Wo das Wasser am tiefsten ist

Buch von Claire Keegan, Inge Leipold, Hans-Christian Oeser

Bewertungen

Wo das Wasser am tiefsten ist wurde insgesamt 2 mal bewertet. Die durchschnittliche Bewertung liegt bei 4 Sternen.

(0)
(2)
(0)
(0)
(0)

Rezensionen zum Buch

  • Rezension zu Wo das Wasser am tiefsten ist

    Original : Englisch/Irland, 1999
    INHALT :
    15 Erzählungen zwischen 10 und 30 Seiten Länge (ich gebe die Titel auf Französisch an, wenn ich sie auf Englisch nicht weiß). Im Einzelnen :
    - Antarctica: Eine Frau, verheiratet und Mutter, fährt zum Weihnachtseinkauf in die Stadt, nimmt sich vor, dieses Mal fremdzugehen. Sie begegnet dann auch jemandem. Es fängt wunderbar an, sie kann sich richtig fallenlassen…
    - Les hommes et les femmes : Vater, Mutter, der etwas ältere Sohn, die heranwachsende Tochter (und Ich-Erzählerin) – stehen die Rollen schon fest ? Gibt es noch Auflehnung und Spielraum ?
    - Où l’eau est la plus profonde : Wird das au-pair-Mädchen mit seiner Rolle dem Kleinen gegenüber fertig. Und kann sie sich auch den Eltern gegenüber behaupten ? Sicherheit bieten ?
    - House Calls :Mit 30 suchte sie nahezu die Affäre mit dem Arzt…, dieser aber auch als zu früh verheirateter. Konventionen, Zurückstecken ? Bald ist es aus, und der Arzt gibt ihr am Ende des Jahrtausends einen « Termin » : dann wären die Kinder groß genug. Neun Jahre…
    - Orages : Das Mädchen wächst auf in einem Haus, wo die Mutter langsam dem Wahn entgegendriftet… Zwischen Liebe zu ihr, auch Furcht vor ihr und Imitation ?
    - Osez le grand frisson : In Mississippi wohnend hinterlassen eine Frau, ein Mann Suchannoncen auf nähere Bekanntschaft. Nun also das erste Treffen nach bisherigen Telefongesprächen… Beginnende Leidenschaft ?
    - The singing cashier : Cora, Kassiererin, schickt ihre junge Schwester spazieren, wenn der Postmann kommt und sie sich etwas hinzuverdient. Bis zum Tag, wo das Regionalblatt die Verhaftung ihrer Nachbarn meldet…
    - Brûlures : Ein Vater mit seiner zweiten Ehefrau versucht mit den drei Kindern aus erster Ehe ins verlassene Haus zurückzukehren, das voll der Gegenwart der damals verrückt gewordenen Mutter steckt. Das hinterläßt Spuren...
    - Drôle de prénom pour un garçon : Die Erzäherin steht vor dem entscheidenden Moment : Vom Kinde erzählen, das sie trägt ? Es ankündigen ? Es bewahren ?
    - Les sœurs : Betty ist daheim älter geworden, hat sich verausgabt in der Arbeit auf dem Hof und beim griesgrämigen Vater, konnte noch nicht mal einen Protestanten heiraten… Bevorzugt war stets die jüngere Louisa, die reich in England einheiratete. Und im Sommer mit ihrer Familie wie selbstverständlich auf Kosten ihrer nicht reichen Schwester lebt. Vergleiche, Eifersucht, Eitelkeiten… Tolles Geschwisterportrait in ihrer Rivalität !
    - Le parfum de l’hiver : Hanson besucht mit seinen beiden Kindern und dem Kindermädchen Greer. Aber was ist mit dessen Frau los ? Welche Geschichte ist da passiert ? Was oder wen versteckt er ?
    - Les palmiers en flamme : Die Großmutter lebt in einer Bruchbude. Tochter und Enkel kommen regelmäßig vorbei. Ist das Haus dem Untergang geweiht ?
    - Passport soup : Frank Corso und seine Frau sprechen nicht mehr miteinander. Ihre neunjährige Tochter ist verschwunden…, Schmerz, Trauer, Stummheit, Vorwürfe hinterlassend. Gibt es noch einen Weg hinaus ?
    - On n’est jamais trop prudent : Der Ich-Erzähler Jay nimmt den Cajun-Sänger Butch auf eine Bootsfahrt im Mississippi-Delta mit. Alleine auf dem Boot, fängt jener an, ihm seinem Mord an seine Freundin zu schildern. Jay wird es immer mulmiger zumute...
    - Le serment à la Ginger Rogers : Die Ich-Erzählerin durchlebt die Zeit um die erste Regel, die Verehrung des riesenhaften und braven Slappers auf dem Hof ihrer Eltern. Fordert sie ihn heraus mit ihrem Tun ?
    Claire Keegan erzählt Geschichten von subtiler Unterdrückung, aber auch von unterdrückten Gefühlen, Wünschen nach Ausbrechen. Bleibt man gefangen von Konventionen, oder erlebt man Freiheit ? Manches scheint unvereinbar. Die Autorin erzählt manchmal zunächst so ruhig, so feinsinnig und unterschwellig, dass man teils genau lesen muss. Ganz toll ! Und nach den zwei bislang gelesenen längeren Erzählungen verstehe ich, warum sie schon vorher durch diese kürzeren stories Bekanntheit erlangte.
    Doch sie sind irgendwie hart, kalt, eben « antarktisch » zurecht genannt, so sehr sie auch unsere Empathie hervorrufen mögen. Die Menschen leben teils nach Trennungen oder Brechungen ihres Lebens. Das Ungeheuerliche ist manchmal nahe, oder schon geschehen. Insofern muss man mal schlucken ; Wohlfühlgeschichten sind es nicht. Einige dieser Geschichten müssen wohl weit zurückreichen als Keegan noch in den USA studierte? Sie sind teils in den USA angesiedelt.
    AUTORIN :
    Claire Keegan wurde 1968 geboren und ist eine irische Schriftstellerin. Sie ist das jüngstes Kind einer zahlreichen katholischen Familie in der irischen Grafschaft Wicklow, wo sie auf einem Bauernhof auch aufwuchs. Mit 17 Jahren geht sie in die USA. Nach einem Studium der Politikwissenschaft an der Loyola University of New Orleans/Louisiana erwarb sie 1992 einen Masterabschluss an der University of Wales, Cardiff, in kreativem Schreiben sowie am Trinity College Dublin einen M.Phil.
    Sie wurde hauptsächlich durch ihre Kurzgeschichten bekannt. Wie halt den Obigen von 1999 !
    Herausgeber : Steidl GmbH & Co. OHG; 1., Edition (1. März 2004) Sprache : Deutsch Gebundene Ausgabe : 216 Seiten ISBN-10 : 3882439823 ISBN-13 : 978-3882439823 Abmessungen : 13.9 x 2.4 x 22.2 cm
    Weiterlesen

Ausgaben von Wo das Wasser am tiefsten ist

Taschenbuch

Seitenzahl: 224

Hardcover

Seitenzahl: 216

Wo das Wasser am tiefsten ist in anderen Sprachen

  • Deutsch: Wo das Wasser am tiefsten ist (Details)
  • Englisch: Antarctica (Details)

Besitzer des Buches 4

Update: