Das glückliche Geheimnis

Buch von Arno Geiger

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Zusammenfassung

Inhaltsangabe zu Das glückliche Geheimnis

Frühmorgens bricht ein junger Mann mit dem Fahrrad in die Straßen der Stadt auf. Was er dort tut, bleibt sein Geheimnis. Zerschunden und müde kehrt er zurück. Und oft ist er glücklich. Jahrzehntelang hat Arno Geiger ein Doppelleben geführt. Jetzt erzählt er davon, pointiert, auch voller Witz und mit großer Offenheit. Wie er Dinge tat, die andere unterlassen. Wie gewunden, schmerzhaft und überraschend Lebenswege sein können, auch der Weg zur großen Liebe. Wie er als Schriftsteller gegen eine Mauer rannte, bevor der Erfolg kam. Und von der wachsenden Sorge um die Eltern. Ein Buch voller Lebens- und Straßenerfahrung, voller Menschenkenntnis, Liebe und Trauer.
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Bewertungen

Das glückliche Geheimnis wurde insgesamt 8 mal bewertet. Die durchschnittliche Bewertung liegt bei 4,7 Sternen.

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Meinungen

  • Mit Biographien werde ich nicht warm

    Maesli

Rezensionen zum Buch

  • Rezension zu Das glückliche Geheimnis

    Einzig, nicht artig
    Wie manch anderem Leser auch erging es mir mit diesem Buch - ich freute mich einfach auf einen "neuen Arno Geiger". Doch dieses Buch fällt in keine Kategorie, ist weder reine Erzählung, noch Roman, noch Autobiographie, noch Essay. Das Buch ist von allem etwas, und gerade das macht seinen Reiz aus.
    Der Verlag bauscht den Inhalt im Klappentext etwas auf - es gehe um Geigers "geheimes Doppelleben", so liest man hier vollmundig. Doch die Wirklichkeit ist etwas banaler. Über Jahrzehnte hat Geiger "Abfalltauchen" in Papiertonnen betrieben - zuerst aus Not, später aus Lust und Neugier. Die Schilderung dieser "alternativen Karriere" bildet das Rückgrat dieses Buches, vermischt mit tiefsinnigen Reflexionen über seine Laufbahn als Schriftsteller, sein Liebesleben, und sein Verhältnis zu den Eltern.
    Geiger beschreibt vor allem, wie ihn seine Altpapierfunde, vor allem Tagebücher und Briefe, eine neue Sprache gelehrt hätten. Das merkt man auf jeder Seite, und das erhellt auch seinen Charakter als Schriftsteller. Er hat gelernt, sich einfach auszudrücken, und dennoch zum Kern der Sache zu kommen. Sein Schreiben liest sich bisweilen beiläufig - dann auch wieder nicht. Die Kunst liegt hier im Absichtslosen.
    Man kann das Buch als Autobiographie lesen - dennoch warnt der Autor davor. Ich kann ihn gut verstehen. Denn jede Erzählung bedeutet Verfremdung - und jede Einpassung in einen Rahmen, hier das "Containern", ändert den Kontext.
    Erstaunt hat mich vor allem seine Offenheit. Beinahe schonungslos ehrlich berichtet er zum Beispiel über sein teils kompliziertes Liebesleben. Hier war er mir ein wenig fremd - doch es ist ja nicht die Aufgabe der Literatur, mir Menschen sympathisch zu machen. Sein Reflexionsniveau ist allerdings enorm.
    Sehr berührt haben mich die Passagen über die Krankheiten der Eltern. "Der alte König in seinem Exil", die Erzählung über die Altersdemenz seines Vaters, habe ich gelesen, und dieses Buch erscheint nun in einem noch intensiveren Licht. Erst jetzt verstehe ich die Umstände so richtig - wie der Sohn balancieren musste, um seinem Vater beizustehen, und wie viel Verwirrung dessen Erkrankung in die Familie brachte.
    Restlos begeistert haben mich Geigers Reflexionen zur modernen Wegwerfkultur, und wie sich die Einstellungen zum Schriftgut ändern. Hier könnte man sich so manchen Absatz abschreiben!
    Kritik würde ich lediglich an den letzten zwei Kapiteln üben wollen. Hier zerfasert das Buch etwas; es wirkt, als fände der Autor keinen rechten Abschluss.
    Insgesamt kann ich das Buch jedoch nur empfehlen - wenn man sich von jeglicher Erwartung bezüglich eines bestimmten Genres freimacht, und wenn man offen ist für poetische Gedankengänge, sowie eine eingängig-feinsinnige Sprache.
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  • Rezension zu Das glückliche Geheimnis

