Er ist keiner von uns

Buch von Florence Aubenas, André Hansen

Bewertungen

Er ist keiner von uns wurde insgesamt 3 mal bewertet. Die durchschnittliche Bewertung liegt bei 3,3 Sternen.

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Rezensionen zum Buch

  • Rezension zu Er ist keiner von uns

    @Buchdoktor
    Es handelt sich hier um True Crime, also ein Sachbuch. Das ist nicht die richtige Kategorie.
    Autorin: Florence Aubernas
    Titel: Er ist keiner von uns
    Seiten: 253
    ISBN: 978-3-423-26340-5
    Verlag: dtv
    Übersetzung: Andre Hansen
    Autorin:
    Florence Aubenas wurde 1961 in Brüssel geboren und ist eine französische Journalistin. In Paris studierte sie bis 1984 an der Journalistenschule "Centre de formation des journalistes" und arbeitete anschließend bei einem Wirtschaftsmagazin.
    Seit 1986 ist sei bei der Zeitung "Liberation" tätig und war als Kriegs- und Krisenreporterin in Ruanda, Kosovo und Afghanistan im Einsatz. Über den Völkermord von Ruanda und über die Globalisierung schrieb sie viel beachtete Bücher. 2010 wurde ihr im Stile Günter Wallraffs veröffentlichter Bericht über die Erfahrungen als Putzfrau in Frankreich ein Beststeller, der auch ins Deutsche übersetzt wurde.
    Während ihrer Arbeit in Bagdad wurde sie entführt und erst nach fünf Monaten Geiselhaft wieder freigelassen. Ihre literarisch aufgearbeiteten Recherchen wurden mehrfach ausgezeichnet.
    Inhalt:
    Ein Dorf in der französischen Provinz, Dezember 2008. Um 8:30 Uhr schließt Catherine Burgod die kleine Postfiliale in der Dorfmitte auf. Eine halbe Stunde später ist sie tot, mit achtundzwanzig Messerstichen brutal ermordet. Die aufgebrachte Bevölkerung sucht einen Schuldigen, und der Verdacht fällt auf den Fremden im Dorf ...
    Nach jahrelanger Recherche erzählt die preisgekrönte Journalistin Florence Aubenas die Geschichte dieses bis heute ungelösten Kriminalfalls - atmosphärisch, packend und erschütternd. (Klappentext)
    Rezension:
    Eigentlich ein vergleichsweise belangloser Kriminalfall, ist der im französischen Monreal-la-Cluse geschehene Mord an einer Postangestellten ein Geschehen, welches bis heute viel mehr Fragen aufwirft als beantwortet werden können, zumal der für lange Zeit Hauptverdächtige kurz vor einer letzten Gegenüberstellung spurlos verschwand.
    Die Journalistin Florence Aubenas hat recherchiert und nicht nur ein Ermittlungsporträt erstellt, auch ein spannend zu lesendes Psychogram eines Menschen, der tiefer kaum fallen konnte.
    Hierzulande kaum bekannt, dürfte dieser Fall in Frankreich ein paar Wellen geschlagen haben, ist der des Mordes Hauptverdächtige kein geringerer als der für seinen Film "Le petit criminel" 1991 mit dem Cesar ausgezeichnete Jungschauspieler Gerald Thomassin, dessen Biografie schon zuvor mit zahlreichen Hindernissen und Stolpersteinen gespickt war.
    Aufgrund von Drogen- und Beziehungsproblemen verschlug es ihn später in den Ort, der Jahre später zum Schauplatz eines Verbrechens werden sollte, was die Region erschüttern sollte. Aufgrund von getätigten Aussagen und Formulierungen Thomassins selbst, rückt dieser schnell in der stetig kleiner werdenden Liste der Hauptverdächtigen, was eine über Jahre andauernde Dynamik ins Rollen bringen sollte.
    Die Autorin rollt den Fall auf und beleuchtet von allen Seiten die Biografie Thomassins und die Dynamik eines Geschehens, welche eine örtliche Gemeinschaft auseinanderbrechen ließ und nicht nur ein Leben zerstörte. Beinahe an der Grenze zum Roman schlüsselt Aubenas Ereignisse auf, sucht Wendepunkte und Puzzleteile zusammen zu setzen.
    Dabei streift sie die Abgründe der Gesellschaft, ebenso den Kontrast zur gegensätzlichen französischen Filmwelt, aber eben auch die Innereien einer Justiz- und Ermittlunsgarbeit, die zwangsläufig irgendwann auf die Stelle tritt, wenn alle Spuren und Indizien kaum handfeste Ergebnisse zu Tage befördern.
    Vor allem versucht sie einen Charakter zu verstehen, welcher schon zu Zeiten seines schauspielerischen Schaffens für die ihn Umgebenden kaum zu fassen gewesen sein muss, beschäftigt sich jedoch auch mit der gegenüberstehenden Seite. Was macht dies mit den Angehörigen, denen man das Liebste nimmt? Welche Sichtweisen entstehen, wenn man die für selbstverständlich wahrgenommene Sicherheit herausnimmt?
    Sehr sachlich, ruhig geht die Journalistin hier vor, so dass man das Gefühl hat, ohne die Quellenlage freilich genau zu kennen, dass hier intensiv recherchiert und befragt wurde. Vom Stil her kann man diese Reportage den Büchern Asne Seierstads zuordnen oder Michelle McNamara, die ebenfalls zu Fällen ihrer Heimatländer recherchierten.
    Vieles bleibt aufgrund der Informationslage dennoch im Verborgenen, so musste Aubenas ergänzen und Schlüsse ziehen. Wirklich gelöst wurde der Fall nie, wenn auch gegen Ende der Ermittlungen sich ein neues, anderes Bild ergab als dies zunächst schien.
    Wer sich mit dem französischen Film etwas tiefgehender beschäftigt, wird um die Geschichte des Schauspielers Gerald Thomassin und seine Verwicklungen in diesem Kriminalfall wohl früher oder später kaum drum herumkommen. Für andere mag die beschriebene Dynamik oder Arbeit des Rechts- und Justizsystems eines anderen Landes ein interessanter Aspekt sein, sowie die psychologische Komponente oder gesellschaftliche Wahrnehmung.
    Der Schreibstil, oder die Übersetzung haben hier ein paar Längen entstehen lassen, zumal man gen Ende lesend genauso ratlos sein wird, wie Angehörige, ermittelnde und die Journalistin selbst. Wird dieser Fall jemals gänzlich gelöst werden können?
    Auch interessant:
    Zur Biografie Gerald Thomassins: Hier klicken.
    Eine französische Doku über den Fall: Hier klicken. (Tipp: Untertitel anschalten und sich automatisch übersetzen lassen, nicht wortgetreu aber man kann dann dem folgen.)
    Trailer des Films "Le petite criminel" mit Thomassin: Hier klicken.
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  • Rezension zu Er ist keiner von uns

