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Ich bin nicht da

Buch von Lize Spit, Helga van Beuningen

  • Kurzmeinung

    Emili
    Schonungsloser Einblick in die Welt der Psychose. Ehrlich und offen erzählt. Lesenswert

Zusammenfassung

Inhaltsangabe zu Ich bin nicht da

Nach ihrem aufsehenerregenden Debüt »Und es schmilzt« ist Lize Spits zweiter Roman noch nervenzerreißender, noch emotionaler und noch persönlicher. Leo ist seit zehn Jahren mit Simon zusammen. Er ist der wichtigste Mensch in ihrem Leben, und viele andere sind da auch nicht. Eines Nachts kommt Simon wie ausgewechselt nach Hause, völlig überdreht, mit neuer Tätowierung, neuen Freunden, neuen Zukunftsplänen. Er schläft immer weniger und wird zunehmend paranoid. Eine manische Episode hat Leos große Liebe fest im Griff. Als sie begreift, wozu Simon jetzt fähig ist, ist es vielleicht zu spät. Zu lange hat Leo alles für ihn aufs Spiel gesetzt. Nun bleiben ihr genau elf Minuten, um eine Tragödie zu verhindern, die nicht nur ihr Leben für immer verändern würde. Ein Roman über eine junge Frau, die zusehen muss, wie ihre große Liebe von einer psychischen Krankheit geradezu verschlungen wird. »Lize Spit kennt keine Angst. Wir, die Leser, sind die, die zitternd zurückbleiben.« Leila Slimani über »Und es schmilzt« »In ihrem einzigartigen Stil erreicht Lize Spit eine emotionale Tiefe, die man in der Literatur nicht oft findet.« Friesch Dagblad »Ein großer Roman über die Liebe, Schmerz und den Wunsch, gesehen zu werden.« JAN »Es ist schlicht nicht möglich, dieses Buch aus der Hand zu legen.« NCR Handelsblad
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Bewertungen

Ich bin nicht da wurde insgesamt 7 mal bewertet. Die durchschnittliche Bewertung liegt bei 4,4 Sternen.

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Meinungen

  • Schonungsloser Einblick in die Welt der Psychose. Ehrlich und offen erzählt. Lesenswert

    Emili

Rezensionen zum Buch

  • Rezension zu Ich bin nicht da

    Meine Meinung:
    Die Autorin dieses Romans hat mich schon einmal in meinem Leseleben sehr überrascht. Ich spreche von dem Buch "Und es schmilzt" - der Schock saß damals tief.
    Auch diesmal fand ich recht schnell einen Einstieg in die Geschichte. Es wird erzählt über das Leben und die Beziehung eines jungen Paars. Die beiden sind schon über 10 Jahre zusammen, als eine gewisse Veränderung im Umgang miteinander stattfindet. Und nicht nur das, der Partner von Leo beginnt sich anders als gewohnt zu verhalten. Alles fängt an einem frühen Morgen an. Simon verblieb die ganze Nacht woanders, ohne Bescheid zu sagen, was ungewöhnlich ist, als er nach Hause kommt, hat er ein neues Tattoo und redet in einer Art, die der Leo nicht bekannt ist. Lange Zeit versteht sie nicht, was mit ihrem Partner los ist. Und was noch auf die beiden zukommt, erfährt man aus dem spannenden Roman von Lize Spit.
    Als Leser kann man relativ schnell dahinter schauen, was mit dem Hauptcharakter nicht stimmen sollte. Es ist eine Geschichte der bipolaren Störung, einer Psychose, mit all den Gefahren, die so eine Erkrankung in sich birgt. Die Story entwickelt sich nach und nach. Der Spannungsbogen dabei steigt kontinuierlich und bleibt auch auf dem hohen Niveau.
    Was ich auch sehr positiv fand, ist die Tatsache, dass die Autorin tiefe Einblicke in den Alltag des Paares, in die Beziehung untereinander, in ihr Umgang miteinander, ermöglicht. Diese Untersuchung der Zustände, ob Protagonisten oder der Handlung, ermöglichen dem Leser einen unbeschönigten und detaillierten Einblick in so ein mögliches Szenario.
    Jedoch muss man als Leser unbedingt vor Augen halten, dass jede psychische Erkrankung sehr individuell ist, auch wenn es womöglich Parallelen gibt, so ist doch jedes Individuum anders, somit auch andere Reaktionen und Handlungen.
    Eine dramatische Geschichte mit Tiefgang erschütternd und mitnehmend. Tabus brechen, scheint die Spezialität der Autorin zu sein. Ich finde es gut.
    Würde den Roman nicht nur Angehörigen oder Betroffenen (wobei man an Trigger denken sollte) empfehlen, sondern auch allgemein Lesern, die sich mit dem Thema bipolare Störungen und Psychosen auseinandersetzen wollen. Außerdem ist es ein recht spannender Roman.
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  • Rezension zu Ich bin nicht da

    Außer Kontrolle
    Lize Spit hat sich viel Zeit gelassen für ihren neuen dicken Roman. 571 Seiten. Wir mussten etwa vier Jahre warten und hatten so die Zeit das unvergessliche Werk „Und es schmilzt“ zu verdauen.
    Hier sind die Protagonisten älter geworden, wie die Autorin selbst etwa. Leo ist um die zwanzig, als es losgeht und um die dreißig, als es aufhört. Simon, Leos Partner und fast einziger Freund ist ungefähr drei Jahre älter als sie. Das Paar wohnt wie die Autorin in Brüssel. Leo hat Regie und Drehbuchschreiben an der Filmakademie studiert, arbeitet aber als Verkäuferin in einem Umstandsmodegeschäft. Simon ist Grafikdesigner, begnadet und sehr erfolgreich. LS lässt sich viel Zeit für die Entwicklung ihrer Figuren.
    Leo hat zwei Freundinnen: Indra und Lotte. Ihre Mutter verunglückte tödlich und zum Vater will sie keinen Kontakt. Bei Simon ist es ähnlich, seine Mutter starb und der Vater agiert in Italien. Es gibt nur Fernkontakt, durchaus häufiger, aber es kommt nie zu persönlichen Begegnungen während dieser Geschichte. Bei Leo verschwindet so nach und nach die eine Freundin aus ihrem Leben: Indra. Und einzig mit Lotte, ihrer Kollegin im Geschäft, teilt sie Freud und Leid. Simons Vater wird ab und zu von Leo informiert, aber zurück kommen nur wenig hilfreiche Vorschläge.
    Als Coen in der Agentur anfängt, in der Simon beschäftigt ist, eskaliert die Lage: Simon wird zunehmend paranoid. Aber auch Leo verändert sich. „Ich war schon genauso paranoid wie er, seine Krankheit hatte auch mein Gehirn infiziert.“ (Seite 199)
    Spät sorgt sie dafür, dass Simon eingeliefert wird. „Dieses Ding, das in ihm hauste, musste erst ganz aus ihm raus, bevor ich ihn wieder bei mir haben wollte.“ (Seite 287)
    In der Psychiatrie arbeitet auch Dr. „Einhorn“, den Leo und Simon auch vorher konsultiert hatten. Sieben Wochen währt die stationäre Behandlung, in der Simon medikamentös gedämpft wird. Mehr soll hier, an dieser Stelle, nicht verraten werden. Auf jeden Fall hat dieses Buch es in sich. Verschiedentlich erinnerte ich mich an Terézia Moras beeindruckenden Roman „Das Ungeheuer“. Nur dass dort der Protagonist erst posthum erfährt, wie schlimm es wirklich um seine Frau bestellt war. Und hier ist Leo live dabei, harrt aus und verhält sich selbst teilweise extrem grenzwertig. So legt sie einmal ein Reiskorn auf sein Kopfkissen, um zu kontrollieren, ob er geschlafen hat, bzw. sich ins Bett gelegt hat. Auch ihre seltsame Starre, dass sie viel zu wenig bis nichts unternimmt, um zumindest für sich die Situation in den Griff zu kriegen, finde ich bedenklich.
    Überhaupt fiel mir auf, was für verhängnisvolle und auch extrem übertriebene Rollen die ewig eingeschalteten Handys der Protagonisten spielen. Da wird sich schon gegenseitig zu-gesimst, während man im selben Zimmer am selben Tisch sitzt. Oder beim Radfahren werden E-Mails gelesen oder beantwortet. Was ist das für eine kranke Gesellschaft?
    Der Roman ist in drei Ebenen eingeteilt: die Gegenwartsebene, in der Leo versucht ein Verbrechen zu verhindern; die Entwicklungsgeschichte des Paares und schlussendlich im Hauptteil der Verlauf von Simons Krankheit gepaart mit der Ohnmacht der Ärzte und der Pharmaindustrie.
    Fazit: Ein ungewöhnlicher Roman, sehr empfehlenswert für hartgesottene Gemüter und ein würdiger Nachfolger für „Und es schmilzt“. Einige Stellen im ersten Drittel fand ich etwas aufgebläht, dennoch 4,5 verdiente Sterne.
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  • Rezension zu Ich bin nicht da

    Klappentext: Leo ist seit zehn Jahren mit Simon zusammen. Er ist der wichtigste Mensch in ihrem Leben, und viele andere sind da auch nicht. Eines Nachts kommt Simon wie ausgewechselt nach Hause, völlig überdreht, mit neuer Tätowierung, neuen Freunden, neuen Zukunftsplänen. Er schläft immer weniger und wird zunehmend paranoid. Eine manische Episode hat Leos große Liebe fest im Griff. Als sie begreift, wozu Simon jetzt fähig ist, ist es vielleicht zu spät. Zu lange hat Leo alles für ihn aufs Spiel gesetzt. Nun bleiben ihr genau elf Minuten, um eine Tragödie zu verhindern, die nicht nur ihr Leben für immer verändern würde.
    Er entzog sich mir, entzog sich unserem normalen Tagesrhythmus, schaute nie mehr auf die Uhr, eine Stunde schien in seiner Welt lediglich eine Minute zu dauern.
    Meine persönlichen Leseeindrücke
    „Ich bin nicht da“ ist ein schwieriges Buch. Ich brauche Ruhe und Zeit, um mich ein wenig einzulesen. Zu dicht empfinde ich die z. T. banalen Szenen, die mich mit ihrer Schwermut fast erdrücken. Wenn ich am Aufgeben bin, folgen Abschnitte, die mich begeistern können und obwohl ich zweifle, lese ich weiter.
    Ich hatte herausfinden wollen, was mich innerhalb einer Zeitspanne von zwei Monaten so von ihm hatte entfernen können.
    Die Geschichte ist voller Tragik. Ein junges Paar versucht gemeinsam ein Leben zu gestalten als plötzlich ein Partner wegbricht. Das was vor Kurzem noch unvorstellbar ist, tritt ein und überrollt nicht nur den Kranken, sondern auch den Gesunden, wie eine Lawine, die mit ihrer Zerstörkraft alles in den Abgrund reißt. Den Verfall eines jungen Mannes mitzuerleben und zeitgleich die Veränderung der jungen Frau mit anzusehen, ist schwer erträglich.
    Es war nur Simon, kein Grund, dass mir schlecht wurde, ich kannte ihn schon seit Jahren, ich kannte alle seine einzelnen Teile, auch wenn di heftig durcheinandergeschüttet worden waren und nichts mehr am richtigen Platz saß, er blieb dasselbe Ganze.
    Ein Buch muss in mir ein Gefühl vermitteln können, das einzigartig für die erzählte Geschichte ist und mich bindet und fesselt. Auf keinen Fall soll sich die Handlung nicht in eine Unmenge von teils überflüssigen Detailszenen verlieren, um dem Geschriebenen Gewicht zu verleihen. Leider geschieht genau dies hier und obwohl die Erzählung und auch die Zeichnung der Romanfiguren realistisch und nachvollziehbar bleiben, sind die Momente, in denen ich dieses Gefühl empfinde, erst ab der Mitte des Buches da, wenn auch eher rar.
    Fazit
    „Ich bin nicht da“ von der belgischen Autorin Lize Spit erzählt die Verwandlung eines gesunden, erfolgreichen jungen Mannes, der innerhalb kürzester Zeit eine Paranoia entwickelt. Doch die Krankheit betrifft nicht nur ihn, sondern überfordert seine große Liebe Leo und droht sie in den Abgrund zu ziehen. Wenn auch stellenweise mit großer Empathie ausgestattet, empfinde ich den Roman aufgrund der unverhältnismäßig großen Anzahl an überflüssigen Detailszenen zu langatmig.
    Um sich einsam zu fühlen, braucht es nicht viel; lediglich einen anderen, der den Ernst deiner Situation unterschätzt.
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  • Rezension zu Ich bin nicht da

    Klappentext
    Leo ist seit zehn Jahren mit Simon zusammen. Er ist der wichtigste Mensch in ihrem Leben, und viele andere sind da auch nicht. Eines Nachts kommt Simon wie ausgewechselt nach Hause, völlig überdreht, mit neuer Tätowierung, neuen Freunden, neuen Zukunftsplänen. Er schläft immer weniger und wird zunehmend paranoid. Eine manische Episode hat Leos große Liebe fest im Griff. Als sie begreift, wozu Simon jetzt fähig ist, ist es vielleicht zu spät. Zu lange hat Leo alles für ihn aufs Spiel gesetzt. Nun bleiben ihr genau elf Minuten, um eine Tragödie zu verhindern, die nicht nur ihr Leben für immer verändern würde.
    Ein Roman über eine junge Frau, die zusehen muss, wie ihre große Liebe von einer psychischen Krankheit geradezu verschlungen wird.
    Meine Meinung
    Der Einstieg hat mich direkt gefesselt, denn die Autorin bedient sich hier einem Stilmittel, dem man sich kaum entziehen kann. Leo, der Protagonistin, bleiben 11 Minuten, um - ja, um was? Etwas zu verhindern, etwas schreckliches, von dem sie noch gar nichts ahnt, während sie grade ihren ersten Tag in einem neuen Job verbringt. Die Nachricht auf ihrem Handy bleibt ungelesen, die Dringlichkeit springt dem Leser aber direkt ins Gesicht. Man weiß, irgendwas passiert grade, außerhalb ihrer Reichweite und man weiß ebenfalls, dass es ihr Leben verändern wird.
    Und dann der Cut. Der Rückblick. Der Anfang der Beziehung zwischen Leo und Simon. Der Anfang vom Ende, als Simon nach Hause kommt und völlig verändert scheint.
    Die Autorin hat hier für mich einen grandiosen Roman geschrieben, der unter die Haut geht.
    Wie es Menschen beim Lesen dieser Geschichte damit geht, die noch nichts mit Krankheiten wie bipolarer Störung, Paranoia oder Schizophrenie zu tun hatten, weiß ich nicht, das kann ich nicht einschätzen. Und mir fehlen grade ein bisschen die Worte, weil ich so sehr mit Leo mitfühlen konnte und mich das Buch emotional mitgerissen hat - und weil ich nicht weiß, wie ich dieses Gefühlschaos hier irgendwie an euch weitergeben kann.
    Lize Spit schreibt (wie auch in "Und es schmilzt") sehr direkt, sehr offen und sehr unverblümt. Ich möchte es trotzdem nicht mit ihrem anderen Buch vergleichen, auch wenn man ihren Stil wiedererkennt. Das Thema hier ist anders und es wirkte hier auch von Anfang an mit einer Spannung, der man sich einfach nicht entziehen kann.
    Das Beschreiben der Beziehung von Leo und Simon wird in Rückblicken erzählt. Ihr Kennenlernen, ihre Liebe, wie sie sich aufbaut über die Jahre. Wie sie sich gegenseitig lesen können in ihrem Verhalten, ihrem Humor, ihren Gewohnheiten - wie sie zusammenwachsen als Paar mit viel Hoffnung für die Zukunft. Und doch, scheinbar unmerklich, sind da diese Kleinigkeiten. Unbemerkt und unerkannt und dennoch immer im Hintergrund.
    Als der Auslöser schließlich alles aus dem Ruder laufen lässt, ist Leo völlig überfordert. Aus ihrer Sicht erleben wir, wie unglaublich schwierig und Kräfte zehrend es ist, jemandem mit einer psychischen Krankheit beizustehen.