    Jahrzehntelang hat Arno Geiger ein Doppelleben geführt. Jetzt erzählt er davon mit großer Offenheit. Wie er Dinge tat, die andere unterlassen. Wie gewunden, schmerzhaft und überraschend Lebenswege sein können, auch der Weg zur großen Liebe. Wie er als Schriftsteller gegen eine Mauer rannte, bevor der Erfolg kam. Und von der wachsenden Sorge um die Eltern. Ein Buch voller Lebens- und Straßenerfahrung, voller Menschenkenntnis, Liebe und Trauer.
    Meine persönlichen Leseeindrücke
    Biographien zählen nicht zu meiner Lieblingslektüre, genauso wenig wie Poesie. Auch mit Erzählbänden tue ich mich schwer und als ich, überglücklich, das Buch von Arno Geiger gewonnen hatte, war mir nicht ganz so bewusst, dass es kein Roman ist.
    Nun denn, Arno Geiger kann man immer lesen!
    „Das glückliche Geheimnis“ ist ein intimes Buch, das haben Biographien so an sich. Trotzdem bin ich erstaunt, wieviel Zugang zu seinem privaten Reich er dem Fremden gewährt.
    Wie anderen schon in ihren Buchbesprechungen geschrieben haben, fand ich seine Erzählungen rund um die Verwertung von weggeworfenem Papier in seinen unterschiedlichen Formaten im gesellschaftlichen Wandel amüsant zu lesen. Das glückliche Geheimnis ist somit gelüftet und ein Geschäftsmodell dazu!
    Ich habe auch die Passagen, in denen es um seinen schriftstellerischen Werdegang ging, aufmerksam verfolgt. Es ist wie so oft im Leben, ohne das Quäntchen Glück geht es halt nicht. Beachtlich ist immerhin seine trotzige Hingabe zu Schriftstellerei, das kann bei weitem nicht jeder und ich bin froh, dass er es geschafft hat. Seine Romane stehen in meinem Bücherregal, wohin sich nun auch dieses Exemplar gesellen wird.
    Eine nicht unerhebliche Anzahl von Seiten widmet Arno Geiger seinem Vater und lenkt dabei meine Gedanken auf seinen großen Erfolg „Der König in seinem Exil“, ein Buch, das mich immer noch berührt. Es sind Abschnitte, die ich besonders mag. Die große Zuneigung, die der Schriftsteller zu seinem Vater hatte, wird nochmals mit herzlicher Wärme in Worte gefasst. Das ist sehr schön.
    Und dann nistet sich in mir so ein Gedanke ein: Ist es vielleicht ein Abschied? Manches liest sich wie Revue passieren lassen. Das stimmt mich nachdenklich. Er hat ein Geheimnis erzählt und die Geschichte zu Ende gebracht, der Vorhang ist gefallen.
    Fazit
    „Das glückliche Geheimnis“ von Arno Geiger hat viele Leser begeistert. Für mich, sagen wir so, hätte er aus seiner Biographie wieder einen großen Roman zaubern können. Ich nehme also das zu Papier Gebrachte zur Kenntnis und weiß nun über ihn Bescheid. Mit Biographien, wie ich oben schon erwähnt habe, werde ich einfach nicht warm.
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  • Rezension zu Das glückliche Geheimnis

