Die psychotische Gesellschaft: Wie wir Angst und Ohnmacht überwinden

Buch von Ariadne von Schirach

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Zusammenfassung

Inhaltsangabe zu Die psychotische Gesellschaft: Wie wir Angst und Ohnmacht überwinden

Angesichts einer immer verrückter werdenden Gegenwart ist es an der Zeit, uns wieder an unsere Würde, unsere Träume und unsere Verantwortung für unser eigenes und gemeinsames Leben zu erinnern. »Die psychotische Gesellschaft« ist eine hellsichtige Analyse unserer ökonomisierten Gesellschaft und zugleich ein leidenschaftliches Plädoyer für einen anderen Umgang mit Natur, Menschsein und Liebe. Selbstmordattentäter, Geflüchtete und populistische Präsidenten. Und dann spielt auch noch das Klima verrückt. Dieser krisenhafte Zustand hat viele Gründe. Die Ökonomisierung der Welt hat sich im 21. Jahrhundert fast vollendet. Sie betrifft schon lange nicht mehr nur das Sichtbare, sondern reicht tief in das Unsichtbare hinein: in das Soziale, in den Umgang mit uns selbst, den anderen und der Welt. Der Selbstwert ist zum Marktwert geworden, die Grenzen zwischen Ich und Welt verschwimmen. Das Resultat dieser kollektiven Identitätskrise ist eine psychotische Gesellschaft, deren Mitglieder weder wissen, wer sie sind, noch was sie sollen, und deshalb unfähig sind, mit sich und miteinander bewusst, wertschätzend und angemessen umzugehen. Doch jede Krise trägt in sich die Möglichkeit einer neuen Ordnung, sie ist eine Chance, unser Verhältnis zu uns, den Anderen und der Welt neu zu erzählen.
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Bewertungen

Die psychotische Gesellschaft: Wie wir Angst und Ohnmacht überwinden wurde bisher einmal bewertet.

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Rezensionen zum Buch

  • Rezension zu Die psychotische Gesellschaft: Wie wir Angst und Ohnmacht überwinden

