Die Holländerinnen

Buch von Dorothee Elmiger

Cover zum Buch Die Holländerinnen

Titel: Die Holländerinnen

3,6 von 5 Sternen bei 9 Bewertungen

72,2% Zufriedenheit

Verlag: Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG

Format: Gebundene Ausgabe

Seitenzahl: 160

ISBN: 9783446282988

Termin: Neuerscheinung August 2025

Aktion

  • Kurzmeinung

    Abroxas
    Eine hochverdichte, stark aufgeladene und kunstvolle Erzählung, die ins Abgründige und Unsagbare führt.
  • Cover zum Buch Aus der Zuckerfabrik Cover zum Buch Schlafgänger Cover zum Buch Einladung an die Waghalsigen

Zusammenfassung

Inhaltsangabe zu Die Holländerinnen

Dorothee Elmigers neuer, bildgewaltiger Roman – eine mitreißende Erfahrung. Wer diesen Text betritt, fällt in den Abgrund unserer Welt und blickt mit aufgerissenen Augen in die Finsternis. Auf der Shortlist für den Deutschen Buchpreis 2025, nominiert für den Schweizer Buchpreis und den Bayerischen Buchpreis 2025. Mit blinkenden Warnlichtern fährt die Erzählerin, eine namenlose Schriftstellerin, an den Straßenrand, als ein unerwarteter Anruf sie erreicht. Am Apparat ist ein gefeierter Theatermacher, der sie für sein neuestes Vorhaben zu gewinnen versucht – ein in den Tropen angesiedeltes Stück, die Rekonstruktion eines Falls. Wenige Wochen später bricht sie auf, um sich der Theatergruppe auf ihrem Gang ins tiefe Innere des Urwalds anzuschließen. Dorothee Elmiger erzählt eine beunruhigende Geschichte von Menschen und Monstren, von Furcht und Gewalt, von der Verlorenheit im Universum und vom Versagen der Erzählungen.
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Bewertungen

Die Holländerinnen wurde insgesamt 9 mal bewertet. Die durchschnittliche Bewertung liegt bei 3,6 Sternen.

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Meinungen

  • Eine hochverdichte, stark aufgeladene und kunstvolle Erzählung, die ins Abgründige und Unsagbare führt.