    REZENSION – War es vielleicht doch der literarische Erfolg, der Arno Geiger (54) letztlich zwang, mit seiner im Januar bei Hanser Literaturverlage veröffentlichten autobiografischen Erzählung „Das glückliche Geheimnis“ sein über 25 Jahre geheimnisvolles „Doppelleben“ als unbeachteter Altpapiersammler in den Straßen Wiens und inzwischen mehrfach ausgezeichneter Autor preiszugeben? Freimütig und voller Selbstironie erzählt der österreichische Schriftsteller auf knapp 240 Seiten über seine schwierigen Anfangsjahre als schreibender Student und unbekannter Literat in Wien, über die damit einhergehenden Enttäuschungen und gelegentliche Hoffnungslosigkeit. „Diese Offenheit passiert mir nicht einfach, ich entscheide mich bewusst für sie, weil ich glaube, das sie das Leben sichtbar macht. Das ist es, worum es mir in der Literatur geht: das Leben sichtbar und dadurch verständlicher machen.“
    Vor 25 Jahren begann er auf den Straßen Wiens nicht nur, seinen Frust abzustrampeln, sondern in den Altpapiertonnen nach verwertbarem Material wie Bücher, Tagebücher, Postkarten und Briefen zu suchen. „Meine künstlerische Entwicklung wurde nicht nur von Weltliteratur vorangetrieben, sondern ganz wesentlich auch von Abfall. … Erfahrungen, die außerhalb meiner Reichweite lagen, wurden mir zugänglich.“ Geiger erzählt vom Suchen und Finden – nicht nur von weggeworfenen Briefen anderer Menschen, sondern auch von sich selbst. Als junger, noch erfolgloser Schreiber war er auf der Suche nach sich selbst, zweifelte oft an seiner Berufung. Die Erfolge des jungen Österreichers lagen damals eher auf anderem Gebiet: „Als ich im Herbst eingeklemmt war zwischen mehreren Frauen, bekam ich vom Nervenstress Hautausschlag. Ich war auf ein Bohèmeleben aus gewesen und musste mit großem Bedauern feststellen, dass ich dem nicht gewachsen war. Nicht mein Metier.“
    Er konzentriert sich doch lieber auf das Schreiben: „Man kann einige Jahre erfolgreich mit dem Rücken zu den Tatsachen leben, aber irgendwann gehen die Tatsachen um einen herum, und dann blickt man ihnen ins feindliche Gesicht.“ Endlich wendet sich sein Schicksal: Trotz Ablehnung seines Verlags reicht Geigers Lektor seinen Roman „Es geht uns gut“ zum Deutschen Buchpreis 2005 ein – und gewinnt ihn. Geigers Leben ändert sich. Überall wird er plötzlich herumgereicht und hofiert. Dennoch bleibt er bei seinen Runden zu den Altpapier-Containern. „Durch den sich nun einstellenden beruflichen Erfolg und den damit verbundenen gesellschaftlichen Aufstieg veränderte sich die Perspektive, veränderte sich das Sinnbild. Jetzt standen die Runden für Eigensinn, waren Ausdruck der Fähigkeit, unkonventionelle Wege zu gehen.“ Seine Altpapierfunde bleiben seine entscheidende Inspirationsquelle, „mein versteckter Eingang zu jener unterirdischen Welt, die der Gegenstand der Literatur ist.“
    Parallel zur amüsanten Schilderung seines anfangs noch hoffnungslosen Werdegangs schildert Geiger im Rückblick des inzwischen abgeklärten 54-Jährigen voller Selbstironie von seinem meist komplizierten Verhältnis zu Frauen, nicht zuletzt zu seiner heutigen Ehefrau K., die nach langjähriger Beziehung erst ein halbes Jahr nach Geigers Antrag diesem zustimmte. Ganz anders, tief berührend und schmerzend, offenbart Geiger auch das Schicksal seiner Eltern, die beide gleichzeitig im Rollstuhl sitzen, der Vater an Alzheimer erkrankt im Pflegeheim, die Mutter nach einem Schlaganfall gelähmt im Krankenhaus. Der Sohn begleitet seine Eltern bis zu deren Tod und schämt sich seiner Tränen nicht.
    „Ein glückliches Geheimnis ist gelüftet“, schließt Geiger seine Erzählung. „Ich schreibe ein letztes Kapitel. … es wäre zu wünschen, dass alle, die das Buch lesen, darin etwas für sie Wichtiges finden.“ Davon darf der Autor getrost ausgehen. Sein Buch ist ehrlich, lebenserfahren mit allen Höhen und Tiefen, mal beklemmend offen, mal im Rückblick ironisch über sich selbst schmunzelnd. Nach Lektüre seines empathischen, stellenweise tief berührenden Buches wünscht man Geiger den erhofften Erfolg. Dies mag sich auch darin zeigen, dass irgendwann ein zerlesenes Exemplar im Altpapier-Container zu finden sein wird, wie es Geiger einst selbst auf einer seiner geheimnisvollen Runden mit der Taschenbuchausgabe seines Romans „Es geht uns gut“ (2005) passiert ist.
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  • Rezension zu Das glückliche Geheimnis

