Medulla
Buch von Verena Güntner
Titel: Medulla
Verena Güntner (Autor)
Verlag: DuMont Buchverlag GmbH & Co. KG
Format: Gebundene Ausgabe
Seitenzahl: 240
ISBN: 9783832181673
Termin: Neuerscheinung September 2025
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Zusammenfassung
Inhaltsangabe zu Medulla
Ein Tag am See, eine Frau geht ins Wasser. Ausbrechen, abbrechen, abtauchen. Ist es Siv, Leyla oder Esther? Die drei sind keine Freundinnen — und doch haben sie eins gemeinsam. Siv ist Anfang vierzig und mit sich im Reinen: Sie will keine Kinder. Auch dann nicht, als sie überraschend schwanger wird. Jan, mit dem sie in einer offenen Beziehung lebt, erträgt nicht, dass allein Siv darüber entscheidet, wie es weitergehen soll. Leyla und David haben alles darangesetzt, Eltern zu werden. Bis Leyla schwanger wird und unbedingt ihren Körper zurückwill. In Siv findet sie eine unerwartete Verbündete. Auch Esther, Leylas Arbeitskollegin, bekommt ein Kind. Statt ihres Partners Jacob, der sich akribisch auf seine Vaterrolle vorbereitet, nimmt sie Lem zu den Untersuchungen bei der Gynäkologin mit, obwohl sie ihn nur flüchtig kennt. Drei Frauen, die sich den Versuchen der Männer, ihre Körper zu kontrollieren, kompromisslos widersetzen werden. Und die sich dabei näherkommen, als sie es wollten. Mit literarischer Präzision und abgründigem Humor erzählt Verena Güntner von gesellschaftlichen Beziehungsnormen und dem Versuch, sie zu überwinden. Immer wieder verrutscht dabei die Realität und gibt den Blick frei auf das Absonderliche und Urkomische unserer Existenz.
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Rezensionen zum Buch
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Rezension zu Medulla
- Buchdoktor
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14. Oktober 2025 um 17:24
Klappentext/VerlagstextWeiterlesen
Was, wenn die Lust, neu anzufangen, unbändig ist? Wenn sich der brennende Wunsch danach, frei und selbstbestimmt zu leben, nicht länger leugnen lässt?
In einem heißen Berliner Sommer driften drei Paare auseinander, werden sich fremd, zu gegenläufigen Strukturen. Im flimmernden Zentrum die schwangeren Körper von Siv, Leyla und Esther – drei Frauen, die sich der Enge ihrer Lebensentwürfe widersetzen und radikal abwenden von einem scheinbar vorgezeichneten Weg. Kraftvoll und zugleich mit einer großen Zartheit zeichnet Verena Güntner widerständige, sinnliche Figuren und erzählt von brüchigen Beziehungen, Schwesternschaft und Aufbruch.
Die Autorin
VERENA GÜNTNER, 1978 in Ulm geboren, spielte nach ihrem Schauspielstudium viele Jahre am Theater. Ihr Debüt ›Es bringen‹ erschien 2014. Ihr zweiter Roman ›Power‹ wurde 2020 für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert und 2021 mit dem Schubart-Literaturförderpreis bedacht. Als Teil des feministischen Literaturkollektivs LIQUID CENTER gab Verena Güntner gemeinsam mit Elisabeth R. Hager und Julia Wolf 2024 den Kollektivroman ›Wir kommen‹ heraus. Sie lebt mit ihrer Familie in Berlin.
Inhalt
Siv wird mit Anfang 40 ungeplant von ihrem Partner Jan schwanger, Leyla nach einer Kinderwunsch-Behandlung und auch Leylas Kollegin Esther erwartet ein Kind. In drei großen Kapiteln richtet Verena Güntner ihren Focus auf drei Berliner Paare, die privat und beruflich miteinander verbunden sind und mit weiteren Personen Dreierarrangements pflegen. Der 50-jährige Jan, als Besitzer des angesagten Restaurants „Leppert“ offenbar frei von wirtschaftlichen Sorgen seiner Branche, sieht sich bereits als Autor eines Memoirs und setzt leichtsinnig die Zusammenarbeit mit seiner Geschäftsführerin Ellen aufs Spiel, ohne die das Leppert nicht existieren kann. Siv arbeitet als DJ, sowie an ihrem eigenen Album und setzt selbstverständlich voraus, dass Jan weiter ihren Lebensunterhalt finanzieren wird.
Dass Leyla zeitgleich mit Esther schwanger wurde, macht ihr nicht näher definiertes gemeinsames Projekt zum verminten Gelände. Beruflich profitiert Leyla von ihrer iranischen Herkunft. Als Schwangere würde sie gern weniger Aufsehen erregen und von David weniger kontrollierend behütet sein. Leyla schien mir der hilflosere, passivere und kaum über Schwangerschaft informierte Part im fragilen Universum werdender Eltern zu sein und darüber hinaus in der unter Einwanderern verbreiteten Einstellung gefangen, „die Behörden, also der Staat“ würden ihr feindlich gegenüberstehen.
Die drei Paare eint ein wokes Milieu, in dem von „Mitarbeitenden“ gesprochen, Status durch Luxusmarken demonstriert und bisher kein Wort über die Aufteilung der Care-Arbeit für ein Kind gesprochen wird. Da Jan sich im Gegensatz zu Siv offenbar ein Kind wünscht, hätte ich wenigstens von ihm einen Vorschlag für ein zeitgemäßes Betreuungsmodell erwartet.
Fazit
Verena Güntners Figuren geben vor, dass Geld keine Rolle spielt und stehen ihrem Familienzuwachs lange recht blauäugig gegenüber. Sie wollen ein Kind, aber niemand sieht sich als Elternteil. Angesichts dieser elitären Verantwortungslosigkeit wirkten ihre Schwangerschaften auf mich eher wie Luftschlösser. Kurz vor dem Ablaufen ihrer biologischen Uhr geht es den Frauen plötzlich darum, mit welchem Partner sie sich ein Kind wünschen. Dass sie sich kurz zuvor als Schwangere noch wie eine Ware auf dem Bazar fühlten, spielt nun erstaunlicherweise keine Rolle mehr. Gerade weil keine Figur meine Sympathie wecken konnte, habe ich mich vom ironischem Blick der Autorin gern einfangen lassen. Ihre ernüchternde Darstellung von Lebensstil und Klassenschranken hätte ich mir jedoch ohne Nennung von Markennamen gewünscht.
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Update: 12. April 2026 um 20:19




