Freie Geister

Buch von Ursula K. Le Guin

Zusammenfassung

Serieninfos zu Freie Geister

Freie Geister ist der 5. Band der Hainish Universum Reihe. Diese umfasst 9 Teile und startete im Jahr 1966. Der letzte bzw. neueste Teil der Serie stammt aus dem Jahr 2017.

Bewertungen

Freie Geister wurde insgesamt 8 mal bewertet. Die durchschnittliche Bewertung liegt bei 4,1 Sternen.

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Meinungen

  • zum Nachdenken, lesenswert, manchmal wäre Einfachheit besser

    Wann

  • Funktioniert sehr gut als Gedankenexperiment, weniger gut als unterhaltsamer Science Fiction-Roman.

    FreakLikeMe

Rezensionen zum Buch

  • Rezension zu Freie Geister

    Verlagstext
    Der große utopische Science-Fiction-Klassiker in kongenialer Neuübersetzung.
    Ursula K. LeGuins „Freie Geister“ ist eine der bedeutendsten Utopien des 20. Jahrhunderts, in der die Systemfrage – Kommunismus, Kapitalismus oder Anarchismus? – mit aller Deutlichkeit gestellt wird. Ältere Ausgaben sind unter den Titeln „Planet der Habenichtse“ und „Die Enteigneten“ (1976) erschienen. Der einzige Ort auf dem Anarres, der durch eine Mauer von seiner Umgebung abgetrennt wird, ist der Raumhafen. Von hier aus werden die Edelmetalle, die in den Minen des Planeten abgebaut werden, einmal im Jahr zum Nachbarplaneten Urras geflogen. - Für die Herrschenden von Urras ist das anarchistische Anarres nicht mehr als eine abhängige Bergbaukolonie, die es möglichst effektiv auszubeuten gilt. Für die Bewohner von Anarres ist ihre Heimat jedoch der einzige Ort im ganzen Sonnensystem, wo sie wirklich frei sind – frei von Unterdrückung, aber auch frei von dem Zwang, künstlich erzeugte Bedürfnisse befriedigen zu müssen.
    Als sich auch auf Anarres erste Herrschaftsstrukturen zu bilden beginnen, begibt sich der Physiker Shevek auf eine riskante Reise nach Urras. Er möchte in Dialog mit dortigen Wissenschaftlern treten und gerät dabei zwischen alle Fronten.
    Die Autorin
    Ursula K. Le Guin, geboren 1929, ist die Grand Dame der angloamerikanischen Science Fiction. Sie wurde mit zahlreichen Literatur- und Genrepreisen ausgezeichnet, zuletzt mit dem National Book Award für ihr Lebenswerk. Zu den Autoren, die sie beeinflusst hat, zählen Salman Rushdie und David Mitchell ebenso wie Neil Gaiman und Ian M. Banks.
    Der Zyklus
    Freie Geister (1974, The Dispossessed) ist Teil des 8-teiligen Hainish-Zyklus, der im alternativen Ekumen-Universum spielt und von dem zuerst "Rocannons Welt" erschien. Von den Hainish dieser alternativen Welt stammen die Menschen aller Planeten ab. Besiedelt ist u. a. auch die Erde (Terra). „Freie Geister“ erschien als fünfter Band in diesem Zyklus, spielt zeitlich jedoch vor den anderen Bänden.
    Inhalt
