Der Junge

Buch von Fernando Aramburu, Willi Zurbrüggen

Cover zum Buch Der Junge

Titel: Der Junge

, (Übersetzer)

4,6 von 5 Sternen bei 7 Bewertungen

92,9% Zufriedenheit

Verlag: Rowohlt E-Book,

Format: E-Book

Seitenzahl: 248

ISBN: B0DK6438QC

Termin: Neuerscheinung Februar 2025

Aktion

  • Kurzmeinung

    claudi-1963
    Eine familiäre Trauerbewältigung nach einem verheerenden Unglücksfall. Nach einer wahren Begebenheiten.
  • Kurzmeinung

    drawe
    Ich schließe mich @Maesli in vollem Umfang an.
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Bewertungen

Der Junge wurde insgesamt 7 mal bewertet. Die durchschnittliche Bewertung liegt bei 4,6 Sternen.

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Meinungen

  • Eine familiäre Trauerbewältigung nach einem verheerenden Unglücksfall. Nach einer wahren Begebenheiten.

    claudi-1963

  • Ich schließe mich @Maesli in vollem Umfang an.

    drawe

  • ein Roman, der mit außergewöhnlicher Fähigkeit die Facetten der Trauer und des Schmerzes darstellt.

    Maesli

Rezensionen zum Buch

  • Rezension zu Der Junge

    • 28. März 2025 um 11:07
    Der sechsjährige Nuco hat keine Lust zur Schule zu gehen. Doch seine Mutter Mariaje besteht darauf und sein Großvater Nicasio begleitet ihn. Dann passiert etwas Schreckliches. In der Schule gibt es eine enorme Gasexplosion, die fünfzig Kindern und drei Lehrern das Leben nimmt. Darunter ist auch der kleine Nuco. Die Eltern und der Großvater versuchen auf unterschiedliche Weise mit dem Verlust fertig zu werden.
    Dieser Roman des baskischen Autors Fernando Aramburu beruht auf einer wahren Tragödie, die am 23 Oktober 1980 in Ortuella geschah. Obwohl bei diesem Unglück viele Menschen betroffen waren und mit dem Verlust fertig werden mussten, beschränkt sich der Autor im Wesentlich darauf, zu zeigen wie es die Familie des kleinen Nuco verarbeitet.
    Der Roman besteht aus sehr kurzen Kapiteln, in denen ein allwissender Erzähler von der Katastrophe berichtet. Zwischendurch kommt auch Mariaje zu Wort und es gibt Einschübe, in denen der Text selbst berichtet.
    Die Eltern Mariaje und José Miguel Versuchen ihr Leben weiterzuleben und sich auf die Zukunft zu konzentrieren. Sie wollen aus ihrer Wohnung alles was an Nuco erinnert weghaben. Am liebsten würden sie gleich wieder ein Kind zeugen. Doch dann entfremden sie sich immer mehr.
    Der Großvater Nicasio hatte ein sehr inniges Verhältnis zu seinem Enkelsohn und will das Geschehene nicht wahrhaben. Einerseits lässt er seinen Enkel in seiner Welt weiterleben, andererseits besucht er jeden Donnerstag das Grab von Nuco und redet mit ihm. Er lässt sogar die Einrichtung des Kinderzimmers zu sich kommen.
    Ich konnte mit der Familie fühlen, aber am meistens hat mich Nicasios Trauer berührt, dem es den Boden unter den Füßen weggezogen hat. Auch Mariaje trauert sicherlich, aber sie legt sich eine Härte zu, die ambivalente Gefühle in mir auslösen.
    Vielleicht möchte man den Verlust eines geliebten Menschen gerne bald hinter sich lassen, um unbelastet in die Zukunft blicken zu können, so wird die Trauer doch nicht so schnell vergehen, auch wenn sie sich im Laufe der Zeit verändert. Mit dieser Trauer geht jeder auf seine eigene Weise um. In dieser Geschichte bringt die Trauer um Nuco, die bei allen vorhanden ist, die Familie nicht zusammen, sondern lässt sie auseinanderdriften.
    Ein Roman um Verlust und Trauer, der einen nicht unberührt lässt.
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  • Rezension zu Der Junge

    • 10. März 2025 um 18:17
    "Die Trauer hört niemals auf, sie wird ein Teil unseres Lebens. Sie verändert sich und wir ändern uns mit ihr." (Pinterest)
    Jeden Donnerstag trifft man den alten Nicasio auf dem Friedhof an. Hier besucht er das Grab seines Enkels Nuco und er erzählt ihm, was die Woche über alles geschehen ist. Der 6-jährige Nuco wurde am 23. Oktober 1980 durch eine Propangasexplosion in seiner Schule getötet. Bei der Zerstörung des Erdgeschosses kommen weitere Kinder und drei Erwachsene ums Leben. Das Dorf Ortuella und ganz Spanien trauern mit den Familien mit. Alle Familienmitglieder stehen unter Schock und verarbeiten ihren Verlust anders. Während José Miguel seinen Sohn schnellstens vergessen möchte, lässt Mariaje das Unglück nicht mehr los. Für Großvater Nicasio lebt sein Enkel einfach weiter und er verschließt sich immer mehr in seine ganz eigene Welt. Als die Eltern eine neue Zukunft für sich planen, geschieht das nächste Unglück.
    Meine Meinung:
    Es ist der 23. Oktober 1980, als bei einer Gasexplosion in einer Schule im spanischen Ortuella fünfzig fünf- bis sechsjährige Schüler, zwei Lehrer und eine Köchin ums Leben kommen. Ortuella liegt im Baskenland, da, wo der Autor geboren und aufgewachsen ist. Deshalb nimmt er sehr wahrscheinlich dieses reale Ereignis zum Anlass, um dieses Buch zu schreiben. Ein wirklich schmerzhaftes Unglück für viele Familien aus diesem kleinen Dorf. Was will der Autor mit diesem Buch bezwecken? Sensationslust ist es schon mal nicht, denn er beschreibt alles sehr realistisch und einfühlsam. Er benutzt sogar eine fiktive Familie, um ja alle Ähnlichkeiten mit realen Personen auszuschließen. Den Titel "Der Junge" finde ich nicht so passend für dieses Buch, ich hätte da einen anderen gewählt. Denn in dieser Geschichte erfahren wir im Grunde am wenigsten über diesen Jungen. Sondern es geht eher um die unterschiedlichen Trauerprozesse seiner Familie und weniger um den Jungen selbst. Schön wäre es sicher, hätte man die Sicht mehrerer Familien und nicht nur einer miterlebt. Während Nucos Vater möglichst das Unglück und den Tod schnell vergessen und wieder in die Zukunft blicken möchte, bleibt für seine Frau eher die Zeit stehen. Nucos Großvater trifft dieses Unglück ebenfalls hart. Er hatte schon immer ein inniges Verhältnis zu seinem Enkel und versucht, ihn nun weiter am Leben zu erhalten. Dafür baut er sogar ganz realistisch Nucos Zimmer in seiner Wohnung nach, mit den Möbeln, die von den Eltern entsorgt werden. Außerdem besucht er ihn jede Woche auf dem Friedhof, möglichst ohne dass andere Trauernde dort sind, damit er sich ganz in Ruhe mit ihm unterhalten kann. Für die Einwohner dagegen ist er nur noch der Verrückte oder Schwachsinnige. Trotzdem der Autor seine Personen nicht gerade ausschmückt oder extrem beschreibt, sehe ich den alten Nicasio bildlich vor mir. Da ist ein Großvater, der seinen Enkel zur Schule bringt und nach seinem Tod sogar auf der Straße einen Jungen mitnimmt, weil er meint, es sei sein Enkel. Fast wird er dadurch sogar noch ungewollt zum Kindesentführer. Die Eltern dagegen blicken wieder hoffnungsvoll in die Zukunft, weil sie einen erneuten Kinderwunsch verspüren. Bis dann ein früh erahnendes Geheimnis zu einem weiteren Unglück führt. Mariajes muss schon sehr viel erdulden und auch wenn sie sich ins Leben zurückkämpft, bleiben am Ende für mich doch einige Fragen offen. Ich bin ein wenig hin- und hergerissen mit diesem Buch, vielleicht weil ich doch etwas mehr erwartet hatte. Ebenfalls gewöhnungsbedürftig sind die elf Zwischentexte, bei denen der Autor uns in seinen Schreibprozess mitnimmt. Mich jedenfalls hat diese Geschichte zwar bewegt, doch nicht so aufgewühlt, wie ich es sonst bei anderen Büchern mit realen Geschehnissen erlebe. Deshalb gibt es von mir gute 4 Sterne.
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  • Rezension zu Der Junge

