Über Menschen

Buch von Juli Zeh

  • Kurzmeinung

    eigenmelody
    Grandios. Brillante Gesellschaftsanalyse. Zudem wundervoll geschrieben. Als wäre es ein Leichtes.
  • Kurzmeinung

    serjena
    Hin und wieder fast ein wenig zu viel „Gutmensch“ - dennoch lesenswert

Zusammenfassung

Inhaltsangabe zu Über Menschen

Trauen wir uns, Mensch zu sein? Dora ist mit ihrer kleinen Hündin aufs Land gezogen. Sie musste dringend raus aus der Stadt, auch wenn sie nicht genau weiß, wovor sie auf der Flucht ist. Großstadt, Lockdown, stressiger Job, ein übereifriger Freund, dazu Donald Trump, Brexit und Rechtspopulismus – wann ist die Welt eigentlich dermaßen durcheinandergeraten? Dass Bracken, dieses kleine Dorf im brandenburgischen Nirgendwo, nicht die ländliche Idylle ist, von der manche Städter träumen, war Dora klar. Alle haben sie vor der Provinz gewarnt. Jetzt sitzt sie trotzdem hier, in einem alten Haus auf einem verwilderten Grundstück, mit einem kahlrasierten Nachbarn hinter der Gartenmauer, der sämtlichen Vorurteilen zu entsprechen scheint. Doch dann passieren Dinge, die ihr Weltbild ins Wanken bringen. Sie trifft Menschen, die in kein Raster passen, und steht vor einer Herausforderung, die Antwort auf die große Frage verlangt, worauf es im Leben eigentlich ankommt. Juli Zehs neuer großer Roman erzählt von unserer unmittelbaren Gegenwart und den Menschen, die sie hervorbringt. Von ihren Befangenheiten, Schwächen und Ängsten. Und von ihren Stärken, die zum Vorschein kommen, wenn sie sich trauen, Mensch zu sein.
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Bewertungen

Über Menschen wurde insgesamt 54 mal bewertet. Die durchschnittliche Bewertung liegt bei 4,1 Sternen.

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Meinungen

  • Grandios. Brillante Gesellschaftsanalyse. Zudem wundervoll geschrieben. Als wäre es ein Leichtes.

    eigenmelody

  • Hin und wieder fast ein wenig zu viel „Gutmensch“ - dennoch lesenswert

    serjena

  • Eine Geschichte die berührt, bewegt, zum Lachen bringt & zum Nachdenken!

    Cordi

Rezensionen zum Buch

  • Rezension zu Über Menschen

    Seit ich das Buch gestern Abend beendet habe, läuft es durch meinen Kopf; es ist schwierig, die Gedanken zu sortieren.
    Meine Befürchtung, auch hier von Corona verfolgt zu werden, erfüllte sich nicht: Nach dem Kapitel "Robert", in dem es um die Corona-Phobie ihres Lebenspartners geht, bildet die Pandemie quasi den Hintergrund ab, auf dem die Personen handeln. Man weiß, dass sie wütet, man hat sich zu schützen, aber sie beherrscht Doras Alltag weniger als in Berlin, wo Robert ihre Vorsichtsmaßnahmen bewachte.
    Wer jemals von der Stadt aufs Land zog, darf einige Male ein Déjà-vue erleben. Die Nachbarschaftshilfe einerseits. Gerüchte, Klatsch und Aufdringlichkeit andererseits. Abgeschnitten von Verkehrsbetrieben, Geschäften und medizinischer Versorgung ist man auf ein Auto angewiesen. Das ist in Rheinland-Pfalz nicht anders als in Brandenburg.
    Mit dem Hauptthema kämpfe ich. Natürlich darf ein Autor eine Person erschaffen, die Nazi UND sympathisch ist (immerhin wurden auch schon Mörder als literarische Identifikationsfiguren gestaltet). Zeh setzt den Nazi auch nicht kommentarlos in einen leeren Raum, sie setzt ihn in den Kontext tatsächlicher rassistischer Gewalt (George Floyd) und bezieht Stellung durch ihre Protagonistin. Aber ganz wohl ist mir bei der Sache trotzdem nicht.
    Dennoch: Wenn Juli Zeh genau das wollte, diesen Zwiespalt im Leser erzeugen, ein ständiges „Ja, aber ...“, womit auch Dora sich plagt, hat sie ihr Ziel erreicht.
    Sehr konstruiert:
    […]
    Dann hast Du ein anderes Buch gelesen als ich. Bei meinem ist es die personale Perspektive.
    […]
    Und wenn es anders herum wäre: Ein Mensch, der dir sehr nahe steht, z.B. dein Bruder, schließt sich auf einmal der AfD an, postet rassistische und Menschen verletzende Bemerkungen auf fb oder einschlägigen Plattformen. Was machst Du, bzw. was zählt mehr? Die innere Verbundenheit oder die politische Gesinnung?
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  • Rezension zu Über Menschen

    Ein neuer Roman von Juli ZEH ist sowieso schon ein literarisches Ereignis (auf jeden Fall hinsichtlich der erwartbaren Verkaufszahlen). Hangelt sich ein solches Werk hautnah am Puls der Zeit entlang, bekommt es den Charakter eines politischen Statements. Das ist um so unvermeidbarer, als sich die Autorin auch auf anderen Kanälen in den gesellschaftlichen Diskurs offensiv einbringt.
    Es geht daher im Folgenden um ein Buch und um die darin lancierten Botschaften.
    ZEH beschreibt aus der Ich-Perspektive die Erlebnisse einer jungen - und bis dahin erfolgreichen - Werbetexterin, die sich im Rahmen einer Beziehungskrise aus dem quirligen und überdrehten Berlin in das ländliche brandenburgische Umfeld zurückzieht.
    Sie trifft dort (erwartungsgemäß) auf extrem ungewohnte und irritierende Strukturen, nicht nur räumliche, sondern vor allem soziale bzw. menschliche (daher auch der Titel, der natürlich auch noch ein Wortspiel enthält).
    Was dann erzählt wird, kann am ehesten als eine Art modernes Märchen beschrieben werden: Trotz ungünstigster Ausgangsbedingungen entwickeln sich Bezüge und Beziehungen, weil sich - wer hätte das gedacht - hinter den Zuschreibungen, Selbstinszenierungen und Klischees echte Menschen verbergen.
    Damit diese Grundbotschaft auf jeden Fall verstanden wird, trägt die Autorin ziemlich dick auf: Statt Risse in den Selbst- und Fremdbildern zu beleuchten, wird gleich eine wundersame Gegenrealität aufgespannt.
    Konkret heißt das: Der wahre Kern des vermeintlich Bösen und Abstoßenden ist nicht nur freundlich und hilfsbereit, sondern auch verletzlich und sensibel. Damit das auch ausreichend emotional aufgeladen wird, geht es auch um ein zugleich vernachlässigtes und geliebtes Kind, um unheilbare Krankheiten, einen Über-Vater und eine süße Hündin mit einem Männernamen.
    Alles ein bisschen dolle...
    Während ZEH also die mitgebrachten Vorurteile der Protagonistin Schritt für Schritt zerlegt und damit eine Lanze für die missverstandenen und abgewerteten Provinzler bricht, rechnet sie auf der anderen (urbanen) Seite geradezu unbarmherzig mit der maßlos überdrehten Klima- und Coronawelt ab.
    Hier lugen die persönlichen Einstellungen der Autorin wohl am deutlichsten hervor: Greta Thunberg hat aus dem Partner der geflüchteten Kreativen endgültig einen zwanghaften Klima-Irren gemacht; die Corona-Einschränkungen gilt es in erster Linie als bürokratischen Schwachsinn zu belächeln. Holzhammer, ich hör dich sausen...
    Auch die Figur der Ich-Erzählerin machte mich als Leser ratlos. Sie wirkt - angesichts ihrer beruflichen Karriere - oft irritierend naiv. Gut, solche inneren Widersprüche können ja eine Romanfigur durchaus interessant machen.
    Als absolut überfordernd habe ich aber wahrgenommen, dass die aus grün-links-liberalen Milieu stammende Medienfrau ihre Verbrüderung mit der archaischen Landbevölkerung vorrangig durch gemeinsames Rauchen (gemeint sind wirklich normale Zigaretten), Biertrinken, Herumfahren in Diesel-Pickups und Grillen ganzer Fleischberge zelebriert.
    Juli ZEH badet ganz offensichtlich in ihrem Anti-Mainstream-Bedürfnis. Man könnte auch sagen: Ihr - lobenswertes - Verständnis für den bodenständigen Teil unserer Gesellschaft entwickelt sich mehr und mehr zu einer unkritischen Anbiederung.
    Zum Schluss ein Wort zur Sprache. Auch in diesem Roman schafft ZEH wunderschöne Sprachbilder. Das kann sie. Hier stellt sich spontan Lesevergnügen ein.
    Ein paar Zeilen weiter ist man nicht mehr ganz sicher, ob nicht einige Warnschilder übersehen wurden, auf denen stand "Vorsicht Kitsch".
    ZEH legt einen Roman vor, mit dem sie auf der einen Seite Türen öffnet (und damit aufklärerisch und verbindend wirkt); auf der anderen Seite rechnet sie ab - und kappt dadurch die Fäden, die ja eigentlich die Gesellschaft zusammenhalten sollten.
    Warum tut sie das?
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  • Rezension zu Über Menschen

    Ich war sehr zwiegespalten wie ich „Über Menschen“ bewerten soll. Bis zur letzten Seite habe ich mit mir gekämpft, denn das Buch hat sämtliche Reaktionen bei mir hervorgerufen.
    Juli Zeh lese ich so gerne, sie kann einfach schreiben und Gedanken klar fassen. Besonders beeindruckend finde ich bei ihrem neuesten Buch den tagesaktuellen Bezug. So stellt sie die Hysterie und Unsicherheit, die im März/ April 2020 aufgrund Corona herrschten (und immer noch andauern) überzeugend dar und setzt sich auch kritisch damit auseinander.
    Die meiste Zeit über und im Großen und Ganzen fand ich es „grandios“. Ich bezeichne ein Buch nicht so schnell als grandios, hier hatte ich aber immer wieder diesen Gedanken. Vielleicht weil Juli Zeh diese Gedanken zu Papier gebracht hat, die ich im letzten Jahr immer wieder im Kopf hatte.
    Sie beleuchtet alle Seiten der Pandemie und die Kritik ist klar formuliert. Ich werde nie verstehen und nachvollziehen können, wie Menschen kein kritisches Denken praktizieren. Warum nur nachgeplappert und Gegenteiliges diffamiert und abgeschmettert wird. In meinem Studium und Beruf musste ich immer differenzieren, Quellen überprüfen und Alternativen finden. Eine Verhältnismäßigkeitsprüfung gehört zu den Grundlagen. Man ist kein Querdenker oder Coronaleugner, wenn man einen Grundrechtseingriff auf seine Verhältnismäßigkeit prüft. Da ist man eher Jurist etc. Was mich im letzten Jahr zum Verzweifeln brachte, war weniger Corona, sondern die Dummheit und Engstirnigkeit der Menschen (in beide Richtungen: Leugner und hardcore Befürworter). Keiner davon hat auch nur den Hauch einer Ahnung von den Grundlagen, agiert aber als wäre er Staatsrechtler oder gleich beim BVerfG.
    Genau das greift Zeh immer wieder auf und zeigt auch auf witzige Art die Absurdität dieser Extreme.
    Einen Kritikpunkt habe ich allerdings: Gote, der „Dorf-Nazi“. Er wird auf teilweise auf sympathische Art dargestellt (wobei das eher auszugshaft geschieht und das Menschliche klar vor einem Sympathisieren steht), allerdings kann ich keine Sympathie für ihn empfinden, auch keine Empathie.
    Vielleicht ist das zu kurz gedacht, aber ich kann mir nur vorstellen, dass man einen Nazi nur als sympathisch/ menschlich empfinden kann, wenn man keinen Migrationshintergrund und keinerlei Erfahrung mit Fremdenfeindlichkeit hat (nach dem Motto, was mich nicht persönlich betrifft, stört mich nicht).
    Das bereitet mir bei diesem Buch auch Magenschmerzen. Ich bin größtenteils pro Juli Zeh und gehe mit ihren Ansichten konform. Man merkt einfach, dass sie Ahnung hat. Aber hier macht mich diese Darstellung vom netten Nazi etwas betroffen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Gote so nett gewesen wäre, hätte seine Nachbarin Dora Migrationshintergrund.
    Dennoch bin ich nicht Dora und wenn sie mit einem Nazi klarkommt, ist das ihr Ding. Ich würde es nicht.
    (Und wenn ich ein schlechterer Mensch bin, weil ich in einem Nazi nicht nur einen Menschen sehe und Toleranz zeige, dann kann ich gut damit leben. Vielleicht habe ich das Buch aber auch nicht/ anders verstanden.)
    Im Ergebnis ist „Über Menschen“ ein kritisches Buch. Es zeigt alle möglichen Auffassungen auf und ist aktueller denn je (denn leider haben viele Politiker nichts aus einem Jahr Pandemie gelernt und ich möchte nicht wissen, wie sie handeln würden, wäre im Herbst nicht Bundestagswahl).
    Es ist ein Buch, dass mich stark gefordert hat, weniger die Thematik, eher die Gedankengänge. Es war für mich eine pure Reflexion.
    Ob Juli Zeh nun für Menschlichkeit und Empathie mit Nazis „wirbt“ oder nicht, ist mir im Ergebnis letztendlich egal. Ich bin ein mündiger, selbstständig denkender Mensch mit einem (ich denke doch) durchschnittlichen IQ und kann selbst meine Schlüsse ziehen bzw diese „Einstellung“ hinterfragen. Nur weil jemand für Toleranz wirbt, heißt das nicht, dass man es 1:1 übernehmen und es ohne eigenes Denken leben muss.
    Zudem muss man auch differenzieren. War jemand Nazi und bereut es, ist das meiner Meinung nach etwas anderes als wenn er es nach wie vor aktiv ist.
    Differenzierung ist wahrscheinlich das Zauberwort bei diesem Buch (und auch im Leben).
    Bei Zeh gibt es kein schwarz oder weiß (leider geht das aktuell immer mehr verloren).
    Ein facettenreiches Buch, dessen Lektüre auf jeden Fall bereichernd ist.
    Puh, das war jetzt mein ausführlichster und längster Beitrag hier im Forum, in Zukunft wird es wieder kürzer.  
    […]
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  • Rezension zu Über Menschen

    Berlin Anfang 2020, Corona schreckt bereits, die Klimadebatte nicht mehr so drängend.
    Dora mit Hündin Jochen und Fahrrad Gustav von Berlin nach Bracken. Das kann lustig werden? Wenn’s nach Zeh geht nicht unbedingt, vielleicht zwischendurch.
    Wer kämpft hier? Stadt gegen Land, Stadt gegen Menschen, Mensch gegen Land, oder überhaupt umgekehrt oder Mensch gegen Mansch, eigentlich.
    Und da ist wieder, das Tier und der Mensch, die kleine Hündin Jochen-der-Rochen und Dora. Robert oder Jochen-der-Rochen. Keine Chance gegen Jochen… und schon gar nicht gegen Dora mit Jochen…
    Dora, arbeitet in einer Werbeagentur ist Pragmatikerin, Robert das Gegenteil von ihr und deshalb bald Geschichte.
    Dafür ist sie in Bracken nun „Unter Leuten“ – wer hätte das gedacht. Zeh versteht das Wortspiel, sie spielt mit Worten.
    Landflucht, das Ereignis eines geheimen Programms zum Bevölkerungsaustausch .
    Das berauschende Gefühl von Freiheit, das sich einstellt, wenn man beschlossen hat, auf alles zu scheißen .
    Dem Leben beim Stattfinden zu schauen. Um einmal nach dem Rechten zu sehen, kann ja so falsch gar nicht sein .
    Eine Erstverschlechterung, nach der es jetzt aufwärts geht. Wer kein Glück verlangt, wird nicht vom Unglück bestraft .
    Was ist der Unterschied zwischen einem Realisten und einem Illusionisten? Der Realist sagt, dass ein Vogel mit einem Schnabel nicht lachen kann, der Illusionist sagt, der Vogel lächelt.
    Das Leben von Sadie ist krass und Zehs Einlassungen so krass, dass es dir die Nackenhaare aufstellt.
    Ruhe und Einsamkeit wünschte sich Dora, bekommt jedoch Grote, den Dorfnazi als Nachbarn und Franzi, seine Tochter und spielt Familie bis sie wieder genau das bekommt was sie sich gewünscht hat: Ruhe und Einsamkeit, damit hat sich der Kreis geschlossen.
    Fesselnder wie aufschreckender Schreibstil, nüchtern, nicht ohne Ironie, treffgenau, tut weh und doch nicht romantisch verklärend. Zeh ist und bleibt literarisches Phänomen.
    Jochen auf dem Cover fragt sich: „Wann geht’s wieder zurück nach Berlin?“
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Ausgaben von Über Menschen

Hardcover

Seitenzahl: 416

Taschenbuch

Seitenzahl: 416

E-Book

Seitenzahl: 417

Besitzer des Buches 82

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