Das erste Jahrhundert nach Béatrice

Buch von Amin Maalouf

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Das erste Jahrhundert nach Béatrice wurde bisher einmal bewertet.

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Rezensionen zum Buch

  • Rezension zu Das erste Jahrhundert nach Béatrice

    1995 als Wiederkehr des Skarabäus erschienen ISBN 3-485-00680-7
    Verlagstext
    Die Skarabäusbohne, die der Erzähler, ein Insektenforscher aus Paris, als Souvenir von seiner Ägypten-Reise mitbringt, enthält einen unheimlichen "Sprengstoff". Die Bohne soll zur Zeugung eines Sohnes führen. Als des Erzählers Frau Clarence, eine ehrgeizige Journalistin, in Indien mit dem Mythos der "boy beans" konfrontiert wird, ist ihr klar, dass es sich hier nicht um einen Scherzartikel handelt, sondern um ein folgenreiches Instrument der Geburtenkontrolle, das, industriell hergestellt, zunächst Probleme der Überbevölkerung, vor allem in der Dritten Welt, zu lösen scheint. Als aber auch in den westlichen Ländern die Geburtenrate der Mädchen dramatisch zurückgeht, wird das Ausmaß der Katastrophe deutlich. Krieg bricht aus zwischen der westlichen und der Dritten Welt. Ein neues Zeitalter bricht an: das erste Jahrhundert nach Beatrice. Amin Maalouf vereint in diesem "Thriller" über den Antagonismus zwischen armen und reichen Ländern, über korrupte Wissenschaften und sexuelle Diskriminierung auf faszinierende Weise historische Fakten mit phantastischen Momenten zu einem real-futuristischen Roman.
    Der Autor
    Amin Maalouf wurde 1949 im Libanon geboren und lebt seit 1976 als Journalist und Schriftsteller in Frankreich. Er bereiste über sechzig Länder und gilt als anerkannter Spezialist für Fragen der arabischen Welt und der Beziehungen zwischen Okzident und dem Nahen Osten. Amin Maalouf war Chefredakteur der Wochenzeitschrift An Nahar International sowie des Magazins Jeune Afrique, während des Vietnamkriegs und der Islamischen Revolution arbeitete er als Kriegsberichterstatter. Als Buchautor hat er bisher sieben Romane veröffentlicht, seine Werke sind in etwa 25 Sprachen übersetzt worden und sein erstes Werk Die Kreuzzüge aus der Sicht der Araber (1983) ist zu einem Standardwerk geworden.
    Inhalt
    Anfangs fällt es schwer, die Zeit zu definieren, in der Maaloufs 1992 erschienene Parabel spielen könnte. Die Tochter Beatrice des Icherzählers kommt etwas verwirrend zur Jahrhundertwende (nicht zur Jahrtausendwende) zur Welt, ihre Geburt soll eine bedeutende Wende symbolisieren. Maaloufs Sprache wirkt, als würde der Autor in der Tradition der Geschichten aus 1001er Nacht erzählen, seine Handlung ist jedoch höchst aktuell und in ihrer Brisanz für das Überleben auf unserem Planeten zeitlos. Maaloufs Erzähler, Insektenforscher von Beruf, erhält von seiner Partnerin als Geschenk ihre gemeinsame Tochter, obwohl Clarence sich als Karrierefrau noch kein Kind gewünscht hätte. Béatrice empfindet folgerichtig ihre Tochter als Eindringling in ihre Zweisamkeit. Beruflich befassen sich beide Partner mit der Bevölkerungsentwicklung, Clarence als Journalistin, der Erzähler in seiner Funktion als Insektenkundler und damit auch als Experte für den „Pillendreher“, der eine Kugel formt, die seinen Nachwuchs nähren soll. Mehr als doppeldeutig geht es nicht nur um den Käfer und seine Dungkugel, sondern die Pille an sich als Heilmittel, Hoffnungsträger und Garantie für unvorstellbaren Reichtum, sowie um die männliche Herrschaft.
    Weltweit werden weibliche Föten abgetrieben, neugeborene Mädchen ausgesetzt und vernachlässigt, was in einigen Ländern zu einem eklatanten Männerüberschuss führt. Diese Tatsache kleidet der Autor in eine futuristische bis phantastische Handlung, so als könnten wir die Zusammenhänge als Utopie betrachten und weiterleben, als wäre nichts geschehen. Auch in Maaloufs utopischer Welt nimmt die Zahl weiblicher Neugeborener beängstigend ab, so dass man annehmen sollte, Frauen als knappe Resource würden besonders geschätzt und entsprechend rücksichtsvoll behandelt. Wie in der Realität führt die Selektion Ungeborener zu einem Männerüberschuss, der eine konstant aggressive Grundstimmung und in der Folge ein weltweites Ungleichgewicht verursacht. Die Weltbevölkerung ist gerade dabei, sich gegenseitig auszurotten.
    Fazit
    Hinter einem märchenhaften Plot verbirgt sich hier ein erfrischend kritischer Blick auf das Verhältnis zwischen Männern und Frauen und auf das wirtschaftliche Nord-Süd-Gefälle auf unserem Planeten.
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Ausgaben von Das erste Jahrhundert nach Béatrice

Taschenbuch

Seitenzahl: 212

Besitzer des Buches 5

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