    Leo war mir sehr sympathisch und habe ich sehr mit ihr mitgelitten. Sie ist so verstrickt in diese Situation, so verstrickt mit Simon und seinen Veränderungen, dass sie mit sich herumträgt wie einen Rucksack, der immer schwerer wird. Aber auch das Reden fällt schwer, diese Situation mit anderen zu teilen, denn eine wirklich gute Freundin hat sie nur in Lotte und so richtig öffnen kann sie sich ihr gegenüber nicht.
    […]
    Das nicht wahrhaben wollen oder wegsehen kennen wir alle, denke ich. Vielleicht nicht alle bewusst, aber wenn man genauer hinsieht, schieben wir immer wieder mal Probleme auf die Seite, damit wir uns nicht damit beschäftigen müssen. Weil es zu weh tut, weil wir überfordert sind, weil wir völlig hilflos sind.
    Das spürt man auch hier bei Leo sehr deutlich, denn sie weiß überhaupt nicht, wie sie damit umgehen soll. Vielleicht hat man das Gefühl, sie hätte schon früher etwas unternehmen müssen, dass sie nur zuschaut und es hätte "sehen" müssen. Aber wenn man nicht selber in der Situation steckt hat man immer leicht reden, denn die Hoffnung, dass alles doch nicht so schlimm ist und diese "Phase" wieder vorübergeht, bleibt bestehen solange man diese Chance noch für real hält.
    […]
    Ich persönlich denke, dass psychische Krankheiten trotz ähnlicher Strukturen dennoch immer ganz persönlich und individuell sind, wie sie sich im Endeffekt auswirken. Wie Lize Spit hier dieses Wechselspiel zwischen Leo und Simon beschrieben hat finde ich allerdings äußerst eindrucksvoll und realitätsnah, soweit ich das beurteilen kann.
    Durch Leos Sichtweise bleibt der Blick in die Gedanken von Simon selbst ferner, man kann ihn nur durch das Beobachten einschätzen, was allerdings ebenfalls sehr anschaulich aufgezeigt wird. Wie oben schon erwähnt ist der Verlauf solcher Krankheiten bei jedem anders und hier auf eine dramatische Weise vor Augen geführt, die aber umso besser zeigt, wie schwerwiegend die Auswirkungen sein können, wie gefährlich und verhängnisvoll - und dass aber eben doch auch ein tief verzweifelter Mensch hinter dieser Krankheit steckt, der sich seines Verhaltens meist überhaupt nicht bewusst ist.
    Und Leo steckt mittendrin, denn sie will retten, was noch zu retten ist. Sie verteidigt, sie hilft, sie schützt, während sie sich selbst immer wieder Vorwürfe macht. Sie sieht die anderen, sieht das "normale", wo sie wieder hinmöchte und versucht mit allen Mitteln, ihre kleine heile Welt wieder unter Kontrolle zu bekommen.
    […]
    Dabei verliert sie jedoch nicht nur Simon, sondern auch sich selbst. Denn das Erkennen und Handeln heißt nicht, dass alles wieder auf Anfang geht. Dass alles wieder gut wird. Dabei nimmt die Spannung und die Dramatik gegen Ende immer mehr zu, während man verzweifelt hofft, dass Leo nicht zu spät kommen wird.
    Ein unglaublich intensives Miterleben dieser Geschichte hat mich sehr berührt und meine Hochachtung an die Autorin für diese tiefgreifende und lebensnahe Darstellung der Charaktere. Kein einfaches Buch, aber für mich bewunderswert umgesetzt!
    Mein Fazit: 5 Sterne
    Weltenwanderer
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  • Rezension zu Ich bin nicht da

    Klappentext/Verlagstext
    Leo ist seit zehn Jahren mit Simon zusammen. Er ist der wichtigste Mensch in ihrem Leben, und viele andere sind da auch nicht. Eines Nachts kommt Simon wie ausgewechselt nach Hause, völlig überdreht, mit neuer Tätowierung, neuen Freunden, neuen Zukunftsplänen. Er schläft immer weniger und wird zunehmend paranoid. Eine manische Episode hat Leos große Liebe fest im Griff. Als sie begreift, wozu Simon jetzt fähig ist, ist es vielleicht zu spät. Zu lange hat Leo alles für ihn aufs Spiel gesetzt. Nun bleiben ihr genau elf Minuten, um eine Tragödie zu verhindern, die nicht nur ihr Leben für immer verändern würde.
    Ein Roman über eine junge Frau, die zusehen muss, wie ihre große Liebe von einer psychischen Krankheit geradezu verschlungen wird.
    Die Autorin
    Lize Spit wurde 1988 geboren, wuchs in einem kleinen Dorf in Flandern auf und lebt heute in Brüssel. Ihr erster Roman »Und es schmilzt« stand nach Erscheinen ein Jahr lang auf Platz 1 der belgischen Bestsellerliste und gewann zahlreiche Literaturpreise. (… gekürzt)
    Inhalt
    Leontine und Simon bilden mit ihrer Beziehung eine Insel, von der es im Fall einer Krise keinen Rückzug mehr ins Nest ihrer Herkunftsfamilien gibt. Simon arbeitet in Brüssel angestellt erfolgreich als Grafiker, „Leo“ hat zwar an der Filmakademie als Drehbuchautorin studiert, scheint sich jedoch sicherer zu fühlen in ihrem Aushilfsjob in einer Edel-Boutique für Schwangerschaftskleidung. Dass sie ängstlich und zwanghaft wirkt, wundert nicht, wenn man erfährt, dass sie schon als Kind misstrauisch die Beziehung ihrer Eltern beobachtete und den Tod ihrer Mutter nie verarbeitet hat. Simon fühlte sich als Kind wegen seiner Ohren verlacht und begann schon als Schüler für die Operation seiner abstehenden Ohren zu sparen. Sein Vater lebt im Ausland; auch seine Mutter ist verstorben. Beide Partner haben mit rund 30 Jahren noch immer Probleme, ihren Alltag zu bewältigen – sie scheinen sich im Sturm der Realität aneinander festzuhalten.
    Als Simon Leo eines nachts weckt, um ihr sein neues Tattoo zu zeigen, und bald darauf verkündet, er hätte bei „Think Out Loud“ gekündigt, um als Selbstständiger eine todsichere Geschäftsidee zu vermarkten, ahnt man, dass es mit dem Paar nicht gut ausgehen wird. Simon schläft kaum noch, zappt manisch in den Sozialen Medien herum und hat offenbar keinen Schimmer davon, wie sein Start-Up zu finanzieren ist. Wer schon Kontakt zu bipolaren Menschen hatte, ahnt, dass er schwer psychisch krank ist. Durch seine Kündigung fehlt der Kontakt zu Kollegen, die ihn überzeugen könnten, dass er therapeutische Hilfe braucht. Leo googelt und protokolliert zwar Simons Verhaltensänderung. Sie hat außer vorauseilendem Verständnis kein Verhalten für die akute Krise gelernt und merkt selbst, dass auch sie Hilfe braucht. Im Rahmen seiner bipolaren Störung ist Simon an einer akuten Psychose erkrankt und fühlt sich bespitzelt, diskriminiert und gemobbt. Als Leo in höchster Not schließlich den Notarzt ruft und Simon in die geschlossene Psychiatrie eingewiesen wird, hinterlässt er zutiefst verletzte Menschen - und in der Wohnung ein Schlachtfeld. Leo hat in der Beziehung zu Simon zu isoliert gelebt, um auf Unterstützung von Vertrauten zählen zu können - außer ihrer schwangeren Kollegin Lotte. Doch ihre Scham ist zu groß, um Lotte anzuvertrauen, wie schlimm es wirklich um Simon steht. Nur als Kolumnistin einer Zeitschrift kann sie (mehr schlecht als recht durch ein Pseudonym geschützt) über ihr Leben mit einem bipolaren Partner schreiben. Da Simon vor seiner Einweisung keinen Job mehr hatte, sind sie auf das geringe Honorar dringend angewiesen.
    Mit dem Blick der Drehbuchautorin, bildhaft und schonungslos in den Details, inszeniert Leo als Icherzählerin das Drama der beiden mutterlosen Partner. In drei Handlungssträngen folgt man der Vorgeschichte des Paars, Leos verzweifelter Suche nach Simon in der Gegenwart und dem Rückblick auf Erkrankung und Klinikaufenthalt.
    Fazit
    Der Roman nimmt zunächst erst langsam Fahrt auf, weil Leo, charakteristisch für sie, schonungslos ausführlich alle Details protokolliert, als längst klar ist, dass Simon bipolar ist.
    Lize Spit lenkt den Blick ihrer Leser*innen auf Angehörige psychisch Kranker, die wie Leo nach einer stationären Behandlung einen Patienten nach Hause holen, der „nicht da ist“, keine Einsicht in seine Krankheit zeigt und jederzeit wieder in eine akute Krankheitsphase verfallen kann. Wer empfindlich auf Gewalt gegen Tiere reagiert, sollte auf die Lektüre verzichten.
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Ausgaben von Ich bin nicht da

Hardcover

Seitenzahl: 576

E-Book

Seitenzahl: 568

Taschenbuch

Seitenzahl: 570

Ich bin nicht da in anderen Sprachen

  • Deutsch: Ich bin nicht da (Details)
  • Niederländisch: Ik ben er niet (Details)

Besitzer des Buches 8

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