Die Offizierskammer

Buch von Marc Dugain

  • Kurzmeinung

    Squirrel
    Gesichtsverletzungen rauben die Identität - kann man wirklich lernen, damit umzugehen?

Zusammenfassung

Inhaltsangabe zu Die Offizierskammer

In den frühen Tagen des ersten Weltkriegs, noch bevor die Front wirklich eröffnet ist, wird der junge Offizier Adrien Fournier bei einem Aufklärungsritt von der Explosion einer Granate erfaßt, sein Gesicht bis zur Unkenntlichkeit entstellt. Es folgen fünf Jahre im Pariser Hospital Val-de-Grâce, in einem Zimmer mit zwei anderen, deren Gesichter ebenfalls verstümmelt sind. Was für Hoffnungen darf sich ein junger Mann noch machen, der mit dem Gesicht auch seine Identität verliert? Marc Dugain schildert das bedrückende Vegetieren in der engen Offizierskammer des Hospitals, die entstehende Freundschaft unter den Leidensgenossen, ihre Hoffnung auf neue chirurgische Techniken und ihre Verzweiflung über das unwiederbringlich verlorene Antlitz, die angewiderten und dennoch ehrfürchtigen Reaktionen der Landsleute, als die Verstümmelten sich ein erstes Mal wieder auf die Pariser Boulevards wagen... Die fast altertümlich anmutende Sprache Dugains, die dem Leiden wie dem Willen zum menschenwürdigen Leben ohne aufgesetztes Pathos Ausdruck verleiht, hat Die Offizierskammer in Frankreich zur »literarischen Entdeckung des Jahres« gemacht.
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Bewertungen

Die Offizierskammer wurde insgesamt 2 mal bewertet. Die durchschnittliche Bewertung liegt bei 4,8 Sternen.

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Meinungen

  • Gesichtsverletzungen rauben die Identität - kann man wirklich lernen, damit umzugehen?

    Squirrel

Rezensionen zum Buch

  • Rezension zu Die Offizierskammer

    Autor Marc Dugain beschreibt hier die Geschichte von Adrien Fournier, dessen Gesicht in den ersten Tages des Ersten Weltkrieges, noch bevor die Front „offiziell“ eröffnet worden ist, bei einem Aufklärungsritt von einer Granate bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt worden ist.
    Adrien Fournier hat Glück (wenn man bei einer solchen Verletzung von Glück sprechen kann) und wird in das Pariser Hospital Val-de-Grâce nach Paris verlegt. Dort fristet er mit anderen Offizieren, deren Gesichter ebenfalls zerstört sind, ein Leben in der Abgeschiedenheit eines, Offizierskammer, genannten Krankenzimmer. Denn, militärische Ränge bestimmen auch die medizinische Versorgung und Unterbringung. Niedere Chargen werden in mit bis zu 50 Personen (über)belegten Krankensälen behandelt.
    Während der fünf Jahre des Aufenthaltes muss sich Fournier zahlreicher Operationen unterziehen, sieht Kameraden kommen und gehen (sterben). Unter jenen, die mit Adrien Fournier das Zimmer teilen, befinden sich der jüdische Pilot Pierre Weil und der Bretone Henri Penanster. Sie werden Freunde fürs Leben.
    Bei ihren ruhelosen Wanderungen durch das Krankenhaus, entdecken sie, dass in der kleiner Kammer am Ende des Ganges eine Frau mit einer schweren Gesichtsverletzung liegt: Marguerite, eine Krankenschwester, deren linke Gesichtshälfte bei einem Angriff auf ein Sanitätszelt zerstört worden ist. Sie wird in die Pokerrunde aufgenommen.
    Meine Meinung:
    Marc Dugain beschreibt in diesem beeindruckenden Buch das Leben seines Großvaters, den er ja nur mit seinem entstellten Gesicht kennt. Wie müssen/können diese Gespräche abgelaufen sein?
    Dieses Buch ist eine Ergänzung zu dem Sachbuch „Horror der frühen Chirurgie“ von Lindsey Fitzharris. Während bei Fitzharris der Chirurg Harold Gillies und seine Kollegen im Vordergrund stehen, sind es hier die Schicksale der Verwundeten, die hier erzählt werden.
    Dugain erzählt mit der nötigen Distanz, wie sich die drei kennenlernen, sich abgeschirmt von der Wirklichkeit, gegenseitig stützen, wie sie versuchen - mit mehr oder weniger
    Erfolg - Neuankömmlingen Mut zu machen.
    Besonders interessant habe das Schicksal der Krankenschwester Marguerite, die als einzige einen Granatenangriff auf ein Sanitätszelt Ende 1915 schwer verletzt überlebt hat, gefunden.
    Wie viele Krankenschwestern und Helferinnen im Ersten Weltkrieg getötet oder verletzt worden sind, ist kaum bekannt. Ja, man weiß oft nicht einmal, dass Frauen auch direkt an der Front eingesetzt waren. Von Marie und Irene Curie ist bekannt, dass sie mit ihren mobilen Röntgengeräten die Versorgung Verwundeter gewährleistet haben.
    Der weitere Lebensweg der Pokerrunde wird kurz besprochen. Die drei Männer heiraten und gründen eine Familie. Nur Marguerite bleibt unverheiratet.
    Fazit:
    Ein beeindruckendes Buch, dem ich gerne 5 Sterne gebe.
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  • Rezension zu Die Offizierskammer

