Schriften zur Literatur

Buch von Jean-Paul Sartre, Lothar Baier, Dolf Oehler, Traugott König, Weitere s. u.

Cover zum Buch Schriften zur Literatur

Titel: Schriften zur Literatur

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5 von 5 Sternen bei 1 Bewertung

Verlag: Rowohlt Taschenbuch

Format: Taschenbuch

Seitenzahl: 5.184

ISBN: 9783499340079

Termin: Oktober 1986

Aktion

Zusammenfassung

Inhaltsangabe zu Schriften zur Literatur

'Was ist Sartre? Ein Philosoph? Ein Bühnenautor? Ein Erzähler? Ein Verfasser politischer Analysen, Streitschriften und Appelle? Ein Literatur- und Kunstkritiker? Er ist das alles zusammen und in einem. Und sicher beruht seine große Wirkung auf dieser Vielfalt. Aber es ist nicht zu übersehen, daß alle diese verschiedenartigen Schriften von seiner Philosophie gespeist sind.' (Aus dem Vorwort von Traugott König)
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Bewertungen

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Rezensionen zum Buch

  • Rezension zu Schriften zur Literatur

    • 19. Dezember 2024 um 11:32
    Anmerkung
    Jean-Paul Sartres gesammelte Werke, Schriften zur Literatur, erschienen in acht Bänden, sind zweifellos als epochales Werk zu bezeichnen. Es ist mir ein persönliches Anliegen, diese und weitere Rezensionen zu verfassen, da in den zahlreichen Online-Buchhandlungen, die diese Werke anbieten, oft nur spärliche oder marginale Klappentexte und Inhaltsbeschreibungen zu finden sind. Gleichwohl: Wer meint, Gustav Flauberts "Madame Bovary" sei lediglich ein schönes Büchlein, den möchte ich davon überzeugen, dass nach der Lektüre von Sartres "Der Idiot der Familie" Flaubert und sein gesamtes Werk in einem völlig neuen Licht erscheinen.
    Bibliographische Angaben: Jean-Paul Sartre, Der Idiot der Familie: Gustave Flaubert von 1821 bis 1857. Erstmals erschienen 1971, Verlag: Gallimard (Original: Gustave Flaubert - L'Idiot de la famille). Deutsche Ausgabe übersetzt von Traugott Köhler, Rowohlt Verlag, 1975.
    Thema: Sartres Werk ist eine monumentale psychobiographische Studie über Gustave Flaubert, die nicht nur dessen Lebensweg nachzeichnet, sondern auch versucht, den Schriftsteller als ein Produkt seiner Zeit, seiner sozialen Umgebung und seiner inneren Konflikte zu verstehen. Sartre verbindet Psychoanalyse, Existenzphilosophie und historische Materialismus in einer umfassenden Untersuchung.
    Einordnung: Der Idiot der Familie ist eine literaturwissenschaftliche Studie, die in keine klassische literarische Gattung passt. Sie ist zugleich Biographie, philosophischer Essay und literarische Interpretation. Das Werk entstand in der späteren Phase von Sartres Schaffen und reflektiert dessen Engagement mit existenzialistischen und marxistischen Theorien. Die Zeit des Erscheinens ist von gesellschaftlichem Umbruch und einer zunehmenden Kritik an bürgerlichen Werten geprägt.
    Analyse
    Sartre gliedert das Werk in mehrere Bände und Kapitel, die sich schrittweise mit Flauberts Leben auseinandersetzen. Ausgangspunkt ist die berühmte Episode, in der Flaubert nach einem epileptischen Anfall von seiner Familie als „Idiot“ abgestempelt wurde. Sartre analysiert, wie dieses Ereignis und Flauberts Kindheit in einer bürgerlichen Familie ihn prägten. Es folgen Interpretationen von Flauberts Bildung, seinen literarischen Anfängen und seinem Kampf gegen die Konventionen seiner Zeit. Die Untersuchung endet mit einer umfassenden Analyse von Flauberts Werk und dessen ideologischen Implikationen.
    Struktur und Aufbau: Das Werk ist extrem umfangreich und teilweise assoziativ aufgebaut. Sartre unterteilt die Kapitel in thematische Blöcke, die von der Kindheit Flauberts über seine psychische Entwicklung bis hin zu seiner künstlerischen Praxis reichen. Der fragmentarische Stil macht das Lesen anspruchsvoll, erlaubt aber eine vielschichtige Betrachtung.
    Sprache und Stil: Sartre verwendet eine dichte, analytische Sprache, die mit philosophischen Konzepten und psychoanalytischen Begriffen durchsetzt ist. Dabei wird er oft repetitiv und überlädt die Texte mit Querverweisen. Dies erschwert den Zugang, bietet aber eine Tiefe, die Leser*innen zur intensiven Auseinandersetzung zwingt.
    Thematik: Im Zentrum stehen Fragen der Freiheit, der Identität und der Entstehung des künstlerischen Subjekts. Sartre untersucht, wie soziale Strukturen und psychologische Dynamiken die kreative Leistung beeinflussen.
    Figurenanalyse: Flaubert wird als komplexe Figur dargestellt: ein Mensch, der zwischen Konvention und Rebellion schwankt, der gesellschaftlichen Erwartungen nicht gerecht wird und Zuflucht in der Kunst sucht. Sartre zeigt, wie Flaubert durch seine Neurose und seine Schaffenskraft die bürgerliche Welt zugleich ablehnte und reproduzierte.
    Erzählperspektive: Die Untersuchung ist durch Sartres persönliche Perspektive gefärbt. Er ist kein neutraler Biograph, sondern tritt als interpretierender Philosoph und Kritiker auf.
    Literarischer Kontext: Sartre positioniert Flaubert als Wegbereiter der modernen Literatur, der mit seinem Werk die Konventionen des Realismus sprengte. Seine Analysen verknüpfen Flauberts Schreiben mit literarischen Strömungen wie dem Symbolismus und frühen Ansätzen der Moderne.
    Philosophische oder gesellschaftliche Dimensionen: Sartres zentraler Gedanke ist, dass Flaubert seine Freiheit durch die Kunst fand, aber gleichzeitig von der bürgerlichen Gesellschaft gefangen war. Diese Dialektik von Freiheit und Determination durchzieht das gesamte Werk.
    Kontextualisierung
    Sartres Interesse an Flaubert spiegelt sein eigenes philosophisches Projekt wider: die Suche nach den Bedingungen der Freiheit in einer Welt, die von Zwängen durchdrungen ist. Sein Engagement für Marxismus und Psychoanalyse prägt die Untersuchung. Zeitgenössischer Kontext: Die 1970er Jahre waren eine Zeit des gesellschaftlichen Umbruchs, geprägt von Poststrukturalismus, Dekonstruktion und politischem Engagement. Sartres Ansatz kontrastiert mit den strukturalistischen und postmodernen Ansätzen seiner Zeit.
    Rezeption: Der Idiot der Familie wurde kontrovers aufgenommen. Während Kritikerinnen und Kritiker die philosophische Tiefe lobten, monierten andere die Länge und die hermetische Sprache. Das Werk fand vor allem in der akademischen Welt Anklang, blieb jedoch für ein breiteres Publikum schwer zugänglich.
    Intertextualität: Sartres Werk verweist auf literarische Klassiker wie Balzac und Stendhal sowie auf die Psychoanalyse Freuds und die Philosophie Hegels. Es steht in engem Dialog mit Flauberts eigenen Schriften.
    Bewertung
    Stärken: Sartres Werk ist eine unvergleichliche Studie über die Verbindungen zwischen Biographie, Gesellschaft und Kunst. Seine detaillierten Analysen sind fundiert und bieten zahlreiche Einsichten in Flauberts Leben und Werk.
    Schwächen: Die Länge und Komplexität des Werkes sind eine Hürde für Leserinnen und Leser. Sartres Ansatz ist oft zu spekulativ, insbesondere seine psychoanalytischen Deutungen wirken meines Erachtens manchmal überzogen.
    Künstlerischer Wert: Der Idiot der Familie ist ein einzigartiges Werk, das Philosophie, Literaturwissenschaft und Biographie vereint. Es bereichert die Literatur durch seine interdisziplinäre Perspektive und seine tiefgehenden Fragen zur Freiheit und Kreativität. Das Werk ist ein Meilenstein in der interdisziplinären Literaturwissenschaft und ein unverzichtbarer Text für die Flaubert-Forschung.
    Mein Fazit
    Sartres Der Idiot der Familie ist ein intellektuelles Monument, das die Grenzen zwischen Philosophie, Literaturwissenschaft und Biographie auflöst. Seine Stärken liegen in der analytischen Tiefe und der Verbindung zwischen individueller Freiheit und gesellschaftlicher Prägung. Die Schwächen, insbesondere die Komplexität und der spekulative Charakter, schmälern das Werk jedoch nicht von seiner Relevanz.
    Abschließende Einschätzung: Das Buch ist ein Meisterwerk für Menschen vom Fach, weniger jedoch für Laien. Es fordert intensive Lektüre, belohnt diese aber mit tiefen Einsichten.
    Empfehlung
    Dieses Buch ist geeignet für Interessierte im Bereich der Literaturwissenschaft, der Philosophie und Leserinne, Leser, die sich intensiv mit Flaubert oder Sartre auseinandersetzen möchten. Es ist weniger empfehlenswert für eine breitere Leserschaft oder diejenigen, die einen einfachen Zugang zur Biographie Flauberts suchen.
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Ausgaben von Schriften zur Literatur

Taschenbuch

Cover zum Buch Schriften zur Literatur

Seitenzahl: 5.184

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Update: 19. Dezember 2024 um 13:58