Im Wald der Fiktionen: Sechs Streifzüge durch die Literatur

Buch von Umberto Eco, Burkhart Kroeber

Zusammenfassung

Über Umberto Eco

Der Schriftsteller Umberto Eco wurde 1932 in Allessandria in der italienischen Region Piemont geboren und starb 2016 in Mailand. Das erste seiner Bücher mit dem deutschen Titel "Der Name der Rose" erschien 1980 und machte den Philosophen, Medienwissenschaftler und Kolumnisten Eco auf einen Schlag weltberühmt. Mehr zu Umberto Eco

Bewertungen

Im Wald der Fiktionen: Sechs Streifzüge durch die Literatur wurde insgesamt 3 mal bewertet. Die durchschnittliche Bewertung liegt bei 3,8 Sternen.

(0)
(3)
(0)
(0)
(0)

Rezensionen zum Buch

  • Rezension zu Im Wald der Fiktionen: Sechs Streifzüge durch die Literatur

    Der Autor (Quelle: dtv): Umberto Eco wurde am 5. Januar 1932 in Alessandria (Piemont) geboren, war Ordinarius für Semiotik an der Universität Bologna und verfasste zahlreiche Schriften zur Theorie und Praxis der Zeichen, der Literatur, der Kunst und nicht zuletzt der Ästhetik des Mittelalters. Er starb am 19. Februar 2016 in Mailand.
    Klappentext (Quelle: dtv): „Der Wald ist eine Metapher für den erzählenden Text, nicht nur für Märchen, sondern für jede Art von Erzählung. Es gibt Wälder wie Dublin, wo man statt Rotkäppchen Molly Bloom begegnen kann, oder wie Casablanca, wo man Ilsa Lund oder Rick Blaine begegnet.“ Umberto Eco lädt uns ein, mit ihm auf Entdeckungsfahrt zu gehen. Und wenn wir uns Zeit nehmen, können wir im Wald der Weltliteratur verweilen, beschleunigen, verlangsamen, ziellos umherstreifen oder gezielt suchen. Dabei treffen wir eine große Artenvielfalt an: Volksmärchen, Flaubert, Poe, Nerval, Manzoni, Joyce, Kafka, Calvino, Dumas, Sue, Ian Fleming, Mickey Spillane und Rex Stout, Dante, Proust und Wittgenstein, Sterne und Perec. Mit Eleganz und Heiterkeit, mit Ironie und Gelehrsamkeit führt Eco uns durch den „Wald der Fiktionen“ und vermittelt uns das Lesen als Abenteuer. Die Streifzüge durch die Literatur stecken nicht nur voller Spannung und Überraschungen, sondern sie sind auch Protokolle von Erfahrungen, die über das Verhältnis von Wirklichkeit und Fiktion, über das Wechselspiel von Imagination und Realitätsbewusstsein und über die komplexen Beziehungen zwischen Literatur und Geschichte aufklären sollen.
    Italienische, englische, deutsche und französische Ausgaben:
    Die Aufsatzsammlung erschien zuerst in englischer Ausgabe 1994 unter dem Titel „Six Walks in the Fictional Woods: The Charles Eliot Norton Lectures, 1993“ bei der Harvard University Press in Cambridge, Mass. (153 Seiten).Die italienische Originalausgabe erschien 1994 unter dem Titel „Sei passegiate nei boschi narrativi: Harvard University, Norton Lectures 1992-93“ als Taschenbuch in der Reihe „Saggistica“ bei Bompiani in Mailand, zuletzt 2018 neu aufgelegt als Nr. 25 der Reihe "I delfini best seller" im Verlag La nave di Teseo in Mailand (190 Seiten).Die deutsche Übersetzung aus dem Italienischen von Burkhart Kroeber erschien 1994 unter dem Titel „Im Wald der Fiktionen: Sechs Streifzüge durch die Literatur“ im Carl Hanser Verlag in München und Wien, neu aufgelegt im November 1996 als dtv-Taschenbuch Nr. 12287 (199 Seiten).Die französische Übersetzung von Myriem Bouzaher erschien im Juni 1996 unter dem Titel „Six promenades dans les bois du roman et d'ailleurs“ bei Grasset in Paris, neu aufgelegt u.a. im Februar 1998 bei Le Livre de Poche/Hachette in Paris (155 Seiten).
