Das dritte Königreich
Buch von Karl Ove Knausgård, Paul Berf
Titel: Das dritte Königreich
Karl Ove Knausgård (Autor) , Paul Berf (Übersetzer)
Band 3 der Morgenstern-Reihe
Verlag: btb Verlag
Format: Taschenbuch
Seitenzahl: 656
ISBN: 9783442775347
Termin: Neuerscheinung Juni 2025
Aktion
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Kurzmeinung
mhameist Der dritte Roman der Morgenstern-Reihe erschafft eine ganz neue Ereignisfolge. Magisch -
Kurzmeinung
Abroxas Faszinierende Mehrstimmigkeit und Genre-Mix
Zusammenfassung
Inhaltsangabe zu Das dritte Königreich
Etwas ist in Bewegung in der Welt, es ist, als würde sie heimgesucht – aber von was? Und warum? Die Tage sind endlos lang in diesem Sommer in Norwegen, und die Hitze ist schier unerträglich. Die Welt scheint irgendwie still zu stehen, und als Erstem fällt dies Syvert, dem Bestatter, auf. Immer mehr Tage vergehen, ohne dass Todesfälle gemeldet werden. Wie kann das sein? Viele Fragen hat auch die neunzehnjährige Line, die sich in Valdemar, den Frontmann einer sagenumwobenen Band, verliebt. Sie wird in eine geheime, faszinierende Welt hineingezogen, die sie aber auch ängstigt und an die Grenzen des Verstehbaren bringt. Dies wiederum hat sie mit dem Polizisten Geir gemeinsam, der in einem makabren Dreifachmord ermittelt und über die vermeintlich abwegige Theorie, die er am Ende aufstellt, mit niemandem sprechen kann. Ist es letztlich die fragile Künstlerin Tove, die mehr versteht als die anderen? Sie erschafft Bilder, die von den untergründigen Strömungen aus Sexualität und Tod in den Volksmärchen inspiriert sind. Eines Tages hört sie eine Stimme, die zu ihr spricht – und ihr etwas abverlangt. „Das dritte Königreich“ ist Teil der großangelegten Romanreihe „Der Morgenstern“; die Leser und Kritikerinnen in der ganzen Welt begeistert. Auslöser der Geschichte ist das plötzliche Auftauchen eines neuen Sterns am Himmel. Unter diesem Stern leben die Menschen ihre Leben wie früher, während sich die Welt um sie herum langsam verändert. Es geht um das, was wir nicht verstehen, um das große Drama, betrachtet durch die Linse des kleinen Lebens, und es geht darum, was geschieht, wenn die dunklen Kräfte in der Welt freigesetzt werden
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Serieninfos zu Das dritte Königreich
Das dritte Königreich ist der 3. Band der Morgenstern Reihe. Diese umfasst 5 Teile und startete im Jahr 2020. Der letzte bzw. neueste Teil der Serie stammt aus dem Jahr 2024.
Bewertungen
Das dritte Königreich wurde insgesamt 3 mal bewertet. Die durchschnittliche Bewertung liegt bei 4,7 Sternen.
Meinungen
Rezensionen zum Buch
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Rezension zu Das dritte Königreich
- ninchenpinchen
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12. Juni 2024 um 14:03
Pendeln zwischen den WeltenWeiterlesen
Die Morgenstern-Reihe ist keine einfache Reihe, aber das soll sie ja auch nicht sein. Hier nun der dritte Band, der auch die Drei im Titel trägt. Ich überlege gerade, welche der genannten Personen die unheimlichste ist. Sicher Tove. Sie überschreitet die Grenzen am deutlichsten. Aber was ist schon normal? Und was bedeutet überhaupt der Morgenstern? Wie es wohl wäre, nur für – sagen wir mal – eine Woche in Herrn Knausgårds Haut zu stecken? Kennt er solche Figuren, wie die, die in seinen Büchern vorkommen? Oder denkt er sich die aus? Möglicherweise ist aber beides gleich schlimm.
Die Kapitelüberschriften tragen die Namen der jeweiligen Ich-Erzähler. Es beginnt und endet mit Tove, der jungen Mutter mit bipolarer Störung. Sie hat drei Kinder. Nannte man diese Störung nicht früher Schizophrenie? Aber das Wort ist wohl aus der Mode gekommen. Toves Befindlichkeiten sind jedenfalls schwer zu ertragen für ihre Umgebung. Und es gibt offensichtlich immer noch keine Medikamente, die anderes können, als dämpfen oder abschalten. (Zeitweilig.) Tove erschafft Kunst aus dem Negativen. Ihr eröffnen sich Portale, real oder irreal, das sei dahingestellt. Und sie begibt sich in Gefahr und stellt aber auch selbst eine Gefahr dar. –
Zwei andere Protagonistinnen gibt es noch: Line und Kathrine. Line, eine junge Frau, die sich mutig, aber auch naiv, auf höchst gefährliches Terrain wagt. Und Kathrine, eine gestandene Pfarrerin, die ihren Glauben an Gott verliert. Sie bleibt als Einzige seltsam blass und ihre wahren Beweggründe erschließen sich dem Leser nicht wirklich.
Ob ich Lust hätte, mal in eine der Personen zu schlüpfen, nur für kurze Zeit? Eher nicht. Denn die meisten Männerfiguren hier erscheinen mir auch nicht erstrebenswert. Gaute: Der krankhaft eifersüchtige Lehrer, Ehemann von Kathrine? Nein, danke.
Oder Helge zu verkörpern? Den Architekten, der seit drei Jahren „leer“ ist und dem nichts mehr einfällt? Ebenfalls nein danke.
Jarle, der Gedankenforscher kümmert sich um einen vegetativen Patienten. Aber auch in diese Haut möchte ich eher nicht, denn hat er nicht seine beste Zeit bereits hinter sich?
Der Polizist Geir erlebt den Wahnsinn pur und verzweifelt an seinem Auftrag. Lesen ja, gerne und ist spannend, aber drinstecken – nein!
Bleibt noch Syvert, der Bestattungsunternehmer. Er scheint unter dem Morgenstern arbeitslos zu werden. Das ginge schon! Oh ja, kaufen wir uns ein Segelboot, das schönste auf der Welt und leben dort, wo es sich ausfahren lässt. Aber, wenn niemand mehr stirbt, müsste man eben beruflich umdisponieren.
Beim Recherchieren habe ich noch Folgendes gefunden: Als »Morgenstern« wird in der Regel der Planet Venus bezeichnet. Weil er kurz vor Tagesanbruch zu sehen ist, steht er als Sinnbild für das kommende Licht Gottes, das die Dunkelheit dieser Welt überwindet. In Offenbarung 22,16 bezeichnet sich der gekreuzigte und erhöhte Christus als Morgenstern. (Quelle: Deutsche Bibel-Gesellschaft)
Fazit: Die wahre Größe dieses Romanes erschließt sich erst im Nachgang, bei der Wahl der zu vergebenden Sterne. Ich runde dreieinhalb auf vier auf. Ich bleibe auf jeden Fall dabei und ersehne den nächsten literarischen Morgenstern, wenn mir auch die beiden ersten mystischeren Teile etwas besser gefielen. -
Rezension zu Das dritte Königreich
- Abroxas
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31. Mai 2024 um 21:23
Mit Das Dritte Königreich legt Karl Ove Knausgård den nun dritten Band seines Morgenstern-Zyklus vor. Und wieder gelingt ihm ein faszinierender, mehrstimmiger Mix aus prägnanten Charaktererzählungen, ausufernden Alltagsbeschreibungen, die runtergehen wie Öl, und philosophisch-essayistischen Einschüben.Weiterlesen
Muss man jetzt den ganzen Bumms vorher gelesen haben, um hier einzusteigen? Mitnichten. Das Dritte Königreich knüpft an den ersten Band Der Morgenstern an, indem er die betonte Mehrstimmigkeit reproduziert. Der zweite Band, Die Wölfe und der Wald der Ewigkeit, überraschte die Leser erstmal damit, dass der Großteil des Romans auf einen einzigen, bisher unerwähnten Charakter fokussiert und vor allem dessen Jugendjahre, die sich lange vor dem mysteriösen Erscheinen des besagten Sterns ereigneten, in den Blick nimmt. Die Verbindung zum Vorgängerband blieb über weite Strecken nebulös.
Im dritten Band nun werden den Erzählstimmen des ersten Bandes neue Stimmen gegenübergestellt, wobei sich die zeitlichen Ebenen weitgehend überlappen. Dem Kapitel über den trinkenden Literaturprofessor Arne wird die Sicht seiner schizophrenen Künstlergattin Tove anheimgestellt. Im ersten Band lernten wir den abgeschriebenen Journalisten Jostein kennen, in dessen Peripherie tauchte erstmals der Mordermittler Geir auf, der hier dem ominösen Ritualmord an den Mitgliedern einer Black Metal-Band auf dem Grund zu gehen versucht. Die Pastorin Kathrine, die einem zu Grabe Getragenen wenige Tage später wiederzusehen meint, erzählt erneut, diesmal lesen wir aber auch aus der Sicht ihres Ehemanns Gaute über ihren Streit. Sievert aus Band 2 erzählt ebenfalls und wundert sich über das Ausbleiben neuer Leichen für sein Bestattungsinstitut. Aber auch ein paar neue Figuren werden vorgestellt, wie etwa Line, eine etwas naive angehende Studentin, die sich in den enigmatischen und eigenbrötlerischen Frontmann einer okkulten Black Metal-Band verliebt. Oder Jarle, einem Mediziner, der in der Forschung tätig ist und dem Fall eines Komapatienten nachgeht, der eigentlich hätte tot sein sollen.
Jedenfalls legen die einzelnen POV keine strenge Reihenfolge nahe. Selbst jene Perspektiven, die sich gegenseitig spiegeln, können locker in beliebiger Reihenfolge gelesen werden. Ohnehin leben die Romane sehr vom jeweiligen Moment, weniger vom großbögigen Plot. Das behauptet auch Knausgård, demzufolge jeder Roman des Zyklus auch als Standalone zu lesen sein soll.
Äh, und der Morgenstern? Der scheint für jeden etwas Anderes zu bedeuten, wenn er denn überhaupt Beachtung findet. Ansonsten lässt sich Knausgård nicht dazu herab, irgendwelche Mysterien zu lüften. Es gibt ein paar Andeutungen, aber stets werden neue Fragen aufgeworfen.
Stattdessen nutzt Knausgård den Hintergrund eines ominösen, weltumspannenden Phänomens und einer lose vor sich hin dümpelnden Rahmenerzählung, um aus seinen einzelnen Charakteren heraus zu erzählen. So ergibt sich ein vielstimmiges Mosaik kleinerer Geschichten, in die immer wieder wie beiläufig essayistische Passagen eingestreut werden, in denen es freihändig um verschiedene große Fragen des Menschseins geht.
Der Stil verlangt dem Leser einige Geduld ab, wird aber getragen von Knausgårds unerhört geschmeidiger Prosa, die ihm überhaupt erst erlaubt, in solch epischer Breite über alltäglichen Verrichtungen seiner Charaktere zu schreiben. Es wirkt manchmal banal, aber dass man (sprich: ich) bei nun über 2.000 Seiten immer noch nicht genug hat, sollte aufhorchen lassen. Und an manchen Stellen treten die Stärken deutlich hervor. Knausgård gelingt etwa die beste Schilderung eines ritualistisch inszenierten Black Metal-Konzerts (aus der Sicht von Line, die mit Metal insgesamt nichts am Hut hat), die ich je gelesen habe. Okay, ich habe bisher noch gar keine anderen literarischen Schilderungen von Black Metal-Konzerten gelesen, aber Knausgård legt die Messlatte gewiss hoch. Dass der Autor, der eigenen Angaben zufolge eigentlich bloß Klassik hört, sowas authentisch beschreiben kann, verrät, dass er schon weiß, was er tut.
Das Dritte Königreich knüpft direkt an die vorherigen Bände an und ist allen ans Herz zu legen, die Knausgård bis hierhin gefolgt sind. Als Einstiegspunkt in den Morgenstern-Zyklus eignet es sich so gut wie alle anderen. Ein faszinierender, mit Genre-Elementen spielender Roman mit ausgeprägtem essaysitischen Momenten, der von Knausgårds treffsicherer Prosa mitgetragen wird.
Ausgaben von Das dritte Königreich
Besitzer des Buches 3
Update: 24. Januar 2025 um 16:41