    .... Ein Dorf sucht einen Mörder
    Klappentext/Verlagstext
    Die wahre Geschichte eines rätselhaften Verbrechens
    Ein Dorf im französischen Jura, kurz vor Weihnachten 2008. Eine Postangestellte wird tot aufgefunden, mit 28 Messerstichen brutal ermordet. Das Verbrechen erschüttert das ganze Dorf. Das kleine Postamt liegt mitten im Ort, doch niemand hat etwas gesehen oder gehört. Kannte die Tote ihren Mörder? War es jemand aus dem Dorf?
    Schließlich konzentrieren sich die Ermittlungen auf einen Schauspieler, der erst seit Kurzem in dem Dorf lebt – der ideale Sündenbock. Doch es finden sich keine Beweise für seine Schuld …
    Sechs Jahre lang hat Florence Aubenas recherchiert, um die Hintergründe dieses wahren Kriminalfalls zu beleuchten. Herausgekommen ist das sensibel erzählte Porträt eines Dorfes, das sich liest wie ein spannender Roman.
    Die Autorin
    ‎ Florence Aubenas, 1961 in Brüssel geboren, ist Journalistin und arbeitet für ›Le Monde‹. Ihre literarisch aufgearbeiteten Recherchen sind mit mehreren Preisen ausgezeichnet worden.
    Inhalt
    Mit ihrem Buch über den ungelösten Mordfall in der Poststelle von Montréal-de-la-Cluse am Nantua-See/französischer Jura kommt die ungenannte Icherzählerin nicht so recht weiter; ihr Informant scheint zu mauern. Anstatt zum Gerichtstermin zur Beweisaufnahme zu erscheinen, verschwindet der Mann 2019 komplett von der Bildfläche. Der Verdächtige nannte sich Gérald Thomassin und konnte von einer erstaunlichen Vergangenheit als Heimkind und jugendliches Schauspieltalent berichten. Im Heim hatte T. gelernt, gegenüber Autoritätspersonen chamäleonartig ausgesucht höflich aufzutreten und zugleich in der Clique Gleichaltriger den starken Mann zu markieren. Sein Selbstdarstellungsdrang wirkt bis in die Gegenwart so ausgeprägt, dass ich zu Anfang der Handlung sicher war, er würde sich um Kopf und Kragen reden und nicht ungeschoren davonkommen.
    Der Mord an der schwangeren Posthalterin an ihrem Arbeitsplatz setzte 10 Jahre zuvor im Ort ein üppig wucherndes Gestrüpp aus Vermutungen und Hörensagen in Gang. Zur Tatzeit kamen zahllose mögliche Zeugen an der Post vorbei, wiederholt melden sich bei der Polizei Bürger, denen T. angeblich die Tat gestanden haben soll. Und die Liste der Argumente wird immer länger, warum nur T. der Täter gewesen sein kann. Niemand scheint sich zu fragen, wie glaubwürdig das angebliche Geständnis eines Mannes sein kann, durch dessen Leben sich eine Kette von Aufenthalten in der Psychiatrie zieht. Der Vater der jungen Catherine Burgod jedenfalls ruht bis ins hohe Alter nicht mit dem Bemühen, doch noch einen Täter ausfindig zu machen.
    Florence Aubenas lässt ihre Icherzählerin das Thema mit der Detailtreue der True-Crime-Autorin angehen und nennt exakt Orts- und Zeitangaben. Kapitel für Kapitel protokolliert sie, wie das Misstrauen gegenüber dem Fremden wächst, der in den Ort kam, weil er als volljähriger Ex-Heiminsasse nur hier eine Unterkunft fand. Stärker noch als die Frage, wer der Täter war, gerät in Aubenas Focus, was N. für ein Mensch war und wie er in den Schlamassel geraten konnte …
    Fazit
    Eine groteske Geschichte, die nicht alle Leser zufriedenstellen wird, aber Fans von True Crime unterhalten kann.
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Ausgaben von Er ist keiner von uns

Taschenbuch

Seitenzahl: 256

Besitzer des Buches 4

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