    • 5. März 2025 um 10:37
    „Nicasio geht gewöhnlich donnerstags zum Friedhof.“
    Mit diesem Satz beginnt der Roman. Am 23. Oktober 1980 wurde durch eine Propangasexplosion das gesamte Erdgeschoss einer Schule zerstört. Dabei kamen fünfzig Kinder und drei Erwachsene ums Leben. Dieses schreckliche Unglück gab es tatsächlich, der Roman baut darauf auf und zeigt die Trauer um den entsetzlichen Verlust exemplarisch an einer Familie.
    Zunächst bekommt man einen ersten Eindruck der Familie nach dem Unglück. Vom Großvater Nicasio, der jeden Donnerstag zum Friedhof geht, um mit seinem Enkel Nuco zu sprechen. Nuco der gerade mal 6 Jahre alt wurde. Erfährt von Nucos Mutter, Mariaje, wie sie mit dem Verlust umgeht, wie sehr die Liebe ihres Mannes ihr geholfen hatte die ersten Tage zu überstehen. Und von Nucos Vater, José Miguel, ein einfacher Arbeiter, der sich für seine Familie aufopfert, der sein Kind abgöttisch liebt und in tiefer Trauer verfiel.
    Man erfährt den Ablauf des Unglücks und wie die Familienmitglieder mit dem Verlust umzugehen lernten. Das Ganze ist sehr sensibel erzählt, ohne jegliche Effekthascherei. Man sieht die Personen fast schon plastisch vor sich. Jeder Mensch trauert auf seine Weise und dies wurde mir hier wieder vor Augen geführt. Am einprägsamsten war mir da der Großvater.
    Der Roman besteht aus drei Erzählerstimmen. Einmal die des Erzählers, dann die der Mutter und als dritter und etwas überraschend der Roman selbst. Letzteres war im ersten Moment etwas gewöhnungsbedürftig, fast schon experimentell. Brachte aber immer den Vorteil, dass man aus dem Erzählfluss herausgerissen wieder Distanz zu dem Geschehen und zusätzliche Informationen bekam.
    Für mich war es berührend zu beobachten, wie die Protagonisten einen so tragischen Verlust jeder für sich auf seine Weise verarbeitet hatte und wie ihr Leben weiterging. Normalerweise schreibt Aramburu seitenstarke Romane, hier ist es ihm aufs feinste gelungen so vieles auf verhältnismäßig wenigen Seiten auszudrücken. Es war buchstäblich greifbar wie sich die Angehörigen wieder zurück in ihr Leben kämpften, ohne den Verlust zu verdrängen. Ganz großartig gemacht! Ohne ein Wort zu viel oder zu wenig. Die Übersetzung aus dem Spanischen ist von W.Zurbrüggen.
    Ein ganz besonderer Roman, den ich sehr gerne empfehle.
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  • Rezension zu Der Junge

