Wellenjagd
Buch von Kem Nunn
Titel: Wellenjagd
Kem Nunn (Autor)
Verlag: Dumont Buchverlag
Format: Gebundene Ausgabe
Seitenzahl: 361
ISBN: 9783832150747
Termin: August 2002
Aktion
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Kurzmeinung
Jean van der Vlugt Surf-Noir unter Kaliforniens Sonne. Die Last der Erinnerungen: Was man verspielte! Woran man nie teilnahm! Großartig!
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Surf-Noir unter Kaliforniens Sonne. Die Last der Erinnerungen: Was man verspielte! Woran man nie teilnahm! Großartig!
Rezensionen zum Buch
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Rezension zu Wellenjagd
- Jean van der Vlugt
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21. Juli 2019 um 18:50
Der Autor (Wikipedia): Der 1948 in Pomona, Kalifornien geborene Kem Nunn ist ein US-amerikanischer Schriftsteller, Surfer, Journalist und Drehbuchautor. An der University of California, Irvine erwarb er einen Master of Fine Arts in Kreativem Schreiben. Fürs Fernsehen arbeitete er unter anderem an der HBO-Westernserie „Deadwood“, an der HBO-Bikerserie „Sons of Anarchy“, an der HBO-Surferserie „John from Cincinnati“ und an der Hulu-Forensik-Serie „Chance“.Weiterlesen
Werke:
Tapping the Source (1984) (dt. Nacht über Surf City (1990), Wellenjagd (2002))
Unassigned Territory (1986)
Pomona Queen (1992)
The Dogs of Winter (1997) (dt. Wo Legenden sterben (2006))
Tijuana Straits (2004)
Chance (2014)
Klappentext (DuMont): Ike kommt aus einem Kaff in der kalifornischen Wüste. Er ist an die Küste gefahren, um nach Lebenszeichen seiner Schwester zu suchen. Hier in "Surf City" verliert sich ihre Spur, bei den Motorradrockern und Wellenreitern, in der lärmenden Brandung des Pazifik. Alles, was Ike hat, ist eine Liste mit den Namen der drei Menschen, die womöglich hinter ihrem Verschwinden stecken.
Der Roman erschien zurerst im Original als „Tapping the Source“ im Jahr 1984 bei Delacorte Press in New York. 1990 erschien eine deutsche Übersetzung von Herbert Schuster als „Nacht über Surf City“ bei Ullstein, die durchgesehen und leicht korrigiert 2002 als „Wellenjagd“ bei DuMont in Köln veröffentlicht wurde. Diese Hardcover-Ausgabe hat einen Seitenumfang von 361 Seiten.
2018 erschien in Sven Regeners Hörbuchlabel „TRANSMONTANA BEI RITA“ als zweite Veröffentlichung eine von Sven Regener gelesene vollständige Hörbuchfassung des Romans.
Kem Nunns Surf-Noir ist eine Klasse für sich: Die unpeinliche Fortführung des von klassischen Hardboiled-Autoren wie Raymond Chandler und Ross Macdonald geprägten Stils - und entfernt sich dabei doch sehr vom rein Kriminalistischen und lässt die alten Storyschemata der Privatdetektivliteratur nur noch als fernes Echo anklingen: Ein Jungspund aus der Wüste, dem niemand viel zutraut, mit Schrauberverstand aber ganz ohne Erfahrung im Leben, sucht an der Westküste der USA nach seiner verschwundenen großen Schwester, nachdem er von einem namenlosen Mann den Tipp bekommen hat, dass sie in Surf City mit schlimmen Typen rumgemacht haben soll und von einer gemeinsamen Reise nach Mexiko nicht mehr zurückkehrte. Wieviel Wahrheit steckt in dieser Geschichte? Ein Zettel mit drei Namen wechselt den Besitzer. Und die Warnung, bei diesen Kerlen die allergrößte Vorsicht walten zu lassen. Was und warum bleibt unheilschwanger im Unklaren. In der Folge taucht der Roman zusammen mit seiner 18-jährigen Hauptfigur Ike in ihm völlig fremde Lebenswelten und Subkulturen ein - im Spannungsfeld von Surfern und Motorradrockern. In der abgeschlossenen, hierarchisch aufgezogenen Surfer-Welt von Huntington Beach so weit Fuß zu fassen, dass man überhaupt ungestraft Fragen stellen kann, dauert seine Zeit...
„Wellenjagd“ ist ein düsteres Buch unter der gleißenden Sonne Kaliforniens. Neben der Suche nach der Wahrheit schält sich als großes Thema die Last der Erinnerungen auf: Was man verspielte! Und welche Schuld man dabei auf sich lud. Aber auch: Woran man nie teilnahm! Erfahrungen, die einem immer fremd bleiben müssen, sei es, dass die Zeiten sich gewandelt haben, sei es, dass man selber nicht fähig oder bereit ist, diese Erfahrung überhaupt zu wagen. Alte Fotos, die einen faszinieren, Freiheiten, die andere hatten, das Glück in den Augen wagemutigerer Menschen, als man es selber ist. Der innere Ort, in dem Sehnsüchte entstehen. Wo man für sich auslotet, ob die eigene kriminelle Energie ausreicht, sich die Freiheit zu nehmen, die man sich auf Kosten anderer erhofft. Und wie man dann versucht, die Maschinerie aus Angebot und Nachfrage am Laufen zu halten. Wie man die Quelle anzapft und aus Drogengeschäften, Pornofilmen und den mörderischen Gelüsten der Oberreichen Geld schöpft. Wie man aus anderen Menschen Nutzen zieht, die nur "Teil der Maschine" sind, während man selbst nach den Hebeln greift. Und wie man dann gewissermaßen von der Welle überrollt wird, wenn die eigene Zeit abgelaufen ist. Der Platzhirsch von gestern ist schnell der sentimentale Verlierer von heute.
Ein beeindruckender, gewaltiger Roman über den moralischen Verfall einer Subkultur (man muss übrigens kein Surfer sein, um an dem Roman seinen Spaß zu haben) und darüber wie sich Eigennutz und Machtstreben auf das Freiheitsversprechen und den Hedonismus einer Gegenkultur aufsatteln, was alles in Zynismus und Abwertung und Gewalt enden lässt.
Auch wenn der Fortgang der Handlung manchmal schwerfällig und zu wortreich vonstatten geht und der Sprache eine gewisse Schwere und Geschwätzigkeit anhaftet, als sollte der jugendlichen Leichtigkeit des Aufbruchs ins erwachsene Leben partout die gute Laune verhagelt werden, war ich doch sehr gefesselt von der entschlossenen Härte dieser überzeugend entwickelten Fish-Out-of-Water-Geschichte. Ein Schwanengesang, Einblicke in die Welt des Wellenreitens und eine sehr hartgesottene Vermisstensuche (einschließlich hartem Sex und brutalen Prügeln), eine Suche, die immer stärker ihr Ziel aus den Augen verliert. Vergangenheiten, die sich nicht ändern lassen, Antworten, die niemanden glücklich machen.
Von der zwischenzeitlich vermuteten Höchstwertung ist mein Leseeindruck zwar immer stärker abgesunken, aber am Ende bleiben immer noch sehr lesenswerte vier Sterne für die Spannung und den besonderen Ansatz.
Ausgaben von Wellenjagd
Besitzer des Buches 1
Update: 24. Juli 2022 um 08:29



