Gelbe Monster
Buch von Clara Leinemann
Titel: Gelbe Monster
Clara Leinemann (Autor)
Verlag: Suhrkamp Verlag
Format: Gebundene Ausgabe
Seitenzahl: 192
ISBN: 9783518433003
Termin: Neuerscheinung März 2026
Aktion
-
Kurzmeinung
cyphella Prägnant, seltenes Thema häusliche Gewalt durch Frauen, Beziehungsdynamiken -
Kurzmeinung
easymarkt3 Ein Roman über emotionale Abhängigkeit und innere Konflikte.
Zusammenfassung
Inhaltsangabe zu Gelbe Monster
Die Mathematikstudentin Charlie sitzt mit einem blauen Auge in der U-Bahn. Eben hat sie noch »schlechter Mensch« gegoogelt, jetzt ist sie auf dem Weg zu einem Antiaggressionstraining für Frauen. Nur wenn sie daran teilnimmt, darf sie weiter bei ihrer besten Freundin Ella wohnen. In die eigene Wohnung kann sie nicht zurück. Doch mit den »Schwerverbrecherinnen«, die sie in der Gruppe anzutreffen vermutet, will Charlie nichts zu tun haben. Ist es denn ihre Schuld, dass ihr Exfreund Valentin sie immer wieder zur Weißglut trieb? Dabei hatte es gut angefangen: Mit ihm an der Seite fühlte sie sich endlich schön, als besserer Mensch. Bis es eskalierte. Erst im Austausch mit den anderen Frauen beginnt Charlie, sich ihrer eigenen Verantwortung zu stellen, die Geschichte neu zu erzählen. Mit Ellas Unterstützung kämpft sie sich aus der Spirale von Wut, Schmerz und Scham heraus. Mit Leichtigkeit und Witz erzählt Clara Leinemann in Gelbe Monster von einer Beziehung, die perfekt zu sein scheint – bis sie es nicht mehr ist. Von tradierten Liebesidealen, weiblicher Gewalt und emotionaler Abhängigkeit. Ein mitreißendes Debüt, dessen Antiheldin so liebenswert ist, dass man sich auf der letzten Seite nicht von ihr trennen möchte.
Weiterlesen
Bewertungen
Gelbe Monster wurde insgesamt 6 mal bewertet. Die durchschnittliche Bewertung liegt bei 3,8 Sternen.
Meinungen
-
Prägnant, seltenes Thema häusliche Gewalt durch Frauen, Beziehungsdynamiken -
Ein Roman über emotionale Abhängigkeit und innere Konflikte.
Rezensionen zum Buch
-
Rezension zu Gelbe Monster
- easymarkt3
-
15. März 2026 um 09:00
Ein Roman über emotionale Abhängigkeit und innere Konflikte.Weiterlesen
Der Buchtitel und das Cover mögen sich symbolisch beziehen auf das 𝘉𝘭𝘶𝘮𝘦𝘯𝘮𝘶𝘴𝘵𝘦𝘳 der alten gelben Tapete in der Wohnung der Hauptfigur Charlie, 𝘸𝘪𝘦 𝘒𝘰̈𝘱f𝘦 𝘬𝘭𝘦𝘪𝘯𝘦𝘳 𝘔𝘰𝘯𝘴𝘵𝘦𝘳 wirkend. Sie stehen stellvertretend für die vielen inneren Konflikte, ihrer emotionalen Erwartungshaltung, ihrer Wut und fehlenden Selbstsicherheit. Diese junge PhD-Studentin für Mathematik mit dissozialem Verhalten und innerer Leere findet sich als Ich-Erzählerin auf einer von mehreren Erzählebenen zunächst in einem Anti-Aggressionstraining für Frauen wieder. Charlies Amour fou mit dem Literaturstudenten Valentin zeigt sie verletzt wie ein Gewaltopfer, was in weiteren Vor- und Rückblenden in diversen Szenarien enträtselt wird. Ihre zunächst liebevolle Liaison versinkt in eine obsessive Beziehung mit zunehmenden Übergriffen ihrerseits, mit Ohrfeigen und Wutausbrüchen gegenüber Valentin bis zu selbstzerstörerischer Gewalt. Welche Erlebnisse aus ihrer Kindheit im Zusammenhang mit ihrer Mutter zu dieser destruktiven Selbstabwertung, ihrer mangelnden Selbstliebe und Unsicherheit geführt haben, bleibt unklar. Thematisiert werden auch die gewichtige, enge Freundschaft mit Ella, das Patriarchat als Auslöser weiblicher Gewalt und nur sehr subtil das problematische Verhalten des Partners Valentin. Die Therapiesitzungen in ihrer Vielseitigkeit regen zum Nachdenken an. Die vielen Zeitsprünge mit einzelnen Puzzleteilen sind nicht klar durch Kapitel voneinander getrennt. In diesem doch ungewöhnlichen Setting mit der jungen, intelligenten, angehenden Mathematikerin wirkt die monatelange Vernachlässigung ihrer Doktorarbeit und vor allem die Absage der ihr angebotenen wissenschaftlichen Stelle in Madrid sehr unrealistisch, denn vor allem die Chance auf ein erneutes Angebot einer solchen interessanten beruflichen Position ist rar.
Das schwierige Thema von Charlies Amour fou berührt. 3* -
Rezension zu Gelbe Monster
- SimoneF
-
11. März 2026 um 20:56
Charlie, Doktorandin der Mathematik und Ende 20, hat Blutergüsse im Gesicht und einen gebrochenen Arm. Sie sieht aus, als wäre sie geschlagen worden – wieder ein Fall von partnerschaftlicher Gewalt gegen Frauen, einer von knapp 140.000 jedes Jahr? Doch Charlie ist diejenige, die zum Antiaggressionstraining muss, nicht ihr Freund Valentin. Was ist passiert und warum?Weiterlesen
„Gelbe Monster“ widmet sich einem Thema, das gesellschaftlich wenig Beachtung findet: Der partnerschaftlichen Gewalt gegen Männer. Auch wenn über 80% der Opfer von Gewalt in Beziehungen weiblich sind und auch die Schwere der Verletzungen bei ihnen deutlich höher ist (BKA, Statistik 2024), muss auch über Gewalt gegen Männer gesprochen werden.
Clara Leinemann erzählt aus der Sicht von Charlie und springt hierbei zwischen zwei Zeitebenen: Die erste spielt in der Gegenwart und ist im Präsens verfasst. Charlie ist vorübergehend bei ihrer Freundin Ella untergekommen, geht zur Therapie und versucht, ihr Leben nach der Trennung von Valentin wieder in den Griff zu bekommen. Die zweite schildert im Präteritum die Ereignisse in der Vergangenheit, beginnend mit dem Kennenlernen der beiden. Obwohl die Zeitsprünge nicht durch Kapitel voneinander abgetrennt sind, hatte ich keine Schwierigkeiten, diese entsprechend zuordnen zu können. Generell mag ich diese Art des Erzählens sehr.
Der Klappentext verspricht eine „Antiheldin, [die] so liebenswert ist, dass man sich auf der letzten Seite nicht von ihr trennen möchte.“. Diese Einschätzung kann ich nicht teilen. Charlie war mir von Beginn an unsympathisch: Sie ist unsicher, verplant, oberflächlich und macht sich ständig Gedanken um ihre Außenwirkung. Sie ist nicht in der Lage, eine reife Beziehung einzugehen, ihre Bedürfnisse angemessen zu kommunizieren und ihren Partner so wahrzunehmen, wie er ist. Stattdessen lebt sie in einer Art Traumwelt mit einer idealisierten, stark von Äußerlichkeiten geprägten Vorstellung einer Beziehung. Auch Valentin, den man als Leser:in nur aus Charlies subjektiver Sicht erlebt, wirkt unreif und bleibt blass. Auch ihre berufliche Situation finde ich als Mathematikerin wenig realistisch – wer seine Doktorarbeit monatelang so stark vernachlässigt und eine PostDoc -Stelle in Madrid ausschlägt, dürfte sich keine Hoffnung machen, dieselbe Stelle zwei Jahre später nochmals angeboten zu bekommen – dazu sind die wissenschaftlichen Stellen in diskreter Mathematik viel zu umkämpft.
