Acqua alta

Buch von Isabelle Autissier, Kirsten Gleinig

Zusammenfassung

Inhaltsangabe zu Acqua alta

2021: Venedig ist von den Wassermassen eines letzten Acqua alta verschlungen worden. Guido Malegatti, einer der Überlebenden, fährt mit dem Boot durch die Ruinen, auf der Suche nach Frau und Tochter. Zwei Jahre zuvor: Angesichts des drohenden Meeresspiegelanstiegs bahnt sich der Konflikt innerhalb der Familie an. Guido als Wirtschaftsrat schwört auf den Tourismus und die Segnungen der Technik. Seine Frau Maria Alba schwelgt in der vergangenen Pracht einer Stadt am Rande des Zusammenbruchs. Und ihre 17-jährige Tochter Léa wird in dem Versuch, die geliebte Stadt zu retten, zur Gegnerin ihres Vaters. Isabelle Autissier entwirft das so dramatische wie realistische Szenario vom Untergang Venedigs. Mitreißend zeichnet sie der Perspektive dreier Familienmitglieder nach, wie es zur Katastrophe kommt, und stellt uns alle vor die Frage: Wie würde ich mich verhalten?
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Bewertungen

Acqua alta wurde insgesamt 3 mal bewertet. Die durchschnittliche Bewertung liegt bei 4,3 Sternen.

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Meinungen

Rezensionen zum Buch

  • Rezension zu Acqua alta

    Der Untergang Venedigs - eine Dystopie, die beängstigend echt wirkt Isabelle Autissier stellt in ihrer Dystopie die Zerstörung Venedigs im Jahre 2021 durch ein gewaltiges Naturereignis dar. Doch ist es wirklich das Zusammenspiel zwischen Sturm und Wasser, das auf die maroden Mauern der Serennissa, die die Stadt zerstören? Oder ist es vielmehr die Gier nach noch mehr Umsatz, noch mehr Gewinn in Kombination von Ignoranz und Korruption? Mahner, die zum Schutz der Stadt und der Lagune aufrufen, gab und gibt es schon lange. Hat die Technikgläubigkeit der Menschen nun ein Ende?
    Ob das mehr als sechs MilliardenEuro teure und jährlich rund 100 Millionen Euro an Unterhaltskosten verschlingende Sperrwerk Modulo Sperimentale Elettromeccanico (kurz MO.S.E.) Venedig wirklich schützen kann, wird die Zukunft zeigen.
    Stadtrat Guido Malegatti irrt mit seinem Boot durch die Kanäle der zerstörten Stadt Venedig und lässt die Katastrophe Revue passieren, als müsse er sich noch einmal davon überzeugen, dass sie wirklich geschehen ist.
    „Die Stadt, in der kein Stein mehr auf dem anderen liegt, wirkt abstoßend wie ein vor aller Augen verwesender Kadaver, wie ein geschändeter Körper. Mancherorts haben Gasexplosionen ganze Stockwerke zertrümmert und zusammen mit Kurzschlüssen anschließend Brände ausgelöst, deren Trümmer und rußige Holzbalken im Dunst aussehen, als würden sie noch immer qualmen. Hinter solchen Mauern haben Menschen gelebt, Pläne geschmiedet, Lust und Leid und großes Glück empfunden. Mit dem Einsturz ist nicht nur die prächtige Architektur verschwunden, sondern mit ihr auch das unscheinbare Leben, das die Stadt zusammengehalten hat.“
    An jenem Abend, an dem sich die Katastrophe zusammenbraut, lassen sich die Tore des Sperrwerks nur halb aufrichten und der Chefingenieur spricht von Sabotage ...
    Meine Meinung:
    Die Zerstörung Venedigs durch Naturgewalten ist hier nur Fiktion. Doch was, wenn MO.S.E wirklich nicht hält? Es bliebe kaum Zeit, die Bevölkerung zu evakuieren.
    Isabelle Autissier hat hier eine äußerst fesselnde Dystopie geschaffen. Sehr gut haben mir die Erklärungen von Professore Boldi gefallen, in denen er seine Studenten, darunter Léa auf die Schäden der Mauern der Palazzi hinweist, während alle Welt nur den Canaletto-Blick bewundert.
    Während die Katastrophe Guido schwer verletzt auf der Terrasse überlebt hat, ist seine Ehefrau Maria Alba, Nachfahrin eines Dogen von der herabstürzenden Decke im Schlafzimmer getötet worden. Auf seiner Fahrt durch die Kanäle Venedigs können wir Leser die Geschichte bis zum Untergang miterleben. Wir erfahren aus der Sicht von Maria Alba, Guido und Léa was Venedig für jeden einzelnen von ihnen bedeutet. Maria Alba, die Traditionsbewusste, die fest an den Fortbestand Venedigs glaubt und Guido, der ausschließlich an den Profit denkt, den die Touristen mit ihren Kreuzfahrtschiffen erwirtschaften (wobei nachgewiesen ist, dass diese Besucher kaum einen Cent ausgeben innerhalb der Stadt ausgeben, sondern lediglich gaffen).
    Wir erleben allerdings auch mit, wie aus einer Tochter aus gutem Haus, der an nichts gemangelt hat (außer vielleicht an Zuneigung) eine militante Gegnerin ihres Vaters wird, die sogar bereits ist, das Sperrwerk Mo.S.E. zu sprengen.
    Fazit:
    Isabelle Autissier gelingt es meisterhaft, das Katastrophenszenario realistisch darzustellen. Ob es den Verantwortlichen von Venedig gelingen wird, ähnliches in Zukunft zu verhindern? Gerne gebe ich hier 5 Sterne und eine Leseempfehlung.
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  • Rezension zu Acqua alta

    Klappentext/Verlagstext
    2021: Venedig ist von den Wassermassen eines letzten Acqua alta verschlungen worden. Guido Malegatti, einer der Überlebenden, fährt mit dem Boot durch die Ruinen, auf der Suche nach Frau und Tochter. Zwei Jahre zuvor: Angesichts des drohenden Meeresspiegelanstiegs bahnt sich der Konflikt innerhalb der Familie an. Guido als Wirtschaftsrat schwört auf den Tourismus und die Segnungen der Technik. Seine Frau Maria Alba schwelgt in der vergangenen Pracht einer Stadt am Rande des Zusammenbruchs. Und ihre 17-jährige Tochter Léa wird in dem Versuch, die geliebt Stadt zu retten, zur Gegnerin ihres Vaters.
    Isabelle Autissier entwirft das so dramatische wie realistische Szenario vom Untergang Venedigs. Mitreißend zeichnet sie aus der Perspektive dreier Familienmitglieder nach, wie es zur Katastrophe kommt, und stellt uns alle vor die Frage: Wie würde ich mich verhalten?
    Die Autorin
    Isabelle Autissier, 1956 in Paris geboren und dort aufgewachsen, lebt heute in La Rochelle. 1991 machte Furore als erste Frau, die allein im Rahmen einer Regatta die Welt umsegelte. Seit den Neunzigerjahren widmet sie sich dem Schreiben und war von 2009 bis 2021 Präsidentin des WWF Frankreich. Ihr Roman »Herz auf Eis« (2017) war für den Prix Goncourt nominiert … und für das Kino adaptiert. Zuletzt erschien »Klara vergessen« (2020).
    Inhalt
    Guido Malegatti ist Bauunternehmer und gewählter Stadtrat in Venedig. Im Pandemiejahr 2021 treffen wir ihn als Überlebenden einer gigantischen Katastrophe. Venedig ist nur noch ein Steinhaufen, Guidos Kiez zerstört, die Kanäle sind nicht mehr schiffbar – und die Schicksale seiner Frau und seiner Tochter noch ungeklärt. Könnte ein Attentat auf das Sperrwerk vor der Lagune der Auslöser der Katastrophe gewesen sein? Da Guido zwischen einstürzenden Gebäuden verletzt wurde, kann er die Ereignisse jedenfalls nicht leugnen.
    In Rückblicken lässt sich Guidos beruflicher und politischer Aufstieg bis in die Gegenwart verfolgen. Der fast 60-Jährige war auf beiden Ebenen mit der im Schlamm versinkenden Stadt konfrontiert, in der Einheimische sich längst keine Wohnung mehr leisten konnten und der der Kreuzfahrt-Tourismus gerade den Todesstoß versetzte. Guido hat stets Arbeitsplätze für seine Wähler im Auge. Zur dauerhaften Rettung der Lagune durch Einschränkung der Besucherzahlen mag er sich nicht entschließen, setzt stattdessen auf immer neue kleinteilige Projekte, die die Stadt nicht vor dem Verlust des UNESCO-Weltkulturerbe-Status retten werden. Guidos 17-jährige Tochter Léa hat gerade ein Studium der Kunstgeschichte begonnen. Sie begreift durch Werke alter Meister, wie stark die Stadt sich seit Canalettos Zeiten verändert hat – und dass ihrer Generation keine Zeit mehr bleibt, an Symptomen herumzuflicken. Als Leá sich einer kleinen Gruppe von Umwelt-Aktivisten anschließt, stehen Vater und Tochter sich als unerbittliche Gegner gegenüber. Léas Mutter Maria Alba in der Rolle der italienischen Mamma mit Empty-Nest-Problem nimmt zunächst eine Nebenrolle ein.
    Venedig hatte sich in der Geschichte stets gegenüber dem Land abgesichert und zum Meer und der Schifffahrt geöffnet; das wird der Stadt in der Gegenwart zum Verhängnis. Isabel Autissiers präzise Erläuterung des Ökosystems Lagune und der erhofften Wirkung des Sperrwerks MO.S.E. trifft auf ihren empathischen Blick ins Innere ihrer Figuren. Mit Vater und Tochter zeigt sie exemplarisch den Generationskonflikt zwischen der Eltern-Generation, die zum Handeln bereit ist, aber nicht gerade heute, und ihren Kindern, die eine völlig neue Lebensweise fordern. Als in der Corona-Pandemie die Einnahmen aus dem Tourismus wegbrechen und man durch klares Wasser wieder auf den Grund der Lagune blicken kann, eskaliert der Konflikt. Guido wird praktisch aufgerieben zwischen der Forderung seiner Wähler nach Arbeitsplätzen und Ansprüchen junger Aktivisten, die ein Ende des Kreuzfahrttourismus fordern.
    Fazit
    Atmosphärisch und stilistisch ein starker Roman, der allerdings sehr kurz wirkt, wenn man den Konflikt um das sterbende Venedig und die Funktion des Sperrwerks verfolgt hat.
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Ausgaben von Acqua alta

Hardcover

Seitenzahl: 208

E-Book

Seitenzahl: 205

Taschenbuch

Seitenzahl: 256

Acqua alta in anderen Sprachen

  • Deutsch: Acqua alta (Details)
  • Französisch: Le naufrage de Venise (Details)

Besitzer des Buches 6

Update: