Die Formel des Widerstands: Wie Kernphysiker mithalfen, die Atombombe der Nazis zu verhindern
Buch von Astrid Viciano
Titel: Die Formel des Widerstands: Wie Kernp...
Astrid Viciano (Autor)
Verlag: Galiani-Berlin
Format: Gebundene Ausgabe
Seitenzahl: 240
ISBN: 9783869712932
Termin: Neuerscheinung Oktober 2024
Aktion
-
Kurzmeinung
Abroxas Prägnante und fesselnde Darstellung, die sich hpts. um die Joliot-Curies und Wolfgang Gentner dreht
Zusammenfassung
Inhaltsangabe zu Die Formel des Widerstands: Wie Kernphysiker mithalfen, die Atombombe der Nazis zu verhindern
Paris 1940: Die Wehrmacht besetzt die französische Hauptstadt und der deutsche Physiker Wolfgang Gentner wird ans Collège de France beordert, um den Nazis neue Forschungserkenntnisse und Material für die Kernspaltung zu verschaffen. Doch der Leiter des Labors ist ein langjähriger Freund und der Auftrag der Beginn einer verdeckten Zusammenarbeit. Kurz vor Hitlers Machtergreifung im Jahr 1933 lernen sich der junge Wissenschaftler Wolfgang Gentner und sein französischer Kollege Frédéric Joliot-Curie am Institut du Radium in Paris kennen. Es ist die Zeit bahnbrechender Erkenntnisse der Physik, von Albert Einstein bis zu Marie Curie. Gentner forscht gemeinsam mit Curies Tochter Irène und ihrem Mann Frédéric zu künstlicher Radioaktivität. Experimente, die den Joliot-Curies den Nobelpreis einbringen werden. 1940 kehrt Gentner im Auftrag des deutschen Uranprojekts nach Paris zurück. Er soll Joliot-Curies Forschung überwachen und den Nazis wichtige Erkenntnisse für den Bau der Atombombe sichern. Doch der französische Kollege beginnt, verdeckt für die Résistance zu arbeiten, sein Labor wird zum Zentrum des Widerstands. Gentner kooperiert scheinbar mit den Nazis, denkt sich immer neue Vorwände aus, um die Deutschen am Zutritt zum Labor zu hindern und die Freilassung französischer Widerständler aus den Fängen der Waffen-SS zu bewirken – ein doppeltes Spiel, bei dem Gentner alles riskiert und das seinen Freunden gleich mehrfach das Leben rettet.
Weiterlesen
Bewertungen
Die Formel des Widerstands: Wie Kernphysiker mithalfen, die Atombombe der Nazis zu verhindern wurde insgesamt 3 mal bewertet. Die durchschnittliche Bewertung liegt bei 4,3 Sternen.
Meinungen
-
Prägnante und fesselnde Darstellung, die sich hpts. um die Joliot-Curies und Wolfgang Gentner dreht
Rezensionen zum Buch
-
Rezension zu Die Formel des Widerstands: Wie Kernphysiker mithalfen, die Atombombe der Nazis zu verhindern
- Bellis-Perennis
-
27. Januar 2026 um 06:00
Vabanque-Spiel mit ungewissem AusgangDie Wissenschaftsjournalistin Astrid Viciano entführt uns mit diesem Buch in das von den NS-Truppen besetzte Paris zwischen Juni 1940 und August 1944. Genauer gesagt in die Labors von Irène (1897-1956) und Frédéric Joliot-Curie (1900-1958), die seit einigen Jahren gemeinsam mit ihrem Team an den bahnbrechenden Forschungen zur Kernphysik arbeiten.Weiterlesen
Die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts ist geprägt von weitreichenden Entdeckungen und Erfindungen, die nicht immer nur friedlichen Zwecken dienen, wie man unter anderen bei Fritz Haber sehen kann, dessen Ammoniaksynthese nicht nur zur Herstellung von Düngemitteln sondern zum Einsatz des daraus entwickelten Giftgas im Ersten Weltkrieg geführt hat.
Nun geht es um die Kernspaltung. Neben Paris wird dazu auch in Deutschland durch Lise Meitner, Otto Hahn und Fritz Straßmann geforscht. Während die jüdische Physikerin Lise Meitner im letzten Moment emigrieren kann, gelingt Hahn und Straßmann erstmals eine Kernspaltung. Wenig später bricht der Zweite Weltkrieg aus und Nazi-Deutschland setzt alles daran, eine Atombombe zu bauen.
Nach der Besetzung Paris‘ ab 1940 versucht das NS-Regime die Forschungsarbeiten der Gruppe um Joliot-Curie für ihre Zwecke zu kontrollieren. Besonders das neu entwickelte Zyklotron steht im direkten Fokus. Zur Überwachung der Forscher wird ausgerechnet Wolfgang Gentner (1906-1980) abgestellt, der in den 1930er-Jahren an der Sorbonne mit Marie Curie (1867-1934) zusammengearbeitet hat und mit dem Ehepaar Joliot-Curie befreundet ist. Gentner weiß um die Gefahren einer Atombombe und versucht mit allen Mitteln zu verhindern, dass die Technik in die Hände der Nazis fällt. Er nimmt Verbindung zu Admiral Wilhelm Canaris (1887-1945) auf, der schon seit 1938 zahlreiche Regimegegner heimlich unterstützt, während Frédéric Joliot-Curie sich der Résistance anschließt. Für Gentner beginnt ein gefährliches Vabanque-Spiel, dessen Ausgang völlig offen ist. Er muss nach außen hin an dem deutschen Uranprojekt festhalten, während er gleichzeitig Frédéric und seine Kollegen im Widerstand schützt.
