Lila oder ein Versuch über Moral
Buch von Robert M. Pirsig, Hans Heinrich Wellmann
Titel: Lila oder ein Versuch über Moral
Robert M. Pirsig (Autor) , Hans Heinrich Wellmann (Übersetzer)
Verlag: Fischer Taschenbuch Verlag
Format: Taschenbuch
Seitenzahl: 464
ISBN: 9783596171699
Termin: Juni 2006
Aktion
Bewertungen
Lila oder ein Versuch über Moral wurde insgesamt 3 mal bewertet. Die durchschnittliche Bewertung liegt bei 4,7 Sternen.
Rezensionen zum Buch
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Rezension zu Lila oder ein Versuch über Moral
- Hypocritia
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18. Juli 2012 um 11:32
Zum Inhalt - aus dem „Library Journal“ von Kevin M. Roddy, Oakland P.L., Cal.:Weiterlesen
(meine Übersetzung aus der Produktbeschreibung auf der amazon-Seite zur englischen Originalfassung):
Lila ist ein Roman bzw. ein philosophisches Werk, das mit den Aspekten und Problemen zum Leben der 90er Jahre kämpft. Der Protagonist Phaidros schlägt sich mit seiner neuesten Abhandlung herum, der „Metaphysik von Qualiät“. Lila ist eine alternde und verzweifelte Frau, die er in einer Hafenbar abschleppt. Sie liefert die richtige Menge von Gegensätzlichkeiten und kritikwürdigen Punkten, um seinen Grübeleien über Leben und Zivilisation eine verständliche und reale Form zu geben.
Pirsig bringt ziemlich interessante Ideen, aber seine anfängliche Zurückhaltung bezüglich der Definition zum Begriff „Qualität“ mag dazu beitragen, einige Leser an einem frühen Zeitpunkt im Buch zu verlieren. Der Übergang vom Roman zur philosophischen Übung wirkt manchmal holprig und verwirrend.
Dennoch: seine Beobachtungen und Überlegungen führen zu überraschenden Einsichten.
Zum Autor (Quelle: wikipedia):
Pirsig ist ein US-amerikanischer Autor (geboren 1928 ), der als extrem intelligenter Sohn eines amerikanischen Universitätsprofessors und einer schwedischen Mutter bereits im Alter von 14 Jahren zum Biochemiestudium zugelassen wurde, aus dem er jedoch nach drei Jahren wegen schlechter Noten wieder ausscheiden musste. Er hat im Laufe der Zeit einen Philosophie-Bachelor in Minnesota erworben, kurzfristig orientalische Philosophie in Indien studiert, außerdem hat er einen Master-Titel in Journalismus.
In den sechziger Jahren war er über sieben Jahre hinweg wegen einer Psychose in Behandlung, inklusive Elektroschocktherapie.
1974 hat Pirsig sein Erstlingswerk Zen und die Kunst ein Motorrad zu warten. Ein Versuch über Werte veröffentlicht, das sich , nachdem es von 121 Verlagen (!!!) abgelehnt worden war, zu einem internationalen Bestseller entwickelte. Sein zweites Werk Lila oder ein Versuch über die Moral erschien 1991.
Eigene Meinung:
Robert M. Pirsig hat in diesem Buch versucht, einen sehr umfangreichen Aspekt der menschlichen Existenz und ihres Umfeldes gedanklich so komplett wie möglich darzustellen und zu analysieren; einen Aspekt, der in den Wissenschaften gar keine oder nur sehr wenig Beachtung zu finden scheint: die Metaphysik (das Wesen also) unserer Wertvorstellungen und dem damit zusammenhängenden Begriff „Qualität“ (im Sinne von „hohem nicht-materiellem Wert“), sowie daraus ableitend den Begriff "Moral".
