Eine Stadt wie Alice
Buch von Nevil Shute, Rudolf Frank
Titel: Eine Stadt wie Alice
Nevil Shute (Autor) , Rudolf Frank (Übersetzer)
Verlag: Rowohlt Taschenbuch
Format: Taschenbuch
Seitenzahl: 280
ISBN: 9783499143403
Termin: April 1979
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Bewertungen
Eine Stadt wie Alice wurde insgesamt 5 mal bewertet. Die durchschnittliche Bewertung liegt bei 4,3 Sternen.
Rezensionen zum Buch
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Rezension zu Eine Stadt wie Alice
- Magdalena
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20. August 2012 um 15:44
Der Londoner Rechtsanwalt Noel Strachan hatte vor Jahren das Testament eines gewissen Mr. Macfadden aufgesetzt, der allein und kränkelnd mit ein paar Bediensteten in Schottland lebte, und den älteren Herrn danach so gut wie vergessen. Als Macfadden 1948 stirbt, ist Strachan als Testamentsvollstrecker mit der Aufgabe betraut, die Erben ausfindig zu machen. Wie sich nach einiger Recherche herausstellt, ist die einzige noch lebende Erbin die 27jährige Jean Paget, die Großnichte des alten Herrn, die als Stenotypistin in London arbeitet.Weiterlesen
Schon bei ihrem ersten Zusammentreffen ist Strachan schnell klar, dass das keine gewöhnliche junge Frau ist. Jean ist teilweise in Malaysia aufgewachsen, wo ihr Vater arbeitete, und hat dort vor dem Krieg auch ihre ersten beruflichen Schritte getan. Kurz vor ihrer geplanten Abreise wurde sie mit einer Gruppe von Frauen und Kindern von den Japanern gefangengenommen und auf einen monatelangen Gewaltmarsch kreuz und quer durch Malaysia geschickt, den viele ihrer Mitgefangenen nicht überlebten. Ein junger Australier, selbst Kriegsgefangener, versuchte die Gruppe mit nicht immer legal erworbenen Lebensmitteln und anderen Dingen zu versorgen und musste dafür bitter büßen - seine brutale Bestrafung durch den japanischen Offizier, die sie und die anderen Frauen mitzuerleben gezwungen wurden, hat Jean nie vergessen.
Als Jean nun von ihrem Erbe erfährt, ist ihr schnell klar, was sie mit dem Geld anfangen will: in dem Dorf in Malaysia, wo sie und ihre Leidensgenossen schließlich Aufnahme fanden, einen Brunnen bohren lassen, um den Menschen das Leben zu erleichtern. Sie kündigt ihre Stelle und fliegt nach Asien - der Anfang einer ereignisreichen Reise, die Jean auch ins australische Outback führt und ihr Leben erneut grundlegend verändert.
Oh, was für ein wunderschönes Buch.
Nevil Shute gelingt es, Jeans dramatische Erlebnisse während des Krieges und ihre anschließende Spurensuche in Asien und Australien in schlichter, unprätentiöser Sprache zu schildern und Menschen und Schauplätze mit wenigen Federstrichen ganz lebensecht einzufangen - sei es Strachans Herrenclub in London, Jeans Erlebnisse auf dem qualvollen Marsch durch die tropische Hitze oder die Umstände im australischen Outback. Man hätte aus dem Plot auch ein schmalztriefendes Melodram stricken können, aber Shute erzählt die Geschichte mit sparsamen, wohlgesetzten Worten und macht sie dadurch umso eindrucksvoller.
Jean ist eine sympathische Protagonistin, die ihren neu erworbenen Reichtum nicht für sich behalten will - spätestens in Malaysia hat sie gelernt, mit ganz wenig auszukommen - sondern ihr Vermögen teilen will, um anderen das Leben leichter zu machen. Dabei ist sie aber Gott sei Dank keine langweilige Superheilige, sondern einfach eine junge Frau, die große Ideen und Pläne hat und nun auch die Mittel, diese in die Tat umzusetzen, auch wenn sie dabei natürlich doch immer wieder auf Hindernisse stößt.
Die Liebesgeschichte, die Jean erlebt, hat mir auch sehr gut gefallen. Sie mag vielleicht ein bisschen idealisiert daherkommen, ist aber trotzdem nicht kitschig rosarot - ich fand sie einfach nur schön.
Shute ist für mich definitiv eine tolle Neuentdeckung, und dieses Buch habe ich wohl nicht zum letzten Mal gelesen.
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Besitzer des Buches 10
Update: 7. Oktober 2025 um 09:45





