Raumfahrer: »Feine, große Literatur.« Welt am Sonntag
Buch von Lukas Rietzschel
Titel: Raumfahrer: »Feine, große Literatur.«...
Lukas Rietzschel (Autor)
Verlag: dtv
Format: Gebundene Ausgabe
Seitenzahl: 288
ISBN: 9783423282956
Termin: Juli 2021
Aktion
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Kurzmeinung
Meany Eine komprimierte Studie der deutschen Wendezeit mit lange nachhallenden Subtilitäten
Zusammenfassung
Inhaltsangabe zu Raumfahrer: »Feine, große Literatur.« Welt am Sonntag
Gebäude lassen sich abtragen und neu aufbauen, Erinnerungen nicht Jan und seine Eltern sprechen nicht viel über das Heute und erst recht nicht über das Gestern. Erst als Herr Kern auftaucht, kommt das fragile Gleichgewicht der Familie ins Wanken: Welche Beziehung führte Jans Mutter mit dem Vater von Herrn Kern? Und was haben die Kerns mit der Kunst von Georg Baselitz zu tun? Immer weiter arbeitet sich Jan durch das Schweigen mehrerer Generationen, taucht ein in die Geschichte der Baselitz-Brüder, die Geschichte seiner Eltern und begreift, dass die Gegenwart nicht nur aus der eigenen Vergangenheit besteht. Behutsam und voller Empathie zeichnet Lukas Rietzschel ein eindrückliches Bild von Menschen, die durch große gesellschaftliche und politische Veränderungen geprägt sind -- und von Verletzungen, die sich durch Generationen hindurchziehen und scheinbar nie verheilen.
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Bewertungen
Raumfahrer: »Feine, große Literatur.« Welt am Sonntag wurde insgesamt 2 mal bewertet. Die durchschnittliche Bewertung liegt bei 4,8 Sternen.
Meinungen
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Eine komprimierte Studie der deutschen Wendezeit mit lange nachhallenden Subtilitäten
Rezensionen zum Buch
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Rezension zu Raumfahrer: »Feine, große Literatur.« Welt am Sonntag
- Meany
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5. Juli 2021 um 13:16
Deine Mutti war ne schöne Frau Historische Wendezeiten bieten immer eine Stofffülle für eindrucksvolle Romane, verweben sich in ihnen doch menschliche Schicksale wie in griechischen Tragödien in Dilemmata, denen die Protagonisten niemals schuldlos entrinnen können. Auch die jüngste Vergangenheit ist Schauplatz solcher Verwicklungen.Weiterlesen
Wie setzt man das um in Literatur, ohne diese Geschehnisse in Trivialität und Austauschbarkeit zu verflachen?
Krietschel gelingt dies durch innere Distanz. Er lässt die Fakten für sich sprechen, die die Handelnden gerade in Kleinigkeiten kommentarlos charakterisieren, wie z.B. die Abneigung der bescheidenen Mutter gegen den Aufenthalt im Café vor aller Augen - nein, sie genießt allenfalls einen To-Go-Becher, verbittet sich dabei aber jegliche Störung.
Spannung baut der Autor auf durch die diskontinuierliche Erzählweise, die den Lesenden eine derartige Konzentration abverlangt, dass ich mir durchaus gelegentlich zur Abwechslung einen straight durchkomponierten Bericht wünsche. Von Anfang an erzeugt der Schriftsteller eine Aura des Rätselhaften, wie grauer Firnis überzieht zudem noch eine Trostlosigkeit den Roman. Das erreicht er mit kargen, dabei aber um so wirkungsvolleren sprachlichen Mitteln.
Die Grundkonstellation entsteht bei der Begegnung des jungen Pflegers Jan mit dem Patienten Günter. Die episodenhaften Rückblenden kann man eigentlich erst ganz kurz vor dem Ende in einem Aha-Moment einordnen, der aber auch nicht alle Fragen beantwortet. Mein Interesse wurde eigentlich vor der Lektüre geweckt durch den Bezug zum Künstler Georg Baselitz. Dass seine Rolle sich dann eher auf das Private beschränkt und sein Schaffensprozess als solcher kaum zur Sprache kommt, hat mich ein bisschen enttäuscht, aber Rietzschel stellt schon in der Vorrede klar, dass es sich hier um Fiktion handelt. Er hat eine exemplarische reale Konstellation gewählt, um zu demonstieren, was die Zurückgelassenen erlitten, wenn begabte Menschen nach ihrer Flucht im Westen Prominenz erlangten.
Unterm Strich empfehle ich diese komprimierte Studie geduldigen, an der deutschen Wendezeit interessierten Literaturbegeisterten, die aus lange nachhallenden Subtilitäten ihre Erkenntnisse ziehen.
Ausgaben von Raumfahrer: »Feine, große Literatur.« Welt am Sonntag
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Update: 8. November 2024 um 13:07


