Tiger! Tiger!

Buch von Alfred Bester

Bewertungen

Tiger! Tiger! wurde insgesamt 2 mal bewertet. Die durchschnittliche Bewertung liegt bei 4,5 Sternen.

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Rezensionen zum Buch

  • Rezension zu Tiger! Tiger!

    Tiger! Tiger! burning bringt,
    In the forest of the night,
    What immortal hand or eye
    Could frame thy fearful symmetry?
    William Blake
    Alfred Bester hat sich Der Graf von Monte Christo vorgenommen, die Handlung in die Zukunft verlagert, auf 250 Seiten eingedampft und eine schnelle, treibende Science-Fiction Geschichte daraus gemacht. Anstelle von Edmond Dantes gibt er uns Gully Foyle, ein eher dumpfer Zeitgenosse, einziger Überlebender auf dem verünglückten Raumschiff “Nomad”. Nach 170 Tagen Überlebenskampf zieht das Schiff “Vorga” vorbei – und lässt Foyle zum Sterben zurück. Foyle schwört Rache und setzt alles daran, diese umzusetzen. Seine Rachepläne vollzieht er vor dem Hintergrund eines interstellaren Krieges zwischen den inneren Planeten und den äußeren Satelliten.
    Dieses Buch wurde unter zahlreichen Titel veröffentlicht: Zunächst 1955 als Fortsetzungsgeschichte unter dem Namen The Stars My Destination, 1956 in Großbritannien in Buchform als Tiger! Tiger! (nach dem Gedicht von Blake), anschließend in den USA wieder als The Stars My Destination. In Deutschland erschien der Roman 1965 als Die Rache des Kosmonauten, 1983 als Tiger! Tiger! und 2000 schließlich als Der brennende Mann. Wenn man mich fragt, ist Tiger! Tiger! der bei weitem treffendste Titel.
    Denn Gully Foyle ist ein primitives Raubtier, das obsessiv und blind für alles andere sein Ziel verfolgt. Der absolute Anti-Held, ein Mörder und Vergewaltiger, reuelos, unsympathisch durch und durch. Und mit einem Gesichtstattoo, das ihn auch optisch in das Raubtier verwandelt, das er im Inneren ist.
    Im Gegensatz zu Edmond Dantes erweckt Gully Foyle keine Sympathien. Ich mag Rachegeschichten auch nicht sonderlich. Dennoch fand ich es fast erschreckend einfach, mich auf Gullys Seite zu schlagen. Seine Gegner sind schlimmer, brutaler, kälter als er. Aber das war es nicht allein: Foyle spricht das Unbewusste, das Primitive im Menschen an, das Raubtier, das jagen und töten will. Und er entwickelt sich, kombiniert brutale Kraft schließlich mit List und Raffinesse.
    Bester hat zunächst Kurzgeschichten geschrieben und dann für DC Comics gearbeitet, für Helden wie Batman und Superman. Die Erfahrung mit Graphic Novels zeigt sich auch in diesem Roman: Bester malt seine Geschichte in grellen Primärfarben, mit comichaften Charakteren, was hier wunderbar funktioniert. Die Dialoge sind auf den Punkt, außerdem erfindet er eine sehr eindrucksvolle Gossensprache. Kleines Beispiel:
    „You leave me die, Vorga... Vorga-T:1339. No. I get out of here, me. I follow you, Vorga. I find you, Vorga. I pay you back, me. I rot you. I kill you, Vorga. I kill you filthy.“
    (Keine Ahnung, wie gut das übersetzt wurde.)
    Darüber hinaus spielt er mit der Formatierung, lässt Schrift wie im Comic zum Bild werden. Zum Schluss ähnelt der Roman eher der psychodelisch angehauchten Science Fiction der 1970er Jahre als dem Golden Age der 1950er. Der Roman ist auch ein direkter Vorläufer des Cyberpunk. Und wie Cyberpunk spielt Bester mit Noir-Motiven. Wie zum Beispiel den überirdisch schönen Frauen, die sich alle aus irgendeinem nicht nachvollziehbaren Grund in den Mörder und Vergewaltiger Gully Foyle verlieben. Sexistisch? Ja, aber innerhalb der Genre-Regeln funktioniert es eben.
    Natürlich ist das Buch gealtert. Natürlich hat die reale Wissenschaft einige von Besters Vorstellungen überholt. Aus heutiger Sicht erscheint Einiges hier auch unangenehm rassistisch. Aber es ist halt eine Geschichte von 1955 – und Bester schreibt mit einem solchen Einfallsreichtum und so vielen Ideen pro Seite, dass das Buch dennoch überraschend frisch und zeitlos wirkt.
    Gully Foyle is my name
    And Terra is my nation
    Deep space is my dwelling place
    The stars my destination.
    Fazit:
    Auf meiner wunderschön tiger-orangen Ausgabe steht sinngemäß, dass viele dieses Buch für den besten eigenständigen SF Roman halten würden. Ganz so weit gehe ich mal nicht, aber gut, spannend und einfallsreich ist Tiger! Tiger! auf jeden Fall.
    Über den Autor
    Alfred Bester wurde 1913 in New York geboren. Er veröffentlichte zunächst einige Kurzgeschichten in SF Magazinen, bevor er 1942 bei DC Comics als Autor anfing. Nach vier Jahren verließ er DC und schrieb Drehbücher für Radioshows. 1953 erschien sein erster Roman, The Demolished Man, der mit dem ersten jemals verliehenen Hugo Award ausgezeichnet wurde. The Stars My Destination folgte als Fortsetzungsgeschichte 1955 und wurde 1956 als Roman veröffentlicht. In den 1970ern schrieb er noch zwei weitere Romane, Extro und Golem100. Bester starb 1987 nach langer Krankheit. Sein Haus und Anwesen vermachte er seinem Barkeeper.
    (Infos vom Gollancz Verlag)
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Ausgaben von Tiger! Tiger!

Tiger! Tiger! in anderen Sprachen

  • Deutsch: Tiger! Tiger! (Details)
  • Englisch: Stars My Destination (Details)

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