Lucios Geständnis

Buch von Mário de Sá-Carneiro

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Rezensionen zum Buch

  • Rezension zu Lucios Geständnis

    Der Schriftsteller Lucio Vaz lebt als Künstler der "Fin de siécle" angemessen. Als er den Dichter Ricardo de Loureiro in Paris, ihrer beider geliebter Stadt, kennenlernt, entwickelt sich eine tiefe Freundschaft. Als sie sich in Lissabon wieder begegnen, lebt Ricardo mit Marta zusammen. Selbige hält sich ob ihrer Vergangenheit bedeckt, bleibt, dem ebenfalls nach Lissabon zurückgekehrten Lucio, ein Mysterium. Zwischen Lucio und Magda entbrennt eine Affäre, ganz im Sinne der vorher in Paris kennengelernten künstlerischen Wollust. Als sich jedoch die Frequenz der Treffen nachlässt, als in Lucio die Gewissheit reift, dass Magda noch andere Liebhaber hat, wird er von Zweifeln und Eifersucht gequält. Gerade auch, weil er weiterhin nichts von ihr erfährt und er somit sich auch nicht auf dem Status des ersten Liebhabers zurückziehen kann. Das, für ihn, offenkundige Nicht-Bemerken der Affären durch Ricardo, wandelt seine Gefühle ihm gegenüber in Verachtung, aufgrund dessen anscheinend fehlenden Stolzes und geht schließlich nach Paris. Als er mehr zufällig dann wieder nach Lissabon zurückkehrt und Ricardo zufällig eines Tages begegnet, macht er seinen Gefühlen Luft. Ricardo, völlig entsetzt, beteuert, dass er das nur aus Liebe zu Lucio getan hat - geht mit ihm zu sich nach Hause und erschießt Magda. Tot liegt vor Lucio jedoch Ricardo selbst.
    Interessant ist diese Dreiecksbeziehung. Falls sie eine ist - und falls sich dahinter nicht einfach eine homosexuelle Beziehung zwischen Lucio und Ricardo verbirgt. Die Option steht nicht nur deswegen offen, weil Marta immer nur schemenhaft bleibt, auch in der ausgestalteten Erinnerung Lucios, die er nach zehn Jahren Knast niederschreibt. Sie steht auch deswegen offen, weil Lucio selbst seine Zweifel an der Weiblichkeit Martas hat, weil er die Küsse der beiden (auf die Stirn) als gleich empfindet und weil Ricardo angedeutet hat, dass er nur in einem Geschlechtswechsel tatsächlich eine Beziehung zu einer Person gleichen Geschlechts führen könnte. Lucio könnte sie geführt haben, aber sie gewissermaßen verdrängt haben und die Ersatzfigur der Marta geschaffen haben - und so würde sich auch der Tod am Ende, als Mord am Ende erklären lassen.
    Oder das Ganze ist doch nur ein Experiment Ricardos, die vollständige Kontrolle über eine Frau, gewissermaßen sogar die Identität mit ihr, die er anderen zuteil werden lässt - um gewissermaßen so diese zu kontrollieren. Derlei fände sich ja auch bei de Sade.
    Mit dieser permanenten Unsicherheit über die tatsächlichen Beziehungen im Roman, wird dieser doch interessant. Die Unsicherheiten daneben, die permanenten suizidalen Andeutungen, lassen ihn auch noch weiter das ganze Bild als wunderbar ungewiss erscheinen.
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Ausgaben von Lucios Geständnis

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