An den Lebensdaten von Gentner und dem Ehepaar Joliot-Curie ist unschwer zu erkennen, dass sie den Krieg überlebt haben. Canaris wird nach dem missglückten Attentat auf Hitler vom 20. Juli 1944 verhaftet und 1945 im KZ Flossenbürg zum Tode verurteilt und gehängt.
Meine Meinung:
Der Wissenschaftsjournalistin Astrid Viciano gelingt es ausgezeichnet das komplexe Thema der Kernspaltung so in die Handlung zu integrieren, dass wir Leser nicht im physikalischen und chemischen Fachvokabular untergehen. Sie schreibt die beklemmende und gefährliche Atmosphäre in den Pariser Forschungsstätten. Neben Frédéric Joliot-Curie haben sich noch weitere Wissenschaftler wie Jacques Solomon und Paul Langevin dem französischen Widerstand angeschlossen und sabotieren die Forschungsarbeiten unter anderem am Zyklotron. Daneben erfahren wir einiges über das Privatleben der Joliot-Curies.
Der Schreibstil ist sachlich. Da die Autorin immer wieder die Perspektive verschiedener Personen in den Fokus rückt, kommt es einige Male zu Redundanzen und Wiederholungen.
Fazit:
Diesem Buch, das seinen Fokus auf die historischen Ereignisse legt und daher auch von physikalischen Laien sehr gut lesbar ist, gebe ich 5 Sterne und eine Leseempfehlung. -
Rezension zu Die Formel des Widerstands: Wie Kernphysiker mithalfen, die Atombombe der Nazis zu verhindern
- SimoneF
-
15. Oktober 2024 um 22:38
Die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde in der Physik durch bahnbrechende Entdeckungen im Bereich der Kernphysik geprägt, und maßgeblich beteiligt waren Marie und Pierre Curie sowie Irène und Frédéric Joliot-Curie. Kurz nachdem Otto Hahn und Fritz Straßmann 1938 erstmals eine Kernspaltung gelang, brach der Zweite Weltkrieg aus, und rasch wurde klar, dass diese Entdeckung militärisch bedeutsam war, da eine Atombombe den Kriegesverlauf entscheidend beeinflussen würde. Das Nazi-Regime setzte alles daran, diese zu entwickeln, und nach der Besetzung Frankreichs wurde auch das Labor von Frédéric Joliot-Curie unter deutsche Kontrolle gestellt. Es verfügte, im Gegensatz zu deutschen Forschungseinrichtungen, bereits über ein Zyklotron, das fortan deutsche Wissenschaftler für ihre kernphysikalischen Experimente nutzen wollten. Für die Überwachung der französischen Kollegen wurde Wolfgang Gentner entsandt, der bereits zuvor mit Joliot-Curie zusammengearbeitet hatte und mit ihm befreundet war. Für Gentner beginnt nun ein riskantes Spiel: Nach außen hin muss er im Sinne des deutschen Uranprojektes arbeiten, verdeckt schützt er seinen Freund Joliot-Curie, der eine wichtige Rolle in der Resistance innehat, und weitere französische Wissenschaftler im Widerstand.Weiterlesen
Astrid Viciano beschreibt eindrücklich die Atmosphäre im besetzten Paris und die Situation in den Forschungsinstituten. Viele Wissenschaftler hatten sich dem Widerstand angeschlossen, waren Teil antifaschistischer, kommunistischer oder links-intellektueller Bewegungen, u.a. Frédéric Joliot-Curie, Jacques Solomon und Paul Langevin. Unter Lebensgefahr widersetzten sie sich den Besatzern und sabotierten das Atomprojekt. Gentner hält seine Hand über sie und setzt sich für die Freilassung von verhafteten Wissenschaftlern ein.
Der Fokus des Buches liegt klar auf den historischen Aspekten, die kernphysikalische Forschung wird nur sehr rudimentär angerissen. Es lässt sich daher auch für naturwissenschaftliche Laien problemlos lesen. Da die Autorin den Fokus auf mehrere Personen legt, springt das Buch sowohl zeitlich als auch räumlich immer wieder hin- und her, teilweise gibt es kleinere Redundanzen. Hier hätte ich mir vor allem zeitlich eine etwas stringentere Umsetzung gewünscht, zumal Viciano offenbar selbst etwas durcheinanderkommt. So schreibt sie, nachdem Frédéric Joliot-Curies Freund Jacques Solomon im Mai 1942 von den deutschen Besatzer ermordet wurde am Ende des fünften Kapitels: „Frédéric Joliot-Curie ist von der Ermordung Solomons so erschüttert, dass er beschließt, Mitglied der kommunistischen Partei zu werden. […] Er wählt dafür einen denkbar ungünstigen Moment. Werden die Deutschen doch einen Monat später, im Juni 1942, den Nichtangriffspakt mit der Sowjetunion brechen, indem sie gen Osten marschieren.“. Der Nichtangriffspakt wurde jedoch bereits ein Jahr zuvor, am 22. Juni 1941, also deutlich vor der Ermordung Solomons, aufgekündigt. Im sechsten Kapitel geht es dann verwirrenderweise auch am 29. Juni 1941 mit der Verhaftung Frédéric Joliot-Curies weiter.
Abgesehen davon bietet das Buch jedoch sehr interessante Einblicke und verdeutlich die Brisanz der physikalischen Forschung zur damaligen Zeit sowie die Rolle der französischen Forscher in der Resistance. Sehr lesenwert!
Ausgaben von Die Formel des Widerstands: Wie Kernphysiker mithalfen, die Atombombe der Nazis zu verhindern
Besitzer des Buches 4
Update: 27. Januar 2026 um 06:00

