Der Abstinent

Buch von Ian McGuire

Anzeige

Zusammenfassung

Inhaltsangabe zu Der Abstinent

»Ein literarischer Noir, dicht und spannend.« Richard Ford Manchester, 1867. Im Morgengrauen hängen die Rebellen. Die englische Polizei wirft ihnen vor, die ›Fenians‹; irische Unabhängigkeitskämpfer, zu unterstützen. Eine gefährliche Machtgeste seines Vorgesetzten, findet Constable James O’Connor; der gerade aus Dublin nach Manchester versetzt wurde. Einst hieß es, er sei der klügste Mann der Stadt gewesen. Das war, bevor er seine Frau verlor, bevor er sich dem Whiskey hingab. Mittlerweile rührt er keinen Tropfen mehr an. Doch jetzt sinnen die ›Fenians‹ nach Rache. Der Kriegsveteran Stephen Doyle, amerikanischer Ire und vom Kämpfen besessen, heftet sich an O’Connors Fersen. Ein Kampf beginnt, der O’Connor tief hineinzieht in einen Strudel aus Verrat, Schuld und Gewalt.
Weiterlesen

Bewertungen

Der Abstinent wurde insgesamt 6 mal bewertet. Die durchschnittliche Bewertung liegt bei 3,8 Sternen.

(2)
(1)
(3)
(0)
(0)

Rezensionen zum Buch

  • Rezension zu Der Abstinent

    Archaisch
    Bisher kannte ich noch kein Buch von Ian McGuire. Das Buch hat mich aufgrund der Epoche, in der die Handlung angesiedelt ist, interessiert. Die politischen Konflikte zwischen England und Irland mit der irischen Unabhängigkeitsbewegung und dem gescheiteren Aufstand der Fenier, aus der später heraus die IRA entstand, bieten genügend Zündstoff für einen spannenden Roman.
    Mit den Hauptprotagonisten, dem Iren James O’Connor, der nach dem Tod seiner Frau dem Alkohol verfallen war und dem amerikanischen Kriegsveteranen mit irische Wurzeln Stephen Doyle, stehen sich zwei unerbittliche Kontrahenten gegenüber, die sich letztendlich einen Überlebenskampf liefern.
    Beim Lesen war ich zwiegespalten: Der Roman spielt in einer sehr interessanten geschichtlichen Epoche, die damaligen Lebensbedingungen und die Charaktere der Gegner sind gut herausgearbeitet. Der ganz eigene Sprachstil passt zu den Figuren, beeindruckt und lässt einige Bilder im Kopfkino entstehen. Einige Passagen empfand ich als unnötige Längen, die mich fast haben verzweifeln lassen, so dass ich geneigt war, mittendrin das Buch wegzulegen. Da mich die Geschichte jedoch interessiert hatte, bin ich bis zum Schluss drangeblieben. Ob es sich gelohnt hat, muss jedoch jede Bücherratte für sich entscheiden, für geschichtlich Interessierte ist das Buch lesenswert.
    Weiterlesen
  • Rezension zu Der Abstinent