    Das würde ich übrigens auch machen. Das Buch ist kein Roman!!
    Das Buch erscheint am 10.01.2022.
    Mein Lese-Eindruck:
    „Das glückliche Geheimnis“ wird gleich auf der ersten Seite, in den ersten beiden Sätzen gelüftet: der Autor wühlt sich seit 25 Jahren durch die Wiener Altpapiertonnen, bei Wind und Wetter, zu Fuß und mit dem Fahrrad. Dabei findet er all das, was Menschen entsorgen: Bücher, Plakate, persönliche Briefe, unbenutztes Firmenbriefpapier, Glückwunschkarten, Briefmarkensammlungen etc. Das setzt in ihm Überlegungen frei: welche Gründe haben Menschen, sich von Schriftlichem zu trennen? Ordnung? Nachlass-Sichtung? Desinteresse? Zu wenig Platz? Müll ist, so meint er, nicht nur eine gewaltige Rohstoff-Ressource, sondern ebenfalls eine kulturelle Ressource, ein Teil des kulturellen Gedächtnisses. Trotzdem schämt er sich für seine Müll-Touren, bis er den Film „Die Sammler und die Sammlerin“ von Agnes Varda sieht. Der Film bringt ihn zur Auffassung, dass das Sammeln ein menschliches Grundbedürfnis sei, und auch das Sammeln von Müll sei eine Kulturtechnik, bei der sich „auch im Wertlosen ein Reichtum“ (S. 36) finde.
    So erlebt es der Autor die ersten Jahre auch, und zwar wortwörtlich: er verkauft seine Funde auf dem Flohmarkt und finanziert damit seinen Lebensunterhalt. Der Fund und die Lektüre von Briefkonvoluten setzt allmählich aber einen schöpferischen Impuls bei ihm frei. So erzählt er z. B., wie ein gefundenes Konvolut von Briefen aus dem I. Weltkrieg in ihm die Grundidee für sein Buch „Unter der Drachenwand“ habe entstehen lassen.
    Das Müllsammeln strukturiert den Alltag des Schriftstellers, und es strukturiert auch verblüffend leichtfüßig das Buch. Der Leser erfährt in dieser besonderen Biografie, wie Geigers erste Romane zustande kamen und wieviel Frust und Ablehnung er seitens seines Verlages auszuhalten hatte und wie er trotzdem an seinem Lebensziel, Schriftsteller zu sein, festhielt. Geiger nimmt kein Blatt vor den Mund. Wir erfahren viel von seinem Privatleben, z. B. seiner sexuellen Libertinage, gelegentlich mehr, als es mich persönlich interessiert hätte. Ebenso offen geht er mit den Erkrankungen seiner Eltern um: des „alten Königs in seinem Exil“ und seiner intelligenten Mutter, die nach einem schweren Schlaganfall ihr Leben neu lernen musste. Genauso offen und ungeschönt erzählt er von seinem „depressiven Intermezzo, wie er es nennt: eine längere Schaffenskrise, aus der ihn ein streng strukturierter Alltag schließlich befreit, und zu dieser Struktur gehört auch das „Lumpensammeln“, wie er es nennt. Das er übrigens auch nicht aufgibt, als er mit Preisen überhäuft wird und zur öffentlichen Person geworden ist; niemand vermutet in dem Lumpensammler den preisgekrönten Autor. Auch hier ist also wie im ganzen Buch immer das Durchforsten der Altpapiercontainer der zentrale Punkt, und daher sollte der Leser keine chronologische Biografie erwarten, sondern sich der Führung des Autors überlassen.
    Geiger beobachtete in den Altpapierbriefen eine unverkrampfte, menschliche Offenheit, die ihm gefiel und die er zum Maßstab seines Erzählens machte. Das ist ihm gelungen. Geiger ist zwar nicht frei von Selbstlob und Stolz auf unkonventionelles Verhalten, und einige Passagen hätten durchaus gestrafft werden können. Dennoch bleibt nach der Lektüre der Eindruck zurück, dass hier ein liebenswerter Mensch spricht, dem wenig Menschliches fremd ist.
    Fazit:
    Eine originelle Biografie, offen, menschlich.
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  • Rezension zu Das glückliche Geheimnis

