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Das Leben, ein ewiger Traum

Buch von Helene Sommerfeld

  • Kurzmeinung

    Books and more
    Ein spannender Auftakt, der Lust auf Band 2 macht
  • Kurzmeinung

    hennie
    Diesen Roman fand ich spannender als viele Krimis!

Zusammenfassung

Inhaltsangabe zu Das Leben, ein ewiger Traum

Stadt des Glanzes, Stadt des Elends Berlin, 1920: Nach den dunklen Kriegsjahren zieht der Glanz der Metropole Menschen aus aller Welt an. Auch Magda Fuchs hofft nach einem schweren Schicksalsschlag hier auf einen Neubeginn. Doch als Polizeiärztin lernt sie schon bald die Schattenseiten der schillernden Großstadt kennen. Vor allem die Schicksale der zahllosen verwahrlosten Kinder halten sie nachts wach. Sie werden skrupellos verkauft, aber die Polizei unternimmt nichts dagegen. Unerwartete Unterstützung erhält Magda von der sich zunächst ruppig gebenden Fürsorgerin Ina und dem etwas fahrigen, aber engagierten jungen Kommissar Kuno Mehring. Mutig bewegt sich Magda in einer Welt aus Korruption und Verbrechen. Doch dann bietet sich ihr die Chance ihres Lebens, von der sie nicht einmal zu träumen gewagt hatte … Polizeiärztinnen gab es ab 1900 in Berlin. Diese standen zwar im Dienst der Polizei, führten jedoch keine polizeilichen Arbeiten aus, sondern waren zuständig für die medizinische Betreuung der Opfer von Gewaltverbrechen, insbesondere an Frauen und Kindern. Zusätzlich kümmerten sie sich um die gesundheitliche Versorgung der zahlreichen Prostituierten in den Zwanzigerjahren. Das Amt einer Polizeiärztin wurde für eine geringe Entlohnung nur nebenberuflich bekleidet.
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Serieninfos zu Das Leben, ein ewiger Traum

Das Leben, ein ewiger Traum ist der 1. Band der Polizeiärztin Magda Fuchs Reihe. Diese umfasst 3 Teile und startete im Jahr 2021. Der letzte bzw. neueste Teil der Serie stammt aus dem Jahr 2022.

Über Helene Sommerfeld

Hinter dem Pseudonym Helene Sommerfeld verbirgt sich ein Autoren-Ehepaar, das gemeinsam die Serie "Die Ärztin" verfasste. 2018 erschien der erste Band "Das Licht der Welt". Mehr zu Helene Sommerfeld

Bewertungen

Das Leben, ein ewiger Traum wurde insgesamt 25 mal bewertet. Die durchschnittliche Bewertung liegt bei 4,6 Sternen.

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Meinungen

  • Ein spannender Auftakt, der Lust auf Band 2 macht

    Books and more

  • Diesen Roman fand ich spannender als viele Krimis!

