 449

Hörbuch

Laufzeit: 00:10:06h

Der Traum des Kelten in anderen Sprachen

  • Deutsch: Der Traum des Kelten (Details)
  • Englisch: The Dream of the Celt (Details)

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