    Der österreichische Autor Arno Geiger hat sich mit so fantastischen Büchern wie Es geht uns gut oder Der alte König in seinem Exil einen festen Platz in der Literatur erschrieben. In beiden Werken hat er seine Familiengeschichte (teilweise) verwertet oder gar direkt über die Demenzerkrankung seines Vaters geschrieben. In seinem neuen Buch Das glückliche Geheimnis beschäftigt sich Arno Geiger mit seinem persönlichen Werdegang, seinen (recht) erfolglosen und holprigen Anfängen als Schriftsteller, seinen Beziehungen als junger Mann und schließlich seinem Erfolg. Ganz wesentlich sind in seinem Leben ausgedehnte Touren durch das Wiener Altpapier, wo er Bücher, Briefmarkensammlungens, Kunstpostkarten findet und zu Geld macht. Aber es ist nicht allein wirtschaftlich motiviertes Verhalten, es ist in gewisser Weise Freiheit, die Überwindung von Scham. Seine Touren formen ihn, das sich Quälen zum frühen Aufstehen, die Bücher, die er findet und liest, die Verletzungen, die er sich beim in Container klettern zuzieht.
    Das Buch liest sich sommerlich leicht, nicht nur das Cover ist für eine Januarneuerscheinung extrem gelb und orange. Ein bisschen literarischer Sommer im Winter also. Obendrein ein gut geschriebenes Memoir, in dem Geiger kein Blatt vor den Mund nimmt, auch seinen Verlag hart angeht für jahrelange Vernachlässigung und fehlende Unterstützung am Anfang seiner Karriere und eigene (auch charakterliche) Fehler nicht unterschlägt. Und hier setzt auch ein Kritikpunkt an, den ich bei allem Wohlgefallen und Begeisterung für sein Werk nicht ganz leicht übergehen will: An manchen Stellen schimmert eine Selbstverliebtheit durch, die man Künstler:innen vielleicht zugestehen muss, die Geiger aber in ein durchaus unsympathisches Licht rückt.
    Auch seinen Umgang mit den Frauen in seinem Leben empfand ich beim Lesen an manchen Stellen als schwierig und unfair. Ich bin an dieser Stelle auch nicht bereit seinem dreißigjährigen Ego aus den späten 90er Jahren einen Freifahrtschein auszustellen. Nichtsdestotrotz ist Das glückliche Geheimnis (ja, damit meint er die Altpapiertouren) ein gutes Buch und (nicht nur für Geiger-Fans) empfehlenswert.
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  • Rezension zu Das glückliche Geheimnis

