Tabakpech
Buch von Eva-Martina Weyer
Titel: Tabakpech
Eva-Martina Weyer (Autor)
Verlag: STROUX edition
Format: Gebundene Ausgabe
Seitenzahl: 280
ISBN: 9783948065386
Termin: Neuerscheinung Oktober 2024
Aktion
Zusammenfassung
Inhaltsangabe zu Tabakpech
"Tabakpech" erzählt als große Familiengeschichte die Jahre 1930 bis 1995 im unteren Odertal, wo die Grenzen von Preußen und Pommern, von Hochdeutsch und Platt verwischen. Das Schicksal der Menschen ist von Tabak und Tradition geprägt. Das Tabakpech, der Saft, der beim Ernten aus der Pflanze tritt, klebt schwarz an den Händen der Bauern. Im Tabak ist der Traum der Bäuerin Elfie zugrunde gegangen, Sängerin in Berlin zu werden. Sie hat sich für die Pflicht entschieden und ist nie aus dem Tabakland herausgekommen. Elfie hasst den Tabak und meint, durch ihn habe sie die Chance ihres Lebens verpasst. "Tabakpech" ist durchwoben von einem märchenhaft anmutenden Erzählton.
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Bewertungen
Tabakpech wurde insgesamt 3 mal bewertet. Die durchschnittliche Bewertung liegt bei 4,2 Sternen.
Rezensionen zum Buch
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Rezension zu Tabakpech
- Heleflo
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8. Februar 2026 um 14:27
Ein Leben für den TabakWeiterlesen
Wir begleiten die Familien zwischen der Oder und dem Flüsschen Wesel durch die Jahreszeiten und Jahre, die geprägt sind vom immergleichen Rythmus der Natur und dem Anbau von Tabak.
Elfie verliert jung ihre Mutter unnd findet bei ihrer Tante und deren Familie ein neues Zuhause. Das Leben im Dorf Gottesgabe ist seit der Einwanderung der Hugenotten geprägt vom Tabakanbau. Und so klebt das Tabakpech, der Saft der Pflanze, an allen Händen im Dorf und dem Städtchen Mühlrade. Denn ohne die Pflanze geht es nicht.
Die Autorin erzählt von den 30er Jahren über den 2. Weltkrieg, die DDR bis nach der Wende. Auch wenn sich die politische Wetterlage immer ändert, so bleibt das Leben hier dank des Tabaks immer gleich. Selbst im Sozialismus hängt alles vom gedeihen der Tabakpflanzen ab. Bis 1995, als sich das "Wetter" in Richtung Kapitalsimus dreht.
Mir hat das Buch sehr gefallen. Poetisch, aber auch nüchtern erzählt Eva-Martina Weyer vom schweren Leben der Tabakbauern, vom Zusammenhalt in schweren Zeiten und vom Ende des Tabakanbaus in den 90er Jahre. Der Tod und Geburten gehen in den kleinen Dörfern Hand in Hand und doch lassen sich die Menschen trotz aller Mühsal nicht unterkriegen.
Wirklich lesenswert! -
Rezension zu Tabakpech
- findo
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6. April 2025 um 19:05
Autorin: Eva-Martina WeyerWeiterlesen
Titel: Tabakpech
Seiten: 279
ISBN: 978-3-948065-38-6
Verlag Stroux Edition
Autorin:
Eva-Martina Weyer wurde 1961 in Anklam geboren und ist eine deutsche Journalistin und Autorin. Sie wuchs in Schwedt/Oder auf und studierte Journalismus, arbeitete in diesem Beruf für eine große Regionalzeitung Berlins. Als selbstständige Journalistin recherchierte sie zum Tabakanbau in der Uckermark. "Tabakpech" ist ihr erster Roman.
Inhalt:
"Tabakpech" erzählt eine Familiengeschichte aus den Jahren 1930 bis 1995 im unteren Odertal, wo die Grenzen von Preußen und Pommern, von Hochdeutsch und Platt verwischen. Das Leben der Menschen ist vom Tabakanbau und von Traditionen geprägt.
Tabakpech, der Saft, der beim Ernten aus der Pflanze tritt, klebt schwarz an den Händen, hält die Familien fest auf ihren Höfen, auch wenn dabei mancher Traum zugrunde geht. (Klappentext)
Rezension:
Nur eine Bewegung ist es, die über Glück und Unglück der Menschen im Odertal entscheidet. Das Eintauchen der Arme des Aufkäufers, mit dem dieser die Qualität der Ernte prüft, zwischen die Tabakbunde, entscheidet, ob es ein erfolgreiches Jahr gewesen ist oder alle Mühen umsonst waren.
