Doch das Messer sieht man nicht
Buch von I. L. Callis
Titel: Doch das Messer sieht man nicht
I. L. Callis (Autor)
Verlag: Emons Verlag
Format: Taschenbuch
Seitenzahl: 352
ISBN: 9783740820480
Termin: Neuerscheinung März 2024
Aktion
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Kurzmeinung
Sarange Interessanter Krimi. Aber die Figur Josefine erinnert zu stark an Doris aus "Das kunstseidene Mädchen" von Irmgard Keun.
Zusammenfassung
Inhaltsangabe zu Doch das Messer sieht man nicht
Zeitgeschichtliches Flair trifft auf düstere Thriller-Elemente – eindrücklich, verstörend, hochspannend. Berlin, 1927: Anaïs Maar ist jung und schwarz, boxt und schreibt für ein Boulevardblatt. Als sie über eine Reihe von Prostituiertenmorden berichten soll, wittert sie ihre langersehnte Chance auf Anerkennung. Währenddessen tanzen die Berliner auf dem Vulkan – Luxus, Spekulation und nächtliche Exzesse stehen Arbeitslosigkeit, Inflation und menschlichem Elend gegenüber. Anaïs kämpft nicht nur gegen den »Ripper von Berlin«, sondern auch mit den gefährlichen Vorzeichen eines dramatischen Epochenwandels.
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Bewertungen
Doch das Messer sieht man nicht wurde insgesamt 2 mal bewertet. Die durchschnittliche Bewertung liegt bei 3,5 Sternen.
Meinungen
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Interessanter Krimi. Aber die Figur Josefine erinnert zu stark an Doris aus "Das kunstseidene Mädchen" von Irmgard Keun.
Rezensionen zum Buch
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Rezension zu Doch das Messer sieht man nicht
- Sarange
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2. Mai 2024 um 09:21
Verlagstext:Weiterlesen
Berlin, 1927: Anaïs Maar ist jung und schwarz, boxt und schreibt für ein Boulevardblatt. Als sie über eine Reihe von Prostituiertenmorden berichten soll, wittert sie ihre langersehnte Chance auf Anerkennung. Währenddessen tanzen die Berliner auf dem Vulkan – Luxus, Spekulation und nächtliche Exzesse stehen Arbeitslosigkeit, Inflation und menschlichem Elend gegenüber. Anaïs kämpft nicht nur gegen den »Ripper von Berlin«, sondern auch mit den gefährlichen Vorzeichen eines dramatischen Epochenwandels.
Quelle: amazon.de
Meine Meinung:
Diesen Krimi habe ich vor allem wegen der gekonnt eingefangenen verschiedenen sozialen Milieus sehr gern gelesen – der Autorin gelingt es, sämtlichen sozialen Schichten im Berlin der Zwanzigerjahre des letzten Jahrhunderts Farbe und Konturen zu verleihen. Die Parallelen zu den aktuellen Zwanzigerjahren deutet sie dabei geschickt und unaufdringlich an, sodass das Buch auch einen nachdenklich stimmenden politischen Appell in sich trägt.
Den Kriminalfall fand ich faszinierend, aber mit der Hauptfigur Anaïs bin ich leider nicht so recht warmgeworden. Das lag zum einen an ihren künstlich verschleierten biografischen Hintergründen rund um ihren afrikanischen Vater, die erst am Ende des Romans aufgedeckt werden und mich nicht überzeugt haben. Vor allem aber fand ich es schwer vorstellbar, dass so eine junge, aktive Frau offenbar außer dem Boxverein keinerlei erwähnenswertes privates Umfeld mit Freundinnen oder wenigstens Bekannten pflegt. Der Rassismus, dem Anaïs ausgesetzt ist, wird öfter erwähnt und durch frappierende Szenen wie zum Beispiel bei der „Völkerschau“ unterstrichen; gleichzeitig entstammt sie dem gebildeten Großbürgertum und hat Zugang zu liberalen, weltoffenen Kreisen, sodass mir diese offenkundige Einsamkeit nicht recht stimmig erscheinen wollte.