    ... Wie wir Angst und Ohnmacht überwinden
    Verlagstext
    Angesichts einer immer verrückter werdenden Gegenwart ist es an der Zeit, uns wieder an unsere Würde, unsere Träume und unsere Verantwortung für unser eigenes und gemeinsames Leben zu erinnern. »Die psychotische Gesellschaft« ist eine hellsichtige Analyse unserer ökonomisierten Gesellschaft und zugleich ein leidenschaftliches Plädoyer für einen anderen Umgang mit Natur, Menschsein und Liebe.
    Selbstmordattentäter, Geflüchtete und populistische Präsidenten. Und dann spielt auch noch das Klima verrückt. Dieser krisenhafte Zustand hat viele Gründe. Die Ökonomisierung der Welt hat sich im 21. Jahrhundert fast vollendet. Sie betrifft schon lange nicht mehr nur das Sichtbare, sondern reicht tief in das Unsichtbare hinein: in das Soziale, in den Umgang mit uns selbst, den anderen und der Welt. Der Selbstwert ist zum Marktwert geworden, die Grenzen zwischen Ich und Welt verschwimmen. Das Resultat dieser kollektiven Identitätskrise ist eine psychotische Gesellschaft, deren Mitglieder weder wissen, wer sie sind, noch was sie sollen, und deshalb unfähig sind, mit sich und miteinander bewusst, wertschätzend und angemessen umzugehen. Doch jede Krise trägt in sich die Möglichkeit einer neuen Ordnung, sie ist eine Chance, unser Verhältnis zu uns, den Anderen und der Welt neu zu erzählen.
    Die Autorin
    Ariadne von Schirach studierte Philosophie in München und Berlin. Sie lehrt Philosophie und chinesisches Denken an der Berliner Universität der Künste, der HFBK in Hamburg und der Donau-Universität Krems. Sie arbeitet als freie Journalistin und Kritikerin und wurde bekannt als Autorin der Sachbuch-Bestseller »Der Tanz um die Lust« und »Du sollst nicht funktionieren«. 2016 erschien das psychologische Fachbuch „Ich und Du und Müllers Kuh. Kleine Charakterkunde für alle, die sich und andere besser verstehen wollen“.
    Inhalt
    Verhaltensoriginelle Staatsoberhäupter und Mega-Konzerne, die keine Steuern zahlen – unsere Gegenwart scheint gerade jede Dystopie in den Schatten zu stellen. Doch nationalistische Tendenzen und das Zurückschrauben von Gleichwertigkeit und Gleichberechtigung aller Menschen sind längst keine utopischen Spielereien mehr. Ariadne von Schirach vergleicht den Zustand allgemeiner Auflösung unserer Gesellschaft (nach Nicholas Luhmann) mit einer akuten Psychose aufgrund einer Funktionsstörung des menschlichen Gehirns. Ein Psychotiker ist sich selbst fremd, verliert die Unterscheidung zwischen seinem Ich und der übrigen Welt. Vorausschauendes Denken und Impulskontrolle kommen dem Erkrankten abhanden. Auf gesellschaftlicher Ebene vergleicht die Autorin die Erkrankung mit dem derzeitigen postfaktischen Zeitalter, in dem Zweifel an der Wirklichkeit und kollektive Wahnideen den gesunden Menschenverstand abgelöst haben.
    Das Bild eines Hauses, das unbewohnbar geworden ist, trägt von Schirachs kluge Analyse durch das gesamte Buch hindurch. Das Haus steht im Gegensatz zum öffentlichen Raum für Heimat und Geborgenheit, es vermittelt seinen Bewohnern Identität. Die Tradition, in der wir bauen, ob wir unsere Häuser einzäunen oder einen Blick nach innen gestatten, charakterisiert unsere Kultur. Die Trennung von privat und öffentlich ging bereits in der Antike zu Lasten von Frauen, Sklaven und Fremden, mahnt die Autorin. In einer ehemals offenen westlichen Kultur scheint aktuell die Abgrenzung zwischen innen/außen, fremd/vertraut, erlaubt/verboten verschoben. Mehrdeutiges, Widersprüchliches oder Veränderbares scheint keinen Platz mehr zu haben. „Wer für das Eigene keinen Sinn hat, kann das Fremde nicht begreifen.“ Dass jede Kultur hinterfragbar und veränderbar ist, geriet in der derzeitigen Wertekrise aus dem Blick. Eine Welt, die in einigen Bereichen unbewohnbar geworden ist, und Häuser, die ihre Bewohner nicht mehr schützen, stehen für eine kollektive Identitätskrise.
    Hochinteressant fand ich von Schirachs Beobachtung, der menschliche Focus sei beschränkt auf nur ein Objekt/Thema. Unsere Fähigkeit zur Fokussierung, unsere Wahrnehmungsfähigkeit und Urteilsfähigkeit nehmen ständig ab, während die Gleichzeitigkeit von Ereignissen in den Sozialen Medien in einer globalisierten Welt wachsende Anforderungen stellen. Ein beschränkter Fokus des typisch westlichen Individualisten könnte wachsende Intoleranz erklären und seine mangelnde Fähigkeit zur Einfühlung in andere. Die Ablehnung, ein Fremder könnte „so sein wie ich“ führt direkt zur Forderung nach einer geschlossenen Gesellschaft, nach patriarchalen, frauenfeindlichen und homophoben Strukturen.
    Von Schirach nennt eine ganze Liste von Ursachen, die in unsere virtuelle Scheinwelt geführt haben, vom Neoliberalismus (Reichtum für wenige, Abwälzung von Risiken und gesellschaftlichen Problemen auf das Individuum, ein der Wirtschaft gehorchender Staat, Verbrauch/Verkauf von Natur als Lebensgrundlage), über die komplette Vermessung und Kontrolle unserer Welt, das Outsourcen von Beziehung an bezahlte Kräfte, den Selbstoptimierungs- und Performancewahn des „Quantified Self“, die Gleichsetzung von Selbstwert und Marktwert und schließlich die Instrumentalisierung von anderen Menschen, die selbst soziale Beziehungen zur Ware macht.
    Nicht alle fiktiven Schicksale haben mich interessiert, die die Autorin zur Illustrierung ihres Welten-Modells im Buch auftreten lässt. Die Etikettierung einer ganzen Gesellschaft mit einer psychiatrischen Diagnose als süffiger Schlagzeile finde ich durchaus fragwürdig; denn ist das nicht genau jenes Werkzeug, das sich an Menschen "mit beschränktem Fokus" wendet?
    Fazit
    Die Frage, wie unser Horizont erweitert, unsere Urteilskraft gestärkt und unser Blickwinkel aus dem eigenen Haus wieder auf die „Polis“ gerichtet werden kann, muss jeder Leser für sich beantworten. Von Schirach liefert das Material dazu und zeigt sich mit klug gewählter, sehr aktueller Grundlagenliteratur als belesene Ratgeberin.
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Besitzer des Buches 1

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