    Shevek ist Physiker auf dem Planeten Anarres (Der Name Anar-res spielt auf Anarchie an, die Herrschaftslosigkeit als soziale Ordnung). In einer Rahmenhandlung befindet Shevek sich als Passagier eines Raumschiffs im Anflug auf den Raumhafen von Anarres, der wie eine Quarantänestation durch eine Mauer vom restlichen Planeten abgetrennt ist. Je nachdem wo man sich befindet, ist man selbst hinter dieser Mauer eingesperrt oder blickt aus dem Universum auf diese Enklave. Wer mit der Mauer zwischen Ost- und Westdeutschland aufgewachsen ist, trifft schon im ersten Kapitel auf vertraute Strukturen des Kampfs unterschiedlicher politischer Systeme. Anarres ist die Rohstoffkolonie des Planeten Urras, auf den sich nach einer Revolution vor 200 Jahren eine kleine Gruppe von Aufständischen zurückgezogen hat, um einen alternativen Lebensentwurf zu leben. Anarres wirkt wie ein kleiner proletarischer Nachbar des wirtschaftlich erfolgreicheren Hauptplaneten.
    In Rückblenden folgt man als Leser der Entwicklung Sheveks vom Kind, über den Liebhaber bis zum promovierten Forscher. Ursula LeGuin beschreibt Sheveks Sozialisation aus seinem beinahe kindlichen Staunen heraus über für ihn befremdliche Lebensgewohnheiten auf Urras, für dessen Bewohner Besitz und Status sehr wichtig sind. In der Shevek bekannten alternativen Lebensformform gibt es keine Kleinfamilien und kein Privateigentum mehr; Hierarchien sind ihm fremd. Paare leben nicht miteinander, Kinder treffen zwar ihre Eltern, schlafen nachts jedoch in eigenen Schlafhäusern. Wer sich dieser Lebensform schwer unterordnet, ist Kritik ausgesetzt, er solle nicht „egoisieren“, nicht „propertär“ denken, niemand solle seinen Partner oder sein Kind besitzen wollen. Es gibt eine hochentwickelte Tauschwirtschaft, aber kein Geld. Luxusartikel werden als überflüssig angesehen, diese Kultur benötigt dafür auch keine Ausdrücke. Shevek hat man gelehrt, dass alle Menschen und jede Arbeit gleichwertig sind. Aus dem gemeinschaftlich erarbeiteten Warenbestand nimmt sich jeder, was er meint zu benötigen. Doch die Vordenker dieses sozialistisch geprägten Anarchismus haben den Wunsch nach Gerechtigkeit und das menschliche Bedürfnis nach Anerkennung übersehen. Die Zuteilung von Arbeitsplätzen könnte gerechter verlaufen - wenn es der Gemeinschaft wichtig wäre. Nüchtern betrachtet ist Urras ein Staat, in dem allein Opportunisten erfolgreich überdauern. Obwohl hochqualifiziert, erfährt Shevek leidvoll, dass er in der ihm fremden Staatsform völlig hilflos ist, als andere sich seiner Forschungsergebnisse zum Zeitverlauf bedienen und das politische System seine Wissenschaft für sich vereinnahmt. Sheveks Forschung ist Voraussetzung für Reisen mit Lichtgeschwindigkeit. Auch Wissen ist Besitz, der hier nicht automatisch der Gemeinschaft dient. Shevek erkennt, dass Intellektuelle in ihrem Elfenbeinturm die größten Egoisierer sein können, wie Volkes Stimme zu Recht kritisiert. Shevek gehört durch seine Bildung einer Elite an und stellt allein durch seine Existenz das Gedanken-Gebäude der alternativen Lebensweise infrage, in der er aufgewachsen ist.