    Inhalt:
    Eintritt in den Wald (Entering the Woods, 32 Seiten)
    Der Wald von Loisy (The Woods of Loisy, 28 Seiten)
    Verweilen im Wald (Lingering in the Woods, 34 Seiten)
    Mögliche Wälder (Possible Woods, 28 Seiten)
    Der seltsame Fall der Rue Servandoni (The Strange Case of the Rue Servandoni, 26 Seiten)
    Fiktive Protokolle (Fictional Protocols, 30 Seiten)
    Anmerkungen (10 Seiten)
    Register (4 Seiten)
    Meine Einschätzung:
    Es sind ganz vergnügliche Vorlesungen über die „literarischen Verträge“ zwischen Autor und Leser. Es geht um unterschiedliche Möglichkeiten der Authentifizierung von Fiktionen, um das entscheidende Phänomen, dass Erzähler und Autor selten deckungsgleich sind, und um die die Bedeutung des Textes aktiv erschaffende Leserschaft. Erzähler, die den Fortgang der Handlung bewusst verzögern und noch eine Abschweifung, eine erklärende Vorgeschichte, eine ausgiebige Gefühlsbeschreibung anfügen (wie in den Werken Prousts oder bei dem nach Zeilenhonorar bezahlten Alexandre Dumas ), um den Leser in bestimmte Stimmungen zu versetzen: Einladungen zum Überblättern (wenn man gewohnt ist, dass der Autor schnell zur Verfolgungsjagd umschaltet), die einem doch immer noch die Ahnung belassen, da gäbe es "noch mehr" hinter dem konkreten Faden der Geschichte zu entdecken. Ein großes Spiel mit Handlungszeit, Lesezeit und Echtzeit. Ein Buch über die Art, wie die Fiktion den Leser manipuliert, und die Arten, wie Leser Bücher benutzen; auch darüber, wie Fiktives (wie etwa die Protokolle von Zion) für bare Münze genommen wird, über Tiefsinn in Ausgedachtem und über Fehler in fiktiv nacherzählter geschichtlicher Wirklichkeit.
    Ganz vergnüglich sage ich, aber greifbare Erkenntnisse gibt es nicht allzu viele. Eher ein Buch für literarisch und semiotisch interessierte Laien, für Literaturwissenschaftler wohl weniger interessant. Der titelgebende Wald dient als Metapher für einen Ort, in dem man sich verlaufen kann, wo man schlendert, sich unkonzentriert den Wegen hingibt, den man aber auch schnell durcheilen kann. Wer Motivgeschichtliches über den Wald in der Literatur erwartet, ist hier verkehrt. Mehrmals führt Eco mit großer Deutlichkeit Begriffe wie „Modell-Autor“ oder „empirischer Autor“ ein, nur um danach etwas wabbelig und wenig trennscharf mit ihnen gar nicht so umwerfende Überlegungen anzustellen. Die ständig auftauchenden Beispiele aus der Literatur dagegen (vom MAD-Magazin über Franz Kafka, Italo Calvino, James Joyce, Agatha Christie und Rotkäppchen bis Scarlett O'Hara, dem Grafen von Monte Christo und Pinocchio) taugen in hohem Maße als Anregungen, sich mit diesen Texten und Autoren endlich einmal zu beschäftigen: vor allem Gérard de Nervals Novelle „Sylvie“, aber auch Ian Flemings James-Bond-Romane, Georges Perecs „Versuch einen Platz in Paris zu erfassen“, Edgar Allan Poes „Der Bericht des Arthur Gordon Pym“ und Dante Alighieris „Göttlicher Komödie“.
    Ein anregendes, auch witziges, aber nicht besonders tiefsinniges Buch: Man fühlt sich intellektuell unterhalten bei diesem gebildeten Hintergrundrauschen, aber es bleibt wenig hängen.
    Weiterlesen

Ausgaben von Im Wald der Fiktionen: Sechs Streifzüge durch die Literatur

Taschenbuch

Seitenzahl: 199

Hardcover

Seitenzahl: 200

Besitzer des Buches 7

Update: