Friedrich von Hardenberg, genannt Novalis: Werk und Forschung

Buch von Herbert Uerlings

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Zusammenfassung

Inhaltsangabe zu Friedrich von Hardenberg, genannt Novalis: Werk und Forschung

Novalis: Forschung und Werk. Friedrich von Hardenberg gilt als der Romantiker der deutschen Literatur. Person und Werk besitzen seit 200 Jahren eine Schlüsselfunktion bei der Auseinandersetzung mit der Romantik und ihrem Verhältnisses zur Klassik und zur literarischen und politischen Aufklärung. Der Band enthält die umfassende Beschreibung von Geschichte, Stand und Perspektiven der Forschung, eine Deutung des Gesamtwerks und eine internationale Novalis-Bibliographie.
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Bewertungen

Friedrich von Hardenberg, genannt Novalis: Werk und Forschung wurde bisher einmal bewertet.

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Rezensionen zum Buch

  • Rezension zu Friedrich von Hardenberg, genannt Novalis: Werk und Forschung

    Herbert Uerlings ist ein deutscher Germanist und Professor für neuere deutsche Literatur an der Albertus - Magnus Universität Köln.
    Er promovierte dort über die Lyrik Peter Rühmkorffs und habilitierte sich mit dem Thema: Friedrich von Hardenberg (Novalis), Leben und Werk. Von 1998 bis 2010 war er Präsident der internationalen Novalis - Gesellschaft.
    Gerne zitiert wird der Verfasser Uerlings von Rüdiger Safranski in seinem Buch "Romantik" als profundester Kenner des Friedrich von Hardenberg.
    "Poesie, nicht Politik war das Metier des Novalis, dort gibt es allerdings einen politischen Gedanken, der für die Romantik der Folgezeit sehr charakteristisch ist. Es handelt sich um die These, daß durch die Vertrocknung des heiligen Sinns ( Religiösität) die Eigensucht des Menschen so stark wird, daß ein Staat, der auf diesen Eigensinn baut, keinen Bestand haben wird..."(Vgl..Safranski,Rüdiger,Romantik, 173 ff.)
    Da sind wir beim Kernproblem der "blauen Blume" ,der Romantik überhaupt. Da sind wir bei der politischen Wahrnehmung und der Poesie als Gestaltungskraft des Tatsächlichen, als Wille zum Ungestüm in der Zeit der Lähmung und Stagnation. Das Natürlichste als Sinnbild des Echten in der gespiegelt wirkenden Wirklichkeit. Das Echte als Gegenkonzept des Wirklichen, getragen vom Gedanken des wahren Empfindens und der Verdichtung des Realen.
    "Die Romantiker haben tiefer in die Abgründe der Menschen geblickt. Deshalb bringen sie der Rationalität und der Selbstbehauptung des Eigennutzes weniger Vertrauen entgegen".( Siehe ebenda)
    Georg Philipp Friedrich von Hardenberg wurde 1772 im Schloss Oberwiederstedt als Spross einer norddeutschen Adels und Beamtenfamilie geboren.
    Im Eislebener Gymnasium erwarb sich der junge Hardenberg seine lebenslang gepflegten Kenntnisse der Sprache und Kultur der antiken Welt, der zeitgemäßen Erziehung auch anderer Bildungsstätten der deutschen Eliten. Später lebte der junge Friedrich auf dem Gut der Eltern in Weißenfels/Thüringen.
    1790 begann er das Jurastudium in Jena, dort hörte er Schillers Geschichtsvorlesung.
    Als er das Studium 1794 abschloss, war er Goethe, Schlegel, Tieck, Schelling und Herder begegnet.
    Er wurde Aktuarius bei einem Kreisamt in Thüringen, wo er Sophie von Kühn kennenlernte, gerade 13 Jahre alt, mit der er sich 1795 verlobte. Sophie starb 15jährig, Hardenberg gelang es nie mehr, diesen Schock zu überwinden, sein Leben und seine spätere Dichtung wurden davon nachhaltig geprägt.
    Durch das Studium der Naturwissenschaften ab 1797 eröffnete sich Hardenberg ein neuer Horizont. Diese neuen und stürmisch vorantreibenden Fächer begeisterten ihn und so nahmen die Ereigbisse in natürlichen Prozessen sein Denken ein und beeinflussten sein literarisches Schaffen, so ähnlich dem englischen Physiologen und Philosophen John Locke.
    Als erstmals Gedichte von Hardenberg erschienen, in der Zeitschrift "Athenaeum" der Gebrüder Schlegel, verwendete er 1798 zuerst das Pseudonym "Novalis", doppeldeutig nach einem frühen Familienbeinamen und der Bedeutung" der Neue".
    In der kurzen Spanne zwischen 1798 und 1801, seinem frühen Tod, wahrscheinlich durch Lungen - TBC, entstanden Novalis große Werke, allen voran die "Hymnen an die Nacht" und die Erzählung "Hyperion" sowie die mystische Mittelalterverklärung "Heinrich von Ofterdingen".
    Uerling geht nun der Frage nach, ob die mystisch - religiöse Verklärung Hardenbergs bis hin zu Hymnen der Marienverehrung, letztlich nicht die Eckpunkte einer Ordnungsvorstellung waren, die der Dichter deutlich der Gegenwart entgegenhielt und so zum Spiegel machte. Die mythische Verklärung zur Aberechnung mit der Realität, dem Kleingeist, dem schablonenhaften Denken. Nicht das Mittelalter war es, was die Romantiker wirklich anstrebten, nicht die Märchenwelt und Phantasiereiche, sondern die Darstelluung einer versunkenen, "echten" Kultur gegenüber einer verlogenen, unechten Gegenwart zur Erreichung einer natürlichen, 'echteren' Zukunft. So etwa, wie für Tacitus und Livius die Gemanen als Vorbilder dienten, um den dekadenten Römern wieder "Mores" zu lehren.
    Auch das Phänomen des Todes beschäftigte Novalis immer wieder, als Naturwissenschaftler und als Dichter. Grenzerfahrungen, der "Tod als das romantisierende Prinzip des Lebens" (Novalis),war eine Metaphorik der Zukunftsweisung. Das Dasein kontrapunktisch zum Leben, parallel die Dichtung zur viel unechteren Realität.
    Die Mittelalterrezeption des Novalis war doppelbödig, wie die tatsächlichen Geschichtsabläufe auch, aus der vermeintlich finsteren Ära entwickelte sich der Humus des modernen Europa.(Le Goff)
    Uerlings Biografie ist ein gewaltiges Werk und in einigen Nebensträngen für einen Nichtgermanisten schlicht zu lang, wenn auch nie langweilig. Einige Details hätten für das Seminar aufgespart bleiben können, die Einbindung in die politische postrevolutionäre Umbruchzeit (Frankreich) hätte ich gerne noch vertieft gesehen.
    Im ganzen Wurf aber eine sehr eigenwillige, in der Kernfragestellung, wie ausgeführt, bemerkenswerte Arbeit für den echten Liebhaber, sicher nicht für das erste Kennenlernen dieser schillernden Persönlichkeit Friedrich von Hardenberg, genannt Novalis.
    Die Sprache ist reif und sehr lesbar, der Text wie aus hundert Schlachten in Hörsaal und Seminar geschliffen, allgemeinverständlich und in gefälligem Rhytmus, alles "Professorale" geht dem Autor ab.
    Ich gebe hier sehr gute viereinhalb Sterne
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