    Faszinierende Fragen entwickelten sich, als ich Sheveks Entwicklung verfolgte. Warum z. B. uns bekannte -ismen bisher an Bürokratisierung und Menschenfeindlichkeit scheiterten. In welcher Reihenfolge sich Sprache und Bewusstsein entwickeln, ob Ideologien menschliche Beziehungen zerstören, woher die Ethik des Nicht-Haben-Müssens stammt oder der philosophische Wettstreit um Haben oder Sein. Auch habe ich mich gefragt, ob Ursula LeGuins Leser schon 1974 in ihrer Beschreibung, „hier ist alles alt, hierarchisch organisiert und nur für Männer“ den feministischen Ansatz erkennen konnten.
    Bei seinem Erscheinen war der Roman eine Utopie. Inzwischen ist er ein preisgekrönter Klassiker der Science Fiction, der zwei konkurrierende Gesellschaftsformen gegenüberstellt, in denen man unschwer Ost und West aus Zeiten des Kalten Krieges, Kapitalismus contra Sozialismus/Maoismus erkennen kann. Die Form des Entwicklungsromans mit wechselndem Schauplatz ermöglicht es, Sheveks Erkennen der Schattenseiten des heimatlichen Systems zu folgen. Die zufällige und „demokratische“ Verteilung anfallender Arbeiten ist nicht produktiv, sondern eine gigantische Verschwendung von Fähigkeiten. Shevek selbst nimmt als Abwechslung von seiner Forschungsarbeit gern mal eine Schaufel in die Hand. Um sich weiter unterordnen zu können, muss er verdrängen, dass ein Volk in der unwirtlichen Landschaft von Anarres sich Verschwendung von Wasser, Lebensmitteln oder Arbeitskraft nicht leisten kann. Weil Shevek mit seiner Forschung die selbstgesetzten Grenzen des Systems (und damit den geistigen Horizont der Herrschenden) überschreitet, wird er in beiden Systemen zum Außenseiter, zum erklärten Verräter, auf den die Bewohner mit klassischer Fremdenfeindlichkeit reagieren.
    Fazit
    „Freie Geister“ erfordert hohe Konzentration beim Lesen, weil die entscheidenden Wendungen in Sheveks Innerem stattfinden ihm selbst nicht unbedingt bewusst sind. Diese Konzentration lohnt sich unbedingt, auch wenn in diesem Band wenig über den Staatenbund an sich vermittelt wird. Ähnlich wie die Einzelbände des Zyklus, der nicht in der zeitlichen Abfolge der Ereignisse erschien, sind die Kapitel wie auf einer Planeten-Umlaufbahn angeordnet. Die ungewöhnliche Form könnte man in Sheveks alternativer Vorstellung vom Zeitverlauf wiederfinden, in dem Menschen sich in einem konstanten Jetzt an einer feststehenden Zeit entlang bewegen. Allein stilistisch ist das Buch in seiner zeitlosen Sprache ein Klassiker. Phantasiewelten halten einem den Spiegel vor, schreibt die Übersetzerin Karen Nölle über die Neuausgabe der „Dispossessed“. Alternative Welten lassen einen die Begrenztheit der eigenen Sehgewohnheiten erkennen und ermöglichen darüber hinauszudenken. Ein Buch, von dem ich mir wünsche, dass auch meine Enkel es noch lesen werden.
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  • Rezension zu Freie Geister