Während der Lektüre hatte ich gehofft, es mit einem Reihenauftakt zu tun zu haben und in weiteren Bänden noch mehr von Anaïs erfahren zu dürfen; der Schluss legt dies nun jedoch nicht nahe. Ich lasse mich aber gern überraschen und würde bei einem weiteren Krimi rund um Anaïs Maar auf jeden Fall wieder zugreifen. -
Rezension zu Doch das Messer sieht man nicht
- Yernaya67
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14. April 2024 um 19:48
Berlin 1927, eine Stadt, die sich noch nicht von den Schrecken des Ersten Weltkriegs erholt hat, während schon die Faschisten erstarken und sich mit Kommunisten und andersdenkenden Straßenschlachten liefern. Eine Stadt, in der das Nachtleben tobt, eine nie dagewesene Freizügigkeit herrscht, aber zugleich bittere Armut dazu führt, dass sich Frauen und Männer prostituieren, Familien ihre spärlichen Räume noch an Schlafgänger vermieten und Diebstahl als legitimes Mittel des Broterwerbs gilt. Eine Stadt, in der die “Besseren” rauschende Feste feiern und alles exotische attraktiv wirkt. Das Bürgertum geht in den Tiergarten zur Völkerschau oder in die Revue der zu der Zeit in Berlin gastierenden Josephine Baker. Erotik, Drogen und Spiritismus, Armut und Reichtum, bürgerliche Biederkeit und organisierte Kriminalität - in diesem historischen Setting platziert I.L.Callis ihren Kriminalroman “Doch das Messer sieht man nicht”. Nicht nur der Titel ist eine Hommage an Bertolt Brecht. Mehr als ein Krimi ist dieser Roman eine wunderbar geschriebene Sozial- und Milieustudie über die Weimarer Republik, mit jeder Zeile spannend, auch wenn der Kriminalfall dabei nicht die Hauptrolle spielt.Weiterlesen
Ein Mörder geht um, er tötet Prostituierte mit dem Messer und erhält schnell den Beinamen “Ripper von Berlin”. Vergeben hat diesen die Hauptperson des Romans, die junge Journalistin Anaïs Maar, aus “gutem” Hause stammend und doch nicht zur Gänze akzeptiert, denn sie ist nicht nur eine Frau, sondern auch noch schwarz. 1927 keine Konstellation, die einer erfolgreichen Karriere förderlich war.
“Anaïs biss die Zähne zusammen. Sie war Berlinerin. Hier war sie geboren. Dies war ihre Stadt. Aber - war es denn noch ihre Heimat? War sie es jemals gewesen?” (S. 322)
“Doch das Messer sieht man nicht” ist ein politisches Buch, das viele Themen aufgreift und Handlungsstränge verfolgt. Diese Komplexität ist eine Herausforderung an die Leserschaft, die sich unbedingt lohnt. Ungeschminkt beschreibt Callis die oft brutale Realität der Armut und die rohe gesellschaftliche Gewalt, die abstoßende Gedankenwelt chauvinistischer Dreckskerle und die Laszivität und Prunksucht der feinen Gesellschaft. Besonders authentisch ist die Verwendung der direkten Rede. Callis lässt jeden Protagonisten gemäß seiner Herkunft sprechen, so dass Schichtzugehörigkeit, Bildungsgrad und Provenienz deutlich werden.
Callis hat diesen Roman Hejo Emons gewidmet; völlig zurecht, denn “Doch das Messer sieht man nicht” entspricht der klaren gesellschaftspolitischen Haltung des kürzlich verstorbenen Verlegers. Nicht nur deshalb eine klare Leseempfehlung!
Ausgaben von Doch das Messer sieht man nicht
Besitzer des Buches 3
Update: 12. Mai 2025 um 10:53



