Pharmakos

Buch von Andreas Laudan

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Bewertungen

Pharmakos wurde insgesamt 11 mal bewertet. Die durchschnittliche Bewertung liegt bei 4 Sternen.

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Rezensionen zum Buch

  • Rezension zu Pharmakos

    Es ist wirklich ein finsteres Bild, das Andreas Laudan von unserer Zukunft malt. Umso beklemmender, da es durchaus vorstellbar ist, dass sich unsere Leistungsgesellschaft in diese Richtung entwickeln könnte. Man muss sich ja nur anschauen, wie heute den Flüchtlingen und Asylbewerbern alles geneidet wird, was sie gestellt bekommen und wie abfällig oftmals auf "Hartz-IV-Empfänger" oder Obdachlose geredet wird. Bei Laudan gipfelt das alles in dem Credo "Wer nicht arbeitet soll auch nicht essen."
    Laudan hat einen temporeichen Thriller abgeliefert, der den Leser kaum zu Atem kommen lässt. Und dieses Tempo passt genau zum Inhalt, denn Volker Kühn hat genau noch 12 Stunden zu leben, sollte er nicht irgendwie an ein Gegenmittel kommen. In diesen 12 Stunden muss er den weiten Weg aus dem Süden Deutschlands nach Hamburg zurücklegen, sich dabei vor Security und Polizei in Acht nehmen, möglichst wenig auffallen und am besten ständig in Bewegung bleiben... Klingt nach Actionfilm und ist auch genauso geschrieben. Das Szenario mag hier und da ein wenig unrealistisch erscheinen, aber ich finde es dennoch glaubhaft. Im Kampf um Leben und Tod wächst man über sich hinaus, ist zu Dingen fähig, die man sonst nicht schaffen würde und verliert mit Sicherheit auch den ein oder anderen Skrupel. Vor allem, wenn einem die Menschen um einen rum mehr als feindseelig begegnen. Aber zum Glück gibt es noch ein paar wenige, die dem allgemeinen Leistungswahn noch nicht verfallen sind und einige davon kreuzen Volkers Weg. Ich rechne es dem Autor hoch an, dass er uns am Ende nicht voller Verzweiflung in diesem Zukunftsszenario zurücklässt, sondern ein wenig Hoffnung verbreitet, dass es vielleicht nicht ganz so schlimm kommt, wenn wir ein wenig mehr auf unsere Mitmenschen und die Geschehnisse um uns herum achten.
    Mich hat dieses Buch ebenso gut unterhalten, wie geschockt. Es gibt von mir , weil sich die ein oder andere Gefahren-Situation dann doch ein wenig zu leicht auflöst. Das tut der spannenden Unterhaltung aber keinen Abbruch. Das von einigen bemängelte Ende finde ich durchaus glaubwürdig.
    Auf jeden Fall kann ich empfehle ich diesen actionreichen Thriller gern weiter.
    Fazit:
    Actionreicher Thriller, der in eine sehr düsteren Version einer auf Leistungsfähigkeit ausgerichteten Gesellschaft heraufbeschwört..
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  • Rezension zu Pharmakos

    Ich habe dieses klasse Thriller gestern Abend beendet ... das Buch war wie ein spannender Film, totales Kopfkino. Mit beängstigendem Szenario, welches nicht undenkbar ist und hoffentlich nie eintritt. Sozialhilfeempfänger, die von einer Organisation "eingeschläfert" werden, wenn sie als Schwerkranke dem Staat zur Last fallen *brrrr*
    Volker hat ein tödliches Gift in seinem Körper, eine Organisation "kümmert sich" um solche Schmarotzer wie ihn. Er hat Krebs, ist aber arbeitslos und somit unterversichert ... seine Krankenkasse würde lediglich 10% der Kosten übernehmen. Seine Ersparnisse sind aufgebraucht, also soll er "entsorgt" werden und bekommt ein Medikament verabreicht, das ihn in wenigen Stunden töten wird. Er will diese üblen Praktiken öffentlich machen und flieht aus dem Krankenhaus, er hat noch max. 12 Stunden! Aber kein Geld, keine Freunde und die Organisation sitzt schon dicht auf seinen Fersen ... nur ein alter Professer in Hamburg kann ihm evtl. helfen, ihn vielleicht sogar retten? Denn vor 10 Jahren gab es ein Gegengift ... boah, rasant geschrieben und absolut erschreckend diese Zukunftsversion (spielt 2019).
    Der tollen Rezie von kfir oben ist nichts mehr hinzuzufügen
    Von mir - weil
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  • Rezension zu Pharmakos

