Übung in Gehorsam
Buch von Sarah Bernstein, Beatrice Faßbender
Titel: Übung in Gehorsam
Sarah Bernstein (Autor) , Beatrice Faßbender (Übersetzer)
Verlag: Verlag Klaus Wagenbach GmbH
Format: Taschenbuch
Seitenzahl: 160
ISBN: 9783803133762
Termin: Neuerscheinung März 2025
Aktion
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Kurzmeinung
drawe Schwergewichtiger Inhalt (soweit ich ihn verstanden habe...), aber zu verrätselt. Muss das sein? -
Kurzmeinung
Maesli Ich habe die Bedeutung von Bernsteins Buch leider nicht verstanden
Zusammenfassung
Inhaltsangabe zu Übung in Gehorsam
Eine junge Frau kündigt ihren Job in einer Anwaltskanzlei und zieht zu ihrem Bruder, der von Frau und Kindern verlassen wurde. In dem abgelegenen Dorf in einem nördlichen Land lebten schon die Vorfahren der Familie, es ist ihnen dort nicht gut ergangen. Als jüngstes von zahlreichen Geschwistern scheint es der jungen Frau nichts auszumachen, sich als Haushälterin des Bruders aufzuopfern. Doch nach einer Reise erkrankt er unter ihrer hingebungsvollen Pflege an einer mysteriösen Krankheit. Von den Dorfbewohnern, deren Sprache sie nicht spricht, wird sie argwöhnisch betrachtet. Rätselhafte, beunruhigende Ereignisse häufen sich: Die Kartoffelernte verfault, eine Sau zerquetscht ihre Ferkel. Ein Gefühl wachsender Bedrohung stellt sich ein. Wer kontrolliert hier wen? Wer wird zur Rechenschaft gezogen? Und wofür? Sarah Bernstein gilt dank ihres präzisen, geradezu kaltblütigen Stils als eine der aufregendsten und originellsten Stimmen ihrer Generation. »Übung in Gehorsam« ist in einer verstörenden Gegenwart angesiedelt und viel zu lebendig, um sich auf offensichtlichen Botschaften auszuruhen.
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Bewertungen
Übung in Gehorsam wurde insgesamt 3 mal bewertet. Die durchschnittliche Bewertung liegt bei 3,5 Sternen.
Meinungen
Rezensionen zum Buch
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Rezension zu Übung in Gehorsam
- drawe
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3. April 2025 um 10:26
Klappentext:Weiterlesen
Auch durch Unterwerfung kann Macht und Kontrolle erlangt werden. Und wer manipuliert, kann nicht unschuldig sein. Oder? Ein Roman voller Rätsel, die nur zwischen den Zeilen entschlüsselt werden können: Eine junge Frau kündigt ihren Job in einer Anwaltskanzlei und zieht zu ihrem Bruder, der von Frau und Kindern verlassen wurde. In dem abgelegenen Dorf in einem nördlichen Land lebten schon die Vorfahren der Familie, es ist ihnen dort nicht gut ergangen. Als jüngstes von zahlreichen Geschwistern scheint es der jungen Frau nichts auszumachen, sich als Haushälterin des Bruders aufzuopfern. Doch nach einer Reise erkrankt er unter ihrer hingebungsvollen Pflege an einer mysteriösen Krankheit. Von den Dorfbewohnern, deren Sprache sie nicht spricht, wird sie argwöhnisch betrachtet. Rätselhafte, beunruhigende Ereignisse häufen sich: Die Kartoffelernte verfault, eine Sau zerquetscht ihre Ferkel. Ein Gefühl wachsender Bedrohung stellt sich ein. Wer kontrolliert hier wen? Wer wird zur Rechenschaft gezogen? Und wofür? Sarah Bernstein gilt dank ihres präzisen, geradezu kaltblütigen Stils als eine der aufregendsten und originellsten Stimmen ihrer Generation. »Übung in Gehorsam« ist in einer verstörenden Gegenwart angesiedelt und viel zu lebendig, um sich auf offensichtlichen Botschaften auszuruhen.
Mein Lese-Eindruck:
Der Roman beginnt mit einer unguten Nachricht: dem Tod von Ferkeln und anderen Unglücksfällen, die sich seit der Ankunft der Ich-Erzählerin häuften. Zufall? Nicht für die Erzählerin. Sie übernimmt die Verantwortung für den Tod der Tiere, für Erkrankungen, für die Kartoffelfäule und vieles andere Ungute mehr. In Rückblicken auf ihre Kindheit erzählt sie, dass sie schon immer die Devote, Dienende und Schuldige war.
Der Roman bleibt aber nicht bei dem Psychogramm einer einzelnen Person stehen, sondern es wird im Fortgang immer deutlicher, dass es sich hier um ein allgemeines Phänomen handelt. Es geht um vergangenes Unrecht, das in die Gegenwart hineinragt, und die Ich-Erzählerin, die allein durch ihr Da-Sein an dieses Unrecht erinnert, wird konsequent ausgegrenzt. Umgekehrt erkennt sie aber auch, dass sie immer ein Außenseiter bleiben wird. Die Unmöglichkeit einer verbalen Kommunikation verhindert jede Lösung und zementiert diesen Zustand. Die objektiv Unschuldige wird von der Gemeinschaft der anderen zum Sündenbock für alle möglichen Unglücksfälle gemacht, und diese Ausgrenzung wiederum ist es, die die Gemeinschaft der anderen festigt. Die Schuldvorwürfe sind so lähmend, dass die Ich-Erzählerin ihre Sündenbock-Rolle schließlich akzeptiert und damit den Frieden der anderen und zugleich deren Gemeinschaft sichert.
Die Anklänge an das Judentum und den Holocaust bzw. historische Pogrome sind unübersehbar und – erschreckend – auch die Parallelen in der Gegenwart, wie sie die Erzählerin gerade erlebt. Ihre Sündenbock-Rolle macht sie zur immer Fremden und damit auch zu einer Heimatlosen, einer „Unbehausten“. Für mich klang hier das Motiv des Ahasver durch, das Motiv des ewig ruhelosen Juden aus der Mythologie.
Allein ihre Existenz erinnert die Gemeinschaft der anderen an eine Vergangenheit, die diese vergessen haben und an die sie nicht erinnert werden wollen. In beklemmenden, teils archaischen Bildern beklagt sie „das Verschwinden des Vernünftigen“, wie es sich in ihrer Sündenbock-Funktion zeigt.
Aber: sie hat überlebt, trotz des Vernichtungswillens der anderen. Sie befreit sich von allen Schuldvorwürfen und Rollenzuweisungen und schließt ihren Bericht sehr selbstbewusst mit dem Satz: „Ich nehme mir das Recht auf mein eigenes Leben.“
Der Text lässt sicherlich andere Lesarten zu. Die Verklausulierungen und Verrätselungen sind nämlich derart zahlreich, komplex und kompliziert, dass man als Leser immer wieder innehalten muss und wie bei einem Puzzlespiel seine Wahrnehmungen neu ordnen muss. Zugegeben: die Versperrung ist sprachlich sehr anspruchsvoll und schön, mir hat die bildstarke Sprache durchaus gefallen. Aber letztlich versperrt die Autorin damit den Zugang.
Fazit: ein inhaltlich durchaus schwergewichtiger und gedankenreicher Roman - immer vorausgesetzt, dass meine Puzzelei ein zutreffendes Bild ergibt. Die Verrätselungen sind abschreckend.
Ausgaben von Übung in Gehorsam
Besitzer des Buches 3
Update: 3. April 2025 um 11:16