    hennie

  • Faszinierend intensives Leseerlebnis

    Tine13

Rezensionen zum Buch

  • Rezension zu Das Leben, ein ewiger Traum

    Licht und Schatten
    Polizeiärztin Magda Fuchs – das Leben, ein ewiger Traum, Roman vom Autoren-Ehepaar Helene Sommerfeld, EBook erschienen bei dtv.
    Einstiegsband der Polizeiärztin-Serie
    Magda Fuchs verlässt nach einem grausamen Schicksalsschlag ihre Heimat um in Berlin als Polizeiärztin ein neues Leben zu beginnen. Dort lernt sie jedoch bald die Schattenseiten der glitzernden Metropole kennen. Doch auch sie erkennt, dass es eine Zeit ist in der Frauen ihre Stärken entdecken, besonders gehen ihr die Schutzlosesten der Gesellschaft die Kinder zu Herzen, zusammen mit der Fürsorgerin Ina und Kommissar Kuno Mehring setzt sie alles daran ihr Leid zu mindern.
    Das Buch besticht durch die bildhaft geschilderte Zeit in Berlin in den beginnenden Goldenen Zwanzigerjahren, eine Riesenstadt voller Reichtum, bitterster Armut, Glanz, Gewalt, Licht und Schatten. Besonders die anschaulich dargestellten armseligen Verhältnisse in denen die Ärmsten vor allem die Kinder hausen, haben mich betroffen gemacht. Die einzelnen Kapitel haben Titelüberschriften, die den Inhalt zusammenfassen. Ein ausführliches Personenregister ist zu Beginn des Romans platziert, sehr hilfreich bei der Fülle der agierenden Charaktere, leider kann ein solches Personenverzeichnis bei einem EBook nur umständlich benutzt werden. Das Autorenduo schreibt flüssig und im auktorialen Erzählstil, zu jeder Zeit kann der Überblick über das Geschehen vom Lesenden bewahrt werden. Gewöhnungsbedürftig fand ich anfangs die abrupten Szenenwechsel.
    Ein opulentes Buch gefüllt mit sehr vielen interessanten und vielfältigen Figuren, allesamt tief charakterisiert. Die kleine Elke, das milieugeschädigte Apfelmädchen Kulle, die nach Ruhm gierende Doris, die verwöhnte und behütete Celia, die in größte Schwierigkeiten kommt, besonders sympathisch auch die zupackende Ina oder die patente und herzensgute Köchin Liesl. Über Doris, die zum Glanz werden wollte, oder die undurchschaubare mit Standesdünkel behaftete Pensionsbesitzerin Agnes Fahrland. Meine Lieblingsfiguren, die Protagonistin Magda, stark und kompetent, die die Grätsche, zwischen Mitgefühl und nach Polizeivorschriften zu handeln, hervorragend meistert. Dazu der kluge und menschliche Kommissar Mehring, ein sympathisches Duo. Ich habe im Buch so viele Menschen ins Herz geschlossen, Magdas Familie z.B., Josefine und ihre Eltern und hoffe sie in den weiteren Büchern wiederzusehen.
    Ein weiterer interessanter Aspekt sind die historischen Figuren die dem Leser Buch begegnen, die Fotografin Frieda Riess oder die Bildhauerin Renée Sintenis, die Skulpturen für die Damenhandtasche schuf. Ein Buch voller Zeit- und Lokalkolorit, ich hatte manchmal das Gefühl mittendrin zu sein in der Spreestadt, der Kulturmetropole der 20er Jahre. Cafés, Tanz und Varieté aber auch auf den Hinterhöfen der Armen.
    Mir hat das Buch sehr gut gefallen, hat mich bestens unterhalten, die Spannung war gleichbleibend hoch. Die Charaktere waren voller Leben und handelten zu jeder Zeit glaubwürdig. Oft wird die wörtliche Rede verwendet, nicht selten auch in Berliner Mundart, die es schafft, mich vollständig in die Handlung und die Umgebung zu involvieren, lebendig und glaubwürdig die Geschichte darzustellen. Ein derber Cliffhanger hat mich auf den Folgeband neugierig gemacht. Ein gelungener Serienauftakt. Von mir 5 Sterne.
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  • Rezension zu Das Leben, ein ewiger Traum

    Magda Fuchs will sich nach einem Schicksalsschlag nun in ihre neuen Aufgaben als Polizeiärztin stürzen. Dabei lernt sie die anderen Seiten von Berlin kennen, denn es gibt neben der Glitzerwelt auch große Not. Sie will sich nun für die Schwächsten der Gesellschaft, nämlich die verwahrlosten Kinder, einsetzen. Ina Dietrich hat als Fürsorgerin ebenfalls mit diesen armen Kindern zu tun. Die Frauen freunden sich an. Aber auch die Rechtsanwältin Ruth Jessen kümmert sich nicht um Konventionen und die junge Celia von Liebenau möchte gerne Medizin studieren, aber sie muss erst einmal aus der Zwangsehe mit einem viel älteren Bankier freikommen.
    Dies ist der erste Band der Trilogie „Die Polizeiärztin“ und er hat mir gut gefallen. Der Schreibstil liest sich sehr angenehm.
    Das Berlin der Zwanziger Jahre bietet so viele Facetten. Können die jungen Frauen, die das Schicksal zusammengeführt hat, hier ihren Weg gehen und ihr Leben selbstbestimmt leben?
    Die Charaktere sind gut und authentisch dargestellt. Magda bekommt in ihrem Job einiges zu sehen und ernüchtert stellt sie fest, das Berlin für die Ärmsten der Armen keine Chancen bietet. Sie versucht mit ihren Freundinnen etwas dagegen zu tun. Mir haben diese Frauen gut gefallen, die in einer männerdominierten Umgebung ihren Weg gehen wollen und sich dabei nicht um Konventionen kümmern.
    Es ist erschreckend mitzuerleben, wie viel Gewalt und Armut es gibt. Interessant fand ich aber, wie die Polizeiarbeit in dieser Zeit verläuft. Die Kenntnisse über eine vernünftige Spurensicherung setzt sich erst langsam durch und auch die Rechtsmedizin steckt noch in den Anfängen. Doch von den neuen Methoden halten viele Polizisten nichts. Es ist verwunderlich, dass man unter diesen Bedingungen überhaupt Täter überführen konnte.
    Es ist ein packender, aber auch ziemlich düsterer Roman, der neugierig macht auf die Fortsetzung.
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  • Rezension zu Das Leben, ein ewiger Traum

    Ich liebe es!
    Ich mag es sehr, wenn ich in das Leben der damaligen Zeit abtauchen kann, sie lebendig wird. Und das Autorenpaar schafft das hier in perfekter Weise. Dazu tragen auch die verschiedenen Perspektiven der Protagonisten bei. Zum einen hat man hier natürlich die Polizeiärztin Magda, die Medizin studiert hat und einem Beruf nachgeht. Auf der anderen Seite Celia, die die hübsche "kleine Frau" für ihren Mann ist, aber gerne Medizin studieren möchte. Sie will mehr sein als ein Zierwerk für ihren Mann, will mehr als nur den Haushalt zu führen und sich in Zukunft vielleicht mal um ihre Kinder zu kümmern.
    Die Charaktere sind in diesem tollen historischen Roman großartig. Sie sind nicht perfekt, sondern verletzlich, nicht unfehlbar, sondern nahbar, authentisch und lebensecht. Mich hätte nicht überrascht, hätte ich Magda auf der Straße gesehen. Okay, vielleicht doch ein wenig. Aber nur, weil sie sich dann in der falschen Zeit befinden würde.
    Neben den Schicksalen der beiden Protagonisten wird zudem ein Bild der Gesellschaft, der Reichen und Armen geschaffen. Durch Magdas Arbeit lernt man vor allem das Leben letzterer kennen, in dem Kinder die Leidtragenden sind. Trotz der Besserung der Lebensumstände und der Lebensmittelversorgung nach dem Krieg, gibt es noch Leid, Armut, Hunger und Gewalt. Die traurigen Schicksale der Kinder werden eindrücklich und einfühlsam beleuchtet.
    Die tolle Geschichte erzählt mit einem wortgewaltigen Schreibstil den Aufbruch der Frauen, für sich selbst zu sorgen, eigenständig und unabhängig zu sein, einen Beruf auszuüben, ihre Träume zu leben; aber auch von den Schattenseiten, dem Hunger, der Armut, der Gewalt. Hier trifft Licht auf Schatten, reich auf arm. Abhängigkeit wird zu Freiheit.
    Fazit:
    Ich liebe dieses Buch! Ich konnte völlig in die Geschichte abtauchen, in die andere Zeit und das Leben von Magda und Celia eintauchen und habe gebannt die Handlung verfolgt. Ich bin gerade richtig traurig, dass ich das Buch ausgelesen habe. Und jetzt heißt es ein halbes Jahr auf den neuen Band warten. Schwierig nach dem Cliffhanger.
    Teils hat mich die Geschichte an die Hebammen-Saga von Linda Winterberg oder Fräulein Gold von Anne Stern erinnert. Also wer diese mochte, wird mit diesem Buch auch schöne Lesestunden haben.
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  • Rezension zu Das Leben, ein ewiger Traum

