Der Zitronentisch

Buch von Julian Barnes

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Bewertungen

Der Zitronentisch wurde insgesamt 2 mal bewertet. Die durchschnittliche Bewertung liegt bei 3,8 Sternen.

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Rezensionen zum Buch

  • Rezension zu Der Zitronentisch

    Klappentext:
    Julian Barnes wird immer wieder gepriesen für seine stilistische Brillanz, für die scharfe Beobachtungsgabe, die Ironie und den oft schwarzen Humor. Der Erzählungsband mit dem geheimnisvollen Titel Der Zitronentisch zeigt Julian Barnes in seiner ganzen Meisterschaft.
    Jede Erzählung steht für sich, doch sind alle durch das Thema miteinander verbunden – das Altern. Ob die Erzählungen nun im 19. Jahrhundert oder in unserer Zeit spielen, die Menschen nähern sich dem Ende ihres Lebens, dem Ende, das sich in besonderen Erfahrungen und oft irrwitzigen Situationen ankündigt. Sie gehen damit gelassen um oder aufbegehrend, resigniert oder bitter.
    Die Zitrone, erfährt der Leser in der letzten Erzählung Stille, ist für die Chinesen das Symbol des Todes. In dieser Erzählung über den ausgebrannten Komponisten Sibelius treffen sich die alten Männer an einem (nicht Stamm-, sondern) Zitronentisch, um über ihr Ende zu sprechen: „Kopf hoch! Der Tod ist nicht mehr fern.“ (von der Verlagsseite kopiert)
    Zum Autor:
    Julian Barnes, geboren 1946, erhielt zahlreiche europäische und amerikanische Literaturpreise, 2011 wurde er mit dem Man Booker Prize ausgezeichnet. Er hat ein umfangreiches erzählerisches Werk vorgelegt, u.a. die Romane Flauberts Papagei, Darüber reden und Arthur & George. Sein Roman Vom Ende einer Geschichte verkaufte sich über 130.000 Mal. (von der Verlagsseite kopiert)
    Allgemeine Informationen:
    Originaltitel: The Lemon Table
    Aus dem Englischen übersetzt von Gertraude Krueger
    Erstmals erschienen 2004 bei Vintage
    Elf Erzählungen, jede ca. 20-30 Seiten lang
    255 Seiten
    Inhalt:
    (Erzählungen, zu denen ich keine Länderangabe mache, spielen in England; ohne Datum in der Gegenwart.)
    Eine kurze Geschichte des Haareschneidens
    Der Haareschneider, vor dem das Kind Angst hat, wird zum Friseur, für den Studenten ein notwendiges Übel, und für den Alten bleibt der Glatzeschneider.
    Drei Episoden aus drei Lebensepochen: Haareschneiden als Exempel einer Lebens-Entwicklung.
    Die Geschichte von Mats Israelson
    Schweden, 19. Jahrhundert. Sein ganzes Leben lang liebt der Sägewerksbesitzer Anders Bodén seine Nachbarin Barbro, ebenso wie sie ihn – nur aus der Ferne, denn beide sind verheiratet. Kurz vor dem Tod endet die Liebe durch ein missverständliches Wort.
    Nicht nur durch den Plan der beiden, gemeinsam nach Falun zu reisen, entwickelt Barnes Bezüge zu „Das Bergwerk zu Falun“ von Hoffmannsthal.
    Was du alles weißt
    USA. Zwei verwitwete Freundinnen wetteifern um die Qualitäten ihrer verstorbenen Gatten miteinander. Sie wissen zwar, dass die Loblieder auf die Ehemänner nicht unbedingt der Wahrheit entsprechen, aber man will schließlich nicht nur die Freundin, sondern auch sich selbst überzeugen.
    Hygiene
    Major a.D. Jacko nutzt seine gelegentlichen Reisen nach London nicht nur, um sich mit Angehörigen seines alten Regiments zu treffen, dringend benötigte Haushaltsartikeln für Ehefrau Pamela einzukaufen, sondern um seine verbliebene Manneskraft bei der Prostituierten Babs zu testen, mit der ihn beinahe Liebe verbindet. Doch auch Huren können krank werden und altern.
    Aufleben
    Russland, 19. Jahrhundert. Turgenew, der alternde Schriftsteller, verliebt sich in die 35 Jahre jüngere Schauspielerin seiner Werotschka und zehrt den Rest seines Lebens von einer gemeinsamen 30 km langen Bahnfahrt, während der er sie fast geküsst hätte.
    Barnes spielt hier mit Turgenew: Hat er sich tatsächlich in eine reale Frau verliebt? Oder nicht doch in die Schauspielerin eines seiner eigenen Geschöpfe?
    Und: Ist Entsagung tatsächlich eine Tugend?
    Wachdienst
    Ein schwules Ex-Paar, das freundschaftlich zusammenlebt, hat seine liebe Not mit den Fehlern und Macken anderer Menschen. Fahrradfahrer Andrew legt sich regelmäßig mit anderen Verkehrsteilnehmern an und beschimpft sie. Den Ich-Erzähler, leidenschaftlicher Musikkenner, erregt jede kleinste Störung während eines Konzertes, Husten, Niesen, Papiergeraschel, usw. Er greift zu drastischen Mitteln, um sich zu wehren.
    Doch wollen die beiden tatsächlich das, was sie augenscheinlich erstreben? Oder dienen Zank und Scharmützel nicht eher als Selbstzweck?
    Rinde
    Frankreich. 19. Jahrhundert. Erst Jahrzehnte lang dem Glücksspiel verfallen, dann der Schlemmerei kauft Jean-Etienne Delacourt Anteile an einem Badehaus zu besonderen Bedingungen: Sobald einer der Anleger stirbt, wird dessen Anteil auf die überlebenden Anleger verteilt. Delacourt gibt sich Mühe, letzter zu werden und den Gesamtgewinn einzustreichen.
    Französischkenntnisse
    1980er Jahre. Eine auf ihre Bildung, vor allem auf ihre Französischkenntnisse stolze ältere Lady führt über drei Jahre einen Briefwechsel mit Julian Barnes himself. Sie lebt in einer „Altenlagerstätte“, wie sie selbst das Heim nennt und hat zu allem und jedem eine Meinung. Auch zu Barnes’ Büchern.
    Appetit
    Die Ich-Erzählerin liest ihrem demenzkranken Ehemann aus Kochbüchern vor. Er, ehemals ein respektabler Arzt, höflich, kultiviert, schreit in seinen schlechten Phasen Obszönitäten und seine sexuelle Gier heraus und beleidigt sie damit aufs Heftigste. Sie wendet sich immer wieder an den Leser und bittet um gemeinsames Verständnis und Solidarität.
    Der Obstbaumkäfig
    Der 81-jährige Vater des Ich-Erzählers verlässt seine 80-jährige Frau wegen einer jungen 65-jährigen.
    Die Stille
    Finnland, 19. – 20. Jahrhundert. Seit Jahren wartet die musikalische Welt auf Sibelius’ achte Sinfonie. Doch alle nach dem Ende der 1920er Jahre komponierten Stücke vernichtet er.Barnes baut aus der realen Biographie des Sibelius und der Zitrone, dem chinesischen Todessymbol, das Bild eines „Zitronentischs“.
    Eigene Meinung:
    Dunkelgrau bis rabenschwarz, ironisch bis böse sarkastisch, melancholisch bis deprimierend – Barnes versteht sich auf alle Arten, dem Alter und dem Tod literarisch nahe zu kommen. Ich habe mich blendend unterhalten und sehr oft gelacht.
    Ein Buch für:
    - Alte: Irgendeine Identifikationsfigur findet sich sicher für jeden von euch.
    - Mittelalter: Demnächst werdet ihr erfahren, in welche Richtung es geht.
    - Junge: Bitte um euer Verständnis, falls ihr (wenn nicht heute, dann bald) eure Eltern oder Großeltern wiederfindet.
    Eine ganz laute Leseempfehlung!
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Ausgaben von Der Zitronentisch

Taschenbuch

Seitenzahl: 272

Gebundene Ausgabe

Seitenzahl: 256

E-Book

Seitenzahl: 256

Der Zitronentisch in anderen Sprachen

  • Deutsch: Der Zitronentisch (Details)
  • Englisch: The Lemon Table (Details)

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