Durch die Erzählweise bleibt sehr lange im Dunkeln, was nun genau vorgefallen ist und zu Charlies Verletzung geführt hat. Auch die Gründe für Charlies Unsicherheit und ihre mangelnde Selbstliebe werde nur angedeutet. Insgesamt werden viele wesentliche Aspekte kaum oder nur kurz angesprochen, so dass man am Ende mit vielen Fragen zurückbleibt. Hier hätten dem sehr kurzen Roman weitere 50 Seiten sehr gutgetan, um mehr Tiefe zu erreichen. So bleibt alles sehr oberflächlich und eine fundierte Auseinandersetzung mit der Thematik findet nicht statt.
Problematisch finde ich, dass sowohl bei Valentin als auch bei den Fällen, die im Antiaggressionstraining geschildert werden, suggeriert wird, dass der Mann eine gewisse Mitschuld an der Gewalt trägt. Wenn der Freund der Frau auch vor Dritten zwischen die Beine oder an den Hintern fasst, wer kann da eine Ohrfeige verdenken? Natürlich ist zu beachten, dass wir als Leser:in nur die unzuverlässige Sichtweise der Täterinnen kennenlernen, dennoch bleibt ein unangenehmer Nachhall.
Rezensionen zum Hörbuch
-
Rezension zu Gelbe Monster
- -the-black-one-
-
11. April 2026 um 18:04
Inhalt:Weiterlesen
Die Mathematikstudentin Charlie sitzt mit einem blauen Auge in der U-Bahn. Sie ist auf dem Weg zu einem Antiaggressionstraining für Frauen. Nur wenn sie daran teilnimmt, darf sie weiter bei ihrer besten Freundin Ella wohnen. In die eigene Wohnung kann sie nicht zurück. Doch mit den »Schwerverbrecherinnen«, die sie in der Gruppe anzutreffen vermutet, will Charlie nichts zu tun haben. Ist es denn ihre Schuld, dass ihr Exfreund Valentin sie immer wieder zur Weißglut trieb? Dabei hatte es gut angefangen: Mit ihm an der Seite fühlte sie sich endlich schön, als besserer Mensch. Bis es eskalierte. Erst im Austausch mit den anderen Frauen beginnt Charlie, sich ihrer eigenen Verantwortung zu stellen, die Geschichte neu zu erzählen. Mit Ellas Unterstützung kämpft sie sich aus der Spirale von Wut, Schmerz und Scham heraus.
Meine Meinung:
Obwohl das Buch selbst gar nicht so viele Seiten hat, kam es mir beim Hören nicht so vor, als würde man hier nur mal einer kurzen Geschichte lauschen. Ganz im Gegenteil. Wahrscheinlich war es das eher schwere Thema, dass trotzdem so viel Gewicht in die Geschichte gebracht hat, dass auch das Hörbuch einen langfristigen Eindruck hinterlassen wird.
Lisa Hrdina liest hervorragend. Ihre Stimme gefällt mir sehr gut und hier hat beim Hören wirklich alles gepasst!
Die Perspektive, die wir hier einnehmen ist über das ganze Buch hinweg die von Charlie. Daher kann man bis zum Schluss manche andere Charaktere gar nicht richtig einschätzen. Charlie selbst aber auch nicht. Denn bei ihr kommt immer wieder die Frage auf, ob Ihre Gefühle und Gedanken einen "realen" Ursprung haben oder ob wir ihrer Wahrnehmung nicht trauen können. Das war hier wirklich sehr interessant dargestellt.
Ich vergebe für diesen Roman, der eine gewisse Schwere hinterlässt, aber von dem ich finde, dass er sehr wichtige Themen aufgreift.
Ausgaben von Gelbe Monster
Besitzer des Buches 2
Update: 11. April 2026 um 18:04