    • 3. März 2025 um 11:18
    Jeden Donnerstag geht der alte Nicasio zum Friedhof und besucht das Grab seines Enkels Nuco. Er spricht mit ihm, erzählt dem Jungen, was vor sich geht in der Welt. Am 23. Oktober 1980 gab es im Keller der Schule, die der sechsjährige Junge besuchte, eine gewaltige Propangasexplosion, die das gesamte Erdgeschoss zerstörte. Fünfzig Kinder und drei Lehrer kamen bei dem Unglück ums Leben; darunter auch Nuco. Der ganze Ort Ortuella steht unter Schock.
    Die Eltern des Jungen verarbeiten das Ereignis auf unterschiedliche Weise. José Miguel versucht alle Erinnerung zu kappen, Mariaje versucht irgendwann einen Neustart und ihr Vater Nicasio rettet sich in eine Scheinwelt, in der Nuco weiterhin bei ihm sein kann.
    Da wurde Mariaje klar, dass etwas mit ihrem Vater geschehen war, und anstatt ihm zu widersprechen, beließ sie ihn in seiner Illusion oder Verrücktheit oder dem, was immer sich im Hirn dieses Mannes festgesetzt hatte.
    Meine persönlichen Leseeindrücke
    „Der Junge“ ist ein Roman, der mich in seiner Tragik sehr mitgenommen hat. Souverän erinnert Ferdinando Aramburu an einen schrecklichen Unfall, bei dem 50 Grundschulkinder ihr Leben verloren. Eines davon war Nuco: Mariajes und José Miguel Sohn, einziger Enkelsohn von Nicasio und der Roman erzählt mit außergewöhnlicher Fähigkeit die Facetten der Trauer und des Schmerzes denen sich die übriggebliebenen Familienmitglieder stellen müssen. Da kommt ziemlich viel Familienpsychologie auf mich zu.
    Auffallend ist der ungewöhnliche, eindringliche Stil, der diesem Werk eine sehr persönliche Note aufdrückt. Ich fühle mich direkt angesprochen, ein direkter Dialog mit dem Buch und seinen Protagonisten entsteht, besonders wenn es so anmutet als würde der Text zu mir sprechen, so als säße er mir gegenüber, um mit mir zu plaudern. Das rufen die 11 Zwischentexte hervor und sie machen für mich mit dem Reiz dieses Buches aus. In dieser Form sind sie mir bis jetzt in meinen Lektüren nicht untergekommen. Durch sie darf ich teilhaben an Empfindungen, Entscheidungen, Änderungen etc. die der Schriftsteller während des Abfassens trifft.
    Mein Autor hat es so eingerichtet, dass die Geschichte, die er, um es mal so zu sagen, auf meinem Rücken austragen will, hauptsächlich, aber nicht allein auf den Enthüllungen der hier Mariaje genannten Person beruht.
    Dazu kommen präzise gezeichnete Romanfiguren. Nur Mariaje scheint sich selbst zu erzählen, die anderen Protagonisten werden durch sie beschrieben und zum Leben erweckt, denn von den wichtigsten Männern in ihrem Leben sterben 3 in kurzer Reihenfolge vom Jüngsten zum Ältesten. Aramburu gibt sich Mühe, jedem einzelnen seiner Romanfiguren eine Seele zu geben und mir den Zugang zu dieser zu gewähren.
    Die Handlung wird getragen von gekonnt eingesetzten Perspektivwechseln und Zeitebenen. Sehr sanft und einfühlend geht es hin und her, ähnlich einer mündlichen Erzählung, wenn der Erzähler die Handlungen nach vorne und hinten schwenkt.
    Die Sonne war schon untergegangen und der Mann bummelte, wie üblich mit seinem imaginären Enkel an der Hand, durchs Dorf.
    Das ist es, was ich in der Literatur suche und hier gefunden habe. Aramburu macht es mir ohne große Schwierigkeiten möglich, mich mit jedem Familienmitglied (den Jungen ausgenommen, da über ihn erzählt wird, er aber nicht direkt am Handlungsgeschehen teilnimmt) auseinanderzusetzen.
    Fazit
    Der Junge ist für mich ein weiteres Lesehighlight. Tief betroffen habe ich Mariaje in ihrer bewegenden Zerbrechlichkeit kennengelernt und mit ihr den Sohn, den Mann und den Vater, drei Generationen, die sie in kürzester Zeit hintereinander verliert.
    Es ist ein Roman, der mit außergewöhnlicher Fähigkeit die Facetten der Trauer und des Schmerzes darstellt. Die für mich vollkommen neue Form der Zwischentexte fasziniert mich sehr, da ich an Empfindungen, Entscheidungen, Änderungen etc., die der Schriftsteller während des Abfassens des Romans getroffen hatte, teilhaben konnte.
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  • Rezension zu Der Junge