    […]
    Original: The Dispossessed, erschienen 1974
    deutsche Übersetzungen:
    - Planet der Habenichtse, übersetzt von Gisela Stege, 1976
    - Planet der Habenichtse, korrigierte Übersetzung von Hiltrud Bontrup,1999
    - Die Enteigneten. Eine ambivalente Utopie, neu übersetzt von Joachim Körber, 2006
    - Freie Geister, neu übersetzt von Karen Nölle, 2017
    (ich kenne nicht alle Übersetzungen, aber wenn man mich fragt: im Zweifel immer Körber)
    Ursula K. Le Guins bekannter Roman kann seine Entstehungszeit nicht verleugnen: Die Geschichte ist unbestritten ein Produkt des Kalten Krieges. Ebenso unbestritten ist sie aber auch heute noch relevant. Das Buch wäre als Schullektüre nicht ganz fehl am Platz, insbesondere in der heutigen Zeit, die so damit beschäftigt ist, Mauern aufzubauen, statt sie einzureißen. Mauern sind eine wichtige Metapher in diesem Roman.
    Am erfolgreichsten ist The Dispossessed als Gedankenexperiment, als mögliche Antwort auf die Frage, wie und unter welchen Bedingungen Anarchismus – oder genauer: Anarchosyndikalismus - funktionieren könnte (in einem isolierten System mit begrenzten, aber nicht zu begrenzten Ressourcen). Le Guin hat sich spürbar viele Gedanken über diese Frage gemacht. Im Englischen trägt der Roman den Untertitel „An Ambiguous Utopia“, "eine ambivalente Utopie" heißt es in der Körber-Version - und genau diese Ambivalenz ist der Kern der Geschichte: Le Guin stellt den Anarchosyndikalismus dem gängigen Kapitalismus, aber auch dem Sozialismus gegenüber; sie hat eindeutig ihre Präferenzen, unterlässt es jedoch nicht, auch die Nachteile ihrer anarchistischen Utopie zu betrachten. Dabei ist das Buch wesentlich weniger didaktisch, als ich zu Beginn befürchtet hatte. Dennoch hat mich die Geschichte etwas unbefriedigt zurückgelassen. Zum Teil liegt das daran, dass ich Le Guins Gedankengängen einfach zu sehr zustimme – ich bevorzuge Bücher, die mich zwingen, auch mal in neuen Bahnen zu denken. Das ist jetzt kaum Le Guins Schuld, hat die Lektüre für mich aber etwas langweilig gemacht.
    Weniger erfolgreich ist The Dispossessed außerdem als unterhaltsame Science Fiction-Geschichte. Selbst für Le Guins Standard ist der Stil trocken, staubtrocken. Ich habe Analysen gelesen, die im trockenen Stil einen Spiegel von Sheveks Persönlichkeit und der ebenfalls sehr staubigen Welt Anarres sehen; mag ja sein, nur liest es sich dadurch auch nicht angenehmer. Lange Passagen widmen sich zudem Sheveks Arbeit und seiner Suche nach der einen, Raum und Zeit vereinenden physikalischen Theorie. Ich musste mich wirklich arg anstrengen, diese Passagen nicht zu überblättern.
    Das Buch ist keineswegs schlecht geschrieben, immerhin reden wir hier über Le Guin. Es gibt wundervolle, sogar humorvolle Passagen. Aber sie erzählt ihre Geschichte aus der Draufsicht; als Leser ist man nicht mitten unter den Personen und erlebt die Geschichte mit ihnen mit, sondern lauscht, mit einigem Abstand, einem Bericht über die Ereignisse. Ich habe schlicht die Details vermisst. Etwa, wenn es um so etwas Alltägliches wie das Essen geht: Le Guin erwähnt die opulenten Partys, die in der Stadt A-Io auf Urras gefeiert werden, die Massen an ausgefallenen Speisen; aber nie beschreibt sie, was es eigentlich zu essen gibt. Ich habe auch eine Möglichkeit zur Einfühlung vermisst. Hin und wieder gibt Le Guin dem Leser die Chance, ihren Figuren nahe zu kommen. Aber in den emotional wichtigsten Momenten wählt sie wieder die Distanz. Das kann man so machen, es ist aber keine Erzähltechnik, die ich schätze. („indirect reportage“ hat Delany das in seinem langen Essay „How to Read The Dispossessed“ genannt und fand das auch nicht sehr begeisternd; in seiner eigenen Antwort auf Le Guins Roman, Triton, geht er dann auch den komplett gegensätzlichen Weg und zwingt den Leser dazu, immer im Kopf des Protagonisten zu bleiben.)
    Fazit: Ein wichtiges Buch, auch heute noch, aber nicht unbedingt der unterhaltsamste Science Fiction-Roman. Ich denke, wenn ich das Buch 20, 25 Jahre früher gelesen hätte, als ich noch leichter zu beeindrucken war, hätte es mir besser gefallen. So bleiben: viel Meinungsbestätigung und etwas Langeweile.
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Ausgaben von Freie Geister

Taschenbuch

Seitenzahl: 432

E-Book

Seitenzahl: 433

Hardcover

Seitenzahl: 341

Freie Geister in anderen Sprachen

  • Deutsch: Freie Geister (Details)
  • Englisch: The Dispossessed (Details)

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