Was dabei herausgekommen ist, ist ein Buch von für meine Begriffe extrem hohem intellektuellem Anspruch. Lila. An Inquiry into Morals hat mich fast ebenso viel Mühe beim Lesen gekostet wie z.B. Hawkings „Das Universum in der Nussschale“.
Dennoch erscheint mir dieses Werk unglaublich interessant. Pirsig versucht in seinem Buch das Wesen der menschlichen Wertvorstellungen zu definieren und er sucht nach Gründen warum dieses Thema in der Wissenschaft so wenig untersucht wird.
Dass die gesellschaftliche Entwicklung der Menschheit nicht nur auf konkret Messbarem beruht, erscheint einleuchtend. Pirsig macht sich in seinem Buch daran zu untersuchen und zu beschreiben, dass Wertvorstellungen, individuelle wie gesellschaftlich-kulturelle, ständig und überall in unserem Dasein präsent sind und auf uns Einfluss nehmen. Hier liegt schon einmal ein Punkt, in dem der Autor mich persönlich völlig überzeugen konnte. Doch damit nicht genug: Er versucht sich an einer Klassifizierung der Wertvorstellungen und belegt diese mit entsprechenden Beispielen.
Was sehr schön von Pirsig gehandhabt wird, ist die „literarische Umkleidung“ des Themas: der Autor hat sich sehr große Mühe gegeben, das Ganze so anschaulich wie möglich zu gestalten. Er führt von der Rahmenerzählung des Schriftsteller Phaidros, der auf seinem Segelschiff im Herbst den Hudson entlang schippert und dabei die Frau aus dem Buchtitel aufgabelt: „Lila“, eine Frau von eher zweifelhaftem Ruf. Die Beobachtungen zu ihrer Person und ihren Verhaltensweisen ergreift Pirsig immer wieder dazu, seine Theorien über Wertvorstellungen und Moral zu belegen. Ebenso schöpft er aus völlig anderen Personenbespielen, aus der Geschichte des Viktorianischen Zeitalters, aus dem Vergleich verschiedener Begebenheiten in indianischen Kulturen vs. „amerikanischer Kultur“, in einem Kapitel sogar aus dem Verhalten Robert Redfords in der Filmindustrie, um seine komplexen gedanklichen Ausführungen zu verdeutlichen.
Am Ende seines Werkes nimmt er schließlich Bezug auf gewisse Aspekte aus dem Bereich der Geisteskrankheiten und aus der orientalischen Philosophie. Hier wie an zahlreichen früheren Stellen in Lila oder Ein Versuch über die Moral wird der autobiografische Gesichtspunkt deutlich, der sich in den Erfahrungen der beiden Protagonisten Phaidros und Lila niederschlägt.
Die kleinen Informationsstückchen, mit denen Pirsig seine Erklärungen erhellt, empfand ich nicht nur als äußerst hilfreich für das Verständnis, sondern auch immer sehr interessant und auflockernd. Es lohnt sich in jedem Fall, dass er Autor das Buch nicht in der Form eines reinen Sachbuches verfasst hat.
Leider ist es für einen kompletten Laien auf dem Gebiet der Philosophie wie mich äußerst schwer, sich in diesen gedanklichen Windungen zurechtzufinden und den Überblick zu behalten. Dass Pirsig als Strukturierung für Lila zu einer Aufteilung in auf drei Teile zugeordnete 32 Kapitel gegriffen hat ohne Kapitelüberschriften, macht es für den Leser keineswegs leichter. Ich hätte mir hier eine klare Gliederung mit entsprechenden Titeln und evtl. Untertiteln gewünscht, auf die ich jederzeit hätte zugreifen können, wenn ich wieder einmal im Buch den Faden verloren hatte, denn zu oft fragte ich mich: Wozu bringt Pirsig jetzt dieses Beispiel an? Was wollte er damit belegen?
Auf der anderen Seite scheint im Buch immer wieder durch, dass das Gebiet der „Wertvorstellungen“, der „menschlichen Qualität“ bisher nicht detailliert untersucht worden ist und maximal auf dem Gebiet der Anthropologie immer mal wieder auftaucht.