    Düsterer Blick in die Vergangenheit
    Manchester im Jahre 1867 ist nicht geprägt von einem anhaltenden Konflikt zwischen Engländer und Iren sondern auch von einen dunklen Tristes in der die Menschen jeden Tag erneut ums schiere Überleben kämpfen müssen. O´Connor ein irischer Polizist, der wegen Verfehlungen von Irland nach Manchester strafversetzt wurde, hat es in seinem neuen Revier alles andere als leicht. Seine neuen Kollegen schneiden und beleidigen ihn wo es nur geht. Er fühlt sich nicht nur wie ein Polizist zweiter Klasser er ist es auch. Als er eines Tages überfallen und zusammengeschlagen wird, ist dies auch der Beginn seines persönlichen Absturzes. Innerhalb weniger Stunden werden nach und nach alle seiner Informanten bestialisches ermordet. Alles hängt mit einem Doyle, ein ehemaliger Soldat, zusammen der von Amerika ausgesandt wurde, um Rache für drei gehängte Iren zu nehmen. O´Connor nimmt seine Fährte auf und bringt nicht nur sich sondern auch seine Kollegen in Gefahr.
    Der Autor beeindruckt durch seine unglaublich poetische Szenenbeschreibung und seinen deftigen Dialogen. Damit erleichtert er zwar das eintauchen in diese Zeit, jedoch wird gerade dadurch eine massive depressive Grundstimmung erzeugt, was die Handlung nach einer Weile zu Blei werden lässt und es für den Leser zunehmend zur wirklich schweren Lektüre werden lässt.
    Durch verschiedene Blickwinkel entführt der Autor den Leser ins England des ausgehenden 19. Jahrhunderts und in mitten hinein in den Konflikt zwischen Engländer und Iren. Allein die Konstellation von einem irischen Polizisten, der Strafversetzt wurde, und nun als Polizist zweiter Klasse unter lauten Engländer arbeiten muss ist sehr interessant. Vor allem wie schnell sein scheinbar geordnetes Leben innerhalb kurzer Zeit vollkommen entgleisen kann. Den tiefen Fall von O´Connor mit ansehen zu müssen ist wirklich sehr bedrückend. Leider wird aber auch die Lesefreude durch diesen extrem nüchternen und distanzierten Erzählweise die Geschichte zunehmend wie Blei.
    Die Figurenkonstellation ist wirklich interessant. Gut gegen böse. Polizist gegen Rebell. Auch der Absturz von O´Connor und wie er zu dem Menschen wurde der er ist, war nachvollziehbar. Ähnlich war es auch bei seinem Widersacher Doyle. Beider erlitten Traumata, die einen direkten Einfluss auf ihr Leben und Handeln haben. Doch wollte der Funke bei mir nicht richtig überspringen. Mir waren die Figuren leider doch ein wenig zu blas.
    Das vorangestellte Interview mit dem Autor empfehle ich allerdings erst nach der Lektüre des Romans zu lesen, da dort doch etwas zuviel von der Geschichte verraten wird.
    Das düstere Cover gibt schon einen ersten Vorgeschmack auf diese doch sehr dunkle Geschichte.
    Fazit: Eine wirklich interessante Geschichte über einen Konflikt zwischen Engländer und Iren und seine Folgen. In großen Teilen beschreibt der Autor die Szenen wirklich sehr poetisch und man hat die Bilder sehr genau vor Augen. Auf der anderen Seite beeindruckt er durch die sehr deftigen Dialoge. Dadurch entwickelt sich bei Leser jedoch eine pessimistischer und depressiver Gesamteindruck der Handlung, was das Lesen zunehmend ermüdend und Blei ähnlichen werden lässt. Ingesamt ist diese Geschichte weder leichte Kost noch leicht zu lesen. Dem Leser wird ein gewisses Durchhaltevermögen und Ausdauer abverlangt.
    Weiterlesen
  • Rezension zu Der Abstinent

    Klappentext/Verlagstext
    Manchester, 1867. Im Morgengrauen hängen die Rebellen. Die englische Polizei wirft ihnen vor, die ›Fenians‹, irische Unabhängigkeitskämpfer, zu unterstützen. Eine gefährliche Machtgeste seines Vorgesetzten, findet Constable James O’Connor, der gerade aus Dublin nach Manchester versetzt wurde. Einst hieß es, er sei der klügste Mann der Stadt gewesen. Das war, bevor er seine Frau verlor, bevor er sich dem Whiskey hingab. Mittlerweile rührt er keinen Tropfen mehr an. Doch jetzt sinnen die ›Fenians‹ nach Rache. Der Kriegsveteran Stephen Doyle, amerikanischer Ire und vom Kämpfen besessen, heftet sich an O’Connors Fersen. Ein Kampf beginnt, der O’Connor tief hineinzieht in einen Strudel aus Verrat, Schuld und Gewalt.
    Der Autor
    Ian McGuire, geboren 1964, ist ein britischer Schriftsteller und Literaturwissenschaftler. Mit „Nordwasser“ war er 2016 für den Man Booker Prize nominiert. Der Roman wurde von der New York Times zu einem der zehn besten Bücher des Jahres gewählt und wird von der BBC zur Serie verfilmt, mit Colin Farrell in der Hauptrolle.
    Inhalt
    1867 scheitert in Manchester ein Aufstand der irischstämmigen Fenier (aus denen später die IRA entstehen sollte) gegen die englische Herrschaft. Die Hinrichtung der "Märtyrer von Manchester" wird als öffentliches Spektakel inszeniert und schafft der Widerstandsbewegung neue Märtyrer. In dieser aufgeheizten Situation wird der Polizist James O’Connor aus Dublin nach Manchester versetzt, um Informationen über die Stimmung im Volk zu sammeln. Dass die Volksseele nach der Hinrichtung kocht, war vorauszusehen. O’Connors Informanten jedoch leben gefährlich, wenn sie für wenige Penny riskieren, als Verräter an „der guten Sache“ von den Fenians exekutiert zu werden. Als im Hafen von Liverpool der ehemals aus Irland in die USA eingewanderte Veteran des Amerikanischen Bürgerkrieges Stephen Doyle eintrifft, bewegen sich mit O’Connor und Doyle zwei einsame Wölfe in einem erbitterten Kampf aufeinander zu. Doyle war als verwaistes Kind von einem Verwandten aufgenommen worden, der ihn gegen Essen und Unterkunft allein einen Wald roden ließ. Dass Doyle später in der Nordstaaten-Armee diente, verraten in der Gegenwart die Narben seiner Kriegsverletzungen. Der Veteran plant im Auftrag des amerikanischen Flügels der Fenier in Manchester einen großen Coup, um den Konflikt mit den Briten weiter anzuheizen.
    O’Connor war nach dem Tod seiner Frau zum Alkoholiker geworden und hat gerade erst dem Trinken abgeschworen. Mit seiner irischen Herkunft bietet er den Sticheleien der Kollegen in Manchester breite Angriffsfläche; denn ein Ire kann doch nur mit den Fenians sympathisieren. Als es O’Connor gelingt, seinen Spitzel direkt in die Führungsebene der Fenier zu platzieren, fordert er damit in einem gefährlichen Spiel seinen Gegner Doyle heraus. O’Connors Mann kann zwar alle seine Großtanten und -onkel nennen, um den Feniern seine Identität zu beweisen, doch seine Zielpersonen können das auch - und werden in seiner Legende jede falsche Masche entdecken. Die Frage, wie Doyle und O'Connor es mit der Gewalt halten, muss jedoch erst aus einem neuen Blickwinkel betrachtet werden, ehe die Geschichte des Kampfs zwischen dem Veteranen und dem irisch-stämmigen Polizisten zu ihrem überraschenden Ende kommt.
    Ian McGuire schickt zwei Einzelgänger in einen gnadenlosen Kampf, die beide als Kinder in Armut und Gewalt aufgewachsen sind. Vor dem historischen Hintergrund des Aufstandes von 1867 und der Todesurteile gegen drei Männer schildert McGuire die trostlosen Lebensbedingungen im Irland des 19. Jahrhunderts in eindringlichen Bildern. Für jede Seite des Kampfes zwischen Fenians und der Polizei der verhassten Briten zeichnet McGuire stellvertretend eine Figur mit guten und bösen, weichen und harten Zügen. Auf welcher Seite des Konflikts sie stehen, scheint außerhalb ihres Einflusses zu liegen. Beide Männer können nicht anders handeln, beide könnte man als Opfer von Armut und Gewalt sehen. Ihre Schicksale konfrontieren einen als Leser mit der Grundstruktur von ethnischen Konflikten und Bürgerkriegen. Wenn beide Seiten materielle Interessen am Fortdauern eines Konflikts haben, wenn ein Bürgerkrieg einzige Einnahmequelle der Beteiligten zu sein scheint, kann und will sich irgendwann niemand mehr ein Ende ausmalen.
    Weiterlesen
Anzeige

Ausgaben von Der Abstinent

Gebundene Ausgabe

Seitenzahl: 336

Besitzer des Buches 4

Update: