Mit der Flut
Buch von Agnes Krup
Titel: Mit der Flut
Agnes Krup (Autor)
Verlag: Piper ebooks
Format: E-Book
Seitenzahl: 544
ISBN: 9783492977661
Termin: Oktober 2017
Aktion
Zusammenfassung
Inhaltsangabe zu Mit der Flut
Paul ist fast noch ein Junge, als er alles hinter sich lässt und zu einem neuen Leben nach New York aufbricht. Dort findet er, was ihm bei seiner Familie in Finkenwerder unmöglich war: eine gute Schulbildung, eine vielversprechende Anstellung und alle Chancen, etwas aus sich zu machen. Als er Antonina begegnet, scheint sein Leben perfekt. Aber Paul hat einen Traum: Er möchte Arzt werden und nur in Deutschland kann er sich diesen Wunsch erfüllen. Ein zweites Mal wagt er einen Neuanfang - und kommt im Jahr 1937 in ein Land, das er kaum wiedererkennt. Je länger er dort bleibt, desto unüberwindlicher werden die Grenzen zwischen seinem neuen und seinem alten Leben. Doch Antonina ist entschlossen und nicht bereit, Paul aufzugeben...
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Bewertungen
Mit der Flut wurde insgesamt 9 mal bewertet. Die durchschnittliche Bewertung liegt bei 3,6 Sternen.
Rezensionen zum Buch
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Rezension zu Mit der Flut
- Magdalena
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2. November 2017 um 19:14
Paul Benitt wächst in Finkenwerder bei Hamburg auf. Das Familienleben ist geprägt von harter Arbeit auf der eigenen Obstplantage, Paul selbst tritt schließlich auf Wunsch seiner Eltern eine Tischlerlehre an. Doch eigentlich hat er andere Sehnsüchte und schleicht sich mit Hilfe eines Freundes als blinder Passagier auf einem Überseedampfer ein. Er will etwas von der Welt sehen und in Amerika sein Glück versuchen. Davon kann ihn auch die erste Liebe nicht abhalten.Weiterlesen
In New York sind die ersten Jahre schwierig. Wohnraum ist teuer, die Arbeit in der Möbelfabrik nicht das, was ihn glücklich macht, die Sprache muss er erst einmal richtig lernen. Doch ein neuer Traum begleitet ihn - er würde liebend gerne Medizin studieren -, und er lernt Antonina kennen, die selbst erst als Elfjährige aus Sizilien zu ihren bereits einige Jahre zuvor ausgewanderten Eltern in die USA gekommen ist, und seine erste ernsthafte Liebesbeziehung beginnt.
Eines Tages muss er sich dann entscheiden: will er seine beruflichen Wünsche in die Tat umsetzen oder darauf verzichten und bei Antonina in New York bleiben? Wie folgenschwer diese Entscheidung sein wird, weiß das Paar zu diesem Zeitpunkt natürlich noch nicht, doch der Leser ahnt es, denn in Deutschland sind die Nazis an die Macht gekommen, und bald werden die Familien der beiden auf verschiedenen Seiten eines weltumspannenden Konflikts stehen.
Es ist keine Auswanderergeschichte, wie man sie schon tausendmal gelesen hat, was uns Agnes Krup hier serviert, keine glückstrahlende und ein wenig kitschige vom-Tellerwäscher-zum-Millionär-Story. Zwar beginnt das Buch so ähnlich, doch auf Pauls Ankunft in die USA folgt eben nicht nach wenigen harten Monaten ein kometenhafter Aufstieg. Er muss hart arbeiten, und auch die Beziehung zu Antonina ist nicht eitel Sonnenschein, sondern entwickelt sich manchmal eher holprig.
Die Kriegszeit in Deutschland schildert die Autorin sehr eindringlich und unsentimental, mit nur wenigen Bildern von der Front und umso mehr Augenmerk auf die Zivilbevölkerung. Die Episoden aus den furchtbaren Hungerwintern in den unmittelbaren Nachkriegsjahren sind dann fast noch beeindruckender.
Die Figuren sind knorrig, spröde, oft schwer zugänglich, ein bisschen wie die alten Apfelbäume auf den Wiesen der Benitts, es wird wenig geredet und auch häufig wenig Verständnis füreinander aufgebracht, im Mittelpunkt steht die Arbeit, der Hof, das Überleben.
Paul selbst macht eine eher negative Entwicklung durch, was teils natürlich an den politischen Umständen liegt, er wirkt ständig unzufrieden, fühlt sich fehl am Platz, trifft in Herzensdingen dumme, wenn auch manchmal durchaus nachvollziehbare Entscheidungen. Ein großer Sympathieträger ist er somit nicht, diese Rolle kommt anderen Figuren zu wie Antonina selbst, Pauls einfühlsamem Bruder Johann, der in der Familie ein bisschen aus der Art geschlagen scheint, oder Johanns quirlig-pfiffige Tochter Hella.
Es weht ein kühler Wind der Realität durch dieses ganze Buch, und genau deswegen habe ich es so gerne gelesen. Es erscheint mir als ziemlich getreues Abbild der Zeit, in der es spielt und porträtiert Land und Leute ohne allzu gefällige Klischees. Dazu passen auch die Dialogpassagen im Hamburger Platt (keine Sorge, diese nehmen nicht überhand) und die Art, wie zwischenmenschliche Beziehungen gezeichnet sind: bei weitem nicht immer idealtypisch, aber gerade deshalb so glaubhaft, mit Charakteren, an denen man sich ein wenig reiben kann, was in diesem Zusammenhang gar nichts Schlechtes ist. Ein bisschen wie im richtigen Leben.
Ausgaben von Mit der Flut
Besitzer des Buches 11
Update: 13. Februar 2025 um 14:12