    Über den Autor:
    Marc Dugain, Jahrgang 1957, ist Geschäftsmann und lebt in Paris. In „Die Offizierskammer“ beschreibt er die authentische Geschichte seines Großvaters.
    Buchinhalt:
    In den frühen Tagen des ersten Weltkriegs, noch bevor die Front wirklich eröffnet ist, wird der junge Offizier Adrien Fournier bei einem Aufklärungsritt von der Explosion einer Granate erfasst, sein Gesicht bis zur Unkenntlichkeit entstellt. Es folgen fünf Jahre im Pariser Hospital Val-de-Grâce, in ein Krankenzimmer gesperrt mit zwei anderen, deren Gesichter ebenfalls verstümmelt sind.
    Was für Hoffnungen darf sich ein junger Mann noch machen, der mit dem Gesicht auch seine Identität verliert?
    Das Buch umfasst 138 Seiten und ist nicht in Kapitel unterteilt. Übersetzt wurde es von Marianne Schönbach.
    Meine Meinung:
    Ein kurzes, aber umso beeindruckenderes Buch. Tatsächlich hatte ich vor dem Lesen weder den Klappentext noch die Information über den Autor gelesen, aber dann gab es eine Szene mit einer jungen Krankenschwester (wer das Buch liest, weiß sofort, welche Szene ich meine) bei der ich nur dachte „wie kommt man nur darauf, so etwas zu schreiben?“. Und dann hab ich mich informiert.
    Der Autor muss meiner Meinung nach viel mit seinem Großvater geredet haben, tiefe Gespräche müssen es wohl gewesen sein, um so ein Buch zu schreiben. Wie lebt ein junger Mann weiter ohne Gesicht, mit verlorener Identität, ohne Hoffnung, mit für uns unvorstellbaren Schmerzen in einer Zeit, die weit vor den heutigen Möglichkeiten der Medizin lag? Wie gehen junge Menschen mit solchen Schicksalen um?
    Mit einer gewissen Distanz schildert Dugain die Gedanken der jungen Männer in der Offizierskammer - wie sie versuchen, die Realität auszublenden, wie sie sich gegenseitig Halt geben, wie sich drei von ihnen in einer lebenslangen Freundschaft zusammenfinden, wie diese versuchen, anderen „frischen“ Patienten Hoffnung zu geben - manchmal mit Erfolg, manchmal leider ohne.
    Am beeindruckendsten daran ist für mich, dass diese Männer nie aufgaben; immer kämpften sie um ihr bisschen Existenz bis zu dem Punkt, an dem sie das Leben wieder liebten und in vollen Zügen genossen - ein Leben, dass sie als Geschenk und Glück ansahen, es zelebrierten und feierten und ihr ganzes Leben füreinander einstanden.
    Erzählt wird, wie schon erwähnt, mit einer gewissen Distanz und stets ohne Selbstmitleid oder Weinerlichkeit, obwohl die Männer dazu bestimmt Grund hatten. Dugain schildert Szenen, die wir uns wirklich nicht vorstellen können, mit einem gewissen Grundhumor, der dem Thema die Schärfe und Bedrückung nimmt, ohne es einfach leichthin abzutun. Ich hatte beim Lesen das Gefühl, dass sein Großvater ihm genau auf diese Art geschildert haben musste, was sich im Hospital abspielte. Wissen kann ich das nicht, aber die ganze Erzählung erweckt diesen Eindruck.
    Eine gewisse Widerstandsfähigkeit braucht der Leser, denn manche Schilderungen sind schon heftig - solche Verletzungen hat wohl noch niemand von uns wirklich gesehen. Aber ich finde, es lohnt sich, denn die erzählte Geschichte dieser drei Männer ist einfach zutiefst beeindruckend.
    Dieses Buch hätte auch bei historischen Romanen oder Kriegsliteratur eingestellt werden können, aber ich habe mich bewusst für Biografien entschieden, denn es geht hier sehr persönlich um drei bestimmte Männer und ihr Leben.
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Ausgaben von Die Offizierskammer

Hardcover

Seitenzahl: 138

Besitzer des Buches 3

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