Katabasis
Buch von R. F. Kuang, Anja Stadlober, Alexandra Jordan, Heide Franck
Titel: Katabasis
R. F. Kuang (Autor) , Anja Stadlober (Sprecher) , Alexandra Jordan (Übersetzer) , Heide Franck (Übersetzer)
Verlag: Lübbe Audio
Format: Audible Hörbuch
ISBN: B0FL27NVQP
Termin: Neuerscheinung August 2025
Aktion
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Kurzmeinung
odile Spannender Höllentrip mit Längen und teils nervenden Protagonisten -
Kurzmeinung
Aleshanee Sehr abgefahrene und aberwitzige Höllenfahrt
Bewertungen
Katabasis wurde insgesamt 12 mal bewertet. Die durchschnittliche Bewertung liegt bei 4,2 Sternen.
Meinungen
Rezensionen zum Buch
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Rezension zu Katabasis
- Leelo Stern
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19. September 2025 um 02:10
“Katabasis” ist der neuste gesellschafts- und sozialkritische Fantasyroman von Rebecca F. Kuang. Ich erwähne das hier extra deutlich, denn wer aus dem Klappentext ein höllisches Mainstreamabenteuer mit romantischem Fokus herausliest, wird mit falschen Erwartungen an dieses Buch heran treten. Ja, die Hölle wird physisch betreten und von Alice und Peter auf ihrer Suche nach dem Professor durchwandert und durchlitten. Es ist aber auch und vor allem eine Reise in die Hölle der elitären akademischen Welt und in Alice’ ganz persönliche Abgründe.Weiterlesen
Wie schon im Genrevorgänger Babel erschafft Kuang auch für Katabasis ein magisches Setting, das eng mit der akademischen Welt einer Eliteuniversität verwoben ist. Und wiederum fasziniert mich die Art und Weise, wie sie die Realität mit dem Phantastischen verwebt und dabei mühelos ein wissenschaftlich und sogar plausibel anmutendes Magiesystem erschafft. Besonders gefreut hat mich, dass dieses sorgfältig durchdachte System auch zu tatsächlich praktischer Anwendung kommen darf und eine relativ prominente und aktive Rolle erhält. Das Setting hat mich mit seiner organischen Lebendigkeit und Plotrelevanz definitiv überzeugt.
Sprachlich war Katabasis - wie nicht anders zu erwarten - ein Genuss. Kuangs Stil ist präzise und dennoch anschaulich, der Ton situativ angepasst ironisch, humorvoll, akademisch und/oder bedrückend. Die Autorin weiss definitiv mit Sprache umzugehen und traut ihren Leser:innen gewisse Standards zu. Oder verlangt sie ihnen ab - vor allem auch inhaltlich. Das Buch spielt in einer akademischen Welt und die Protagonisten gehören in dieser zur Elite. Entsprechend verhandeln sie im Laufe der Geschichte theoretische Konzepte, die nicht allen Lesenden geläufig sein dürften. Meiner Meinung nach gelingt es Kuang aber grossmehrheitlich bemerkenswert gut, diese abstrakten Theorien so zu präsentieren, dass ich auch als Leserin mit bescheidenerem Bildungskontext gut folgen konnte.
Wie bereits angedeutet, handelt es sich bei Katabasis nicht nur um ein Fantasyabenteuer. Kuang nutzt ihr Werk, um vielschichtige Kritik an der Gesellschaft zu üben, wodurch eine sehr figurenzentrierte Geschichte entsteht. Obwohl es immer wieder Momente äusseren und physischen Konfliktes gibt und die Plotspannung dadurch hochschiesst, handelt es sich doch vor allem um eine seelische Reise der Protagonistin, die oft von philosophischen Auseinandersetzungen und kontextualisierenden Rückblicken geprägt ist. Alice Katharsis hat damit durchaus - und je nach Erwartungshaltung und Geduld - durchaus ihre kleinen Längen und vielfältigen Wirrungen.
“Katabasis” war für mich ein sprachlich hochstehendes Lesevergnügen, das in eine faszinierende Welt, vor allem aber in die Erlebenswelt einer vielschichtigen jungen Frau entführt hat. Alice Konfrontation mit den Dämonen ihrer selbst und ihrer Welt war sowohl treffend und entlarvend, als auch hochgradig anregend zu lesen. Es ist eines dieser Bücher, das ich gerne noch ein zweites Mal in die Hand nehmen werde, weil ein einziger Durchgang der Fülle an Gehalt kaum gerecht werden kann.
