Der tolle Bomberg

Buch von Josef Winckler

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Der tolle Bomberg wurde bisher einmal bewertet.

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Rezensionen zum Buch

  • Rezension zu Der tolle Bomberg

    So manche Landschaft hat ihren ganz eigenen Eulenspiegel, ihren ganz typischen Münchhausen und Bruder Lustig.
    Fast alle diese Gestalten, ob authentisch oder wild erfunden, haben Gemeinsamkeiten.
    Sie sind tollkühn, unangepasst und sehen genau hin, wo immer sie anmassendes Gehabe oder Wichtigtuerei wittern und machen sich sofort gnadenlos darüber lustig.
    Solch einen Derbmichel hat auch das sonst so stille Münsterland, die Wasserschlossidylle zwischen dem Ruhrgebiet und dem benachbarten Holland, die Heimat der Annette von Droste zu Hülshoff, eher bekannt durch seine Abgeschiedenheit und Ruhe. Gisbert von Rombach (1839-1897) war solch ein Exemplar (In der Überlieferung später Bomberg genannt). Von ländlichem Adel, ungestüm, zu derben Spässen immer aufgelegt und die bischöfliche Obrigkeit zu Münster gnadenlos verspottend, trieb er sein Wesen in einer Zeit, in der solche Renitenz meist drakonisch bestraft wurde.
    Ihm konnte das dagegen wenig anhaben, schützte ihn doch sowohl sein Regiment zu Münster, dem tollkühnen Rittmeister ergeben, als auch die münsterländer Bauern, die ihren "tollen Bomberg" für seine Frechheit bewunderten. Hier war er ob seiner Menschlichkeit geachtet, tobte er sich doch nie auf Kosten der einfachen Leute aus.
    Die siebenundvierzig Haftbefehle, welche die bischöfliche Verwaltung zu Münster gegen ihn erwirkte, hatten somit nur Papierwert.
    Die Bauern waren stolz auf "einen der ihren", hatte es doch im Münsterland nie Bauernleibeigenschaft gegeben.
    Jeder Bauer war ein kleiner König auf seinem Gehöft, oft mit Brücke und
    Wassergraben versehen wie Herrenhäuser.
    Noch heute kann man viele von ihnen dort finden.
    Seit den Tagen des "Wehrwolfs", der Bauernselbstverteidigungstruppe im dreissigjährigen Krieg waren die münsterschen Bauern autark, wehrhaft und stolz.
    In dieser Tradition sind Gestalten wie Romberg zu sehen, niemand brauchte dort einen Fürstbischof oder König.
    Einer dieser Könige war Napoleons Bruder Jerome, genannt "König Lustig", König von Westfalen (1807-1813 ), aber bald darauf verschwunden wie alle übrigen.
    Alle diese Erfahrungen spielen in den Geschichten des tollen Bombergs mit, wenn auch einiges hinzugedichtet wurde.
    Sein legendärer Saufkumpan, der Zoologe und Direktor des münsterschen Zoos Hermann Lanois war vor allem kongenial im Ausdenken von Streichen. Auch dieser eine historisch verbürgte Gestalt, ein wahrhaft denkwürdiges Gespann.
    Eine vergnügliche Geschichte um tatsächliche Personen, die in Volkserzählungen überliefert wurde und eigentlich zeitlos ist, wie der berühmte Schelm zu Mölln.
    Josef Winckler (1881-1966) war ein westfälischer Schriftsteller und Arzt und selbst ein Original.
    Aufgewachsen in einem münsterländer "Töddenladen" (Kleinkrämer ), studierte er in Münster Jura, Medizin und Philologie und sammelte schon früh münsterländer Sagen und Überlieferungen. Er verfasste Lyrik und einige Bände zur westfälischen Volksgeschichte und setzte sich für bessere medizinische Versorgung der Landbevölkerung ein. Der "tolle Bomberg " machte ihn auf einen Schlag bekannt, vor allem aber erst nach der Verfilmung mit Hans Albers in der Titelrolle. (1957)
    Fazit:
    Flott geschrieben und verblüffend unverstaubt kommt das Büchlein auch heute noch daher, solche Typen haben im Grunde ja nie ausgedient, kann man auch nicht alles so wörtlich nehmen.
    Dem Ursprung nach aber stimmt die Geschichte und zeigt uns einen wohltuend unangepassten und dreisten Schelm, wie ihn eigentlich jede Zeit gebrauchen kann, ganz sicher aber unsere.
    Ich zögere daher nicht, freche viereinhalb Sterne zu vergeben.
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