    Abroxas

Rezensionen zum Buch

  • Rezension zu Die Holländerinnen

    • 16. Oktober 2025 um 20:49
    Und der Deutsche Buchpreis in diesem Jahr geht an: Dorothee Elmiger und ihrer Erzählung Die Holländerinnen. Doch bereits vor Bekanntgabe der Gewinnerin erhielt das Buch in der Presse viel Lob, viele fühlen sich an Joseph Conrads Herz der Finsternis erinnert (zumindest der Form nach), auch Werner Herzog wird erwähnt (auch recht unverhohlen im Buch selber, der Bezug ist nicht zu leugnen). Lesermeinungen, so mein Eindruck, gehen auseinander, aber bei welchem Preisträger tun sie das nicht?
    Nun gut. Worum geht es? Eine herkömmliche, plot-getragene Erzählung wird man in diesem schmalen Büchlein nicht vorfinden. Viel mehr handelt es sich um eine Sammlung von kurzen bis kürzesten Vignetten, die thematisch über eine metapherngeladene Spurensuche im mittelamerikanischen Urwald als Rahmenhandlung zusammengehalten und zum Schwingen gebracht werden.
    Vordergründig geht es um den Fall der zwei titelgebenden Backpackerinnen aus den Niederlanden, die vor einigen Jahren spurlos im lateinamerikanischen Urwald verschwanden. Der Vorfall erregte einiges Aufsehen, die Ermittlungen wurden akribisch geführt. Ein Großteil ihres letzten Tages ließ sich genau rekonstruieren und ihre Rucksäcke mitsamt ihrer Smartphones wurden auch gefunden, aber von den Frauen fehlt jede Spur. Ein umstrittener und methodisch eigenwilliger Theaterregisseur will diesen Fall nachinszenieren, seine Absichten bleiben nebulös. Die zentrale Erzählinstanz ist eine renommierte Schriftstellerin, die wohl nicht Dorothee Elmiger ist (sie bezieht sich auf eine andere Frau als "die Schweizerin", was sich für die Schweizerin Elmiger komisch ausnähme), ihr aber auf dem ersten Blick ähnlich sein könnte. Sie wurde vom Regisseur als gewissenhafte Protokollantin angeheuert, sie soll die Gespräche und Ereignisse minutiös festhalten. Im Rahmen dieser Kunstaktion erzählen die Teilnehmer kleinere Anekdoten aus ihrem Leben, die zum jeweiligen Gespräch oder der Situation passen. Gemein ist ihnen wohl ein Gestus des Unbehagens und des subtilen Terrors psychischer Gewalt, es sind Geschichten von verbal übergriffigen Lebensgefährten, von einem fatalen Trickbetrug, der die Betrogenen ins Unglück stürzt, oder einem sonderbaren Erlebnis mit lauter trächtigen Ziegen, die die Erzählende nur vorübergehend hüten sollte. Auch die Rahmenerzählung der Aktion, die in einem mehrtägigen Gewaltmarsch durch den Urwald gipfelt (metaphorische Brechstange), reiht sich nahtlos in den düsteren Tonfall der Kurzerzählungen ein.
    Die Vignetten sind unter mehreren Schichten erzählerischer Zwischenräume begraben. Da reist also dieser Theaterregisseur mit der Autorin und weiteren Beteiligten in den Urwald, um auf den Spuren jener Holländerinnen zu wandeln, deren letzten Stunden nahezu vollständig dokumentiert worden sind. Die Autorin wird Ohrenzeugin zahlreicher Erzählungen (manche hört sie auch nur mit, ohne am Gespräch teilzunehmen). In den Jahren nach dem Trip versucht sie, das Material für ein Romanprojekt zu nutzen, gesteht aber im Rahmen einer Poetikvorlesung, die die Autorin hält, das Scheitern dieses Projektes ein. Die Chronik dieses Scheiterns ist Gegenstand der Vorlesung, eine Schilderung des Erlebten bildet den Ausgangspunkt. Referiert wird dieser Vortrag abermals von einer Erzählstimme, die wir uns als (grammatikalisch äußerst gewissenhafte) Studentin vorstellen können, die in der Vorlesung saß und bei einer späteren Gelegenheit jemand Anderem (uns, dem Leser?) diesen Vortrag in konsequent durchgehaltenem Konjunktiv und indirekter Rede wiedergibt. Damit schafft Elmiger eine bis auf Weiteres maximale Distanz zum Gegenstand ihrer Erzählung, entsprechend wirkt auch der Erzählton blutleer und unbeteiligt, der Fokus auf das Theoretische dahinter eingestellt.
    Das klingt formelhafter, als es eigentlich ist. Zu bewundern ist Elmigers konzise Erzählkunst, die auf engstem Raum mit einer geradezu beiläufigen Gestik eine unüberschaubare Menge an Themen, Verweisen und Diskursen miteinander verflicht. So prätentiös, wie einige Rezensenten es (mit bewundernder Tonalität) haben anklingen lassen, ist das eigentlich gar nicht. Namen wie Adorno, Lacan oder Herzog/Kinski werden nur beiläufig mit knappen Sentenzen abgerufen, Elmiger versteigt sich weder ins Essayistische noch in Bildungshuberei. Im Gegenteil: Vorherrschend bleibt das Vage und Unbestimmte, die Vignetten sind durchströmt von einem ahnungsvollem Unbehagen, münden aber meistens in keinen Abschluss, bleiben zum Teil buchstäblich unvollendet, weil der Erzählende unterbrochen wird und den Faden nicht mehr aufgreift. Ebenso wie das Verschwinden der Holländerinnen nicht gelöst werden wird, formuliert Elmiger keine Weisheiten, sondern eröffnet einen Resonanzraum gerade für das, wofür es keine präzise Sprache gibt. Diesem Klingen kann sich eigentlich keiner entziehen, der sich erstmal durch die zugegebenermaßen sperrige Erzählkonstruktion einen Weg gebahnt hat.
    Ungewöhnlich ist dieses Buch und es ist gewiss keines für Jedermann, was es meiner Meinung nach von den Gewinnern der letzten zwei Jahre abhebt. Elmiger erzählt hier nicht im klassischen Sinne, sondern wählt eine mehrbödige und verschachtelte Form von Literatur, die vom Leser eine durchgehende Form von Reflexion verlangt. Das ist schon immer recht speziell gewesen. Die Kunstfertigkeit, mit der Elmiger dies hier praktiziert, nötigt mir trotz anfänglichen Nicht-mögen-Wollens gehörigen Respekt ab. Das Resultat ist eine unter Starkstrom stehende, formal raffinierte und hochverdichtete Erzählung, bei der ein Buchpreis durchaus gut aufgehoben ist.
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Ausgaben von Die Holländerinnen

Hardcover

Cover zum Buch Die Holländerinnen

Seitenzahl: 160

E-Book

Cover zum Buch Die Holländerinnen

Seitenzahl: 158

Besitzer des Buches 15

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Update: 16. Oktober 2025 um 20:49