    Der Klappentext:
    Deutschland 2019: Der Sozialstaat steht kurz vor dem Zusammenbruch. Eine inoffizielle Organisation hat begonnen, angebliche Sozialschmarotzer zu töten. Der ehemalige Kundenberater Volker Kühn wird im Krankenhaus zum Opfer dieser "Behandlung". Als er erfährt, dass er nur noch wenige Stunden zu leben hat, flüchtet er und versucht – verfolgt von den Agenten des mörderischen Systems –, die ungeheuerliche Wahrheit publik zu machen. Ein spannender Thriller, der hoffentlich niemals Wirklichkeit werden wird.
    (dtv)
    Der Autor:
    Andreas Laudan, geboren 1967 in Lüneburg, ist promovierter Musikwissenschaftler und lebt heute als freier Schriftsteller in der Nähe von Hamburg. Seinen Lebensunterhalt verdiente er fünfzehn Jahre lang mit Gelegenheitsjobs am Rande der Armutsgrenze, bis er eine Festanstellung als Kartenverkäufer erhielt. Mit „Pharmakos" legt Laudan erstmals einen utopischen Thriller vor, weitere Thriller sind in Vorbereitung.
    (dtv)
    Meine Meinung:
    Pharmakos ist ein im alt-griechischen Kulturraum bekanntes Menschenopfer, in dem meist aus niederem Stand stammende Menschen geopfert wurden, um ein Unglück oder Unheil von der Allgemeinheit abzuwenden.
    Deutschland im Jahr 2019: Zehn Millionen Arbeitslose lassen die sozialen Sicherungssysteme zusammenbrechen. Die Reichen verschanzen sich zunehmend in privat gesicherten Anlagen, die Arbeitslosen, Kranken und Alten werden in eigens angelegten Bezirken zusammengepfercht. Die Arbeitenden gehen in ihrer Wut wegen rasant steigender Sozialabgaben mit viel aufgestauter Aggression und verbrämt mit religiösen Phrasen gegen die ausgegrenzten "Asozialen und Schmarotzer" vor.
    Für Volker Kühn beginnt mit einer Krebserkrankung sein sozialer Abstieg: Verlust des Arbeitsplatzes, Zwangsumsiedlung in eine Arbeitslosenwohnheim, gesundheitliche Behandlung zweiter Klasse. Im Krankenhaus erzählt ihm ein anderer Patient das Unglaubliche: angeblich werden Kranke, denen man keine Chance auf Wiedereinstieg in den Arbeitsmarkt zutraut, mit einem Medikament unauffällig getötet. Als Volker Kühn die beschriebenen Symptome am eigenen Leib bemerkt, tritt er die Flucht nach vorne an. Er muss an das Gegenmittel gelangen, doch ihm bleiben nur knappe zwölf Stunden Zeit ...
    Andreas Laudan zeichnet ein überaus düsteres und sozialkritsiches Bild unserer Gesellschaft in zehn Jahren. Nicht nur, dass unser Staat die sozialen Probleme nicht in den Griff bekommen hat. Sondern auch, dass 75 Jahre nach dem Dritten Reich Euthanasie wieder denkbar ist und dass Menschen ihn scheinbar im großen Stil anwenden, um ihre Vorstellungen einer gesunden Gesellschaft umzusetzen.
    Neben den gesellschaftspolitischen Auswirkungen beschreibt Andreas Laudan die von Todesangst und scheinbarer Aussichtslosigkeit gezeichnete Flucht eines Mannes, der das Unglaubliche zunächst nicht fassen mag und dann mit letzter Energie das Gegenmittel auftreiben möchte. Diese rasante Jagd führt Volker Kühn binnen weniger Stunden von Freiburg nach Hamburg. Für einen Mann, der ansonsten eher als Langweiler charakterisiert wird, erlebt er dabei allerdings zu viele mit Action aufgeladene Ereignisse. Dass ein Mann, der sich an den letzten Strohhalm klammert, bis ans Äußerste geht, scheint noch nachvollziehbar. Doch zu viele zufällig herumliegende Waffen und Verfolgungsjagden sind dann irgendwann einfach des Guten zu viel. Statt dessen hätte ich mir etwas mehr Visionen und Aussichten auf unseren Staat und unsere Gesellschaft in zehn Jahren gewünscht – mehr George Orwell und weniger Ian Fleming.
    Im gleichen Masse mitreißend wie die Geschichte ist Andreas Laudans Schreibstil. Mit einfachen und treffenden Worten zeichnet er präzise, klare und doch schonungslose Bilder. Mit denselben Worten transportiert er aber auch das hohe Tempo der Flucht/Jagd quer durch Deutschland. Der Leser ist sofort mitten in einer Geschichte, die einen bis zum Schluss zu sehr fesseln vermag. Der durchgängige Spannungsbogen wird immer wieder mit kurzen Einschüben aus Volker Kühns Vergangenheit unterbrochen, die das Puzzle der gesellschaftlichen Umstände erst erkennbar machen. Leider kratzen die sozialkritischen Erkenntnisse um Gesundheitswesen, soziale Sicherung und Leistungsgesellschaft nur an der Oberfläche.
    Ein sehr spannender Action-Thriller mit nachdenklich stimmenden gesellschaftspolitischen Hintergründen, ein furioses Debüt.
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