Aus guter Familie. Reclams Klassikerinnen

Buch von Gabriele Reuter, Tobias Schwartz

Cover zum Buch Aus guter Familie. Reclams Klassikeri...

Titel: Aus guter Familie. Reclams Klassikeri...

, (Nachwort)

4,1 von 5 Sternen bei 4 Bewertungen

Verlag: Reclam, Philipp, jun. GmbH, Verlag

Format: Gebundene Ausgabe

Seitenzahl: 270

ISBN: 9783150114964

Termin: Neuerscheinung Juli 2024

Aktion

Zusammenfassung

Inhaltsangabe zu Aus guter Familie. Reclams Klassikerinnen

Effi Briests vergessene Schwester Die junge, verträumte Agathe wächst in einem großbürgerlichen Haushalt auf und möchte eigentlich alles richtig machen. Doch immer wieder eckt sie in der konservativen Gesellschaft des jungen Kaiserreichs an, weder ihre jugendliche Sehnsucht nach Freiheit und Selbstentfaltung noch ihr Wunsch nach Liebe erfüllen sich. Als ihr Bruder ihre Mitgift verspielt, steht ihr nicht einmal mehr eine Vernunftehe offen. Agathe verzweifelt und wird in eine Heilanstalt eingewiesen. Gabriele Reuter wurde mit dem Roman schlagartig berühmt und dieser zu einem Bestseller. »Ein bekannter ›Frauenrechtler‹ soll, so las ich, geäußert haben, wenn er Kultusminister wäre, so würde er dieses Buch in Hunderttausenden von Exemplaren drucken und verteilen lassen. Er täte ungemein wohl daran.« Thomas Mann
Weiterlesen

Bewertungen

Aus guter Familie. Reclams Klassikerinnen wurde insgesamt 4 mal bewertet. Die durchschnittliche Bewertung liegt bei 4,1 Sternen.

(1)
(3)
(0)
(0)
(0)

Rezensionen zum Buch

  • Rezension zu Aus guter Familie. Reclams Klassikerinnen

    • 11. Juli 2024 um 16:43
    Agathe Heidling Aus guter Familie, Gesellschaftsroman von Gabriele Reuter, 270 Seiten, erschienen im ‎ Reclam, Philipp, jun. GmbH, Verlag
    Leidensgeschichte eines Mädchens
    Agathe ist aus guter Familie, der Roman spielt im „Fin de Siècle“ im ausgehenden 19. Jahrhundert, im Kaiserreich. Wohlbehütet in einem großbürgerlichen Haushalt, stößt die freiheitsliebende Agathe immer wieder an die Grenzen, die für ein „Mädchen aus gutem Hause“ damals schicklich waren. Weder ihre Sehnsucht nach Freiheit, noch nach Glück erfüllen sich. Ihr Bruder verspielt sogar ihre Mitgift und so steht ihr nicht einmal mehr der Weg für eine späte Vernunftehe offen. Darüber verzweifelt die junge Frau und endet schließlich in einer Heilanstalt.
    Das Buch besteht aus 2 Teilen, die in diverse Kapitel eingeteilt sind, welche mit römischen Ziffern überschrieben sind. Der Schreibstil ist flüssig, die Sprache der damaligen Zeit angemessen, nur Orthografie und Zeichensetzung wurden modernisiert. Immer wieder erscheinen Phrasen im Dialekt, die nicht übersetzt wurden. Viele Fremdwörter zum Teil veraltet, die ich nachsehen musste, wurden verwendet.
    Die Figuren, besonders die Protagonistin sind gründlich charakterisiert und beschrieben, die Handelnden agieren für mich nicht immer nachvollziehbar, was jedoch der damaligen Zeit, in der der Roman spielt, zuzuschreiben ist, eine Innenansicht ganz besonders von Agatha, wie es in ihr drin aussieht kann absolut überzeugen, das ist eine Stärke des Buches. Das beginnt schon ganz am Anfang bei der Beschreibung der Ergriffenheit, die sie bei ihrer Konfirmation erfasst. Letztendlich tut mir Die Protagonistin leid, erleichtert, dass ich nicht in dieser Zeit leben musste. Der Roman wurde in der Schwellenzeit, in der klassischen Moderne verfasst, Es fand ein gesellschaftlicher Aufbruch statt, der hier gut beschrieben ist, der aber Agathe nicht zu Gute kommt. Zu sehr wird sie fremdbestimmt. Schon bei der Konfirmation werden geschenkte Bücher, die nicht für ein feines Mädchen geeignet sind gegen ihren Willen umgetauscht. Als Kind hat man sie um das Wissen von Schwangerschaft und Geburt belogen. Ihr Debütantinnenball war die reinste Katastrophe. Christlich erzogen, angepasst, von den Eltern klein gehalten. Ihre Freundin Eugenie und ihre Kameradinnen im Pensionat waren anders, freier und schon damals zeichnete sich eine Ausgrenzung ab. Sie galt als verklemmt und frömmlerisch. Das steigert sich immer weiter, dabei nicht ganz unschuldig, ihre sogenannte beste Freundin und spätere Schwägerin Eugenie. Das genaue Gegenteil von Agathe, modern, frech und selbstbewusst, von allen bewundert und angeschwärmt, flirtet und flattert sie sich durchs Leben. In ihrem Schatten Agathe. Irgendwie hatte ich auch das Gefühl, sie genießt es geradezu Agathe zu piesacken und zu quälen. Sie war mir durchgehend unsympathisch.
    Einige unglückliche Schwärmereien später, die Agathe zerreißen, zwischen, was sich schickt und vornehmer Zurückhaltung, zeichnet sich ab, dass Agathe wohl ein spätes Mädchen ist. Selbst eine spätere Vernunftehe, bleibt ihr verwehrt. Ihr Bruder hat ihre Mitgift verspielt, da habe ich mich schon gefragt warum seine reichen Schwiegereltern und seine extravagante Frau nicht dafür aufkommen konnten, nein auch da musste Agathe zurückstecken.
    Ihre Mutter und den Onkel pflegen auch ihr Vater wollte sie nicht gehen lassen. Als sie am Ende noch eine herbe Enttäuschung erlebt, war das Maß voll. Ich kann sie verstehen. Ich bin nicht ganz sicher ob es sich hier um Melancholie oder Hysterie handelt, Agathes Verhalten lässt beides zu.
    Ein Buch, das in einer Zeit spielt die zum Glück vorbei ist. Mich hat es gut unterhalten. Eine Leseempfehlung und 3,5 Sterne.
    Weiterlesen
  • Rezension zu Aus guter Familie. Reclams Klassikerinnen

    • 8. Juli 2024 um 10:17
    Agathe Heidling ist Tochter eines Regierungsrates und somit Teil einer konservativen, großbürgerlichen Familie. Von Kind an machen alle ihr deutlich, was sie von ihr erwarten: eine brave Ehefrau zu sein und ihrem Mann Kinder zu schenken. Doch während für ihre Freundin Eugenie Wutrow all das in Erfüllung geht, tut Agathe sich schwer. Immer wieder steht sie zwischen den Stühlen und versucht, allen um sie herum gerecht zu werden. Diese Haltung fordert jedoch schon bald ihren Preis.
    „Aus guter Familie“ wurde bereits 1895 publiziert und stammt aus der Feder der 1859 geborenen Schriftstellerin Gabriele Reuter. Obwohl sie Thomas Mann zu ihren Leser*innen zählen durfte, blieb sie doch zu Lebzeiten recht unbekannt – was die Reihe „Reclams Klassikerinnen“ ändern möchte. Die Handlung wird von einem allwissenden Erzähler geschildert, der Agathe - von ihrer Konfirmation mit 16 Jahren an - ungefähr 20 Jahre lang begleitet. Dabei wirkt die junge Frau nicht immer sympathisch, sieht sie doch oft auf andere herab und urteilt über sie – ein Symptom ihrer eigenen Unsicherheit.
    Ihr ganzes Leben lang hat Agathe mit den an sie gestellten Erwartungen zu kämpfen. Schon bei ihrer Konfirmation hat sie das Gefühl, nicht gläubig genug zu sein und während ihr Vater sich eine gute Ehe für sie wünscht, versucht ihr progressiver Cousin Martin sie auf seine Seite zu ziehen. Dem gegenüber steht ihre Freundin Eugenie, die genau weiß, was sie will und sich statt ihres Liebhabers für eine stabile Ehe mit Agathes Bruder Walter entscheidet. Sie wird all das erreichen, was Agathe sich wünscht – und das sogar auf Kosten ihrer Freundin.
    „Aus guter Familie“ zeigt ein Frauenschicksal der klassischen Moderne, einer Zeit, die von einem rasanten Wandel und dementsprechenden Spannungen geprägt war. Während sich um sie herum Frauenrechtlerinnen erheben, zerbricht Agathe an der Rolle, welche die Gesellschaft ihr zugedacht hat und von der sie sich nicht zu lösen vermag. Sie verliebt sich mehrmals unglücklich und leidet an Nervosität und Hysterie; heute würden wir sagen: sie war depressiv. Ein wichtiger, viel zu wenig bekannter Klassiker.
    Weiterlesen
  • Rezension zu Aus guter Familie. Reclams Klassikerinnen

    • 4. Juli 2024 um 21:09
    Das ausgehende 19. Jahrhundert ist voll von tragischen literarischen Frauenfiguren: Anna Karenina, Nana, Lulu, Nora; wohl eine der bekanntesten ist Fontanes Effi Briest. Von Agathe Heidling hingegen mag kaum jemand bisher gehört haben, obwohl das (eigentlich ihren Namen hätte tragen sollende) Werk die Autorin quasi über Nacht berühmt machte, als der Roman 1895 erschien. Nun haben viele der genannten Damen ihr Schicksal selbst besiegelt, Agathe hingegen scheitert aufgrund äußerer Einflüsse, denen sie machtlos gegenübersteht.
    Reuter zeichnet das Leben einer Frau vom Eintritt in die Erwachsenenwelt (Konfirmation mit 16 Jahren) bis etwa zu ihrem 40. Lebensjahr nach. Eingebettet in ein Sittengemälde inmitten des Deutschen Kaiserreiches (1871-1918) bemüht sich die sensible und gleichzeitig schwärmerische Agathe um ein Leben ganz im Sinne ihrer Stellung als bürgerliche Tochter eines Regierungsrates. Ihre romantische Leidenschaft für den Dichter Lord Byron überträgt sie bald auf eine reale Person, die Agathe ebenso enttäuscht, wie andere Männer in ihrem Umfeld. Vorneweg ihr eigenen Bruder, der sich als moralischer Totalausfall entpuppt.
    Quasi ihre Gegenspielerin ist die frühreife und berechnende Freundin Eugenie, die sich trotz ihres schlechten Charakters passgenau in die Gesellschaft einfügt. Insgesamt sind es jedoch die Männer, an denen Agathe und ihr Wesen scheitern. So wird schon auf den ersten Seiten deutlich, dass diese z.B. entscheiden, was Agathe lesen darf und was nicht. Das wird sich später auf noch radikalere Weise wiederholen, wenn ihr Vater seinen eigenen Bücherschrank vor der Tochter verschließt und Agathe reflektiert sehr wohl, dass es sich hier um eine systematische Behandlung von Frauen handelt: "Sie war 'das junge Mädchen' - und musste es bleiben, bis man sie welk und vertrocknet, mit grauen Haaren und eingeschrumpftem Hirn in den Sarg legte - ?" (S. 204) Ihr Aufbegehren gegen die Benachteiligung von Frauen innerhalb und außerhalb der Familie endet für sie in einem Fiasko.
    Neben der lesenswerten Geschichte um die Protagonistin waren die Einblicke in eine Gesellschaft im Aufbruch (beginnende Industrialisierung, Aufkommen der Sozialdemokratie und Frauenemanzipation) sehr interessant. Der Schreibstil kommt mir teilweise ausgesprochen modern vor, andere Passagen sind sehr bildhaft.
    Eine weitere feine Wiederentdeckung in Reclams Klassikerinnen Reihe, wie immer mit einem sehr informativen Nachwort; in diesem Falle von Tobias Schwartz.
    Weiterlesen

Ausgaben von Aus guter Familie. Reclams Klassikerinnen

Hardcover

Cover zum Buch Aus guter Familie. Reclams Klassikeri...

Seitenzahl: 270

Taschenbuch

Cover zum Buch Aus guter Familie: Leidensgeschichte ...

Seitenzahl: 180

Besitzer des Buches 5

  • Mitglied seit 25. Mai 2012
  • Mitglied seit 23. September 2017
  • Mitglied seit 26. März 2020
  • ele

    Mitglied seit 5. Januar 2017
  • Mitglied seit 15. Oktober 2009
Update: 15. Oktober 2024 um 23:34