    Das Autorenduo Helene Sommerfeld hat mit diesem Buch einen sehr gelungenen Auftakt zu ihrer neuen Reihe rund um die Polizeiärztin Magda Fuchs vorgelegt.
    Magda Fuchs ist eine Figur, die mir sofort ans Herz gewachsen ist.
    Mit dem Herz am richtigen Fleck, viel Feingefühl und sturer Hartnäckigkeit nimmt sie sich den Sorgen und Ungerechtigkeiten der Menschen an. Vor allem die der Kinder. Denn diese scheinen zu diesen Zeiten niemanden zu interessieren. Womit Magda, Ina und Kommissar Kuno hier konfrontiert werden und was für Abgründe sich auftun, damit hätte die junge Ärztin niemals gerechnet. Und auch mich haben die Schicksale der Kinder nicht kalt gelassen und sehr betroffen.
    Die Stimmung ist dazu sehr düster und etwas drückend. Aber auch, durch die vielen Krimi-Elemente, sehr spannend. Für mich die perfekte Mischung.
    Das einzige mit dem ich zunächst ein wenig überfordert war, waren die vielen Charaktere. Denn neben Magda, Ina und Kuno, begleiten wir auch noch Celia, die sich aus ihrer Ehe befreien möchte, Doris, eine junge Frau die sich ihren Traum als großen Star verwirklichen möchte, Ruth, eine Rechtsanwältin die sich wenig um Konventionen schert und Erika, die sich als Polizeireporterin behaupten möchte. Diese ganzen Figuren überzeugen alle auf ihre eigene interessante Art und sind gut in den Roman eingebaut.
    Allerdings braucht man ein wenig Zeit um alle kennenzulernen. Aber wenn man sich dann ein wenig eingelesen und den roten Faden gefunden hat, ist es ein sehr spannendes und unterhaltsames Leseerlebnis.
    Mir hat dieser Ausflug in die zwanziger Jahre wieder sehr gut gefallen. Auch wenn ich schon viele Romane mit starken Frauen, zu dieser Zeit gelesen habe, so kann ich trotzdem nicht genug davon bekommen.
    Daher wird die Fortsetzung auf jeden Fall bei mir einziehen. Denn ich bin so gespannt, wie es nach diesem Ende weitergeht.
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  • Rezension zu Das Leben, ein ewiger Traum

    Ein spannender AuftaktInhaltsangabe:
    Berlin 1920
    Nach dem frühen Tod ihres Mannes beschließt die junge Ärztin Magda Fuchs ihre Heimat Hildesheim zu verlassen und zieht in die Metropole Berlin. Dort findet sie eine Anstellung als Polizeiärztin, aber die Arbeit ist keineswegs eine leichte. Prostitution, eheliche Gewalt und Kindesmisshandlung stehen auf der Tagesordnung. Wird sie den Schicksalsschlägen gewachsen sein oder kehrt sie bald wieder zu ihrer Familie zurück?
    Die junge Arzttochter Celia von Liebenau hat einen großen Traum: sie möchte in die Fußstapfen ihres Vaters treten und Medizin studieren. Dies allerdings missfällt ihrem Ehemann, der sie lieber als Hausfrau und Mutter sieht. Zwischen den beiden gibt es Differenzen und die letzte Distanz ist die Scheidung. Das dieser Weg kein einfacher sein wird, wird ihr nach einem tragischen Unglück mehr als nur bewusst. Wird sich ihr Traum dennoch erfüllen?
    Nach dem großen Erfolg ihrer Trilogie „Die Ärztin“ legt das Autorenpaar mit dem Auftaktband Die Polizeiärztin „Das Leben ein ewiger Traum“ einen weiteren Meilenstein vor. Ich muss gestehen, dass ich zwar die erste Bücherreihe besitze, aber sie aus Zeitgründen noch nicht gelesen habe. So durfte ich mit dem neuen Werk mein Debüt feiern. Das Cover und auch der dazugehörige Klapptext haben sofort meine Neugierde geweckt. Ich liebe historische Romane und wenn sie zudem auch noch in Berlin spielen, bin ich sofort Feuer und Flamme.
    Bereits ab der ersten Seite verliebte ich mich in den flüssigen und bildhaften Schreibstil von Helene Sommerfeld. Dank der detailgetreuen und faszinierenden Kulissenbeschreibung durfte ich die zwanziger Jahre ein und abtauchen. Man nannte diese Zeit auch die goldenen 20er Jahre. Allerdings war die Bezeichnung mehr Schein als Sein, denn es herrschte Nachkriegszeit. Wie in den allermeisten Großstädten beherrscht Hunger, Armut und Arbeitslosigkeit auch das Berliner Stadtbild. Die meisten Männer kamen als Kriegsverwundete nach Hause, Kinder wurden zum Betteln auf die Straße geschickt und die Prostitution florierte und genau diese Atmosphäre hat das Autorenpaar so brillant eingefangen, dass es mir ein herrliches Kopfkino beschert hat. Nicht nur das ich mich in diese Zeit zurückversetzt fühlte, ich hatte das Gefühl ein Teil des Geschehens zu sein. Die Charaktere wurden ausdruckstark, facettenreich und lebendig gezeichnet und durch die Einstreuung des Berliner Dialektes erhielt das Gesamtbild seine Authentizität. Die beiden Hauptprotagonistinnen Magda Fuchs und Celia von Liebenau gefielen mir sehr gut. Beide Frauen sind so unterschiedlich, aber haben dennoch sehr viel gemeinsam: sie müssen ihr Schicksal meistern. Dem Autorenpaar ist es hier mehr als nur gelungen, dass der Leser den beiden über die Schultern schauen und sie auf ihren Weg begleiten darf. Ich war erschrocken, über das, was den Kindern angetan worden ist. Nicht nur, dass sie zum Betteln geschickt worden sind, sondern auch von der häuslichen Gewalt oder gar von dem Verkauf der Kinder. Einfach grausam!
    Schade nur, dass dieses Buch mit seinen 539 Seiten so schnell ausgelesen war und zudem auch noch mit einem Cliffhanger enden musste. Jetzt heißt es bis Herbst 2021 warten und ich hoffe, dass der zweite Band genauso historisch und spannungsgeladen ist wie dieser hier.
    Was mir auch sehr gut gefallen hat, war am Ende dieses Romanes das Personalregister und wer mag, kann sich noch einmal informieren, wer mit wem in welchem Verhältnis steht.
    Ich kann nur eins schreiben: ein historischer und spannungsvoller Roman, der den Leser in die Goldenen Jahre nach Berlin entführt. Für mich ein wahrer Lesegenuss und deshalb 5 von 5 Sternen. Wer historische Romane liebt, dem kann ich dieses Buch nur ans Herz legen.
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  • Rezension zu Das Leben, ein ewiger Traum