    • 28. Februar 2025 um 12:50
    Mein Lese-Eindruck:
    Aramburu orientiert sich an einem realen Ereignis: der Explosion einer Gasleitung in einer nordspanischen Grundschule mit über 50 Toten, überwiegend Kindern. Er nähert sich diesem Unglück mit großer Sensibilität an und stellt das kollektive Trauma anhand einer kleinen Familie vor: Vater Josè, Mutter Mariaje, Kind Nuco und der Großvater Nicasio.
    Jedes der Familienmitglieder trauert auf seine Weise, und der Leser nimmt teil an ihren teils verzweifelten Versuchen, mit der Tragödie weiterleben zu müssen. Hier ist es vor allem der Großvater, der den Tod des geliebten Enkels nicht hinnehmen kann und der ihn mit der Kraft seiner Phantasie weiterleben lässt. Gerade mit dem Großvater Nicasio ist dem Autor eine überzeugend anrührende und plastische Figur gelungen, mit dem der Leser mitleidet.
    Diese Fokussierung auf eine kleine Familie hat mir sehr gut gefallen, weil es dadurch weniger um das Unglück in der Gemeinde geht als um die Frage, wie eine bisher funktionierende Familie mit dieser Tragödie umgeht, gerade weil diese Tragödie wie ein Katalysator für die kommenden Entwicklungen funktioniert.
    Der Autor ist sich seiner Verantwortung sehr wohl bewusst:
    "die Sorge, gegen meinen Willen zu kunstvoll, zu literarisch zu werden und am Ende ein Büchlein hervorzubringen, das wie ein Roman daherkommt und Gefahr laufen könnte, mögliche Leser zu Beifall oder sogar Lob zu bewegen, und dies auf Kosten einer Tragödie, die für viele Familien ein furchtbarer Schicksalsschlag gewesen ist."
    Dieser Verantwortung wird der Autor damit gerecht, dass er neben der Mutter Mariaje und einem Erzähler eine dritte Erzählebene einfügt: den Roman selber, der zum Leser spricht. Zunächst war ich skeptisch, ob diese Konstruktion nicht etwas maniriert-modisch ist (so wie der Verzicht auf Anführungszeichen) und ob sie deswegen funktionieren kann. Und ja: sie funktioniert. Mit dieser dritten Ebene beglaubigt der Autor immer wieder die Historizität der Geschehnisse, was meiner Meinung nach nicht nötig gewesen wäre, weil der Roman auch als reine Fiktion eine anrührende Lektüre ist. Hier wird aber auch der Vorgang des Erzählens reflektiert. Wesentlicher aber ist, dass der Autor damit zugleich immer wieder Distanz zu dem aufwühlenden Geschehen schafft, holt seinen Leser aus jeder Sentimentalität heraus und vermeidet jede Melodramatik.
    Aramburus Sensibilität zeigt sich auch in seiner eher zurückhaltenden, sehr reduzierten Sprache (wunderbar übersetzt von W. Zurbrüggen!) und darin, dass er immer wieder die Mutter als Zeugin sprechen lässt. Und er verzichtet auf jede Spannung, obwohl der Text dazu das Potential hätte.
    Fazit: ein überlegt komponierter kleiner Roman, der die Trauerbewältigung einer kleinen Familie zeigt und damit zugleich ethische Fragen aufwirft.
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  • Rezension zu Der Junge

    • 19. Februar 2025 um 09:21
    Klappentext
    Jeden Donnerstag geht der alte Nicasio zum Friedhof und besucht das Grab seines Enkels Nuco. Er spricht mit ihm, erzählt dem Jungen, was vor sich geht in der Welt. Am 23. Oktober 1980 gab es im Keller der Schule, die der sechsjährige Junge besuchte, eine gewaltige Propangasexplosion, die das gesamte Erdgeschoss zerstörte. Fünfzig Kinder und drei Lehrer kamen bei dem Unglück ums Leben; darunter auch Nuco. Der ganze Ort Ortuella steht unter Schock. Die Eltern des Jungen verarbeiten das Ereignis auf unterschiedliche Weise. Während José Miguel alle Erinnerung kappen und nach vorne schauen will, um nicht an Trauer zu zerbrechen, lässt Mariaje das Geschehene nicht los. Irgendwann versuchen die beiden wieder ins Leben zu kommen. Doch eines Tages verschwindet José Miguel.
    Autor
    Fernando Aramburu wurde 1959 in San Sebastián im Baskenland geboren. Seit Mitte der achtziger Jahre lebt er in Hannover. Für seine Romane wurde er mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, u. a. dem Premio Vargas Llosa, Premio Biblioteca Breve, Premio Euskadi, und zuletzt, für „Patria“, mit dem Premio Nacional de la Crítica 2017, dem bedeutendsten spanischen Literaturpreis, dem Premio Nacional de Narrativa 2017 und mit dem Premio Strega Europeo 2018.
    Meine Meinung
    Am 23.10.1980 gibt es in der Marcelino Ugalde Schule von Ortuella/Spanien eine Gasexplosion und 50 Kinder und 3 Lehrer verlieren dabei ihr Leben. Von einem Tag auf den anderen ist nichts mehr wie zuvor, das Leben stockt, der Ort und die Menschen sind paralysiert. Auch der 6jährige Nuco war unter den Opfern. Um ihn trauern seine Eltern Mariaje und José Miguel sowie sein Großvater Nicasio.
    Wie sie mit ihrem unendlichen Schmerz und der Trauer umgehen, das wird im Buch thematisiert. Es geschieht sehr unterschiedlich – Nicasio, der Großvater, und Nuco waren ein Herz und eine Seele. Er geht regelmäßig zum Grab, führt Gespräche mit dem Jungen, will ihn nicht aufgeben und verliert dabei den Verstand. Mutter Mariaje will nur einige Fotos aufbewahren, aber sie möchte keine Gespräche mit anderen Leuten und deshalb, will sie raus aus dem Ort und unerkannt unter die Leute. Aus diesem Grund fährt sie nach Bilbao. Vater José Miguel blickt in die Zukunft, will mit Nicos Sachen abschließen und denkt an ein weiteres Kind mit Mariaje. Dieser Wunsch erfüllt sich nicht schnell genug und eines Tages kommt José Miguel von einem Angelausflug mit seinen Freunden nicht mehr heim.
    Es war für mich das erste Buch des Autors und er konnte mich damit voll und ganz überzeugen. Seine Leser hat er mit einer Einleitung auf ein Experiment vorbereitet. Er hat zehn Passagen dazwischengeschaltet und läßt es jedem freigestellt, ob er diese lesen möchte oder nicht. Sie nicht zu lesen, wäre nach meiner Meinung ein echter Verlust. Das angekündigte andere Schriftlayout konnte ich beim eBook leider nicht feststellen.
    Es ist eine Geschichte voller Tragik, Emotionen, es beschreibt diesen unendlichen Schmerz und das Trauma, das sich Außenstehende nicht annähernd vorstellen können. Die Eltern mußten ihre Kinder identifizieren und dann diese brutale Dramatik bei der Beerdigung mit farbenfrohen Kränzen – einfach grausam!
    Dem Autor ist damit ein großartiges, berührendes Buch gelungen, das trotz des Themas nicht nur deprimierend ist, sondern am Ende hoffnungsvoll in die Zukunft blickt. Ich werde es auf jeden Fall weiter empfehlen!
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Ausgaben von Der Junge

Hardcover

Cover zum Buch Der Junge

Seitenzahl: 256

E-Book

Cover zum Buch Der Junge

Seitenzahl: 248

Taschenbuch

Cover zum Buch El niño

Seitenzahl: 270

Der Junge in anderen Sprachen

Besitzer des Buches 10

Update: 2. Oktober 2025 um 06:23