Die Region ist hart zu den Menschen, doch die Nachfahren hugenottischer Einwanderer haben auch ihr Glück im Tabak gefunden. Und so entspannt sich eine Geschichte vom Wandel der Landwirtschaft über mehrere Familiengenerationen, eindrücklich erzählt von Eva-Martina Weyer.
Der Rhythmus der Jahreszeiten, die Erntefolge bestimmt den Takt, in dem Einwohner des kleinen Ortes denen die Autorin in ihrem kompakt gehaltenen Roman verfolgt, um eine Familiengeschichte von Beständigkeit und Veränderung zu erzählen, wie sie dort auch tatsächlich stattgefunden haben könnte.
Dabei werden der gesellschaftliche und persönliche Wandel innerhalb von wenigen Jahrzehnten thematisiert, sowie die sich verändernde Rolle und Stellung von Frauen, die auf den Feldern so manchen Traum abhanden kommen lassen müssen und dann in entscheidenden Momenten selbstbewusst das Heft in die Hand nehmen. Erzählt wird ein Strukturwandel in vielerlei Hinsicht.
Hauptsächlich aus dem Blick von Elfi betrachten wir das Geschehen, die als Waisenkind von Wilmine aufgenommen, ihren Weg zwischen den Tabakpflanzen gehen wird. Beeindruckend hat die Autorin eine Hauptprotagonistin mit Ecken und Kanten versehen, die handlungstreibend wirken. Einerseits ist da die Träumerin, phantasiebegabt, manchmal unsicher, andererseits jene, die mit zunehmenden Jahren immer selbstbewusster auftreten kann. Auch die anderen Figuren wurden feinfühlig ausgestaltet. Eine Gemeinschaft, in der ein jeder zwischen Hoffnungen und Zwängen und dem Gesspür für Veränderung und Tradition agieren muss.
Das strukturschwache Odertal mit seiner landwirtschaftlichen Prägung, war einst eines der größten Tabakanbaugebiete der Welt. Dieser Schauplatz, viel mehr das Dorf, in dem die Hauptprotagonistin aufwächst, wird anhand sehr detaillierter Beschreibungen greifbar. Auch die Handlungen der Protagonisten, die in all ihren Grauschattierungen gezeichnet werden, werden teilweise plastisch beschrieben. Manchmal sehr hart an der Grenze zum Kitsch, gerade wenn es gefühlig wird. Rentnerhafte ARD-Wohlfühlatmosphäre braucht dennoch niemand zu befürchten.
Werden andere Perspektiven eingenommen, als die der Hauptprotagonistin, kündigt sich eine handlungstreibender Wandel an. Das Erzähltempo bleibt dabei gleichförmig. Eva-Martina Weyer lässt dabei keine unlogischen Wendungen oder gar Lücken zu und bleibt im Gegensatz zu anderen Autor:innen von Familien-Epen bodenständig in ihrer kompakten Erzählung.
Diese bleibt bis zum Ende nachvollziehbar. Nicht nur zwischen den Zeilen merkt man, dass die Autorin die Gegend gut kennt. Man bekommt durchaus Lust, der wahren Geschichte des Tabakanbaus in der Region nachzuspüren, wo man doch in die Handlung hineingezogen wird. Nicht nur für Lesende, die das Odertal und ihre Menschen gut kennen, wird hier ein Kulturerbe verschriftlicht, welches diese über Jahrhunderte prägte.
Der Roman lässt einem die körperlichen Anstrengungen, das Hoffen und Bangen förmlich selbst spüren, wenn auch an mancher Stelle ein schnelleres Erzähltempo vermissen. Der Tupfen auf dem I versinkt dabei leider im Tabakpech. Bis zum Schluss bleibt er lesenswert, eben nicht nur der hervorzuhebenden grafischen Gestaltung wegen.
Tabakmuseum:
Wer selbst der Geschichte des Tabaks nachspüren möchte, kann dies tun. In Vierraden, Schwedt/Oder. -
Rezension zu Tabakpech
- Buchdoktor
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4. November 2024 um 11:18
Klappentext/VerlagstextWeiterlesen
"Tabakpech" erzählt als große Familiengeschichte die Jahre 1930 bis 1995 im unteren Odertal, wo die Grenzen von Preußen und Pommern, von Hochdeutsch und Platt verwischen. Das Schicksal der Menschen ist von Tabak und Tradition geprägt. Das Tabakpech, der Saft, der beim Ernten aus der Pflanze tritt, klebt schwarz an den Händen der Bauern. Im Tabak ist der Traum der Bäuerin Elfie zugrunde gegangen, Sängerin in Berlin zu werden. Sie hat sich für die Pflicht entschieden und ist nie aus dem Tabakland herausgekommen. Elfie hasst den Tabak und meint, durch ihn habe sie die Chance ihres Lebens verpasst. "Tabakpech" ist durchwoben von einem märchenhaft anmutenden Erzählton.
Die Autorin
Eva-Martina Weyer wurde in Anklam geboren und wuchs in Schwedt an der Oder auf. Nach dem Studium der Journalistik hat sie fast 40 Jahre bei einer großen Regionalzeitung östlich von Berlin gearbeitet. Mit 60 Jahren machte sie sich als Journalistin selbständig und recherchierte umfangreich zum Tabakanbau in der Uckermark. Die schwere Feldarbeit, der Zusammenhalt in den Pflanzerfamilien, ihre Traditionen und Lebensfreude haben sie tief berührt. Nach tausenden von Zeitungsartikeln ist „Tabakpech“ ihr erster Roman. Eva-Martina Weyer ist Vorleserin für kleine und große Kinder. Sie lebt mit Mann und Kater mitten im Nationalpark Unteres Odertal, dem Land zwischen den Flüssen.
Inhalt
Im Tabakanbaugebiet an Oder und Welse werden zukünftige Ehefrauen danach beurteilt, ob sie „Tabak können“. Das jährliche Keimen der Samen in der warmen Küche, das Päppeln der Pflänzchen im Frühbeet und später das Jäten und Gießen auf dem Feld sind zum großen Teil Frauen- und Kindersache. Bei der Ernte, dem Auffädeln und Verpacken der „backblechgroßen" Tabakblätter packen alle mit an. Nur hier, wo der Morgennebel sich vom Fluss aus sanft auf die Tabakblätter legt, gedeiht der Rohstoff für die Zigarettenmarke Salem Gold.
Die Fertigkeiten für den Tabakanbau brachten einst die Hugenotten mit ins fiktive Mühlraden im Odertal. Bis heute gibt es im Ort einen zweiten Pastor für deren Nachfahren, die Reformierten. In eine Rahmenhandlung, in der die Bäuerin Elfie ihre Tabakernte am Ankaufstag zum Aufkäufer fährt, bettet Eva-Martina Weyer die Geschichte der Familien Menanteau, Radloff und des Pastors Hans Hurtienne. Nach dem Tod ihrer Mutter kam die fünfjährige Elfie zu ihrer Tante Wilmine und sollte sich ihr Leben lang schwer damit tun, die warmherzige und großzügige Frau als Mutter zu akzeptieren. Elfie wächst mit ihren Cousinen Reni und Grete und dem Nesthäkchen Heinz im Jahreslauf des Tabakanbaus auf; die Handlung umfasst im Zeitraum von 1930-1995 die Erlebnisse dreier Generationen. Wie Ehefrauen und Arbeitspferde müssen Kinder von Tabak-Bauern „anstellig“ sein; gearbeitet wird, bis die Arbeit geschafft ist. Wer kinderlos bleibt, wird wegen fehlender helfender Hände keinen Tabak anbauen können. Auch wenn die älteste Tochter Reni sich in der Familie als fünftes Rad am Wagen fühlt und sich schon früh über Ungerechtigkeiten empört, ist Vater Karl mit seinem Kleeblatt zufrieden. Mit dem Nationalsozialismus kommen Denunziation, Krieg und Traumatisierung ins Dorf. Krieg und Besetzung durch die Rote Armee 1945 bringen eine Kette persönlicher Schicksalsschläge nach Mühlraden; später stellt die Zwangskollektivierung der DDR-Landwirtschaft den Tabakanbau infrage, der bisher auf der Basis von Können und Privatwirtschaft funktionierte. In einer kollektivierten Landwirtschaft ist schwer vorstellbar, wie der Tabak "seinen Bauern täglich arbeiten sehen" wird. „Die Politik wird [uns] alle ans Hungertuch bringen“, fürchten die Tabakbauern.
Fazit
Sehr sinnlich vermittelt Eva-Martina Weyer die Atmosphäre im Odertal und die Plackerei auf dem Tabakfeld, die durch hartnäckiges Tabakpech unübersehbare Spuren in den Handflächen und unter den Nägeln hinterlässt. Sorgfältig recherchiert, teils etwas zu pathetisch, zeigt „Tabakpech“ drei Generationen, in denen Frauen allein aufgrund ihrer Arbeitsleistung mitzureden haben, aber nicht unbedingt aus den Fehlern ihrer Ahninnen lernen. Neben der Fülle an Details aus dem bäuerlichen Alltag hat mich das überraschend leicht verständliche Plattdeutsch angesprochen (hier heissen Frikadellen Bouletten und Holzschuhe Pantinen). Ein hochinteressanter Roman, dem ich viele Leser:innen wünsche.
Ausgaben von Tabakpech
Besitzer des Buches 4
Update: 20. April 2026 um 03:10