Ich bedanke mich herzlichst beim Eichborn Verlag für das Rezensionsexemplar! Meine Meinung bleibt natürlich und wie immer trotzdem meine eigene. -
Rezension zu Katabasis
- Snowbell
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8. September 2025 um 19:15
Rebecca F. Kuang ist eine außergewöhnliche, vielseitige amerikanische Schriftstellerin mit chinesischen Wurzeln, die eine Ausnahme-.Stellung auf dem internationalen Buchmarkt behauptet. Ihr biographischer Background spiegelt sich in ihrem literarischen Schaffen. Nachdem mich die bereits erschienenen Romane "Yellowface" und "Babel" tief beeindruckt hatten, wollte ich mir ihren neuen Roman "Katabasis" nicht entgehen lassen. Er ist bereits die sechste Publikation von Rebecca F. Kuang, die sie neben ihrer wissenschaftlichen Karriere veröffentlicht. Ihre Bücher lassen sich nicht miteinander vergleichen, sondern stehen für sich; sie weisen keinerlei Übereinstimmungen auf, was den literarischen Stil und das ausgewählte Thema angeht.Weiterlesen
Optisch gesehen, ist das elegante, schlichte Cover ein Hingucker in allen Buchhandlungen. Für mein persönliches Empfinden ist die Farbauswahl ist stimmig, das dunkle Grün kontrastiert mit dem goldenen Buchschnitt und sorgt für eine magisch aufgeladene Atmosphäre, unterstrichen durch eine kunstvolle Darstellung, die viele unterschiedliche Interpretationen zulässt. Man konzentriert sich auf den Querschnitt eines unbekannten Gebäudes. Während eine Person die Treppen hinabstürmt, steht eine zweite vor einer Bibliothek, auf der Suche nach einer bestimmten Publikation. Draußen ist es stockdunkel, das Gebäude strahlt in einem goldenen Ton. Auf den Zinnen liegen mehrere Stapel Papiere, erfasst vom Wind, flattern einzelne Blätter in die Tiefe. Der Titel ist der altgriechische Begriff für den Abstieg in die Unterwelt; man darf ihn als Hinweis auf eine intellektuell fordernde Lektüre verstehen.
"Katabasis" ist kein typisches Fantasy-Buch, sondern ein sprachlich virtuos komponierter Roman, der von Machtmissbrauch und Sexismus an Hochschulen erzählt. Zeitlich gesehen, spielt dieses literarische Werk in den 1980er Jahren. Im Fokus stehen Alice Law und Peter Murdoch, zwei Studierende, die als wissenschaftliche Mitarbeitende des verstorbenen Professor Jacob Grimes das gleiche Ziel (den Abstieg in die Hölle) verfolgen, wenn auch aus unterschiedlichen Motiven. Alice Law ist eine ehrgeizige Studentin, die ihren (weltweit anerkannten) Cambridge-Abschluss durch ihre Schuld am Ableben ihres Doktorvaters gefährdet sieht. Peter Murdoch hingegen ist ein genialer Student, ein (an einer unheilbaren Krankheit leidender) "Überflieger", der aus der Masse von Student*innen herausragt. Das Studium fällt ihm leicht, für seine wissenschaftlichen Leistungen wird er mit Preisen ausgezeichnet, eine steile Karriere scheint für ihn vorgezeichnet. Auch Peter wünscht sich Professor Grimm als Doktorvater; mehr verrät er nicht über seine Motivation, zu seinen privaten Angelegenheiten schweigt er sich aus. Er recherchiert zu den gleichen Themen wie Alice - und scheint ihre Wissenslücken schließen zu können, was in als perfekten Partner auf dieser gefährlichen Reise ins Ungewisse erscheinen lässt. Mit Hilfe von Rückblenden werden wichtige Stationen im Leben von Alice und Peter vergegenwärtigt. Sowohl Alice als auch Peter sind Opfer von Professor Jacob Grimes, eines gewissenlosen, narzisstischen Mannes, der andere Menschen für seine persönlichen Zwecke ausnutzt, missbraucht und fallen lässt. Diskriminierung, Gewalt und Sexismus sind an der Tagesordnung; an der Hochschule wird das extreme Fehlverhalten von Professor Jacob Grimes nicht geahndet, sondern toleriert und totgeschwiegen.
Im Gegensatz zu den üblichen Fantasy-Romanen ist "Katabasis" keine reine Unterhaltungs-Lektüre, sondern ein tiefgründiges literarisches Werk, das nicht leicht zu lesen und zu verstehen ist. Sprachlich gesehen, bewegt sich Rebecca F. Kuang auf einem hohen Niveau, der Text ist geprägt von Ironie und Sarkasmus, wie der verbale Schlagabtausch zwischen den literarischen Figuren aufzeigt. Trotz der eleganten, geschliffenen Sprache habe ich meine Lektüre hin und wieder als etwas anstrengend und sperrig empfunden. Denn eigentliche Handlung ist durchbrochen von zahlreichen philosophischen und wissenschaftlichen Exkursen, auf die man sich (intellektuell und zeitlich!) einlassen und auseinandersetzen muss - und will. -
Rezension zu Katabasis
- Aleshanee
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7. September 2025 um 06:35
Katabasis, Substantiv, Altgriechisch: Die Geschichte eines Helden, der in die Unterwelt hinabsteigt.Weiterlesen
Alice Law hat ihr ganzes Leben lang nur ein Ziel verfolgt: die Beste auf dem Feld der Analytischen Magie zu werden. In Cambridge, als Doktorandin des weltberühmten Professors Jacob Grimes, scheint ihr Traum endlich in Erfüllung zu gehen. Zumindest, bis Grimes bei einem Unfall stirbt, an dem Alice möglicherweise nicht ganz unschuldig ist. Kurzerhand beschließt sie, ihrem Professor in die Hölle zu folgen. Dumm nur, dass ihr Erzrivale Peter Murdoch dieselbe Idee hat.
Mit den Berichten von Orpheus, Dante und T. S. Eliot im Gepäck brechen die beiden auf, um die Seele ihres Mentors zu retten - welchen Preis sie dafür auch zahlen mögen. Doch die Hölle ist nicht so, wie erwartet, und Magie nicht die Antwort auf alles. Denn Alice und Peter verbindet etwas, das sie entweder zu perfekten Verbündeten macht oder für ihren Untergang verantwortlich sein wird.
Meine Meinung
Peter Murdock ist ein liebenswürdiges Genie: immer freundlich, nie herablassend, immer hilfsbereit und niemand, mit dem Alice Law in die Hölle reisen möchte. Doch beide wollen ihren Professor von den Toten zurückholen - ist er doch der einzige, der ihnen bei ihrem Abschluss an Cambridges Institut für Analytische Magie als Doktorvater zur Seite stehen kann.
Sie würden alles opfern, um ihre Professur zu bekommen und Magier zu werden, und natürlich verlangt eine Reise in die Hölle ein Opfer: denn nichts ist umsonst...
Schon mit den ersten Sätzen war ich mitten im Geschehen und hab sofort die Spannungen zwischen Alice und Peter gespürt. Die Autorin verschwendet auch keine Zeit, denn der Abstieg in die Hölle ist direkt der Einstieg in diese aberwitzige Fahrt in die tiefsten Abgründe.
In einigen Rezensionen hab ich gelesen, dass die Beschreibungen als langwierig empfunden wurden - ich kann das für mich so nicht bestätigen. Es gibt ja zahlreiche Werke zur Vorstellung der "Hölle" und die beiden Studenten wissen deshalb nicht, auf was sie sich genau hier einlassen. Auch wenn sie vieles gelesen haben und mit Karten ausgerüstet dort landen, müssen sie sich erstmal orientieren und herausfinden, wie das System der Hölle funktioniert und wie sie aufgebaut ist: und welchen Weg "ihr" Professor wohl gegangen ist.
Alice und Peter haben beide eine ganz eigene Vorstellung, die wir auch im Buch optisch dargestellt bekommen, was ich eine sehr gute Idee fand, da es mit Worten wirklich schwer zu beschreiben ist.
Das Thema Wiedergeburt und Tod ist hier ein sehr starkes Motiv! Welche Höllen / Höfe / Todsünden muss man durchschreiten, um wiedergeboren zu werden - und will man das überhaupt? Welche Sünde wiegt schwerer und ab wann ist es überhaupt als Sünde anzusehen? Gerade die erste Station, der Stolz, der für viele selbstverständlich ist. Doch gibt es da feine Nuancen.
Als nächste Etappe mussten sie die Wollust durchqueren - auch etwas, dem man auf den ersten Blick nichts wirklich sündhaftes nachsagen kann, außer das manche Sex an sich als sündig beschreiben... doch auch hier bündelt sich die Leidenschaft zur Sucht, die einen, einmal erwischt, nie wieder los lässt.
[…]
Sehr cool fand ich auch die Verbindung zur Kreide. Damit werden ja meistens die Bannkreise und Pentagramme sowie Symbole gezeichnet, aber warum das so ist, hat hier eine ganz besondere und einleuchtende Bedeutung!
Schön ist, das die Kapitel jeweils mit unterschiedlichen Pentagrammen eingeleitet werden.
Je länger man mit den beiden unterwegs ist, desto näher lernt man sie kennen. Ihre Persönlichkeit, ihre Stärken, ihre Schwächen, ihre Vergangenheit... und auch ihren Bezug zu dem verstorbenen Professor Grimes, den sie unbedingt wieder auferstehen lassen wollen. Dabei scheint es, dass nur der Ehrgeiz sie beide vorantreibt, denn der Prof war alles andere als ein einfacher Mensch. Jegliches Vergnügen oder Bedürfnis wurde versagt, denn nur die Arbeit, die Forschung und die Ergebnisse waren wichtig. Weder Peter noch Alice hatten je das Gefühl, ihm wichtig zu sein oder etwas zu bedeuten. Gerade deshalb war jedes Lob, jede Anerkennung wie ein Gottesgeschenk.
[…]
Wie in Babel hat die Autorin hier wieder neben der Universität und damit zusammen hängenden Lernzielen die Sprache zum Thema - Logik, Theorien und vor allem: Widersprüche. Neben der Kreide das zentrale Merkmal der Magie, bei der der Glaube an den Widerspruch einen magischen Effekt erst möglich macht, während man gleichzeitig die tatsächliche Wirklichkeit nicht aus den Augen verlieren darf.
Ein ziemlich ausgefallenes System, das viele Tücken hat, aber, wenn auch nur abstrakt umrissen, eine sehr spannende Idee dahinterstehen hat.
Bei Alice als Name für eine Protagonistin denke ich immer ans Wunderland. Ich kann das nicht ausblenden, das ist einfach so und hier hat die Autorin sicher auch daran gedacht. Alice selbst vergleicht hier ihren Ehrgeiz, die ständige Suche nach Erklärungen und erreichten Zielen mit der Flucht in einen Kaninchenbau. Der Flucht vor dem Gewöhnlichem, dem Alltäglichen, dem instinktbehafteten Menschsein - und will hin zu höheren Sphären, dem Entdecken und Forschen, dem erhabenen Gefühl etwas zu finden, was noch niemand anderem vorher gelungen ist.
Ihren Irrwegen, ob auf der Welt oder in der Hölle, vor allem aber wohl aber in ihrem Kopf, ist manchmal schwer zu folgen. Das zerrissene, geplagte Innere, die Verführung einer Obsession und die opferbereiten Folgen treten hier ganz klar und deutlich hervor - und auch wenn sie vielleicht nicht immer so sympathisch rüberkommt, rührt einen ihre gequälte Seele doch sehr.
Nichts vergessen zu Können würden wir nicht überleben - was die Frage aufwirft, was unser Gedächtnis lebhaft in Erinnerung behält und was es ins Unterbewusste verdrängt, verpackt und aufbewahrt. Schöne Erinnerungen hervorzuholen macht nostalgisch und wiederholt die Freude oder das Glück; aber was ist mit den schlechten Erinnerungen, die Unwohlsein hervorrufen, psychischen oder gar körperlichen Schmerz und uns plagen und peinigen? Wäre es nicht besser, diese komplett löschen zu können? Aber sind wir dann noch die gleiche Person? Verlieren wir dadurch auch alles, was wir aus diesen Erfahrungen gelernt haben? Neigen wir dann dazu, "Fehler" oder ungute Entscheidungen vielleicht sogar zu wiederholen?
Es tauchen hier wirklich eine Menge philosophischer Fragen auf und am liebsten würde ich auf alle eingehen ... aber das sprengt dann doch den Rahmen ^^ Eins ist mir allerdings noch wichtig: die vielen Höfe in der Hölle, diese Sinnbilder der Sünden, der Verführungen, der "niederen Triebe" - sie alle führen weg von dem Moment, an dem wir gerade sind. Sie alle zielen auf ein Verlangen, (ein Ziel zu haben ist an sich nichts schlechtes) bei dem man aber das Jetzt aus den Augen verliert. Den Moment der Gegenwart, den man genießen und wahrnehmen kann und der alles ist, was zählt. Denn die Vergangenheit besteht aus genau diesen einzelnen Momenten, wie auch unsere Zukunft.
Neben dem Weg durch die Hölle gibt es auch immer wieder Rückblicke auf das Leben am Campus. Hier werden (leider immer noch) aktuelle Themen mit eingeflochten wie Diskriminierung, sexuelle Übergriffe, Hilflosigkeit, Verzweiflung und auch Suizidgedanken. Ein verworrenes Geflecht aus Demütigung und Ehrgeiz, Unterwerfung und Überheblichkeit; immer im Bestreben das selbst auferlegte Ziel zu erreichen, ohne das das Leben nicht sinnvoll erscheint. Dabei geht die Autorin tief in die Psyche, vor allem mit viel Ehrlichkeit und ohne Scham, mit Vorurteilen und Gedanken die uns Menschen immer wieder beschäftigen und deren Konsequenzen immer wieder die Frage nach dem Warum stellen.
Ihr merkt, es ist nicht actionreich und ich würde es auch nicht als abenteuerlich bezeichnen - eher eine düstere Reise in einen Abgrund, ruhig, aber intensiv, was sich schleichend einnistet und festsetzt: und einen nicht mehr loslässt.
Mein Fazit: 5 Sterne
Weltenwanderer
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Update: 3. April 2026 um 10:09





