Maifliegenzeit: ARD DRUCKFRISCH
Buch von Matthias Jügler
Titel: Maifliegenzeit: ARD DRUCKFRISCH
Matthias Jügler (Autor)
Verlag: Penguin Verlag
Format: Gebundene Ausgabe
Seitenzahl: 160
ISBN: 9783328602897
Termin: Neuerscheinung März 2024
Aktion
-
Kurzmeinung
zitronenfalter Mich hat der Protagonist genervt, verhält sich unmögliche, jammert nur und handelt nicht. -
Kurzmeinung
Maesli Intensive Darstellung eines enormen Verlustes und ein Versuch, das Unrecht zu überwinden
Zusammenfassung
Inhaltsangabe zu Maifliegenzeit: ARD DRUCKFRISCH
»Feinfühlig und zugleich kraftvoll erzählt Matthias Jügler in diesem spannenden Roman davon, dass die Vergangenheit nie vorbei ist.« Julia Schoch Für Katrin und Hans wird der Alptraum aller Eltern wahr: Nach der Geburt verlieren sie noch im Krankenhaus unweit von Leipzig ihr erstes Kind – und kurz darauf auch sich als Paar. Denn Katrin quälen Zweifel an der Darstellung der Ärzte, Zweifel, von denen Hans nichts wissen will. Als Katrin Jahre später stirbt, wird klar, dass sie mit ihren Befürchtungen womöglich Recht hatte. Bei seinen Recherchen, die ihn tief in die Geschichte der DDR führen, stößt Hans auf Ungereimtheiten und eine Mauer des Schweigens. Klären kann er all seine Fragen in Zusammenhang mit dem Tod des Säuglings nicht, doch der Gedanke daran, in einem entscheidenden Moment seines Lebens versagt, etwas versäumt, einen Fehler begangen zu haben, lässt ihn künftig nicht mehr los. Da klingelt eines Tages das Telefon und sein Sohn ist am Apparat. Aufgewachsen in einer Adoptivfamilie, unterscheidet sich seine Vorstellung von der Vergangenheit grundlegend von dem, was Hans ihm erzählt. Wird sich die Kluft, die das Leben in einem Unrechtsstaat und vierzig fehlende gemeinsame Jahre gerissen haben, wieder schließen lassen? Matthias Jügler zeichnet das bewegende Porträt eines traumatischen Verlustes, erzählt von folgenschweren Zweifeln, von der Kraft des Neubeginns und dem heilsamen Erleben der Natur. Ein feinsinniger Familienroman über ein dunkles Kapitel ostdeutscher Geschichte. – »Wahrhaftig und voller Hoffnung.« Anne Rabe
Weiterlesen
Bewertungen
Maifliegenzeit: ARD DRUCKFRISCH wurde insgesamt 3 mal bewertet. Die durchschnittliche Bewertung liegt bei 3,7 Sternen.
Meinungen
-
Mich hat der Protagonist genervt, verhält sich unmögliche, jammert nur und handelt nicht. -
Intensive Darstellung eines enormen Verlustes und ein Versuch, das Unrecht zu überwinden
Rezensionen zum Buch
-
Rezension zu Maifliegenzeit: ARD DRUCKFRISCH
- Maesli
-
25. Juni 2024 um 13:17
Jedes Jahr um Pfingsten herum beginnt am Oberlauf der Unstrut die Maifliegenzeit. Für Hans ist dies jedes Mal ein aufregendes Erlebnis, ein wundervolles Naturereignis, das er gerne betrachtet. Es ist aber auch die Zeit, in der er besonders an den Verlust seiner Frau und seines Sohnes gedenkt.Weiterlesen
Es war eine sehr schwere Zeit vor fast 40 Jahren. Katrin, im Halbwachstadium der Kaiserschnittnarkose, hat den Jungen kräftig schreien hören und doch ist er während der notwendigen Einlieferung in ein anderes Krankenhaus verstorben. Die junge Mutter hat das nie geglaubt und er, anstatt sich aufzurappeln und etwas zu unternehmen, duckte sich einfach weg.
Der Tod Daniels widerspricht dem natürlichen Ablauf des Lebens auf so ungeheuerliche Weise, dass der leiseste Gedanke daran mich immer noch aus dem Gleichgewicht bringen kann.
So begann er lange Zeit den Gedanken an sein Kind und Katrin zu unterdrücken. Er wußte sich nicht anders zu helfen und es schien, wenn schon nicht gut, doch für ihn zumindest in Ordnung zu sein.
Als 40 Jahre später das Telefon klingelt und sein Sohn am Apparat ist, versucht Hans sich auf ein erstes Treffen vorzubereiten. Es läuft alles anders, als er es sich hätte jemals vorstellen können.
„Denkst du wirklich, du kannst hierherkommen und mir dann diese Opfergeschichte auftischen?“
Meine persönlichen Leseeindrücke
Es müssen nicht immer dicke Wälzer sein, die eine gewaltige Geschichte erzählen. In diesem Fall sind etwa 160 Seiten genug und ich habe über ein Schicksal erfahren, das mich mein Leben lang begleiten wird.
Die Umstände, die Katrin und Hans von ihrem Sohn getrennt hatten, begründen ein unfassbar schmerzliches Schicksal, das aus der Sicht des Ich-Erzählers Hans geschildert wird. Trauer überwiegt, Hoffnungslosigkeit entkräftig die Lebensfreude, es erdrückt mich fast selbst. Wären da nicht die Unterbrechungen, die der Angelleidenschaft Hans zu verdanken sind, würde die Resignation die Oberhand gewinnen. Ich frage mich, welche Bedeutung der Autor dem Angeln beimisst, denn die zahlreichen Einlagen nehmen fast die Hälfte des Buches ein. Vielleicht will er einen biblischen Bezug herstellen – was auch immer: die Angelszenen beruhigen mich ungemein und lassen die sehr intensiven Schilderungen dieser fassungslosen Geschichte erträglich erscheinen.
Ich spürte die Wärme seiner Hände auf meinen Schultern. Daniels Hände. Aber sie lagen seltsam schlaff auf mir, während ich ihn fest an mich drückte.
Doch wer glaubt ein todtrauriges Buch zu lesen, irrt sich gewaltig. Es ist die überaus ruhige und bedachte Erzählstimme, die durch ein lebensbejahendes Klangspiel die Stimmung des Romans vor der Tristesse rettet. Etwas Ähnliches hatte ich schon einmal gelesen, eine ähnliche Thematik, wenngleich aus umgekehrter Sichtweise, erzählt auch Przemek Zybowski in "Das pinke Hochzeitsbuch". Vielleicht ist es die höchst emotionale Authentizität, die auf eine wundersame Weise eine Verbindung zu mir herstellt und mich an das Buch fesselt.
Eine unerwartet harte aber unglaublich intensive Wendung erfährt die Geschichte, als sich der Sohn nach fast 40 Jahren meldet. Der totgeglaubte lebt und was immer Hans sich hat denken können oder wollen, niemals wäre er auf die Idee gekommen, dass es eine andere Realität als seine geben kann.
Der Bruch, kurz nach dem Kennenlernen, das Misstrauen des Sohnes und der Charakter des Vaters, schließen vermeintlich die Geschichte. Ein mögliches Ende, ich kann Martin (Anm. der Sohn „Daniel“) durchaus verstehen und hätte vermutlich genauso gehandelt.
Mir wurde schlecht, buchstäblich schlecht bei dem Gedanken daran, dass Daniel davon ausging, wir hätten ihn nicht gewollt.
Doch nun wieder eine Wendung, überraschend und ganz kurz vor dem Ende, aber gerade deshalb umso schöner, die nur der Sohn möglich machen konnte. Bis dahin vergeht ein Jahr.
Fazit
„Maifliegenzeit“ von Matthias Jügler beschäftigt sich mit der staatlich organisierten Säuglingsentführung in der ehemaligen DDR. Ein schweres Thema, das in einer Atmosphäre der Hoffnung unglaublich einfühlsam geschrieben ist.
Der Tod eines Neugeborenen gehört zu den Dingen, die am äußersten Rand unserer Vorstellungskraft liegen.
Ausgaben von Maifliegenzeit: ARD DRUCKFRISCH
Besitzer des Buches 2
Update: 24. Oktober 2024 um 20:58