Andererseits finde ich die Idee phantastisch, die dem historischen, kulturellen und gesellschaftlichen Dasein der Menschheit zugrundeliegenden Wertvorstellungen so gründlich unter die Lupe zu nehmen, auch wenn es vom Leser irrsinnig viel Konzentration abfordert. Ich musste unzählige Abschnitte und Seiten mehrfach (vier- bis fünfmal) lesen, um geistig halbwegs am Ball bleiben zu können. Ich habe nie mehr als fünfzig Seiten (maximal) am Stück geschafft, und habe dazwischen zu banalster Unterhaltungsliteratur greifen müssen, um mich geistig entspannen zu können. Immer, wenn lockere Einschübe über die Protagonisten Lila und Phaidros folgten, habe ich mich richtiggehend darüber gefreut, weil sie zudem streckenweise zum Schmunzeln einladen – diese Aufheiterungen taten beim Lesen hin und wieder bitter not.
Auch wenn es seltsam klingen mag, denke ich, dass es mir bezüglich der Konzentration auf die Thematik im Buch geholfen hat, das Buch im englischen Original gelesen zu haben, da ich ein Buch in englischer Sprache von vornherein mit einer höheren inneren Bereitschaft zu konzentriertem Lesen angehe als in meiner Muttersprache Deutsch.
Auf jeden Fall kann man die Lektüre als eine wunderschöne geistige Übung betrachten, die umso mehr Spaß macht, als sie sich mit einem außerordentlich interessanten Thema beschäftigt, mit dem wir ständig und überall in unserem Leben konfrontiert werden, und dem man eigentlich kaum einen bewussten Gedanken widmet, obwohl es so viel Einfluss nimmt auf uns als Individuen und als Gesellschaft.
Neben dem Erfolgsgefühl, ein richtig intellektuelles Buch gelesen zu haben und es zu allem Überfluss noch als äußerst intensiv und gewinnbringend vom Verständnis her wahrgenommen zu haben, besitzt Lila. An Inquiry into Morals noch einen weiteren hohen positiven Aspekt, den ich unbedingt nennen möchte. Zwar behandelt dieses Buch im Grunde genommen das Thema „Moral“, doch werden dem Leser in keiner Weise moralische Predigten gehalten. Pirsig scheint in wissenschaftlicher Absicht zu schreiben, keinesfalls im Ton eines unangenehm quäkenden Moralapostels.
Insgesamt ziehe ich für die fehlende übersichtliche Gliederung einen halben Punkt ab. Aber insgesamt kann ich nur sagen, dass ich dieses Buch jedem, der nicht vor ein bisschen aktiver Denkarbeit zurückschreckt, empfehle. Wo sonst, in welchem anderen literarischen Werk, werden einem sonst noch Gedanken über die Metaphysik der menschlichen Wertvorstellungen geboten? Vor diesem Buch hatte ich keine Ahnung, dass mich und wie sehr mich das philosophische Thema „Werte“ eigentlich interessiert.
Ein dickes Danke geht an taliesin hier aus dem Büchertreff, der mir dieses Buch empfohlen hat (ich fühle mich ja schon geschmeichelt, dass er mir das Ding geistig überhaupt zugetraut hat ), und nehme mir vor, Lila. An Inquiry into Morals in einiger Zeit nochmals zu lesen; dann werde ich allerdings versuchen, selbst Kapitelüberschriften bzw. Untertitel für Absätze zu finden und selbst eine Gliederung für das Buch zu erstellen.
Und das Erstlingswerk des Autors, das um ein Vielfaches erfolgreichere Zen und die Kunst ein Motorrad zu warten. Ein Versuch über Werte steht bei mir auch schon auf der Wunschliste – das muss ich einfach lesen.
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Besitzer des Buches 5
Update: 29. August 2025 um 13:31