    erscheint am 23.1.2023
    Klappentext/Verlagstext
    Frühmorgens bricht ein junger Mann mit dem Fahrrad in die Straßen der Stadt auf. Was er dort tut, bleibt sein Geheimnis. Zerschunden und müde kehrt er zurück. Und oft ist er glücklich. Jahrzehntelang hat Arno Geiger ein Doppelleben geführt. Jetzt erzählt er davon, pointiert, auch voller Witz und mit großer Offenheit. Wie er Dinge tat, die andere unterlassen. Wie gewunden, schmerzhaft und überraschend Lebenswege sein können, auch der Weg zur großen Liebe. Wie er als Schriftsteller gegen eine Mauer rannte, bevor der Erfolg kam. Und von der wachsenden Sorge um die Eltern. Ein Buch voller Lebens- und Straßenerfahrung, voller Menschenkenntnis, Liebe und Trauer.
    Der Autor
    Arno Geiger, 1968 geboren, lebt in Wien und Wolfurt. Sein Werk erscheint bei Hanser: Alles über Sally ( 2010), Der alte König in seinem Exil (2011), Grenzgehen (Drei Reden, 2011), Selbstporträt mit Flusspferd ( 2015) und Unter der Drachenwand ( 2018). Er erhielt außer dem Deutschen Buchpreis (2005) zahlreiche weitere Preise.
    Inhalt
    So wie Arno Geiger vom Leben und der Demenzerkrankung seines Vaters ermächtigt wurde, „Der alte König in seinem Exil“ zu schreiben, brachte ihn sein lange gehütetes Geheimnis dazu, einen weiteren autobiografischen Text zu verfassen. Anfang der 90er lebte Geiger noch während seines Studiums in einer preiswerten Wiener Wohnung und hatte mit Mitte 20 bereits zwei Romane geschrieben. Ein Zufallsfund an einem Altpapier-Container brachte ihn dazu, die Stadt jeden Morgen einige Stunden lang mit dem Fahrrad zu durchstreifen, um zuerst Bücher vor Vernichtung und Vergessen zu retten. Das Finden und Mitnehmen gibt bloßem Papier den Wert seines Inhalts wieder zurück, entdeckte er dabei. Außer seiner Partnerin wusste niemand von dieser Tätigkeit; am frühen Morgen und in Arbeitskleidung hätte ihn vermutlich auch niemand beim Containern erkannt. Waren es anfangs Bücher, die sich in der Vor-Internet-Zeit erfolgreich auf dem Flohmarkt verkaufen ließen, grub er schon bald tief im Container verwandte ideelle Werte aus: Tagebücher, Briefe, veraltetes Geschäftsbrief-Papier, Fotos, Patientenakten und historische Postkarten. Kluge Geschäftsverbindungen sorgten dafür, dass die Dinge in fachkundige Hände gerieten, während in der winzigen Wohnung ein Regal Platz beanspruchte, das schlicht „Geschäft“ genannt wurde. Natürlich war ich ungeheuer neugierig darauf, wie sich die schwere körperliche Arbeit des Bücherrettens mit Arno Geigers Autorentätigkeit vereinbaren ließ. Lange wurde ich auf die Folter gespannt, ehe der Autor mit der Verbindung zwischen Containerfunden und seinem Schreiben herausrückte, seiner persönlichen „Räuberleiter zu Ideen“. Wer Geigers letzte Bücher kennt, wird den Zusammenhang problemlos herstellen können.
    „Der alte König in seinem Exil“ hat empathisch wie feinfühlig die Bedeutung des biografischen Ansatzes bei der Betreuung dementer Menschen verdeutlicht und wird deshalb vielen Leser:innen unvergesslich bleiben. Als Arno Geigers Vater an Demenz erkrankt, ist der Sohn noch keine 30 Jahre alt und kommt von nun an regelmäßig nach Wolfurt/Voralberg, um Zeit mit seinem Vater zu verbringen. „Das glückliche Geheimnis“ setzt früher ein. Es umfasst eine Zeitspanne von 30 Jahren und ordnet Geigers Romane ein in sein „Leben mit Nebenwegen und Sackgassen“. Die geheime Rettung kultureller Werte wird aus diversen Perspektiven betrachtet. Körperliche Tätigkeit außerhalb der Wohnung kann Autor:innen allein durch den Wechsel des Schauplatzes erden, im Fall von Geigers Bücherrettung verschaffte sie ihm ein paralleles Leben, das ihn einfach glücklich machte, in dem niemand Ansprüche an ihn stellte. Dass es ihm schwer fiel, von der Gewohnheit zu lassen, als er bereits erfolgreich und mehrfach preisgekrönt war, ist leicht nachvollziehbar.
    Fazit
    Was Altpapier-Container über die vergangenen 30 Jahre zu erzählen hatten, fand ich so fesselnd wie die pure Vielfalt an Dokumenten und Geschichten, die dort zu retten war. Arno Geigers autobiografisches Buch hat mich besonders im Dreieck mit „Der alte König“ und „Drachenwand“ beeindruckt. Auch wenn die beiden biografischen Texte aneinander andocken, finde ich beim Lesen diese Reihenfolge jedoch nicht zwingend.
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Ausgaben von Das glückliche Geheimnis

Gebundene Ausgabe

Seitenzahl: 240

Besitzer des Buches 5

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