Du denkst, du weißt alles
Buch von Marie Peterson, Angelika Kutsch
Titel: Du denkst, du weißt alles
Marie Peterson (Autor) , Angelika Kutsch (Übersetzer)
Verlag: Atrium Zürich
Format: Gebundene Ausgabe
Seitenzahl: 160
ISBN: 9783855359738
Termin: September 2006
Aktion
Bewertungen
Du denkst, du weißt alles wurde insgesamt 3 mal bewertet. Die durchschnittliche Bewertung liegt bei 3,7 Sternen.
Rezensionen zum Buch
-
Rezension zu Du denkst, du weißt alles
- Marie
-
5. April 2008 um 18:15
Inhalt (von Amazon kopiert):Weiterlesen
Es ist eine Dreiecksgeschichte zwischen einer Mutter, einer Tochter und der Alzheimererkrankung. Zunächst will es die Tochter nicht wahrhaben, aber dann kommt sie um die bittere Wahrheit nicht mehr herum: Ihre Mutter hat Alzheimer, eine Krankheit, die nicht aufzuhalten ist. Im Verlauf der Krankheit kämpft die Tochter mit allen möglichen Gefühlen: Trauer, Mitleid, aber auch Abwehr, Ekel und Wut. Während die Mutter mit Hilfe von Fotos einen Rest ihrer Geschichte bewahren will, wandelt sich allmählich das Interesse der als Journalistin arbeitenden Tochter an den sprachlichen Eskapaden der Mutter zu dem Versuch, eine echte Beziehung aufzubauen. Ein später Versuch, denn die Mutter hat ihre Tochter schon früh verlassen. Eine tragische aber zugleich auch unglaublich komische Geschichte über den Weg einer Frau in das Vergessen und den beharrlichen Versuch der Tochter, den Dialog mit der Mutter zu suchen.
Vorweg: Ich mag diese (angeblich) wahren "Schicksals-Bücher" mit ihrem Seelen-Striptease nicht. Aber dieses Buch ist anders, vermutlich weil Marie Peterson Journalistin ist und daher eher gewöhnt, berichtartig zu schreiben.
Der Leser kann den Weg der Alzheimer Krankheit Schritt für Schritt mitverfolgen: Von den ersten Symptomen, die erst in der Rückschau als Symptome gedeutet werden - wer verlegt nicht mal seinen Schlüssel, Geldbeutel, usw. oder bringt ein Wort nicht heraus, das auf der Zunge liegt - über die Diagnose, die niemand zunächst wahrhaben will, über die Versuche der Töchter, die Mutter abwechselnd zu betreuen, um ihr ein selbstbestimmtes Leben auch mit der Krankheit zu ermöglichen, bis zur Erkenntnis, dass es keinen anderen Weg als ein Pflegeheim gibt.
Von jeher war die Beziehung zwischen Marie und der Mutter problematisch; sie hatte die Familie verlassen, nahm eine Tochter mit, und Marie blieb beim Vater. Dementsprechend schwierig ist die Gefühlslage zwischen Mutter und Tochter sowieso schon, aber Marie fühlt sich verantwortlich. Die pflegerische Seite macht ihr weniger aus; es ist schlimmer, dass die Mutter keine Gesprächspartnerin mehr ist und sich in Erinnerungen verliert, die sie sich mithilfe alter Fotos zu bewahren versucht.
Schwer zu schaffen machen Marie die Hass- und Wutausbrüche der Mutter: Sind die Attacken und Schläge einfach nur Begleiterscheinungen der Krankheit? Oder kommen jetzt die Gefühle zum Ausbruch, die jahrzehntelang versteckt und unter Kontrolle waren? Dass die Mutter ins Pflegeheim kommt, ist keine große Entscheidungsfrage. Wenn sie noch länger leben will, braucht sie Betreuung und Aufsicht rund um die Uhr.
Und irgendwann muss Marie Abschied nehmen. Auch wenn sie sich von der Mutter, wie sie sie kannte, längst verabschiedet hat, muss sie noch endgültig loslassen. Die Bilder und Worte, mit denen Marie Peterson dieses Loslassen beschreibt, fand ich eindringlich und sehr bewegend.
Marie
Ausgaben von Du denkst, du weißt alles
Besitzer des Buches 3
Update: 27. März 2018 um 02:03
