Die rote Nelke

Buch von Elio Vittorini, Barbara Kleiner

Bewertungen

Die rote Nelke wurde insgesamt 3 mal bewertet. Die durchschnittliche Bewertung liegt bei 4 Sternen.

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Rezensionen zum Buch

  • Rezension zu Die rote Nelke

    Originaltitel: Il garofano rosso (Italienisch, in Buchform 1948 )
    Als Fortsetzungsroman schon zwischen 1933-36 in der Literaturzeitschrift Solaria erschienen, 1939 erstes Buchmanuskript. Zwischen diesen Fassungen gab es – zeitgeschichtlich und durch Persönlichkeitsentwicklung beeinflußt einige Revisionen und Änderungen. (Quelle: Nachwort von Barbara Kleiner)
    1. deutsche Übersetzung 1951
    diese unten verlinkte Neuübersetzung im Wagenbachverlag stammt von Barbara Kleiner
    KURZBESCHREIBUNG (beim Wagenbach-Verlag):
    Eine Jugend in Sizilien: Alessio Mainardi und sein Freund Tarquinio zwischen Faschismus und Sozialismus, zwischen der unnahbaren Giovanna und der Prostituierten Zobeida. Eine rote Nelke wandert als zwiespältiges Symbol von Giovanna über Mainardi zu Zobeida.
    Ein Klassiker der italienischen Nachkriegsliteratur.
    BEMERKUNGEN :
    Man kann den Anfang der Romanhandlung ziemlich genau auf das Frühjahr 1924 legen. In einer sizilianischen Hafenstadt ist der 16-jährige Ich-Erzähler Alessio Mainardi fern von zu Hause mit Mitschülern in einer Pension untergebracht. Besonders verbunden ist er mit dem leicht älteren Tarquinio. Durchaus kann man manche Themen des Romans mit dem « Schwellenalter » in Verbindung bringen : Mal ist Alessio noch fast Kind, dann wiederum strebt er nach dem Schon-älter-Sein. Während er anfangs die etwas ältere Giovanna anhimmelt und auf einen mutigen Vorstoss hin nicht nur einen Kuss, sondern auch eine sehr symbolische Nelke ergattert scheint Tarquinio abgeklärter und schwärmt von der Prostituierten Zobeida und ihren Reizen. Irgendwie tauschen sich langsam die Rollen (bzw. Beziehungsgeflechte), spielen Neid und Gleichgültigkeit, Leidenschaft und Entdeckung der Liebe eine Wichtigkeit. Und so mancher schwankt zwischen reiner Befriedigung seiner Triebe (auf Kosten der anderen) und andererseits, dem Wunsch nach Ganzheit, Hingabe.
    Doch zur selben Zeit muss man diesen in vielerlei Hinsicht so « zarten », feinfühligen, gleichzeitig aber auch realistischen, Roman über das Innenleben von Heranwachsenden auch auf einer noch ganz anderen Ebene wahrnehmen. Die, soziale, politische, gesellschaftliche Komponente ist allgegenwärtig. Alessio vereint in einem bizarren Spagat die Bewunderung für Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht mit den ersten Wallungen des Faschismus. Der « Marsch auf Rom » (siehe auch : http://de.wikipedia.org/wiki/Marsch_auf_Rom ) liegt gerade zwei Jahre zurück, und Alessio bedauert es immer noch, nicht am "Abenteuer" hatte teilnehmen zu können. Nun, bei einer Bestreikung der Schulen, nimmt er aber aktiv teil und... wird natürlich abgemahnt. Viele Schüler scheinen im Rausch, in einer Begeisterung, und die Hauptpersonen haben daran Anteil.
    Manche zu große faschistische Begeisterung hat Vittorini anscheinend in späteren Fassungen (eben der jetzigen) etwas abgeschwächt, bzw. ein stark klassenkritisches Element eingebaut : Mainardi, als Sohn eines Ziegeleiunternehmers, empfindet sehr wohl die « beleidigende Kluft zwischen uns Kindern unseres Vaters und den Arbeitern » (ich entnehme diese Information auch dem Nachwort von Frau Kleiner).
    Wie gewohnt findet man bei Vittorini eine irgendwie schlichte, aber schöne Sprache. Manches wird so gut ausgedrückt von den inneren Stimmungen. Er benützt dabei die Ich-Erzähler- Perspektive, baut aber auch so genannte Tagebucheinträge ein oder auch Briefe Tarquinios an Mainardi.
    Durch inzwischen drei Lektüren seiner Werke ist mir Vittorini lieb geworden. Dieses Buch bestätigt seine Qualitäten, auch wenn ich es nicht so hoch einstufe wie das schon besprochene « Erika und ihre Geschwister » (siehe auch : Elio Vittorini – Erica und ihre Geschwister ). Allerdings ist die Thematik auch verschieden und insofern nicht vergleichbar. Die « Gespräche auf Sizilien » warten schon auf meinem SUB. Und ich freue mich drauf !
    DER AUTOR:
    Elio Vittorini, 1908 als Sohn eines Eisenbahners in Syrakus, Sizilien, geboren, war Schriftsteller, Publizist und Übersetzer. Bis circa 1936 unterstützte er eher die Faschisten und schrieb dementsprechende Artikel. Dann änderte er unter dem Eindruck des spanischen Bürgerkrieges seine Haltung. 1943 wurde er als Gegner des Mussolini-Regimes inhaftiert. 1945 trat er der kommunistischen Partei Italiens bei (PCI), von der er sich später wieder distanzierte. Nach dem Krieg war er eine der wichtigsten kulturpolitischen Stimmen Italiens. Als Lektor bei Einaudi wirkte er als Unterstützer junger Autoren wie Italo Calvino. Er starb 1966 in Mailand.
    (Quelle: Wagenbach, Nachwort von Barbara Kleiner im besprochenen Buch und siehe auch mehr unter http://de.wikipedia.org/wiki/Vittorini )
    Produktinformation
    Broschiert: 235 Seiten
    Verlag: Wagenbach (22. April 2008 )
    Sprache: Deutsch
    ISBN-10: 3803125928
    ISBN-13: 978-3803125927
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Ausgaben von Die rote Nelke

Taschenbuch

Seitenzahl: 240

Die rote Nelke in anderen Sprachen

  • Deutsch: Die rote Nelke (Details)
  • Italienisch: Il garofano rosso (Details)

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