    LEBENDIGE GESCHICHTE AUS DEM BERLIN VON 1920
    Ich kannte Helene Sommerfeld noch nicht. Das Autorenduo mit dem Frauennamen hat mich von der ersten Zeile an mitgenommen. Beide haben einen wunderbaren unterhaltenden Schreibstil. Die Charaktere sind authentisch, wie aus dem Leben gegriffen, sowohl die sympathischen als auch die unsympathischen.
    Um die Polizeiärztin Magda herum entwickelt das Ehepaar eine lebendige Geschichte, die mir die harte Realität im Berlin Anfang der zwanziger Jahre des 20. Jahrhunderts recht nah brachte.
    Die 30jährige Magda Fuchs verläßt ihren etwas verschlafen wirkenden Heimatort Hildesheim nach schweren Schicksalsschlägen. In der Hauptstadt möchte sie einen kompletten Neuanfang wagen. Sie will sich als ausgebildete Frauenärztin um Frauen und Kinder in Notlagen kümmern. Das ist sehr mutig. Gleich bei der Ankunft in Berlin schlagen ihr die rauen, sozialen Verhältnisse entgegen. Nachdem ihr der Koffer am Bahnhof gestohlen wurde, beschließt sie recht pragmatisch, nun ohne Gepäck sofort zur Arbeitsstelle zu fahren. Im Polizeipräsidium angekommen, wird sie direkt an einen Tatort gerufen. So erfährt sie recht schnell die düstere Realität, von der Armut, dem Elend, der Mangelernährung, den gesundheitlichen Zuständen der Kinder in den erbärmlichen Behausungen. Doch die ganze, unvorstellbare Katastrophe, die Alltag ist, wird sie nach und nach erfahren...
    Ich las sehr erwartungsvoll weiter über die Entwicklung Magdas und die der anderen weiblichen Personen: Doris, Ina, Celia, Erika. Auch die Männer erhalten Profil, aber das entwickelt sich langsamer im Verlauf der Geschichte. Am besten gefiel mir der junge Kommissar Kuno Mehring, der genau wie Magda leidenschaftlich, engagiert und mit Erfolgswillen in seinem Beruf agierte.
    Die Verhältnisse in dem widersprüchlichen Berlin Anfang der 20er Jahre lösen bei mir Assoziationen aus. Ich fühlte mich besonders, wenn es um Prostituierte, schwangere, junge Frauen oder um die bedauernswerten Kinder ging, an die Illustrationen Heinrich Zilles erinnert. Sein Milieu und die Berliner Schnauze findet man hier eindrücklich repräsentiert.
    Es ist auch ein Buch über starke Frauen, über ihren Aufbruch in eine andere Zeit, eine Zeit, in denen ihnen das erste Mal in der Geschichte die Verfassung weitgehend die gleichen Rechte einräumte wie den Männern.
    S. 298 „Dies ist unsere Zeit, die Zeit der neuen Frau. Einer Frau, die für ihre Interessen selbst eintritt.“
    Die Aufbruchstimmung für die Rechte der Frauen kommt in dem Kapitel „Frauen, die sichtbar werden“ sehr gut zum Ausdruck, ist gut zu spüren. Berühmte Frauen werden angeführt, die bekannte Bildhauerin Renée Sintenis, Frieda Riess, die erfolgreichste Fotografin der Weimarer Republik.
    „Das Leben, ein ewiger Traum“ ist ein gut gewählter Titel. Träumen kann man immer, aber wohl für die allerwenigsten werden sie wahr werden. Für die meisten Menschen war das Leben in dieser Zeit eher ein Alptraum.
    Das Jahr 1920, um das es im Buch hauptsächlich geht, gehörte keinesfalls zu den goldenen Zwanzigern. Berlins Schattenseiten stehen im Vordergrund, die grausamen Schicksale von Frauen und Kindern, der Kinderhandel. Die gesellschaftlichen Umstände sind weder glamourös, noch glänzend und auf keinen Fall golden. Es lohnt sich sehr, diesen Auftaktband zu einer Trilogie zu lesen. Ich fühlte mich bestens unterhalten. Helene Sommerfeld gelangen umfassende Einblicke in einen Teil der deutschen Geschichte, die den wenigsten von uns bekannt sein dürfte!
    Diesen Roman fand ich spannender als viele Krimis! Mit der Anzahl an Toten kann er es auf jeden Fall aufnehmen!
    Ich bin sehr neugierig auf den Fortsetzungsroman, der im Herbst 2021 erscheint.
    Von mir gibt es die Höchstbewertung und eine dringende Kauf-/Leseempfehlung.
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Ausgaben von Das Leben, ein ewiger Traum

Taschenbuch

Seitenzahl: 560

E-Book

Seitenzahl: 561

Besitzer des Buches 39

Update: