Die infernalischen Traummaschinen des Doktor Hoffmann

Buch von Angela Carter, Joachim Kalka

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Rezensionen zum Buch

  • Rezension zu Die infernalischen Traummaschinen des Doktor Hoffmann

    Autorin (Quelle: Wikipedia): Die am 7. Mai 1940 in Eastbourne als Tochter einer Verkäuferin und eines Journalisten geborene Angela Olive Stalker war eine englische Schriftstellerin, die unter dem Namen Angela Carter veröffentlichte. Zunächst arbeitete sie als Lokaljournalistin, bis sie an der Universität englische Literatur studierte, ausgedehnte Reisen unternahm, an verschiedenen Orten der Welt unterrichtete, zwei Jahre in Tokio lebte, 1969 den Somerset Maugham Award zugesprochen bekam, fließend Deutsch und Französisch sprach, radikal-feministische Texte, Drehbücher, Opernlibretti und verquer spekulative Fiktionen verfasste, in denen sich magischer Realismus und Postmoderne fröhlich die Hand zum Ringelpietz mit Anfassen reichen. Am 16. Februar 1992 starb sie mit 52 Jahren in London an Lungenkrebs, während sie gerade dabei war, eine Fortsetzung zu Jane Eyre zu entwickeln.
    Klappentext (Quelle: dtv/Klett-Cotta): „Könnten Sie sich vorstellen, dass Trotzki die Eroica komponierte, Milton die Sixtina ausmalte oder Van Gogh „Wuthering Heights“ schrieb? … Dann sind Sie ein mögliches Opfer der infernalischen Traummaschinen des Doktor Hoffman. Und Angela Carters. Denn diese turbulente, leidenschaftliche, surrealistische Geschichte, dieser komische und erotische Abenteuerroman ist eine Unendliche Geschichte für sehr weit Fortgeschrittene.“ (Süddeutsche Zeitung) Die Traummaschinen des Doktor Hoffman machen es möglich, den Menschen ihre Wünsche und Sehnsüchte zu entziehen. Die gestohlenen Trugbilder, Phantasien und Visionen brechen über die Welt herein mit einer Gewalt, der niemand widerstehen kann. Sie vernichten die Realität und den freien Willen der Menschen. Nur der schöne Desiderio durchschaut den Trug. Im Chaos der Wahnvorstellungen macht er sich auf den Weg, um Doktor Hoffman zu suchen und die manipulativen Traummaschinen zu zerstören. Seine Geliebte Albertina begleitet ihn wie ein magischer Engel.
    Der Roman erschien 1972 unter dem englischen Originaltitel „The Infernal Desire Machines of Doctor Hoffman“ bei Rupert Hart-Davis Ltd. in London. Zwei Jahre später wurde der Roman unter dem Titel „The War of Dreams“ in den USA veröffentlicht. Die deutschsprachige Übersetzung besorgte Joachim Kalka. Sie erschien 1984 hartgebunden bei Klett-Cotta in Stuttgart und im Februar 1988 auch bei dtv im Taschenbuch. Eine französische Ausgabe erschien 2015(?!) bei Éditions de l'Ogre in Paris unter dem Titel "Les machines à désir infernales du Docteur Hoffman", übersetzt von Maxime Berrée.
    Eine Maschine saugt Wünsche und Träume der Menschen ab und schickt sie zurück in ihre Wirklichkeit: ein Krieg gegen die Realität! Diese Fabel scheint aber im Mittelteil zu Gunsten einer seltsamen Quest auf der Flucht durch verdrehte Welten fast vergessen zu werden: eine Höllenfahrt? Oder lauter wunschgeborene Manifestationen des aus dem Ruder laufenden Krieges gegen die Realität? Ein seltsames Buch, das gewissermaßen zeigt, dass auch Freidenker langweilige Stubenhocker und Machtmenschen sein können.
    Der Roman enthält übrigens etliche moralisch sehr anstößige Sexszenen einschließlich staatlich sanktionierter Pädophilie und sehr widerwärtigen Momenten innerhalb einer Gesellschaft aus Zentauren: Sämtliche Frauenfiguren erfahren sexuelle Gewalt, büßen dadurch aber nicht ihre eigenen sexuellen Wünsche ein. Der ganze Roman ist quasi eine Erkundung der weiblichen Psyche, die als im Kern unzerbrechlich durch männlich-brutale Einflussnahme gezeigt wird. Aber für diese Erkenntnis muss der Leser einiges aushalten.
    Der zweite große Strang des Romans ist gewissermaßen die in Irrsinn und Chaos führende Allgegenwart des ständigen Auslebens von Sehnsüchten und Träumen, vermittelt durch eine nicht mehr zu kontrollierende Medienmaschine. In den Händen des faustischen Doktor Hoffman versackt die Welt bei seinem Feldzug gegen den menschlichen Verstand in einer alternativen Realität aus Chaos und Schrecken. Die manipulative Macht der Traummaschinen ergo Massenmedien, angetrieben von einer Art Eroto-Energie, lässt die Grenzen zwischen Vorstellung und Wirklichkeit der Welt verschwimmen ... womit nicht nur das Personal des schwierigen, surrealistischen Romans, sondern auch der Leser zurechtkommen muss.
    Am Ende bleibt die Frage, ob man die Wirklichkeit oder die Erfüllung aller Sehnsüchte wählen würde. Was natürlich ein interessantes Dilemma ist, in dem man einen Roman kulminieren lassen kann. Aber dennoch: Ich war einigermaßen abgestoßen von dem Roman!
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Ausgaben von Die infernalischen Traummaschinen des Doktor Hoffmann

Taschenbuch

Seitenzahl: 340

Besitzer des Buches 3

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