Wahl der BücherTreff Leserlieblinge

In 365 Büchern durch das Jahr 2018 / 1. Quartal

    • 54. Ein schlecht ins Deutsche übersetztes Buch

      Neu

      Nerys schrieb:

      bei dem das letzte Kapitel mit der Auflösung einfach mal komplett weggelassen wurde.
      :shock: :-#

      Castor schrieb:

      Wenn alle Bände von Gerald Jung und nicht von Andreas Brandhorst übersetzt worden wären, hätte ich die nicht mal mit der Kneifzange angefasst.
      Oh ja! Ich versuche immer an die Übersetzung von Brandhorst ranzukommen, wenn möglich. Das ist ein himmelsweiter Unterschied und ich bin froh, dass ich mit dieser Einschätzung nicht alleine bin.

      Seta schrieb:

      Einzig die Übersetzung der Namen ging gar nicht
      Das ist etwas, was mir an so manchen Buch nicht gefällt. Diese wortwörtliche Eindeutschung von Namen. Das gibt es ziemlich oft. Noch nicht gelesen, aber ich bin beim Klapptentext der Weitseher-Saga schon über eingedeutschte Namen gestolpert. Ich finde das überflüssig und es dürften gerne die Original Namen bleiben. Hier z.B. Prinz Edel und König Listenreich.


      Mir persönlich ist die Neu-Übersetzung von Wolfgang Schlüter eines meiner Lieblingsbücher "Sturmhöhe" unangenehm aufgestossen. Ich zitiere mich mal:

      Mittlerweile habe ich das Buch angefangen und nach ca. 100 Seiten weiß ich immer noch nicht so wirklich was ich davon halten soll. Es ist ist als wenn man ein komplett anderes Buch in der Hand halten würde. Und in dem Fall meine ich es nicht zwingend positiv. Wolfgang Schlüter bringt z.B. solche Stilblüten wie "&" statt "und" rein. Was mich mit der Zeit unheimlich beim lesen nervt. Und erklärt sich im Anhang sonstwas zusammen, warum er Dinge so und nicht anders übersetzt. Das Ganze natürlich auf einem literarisch hohen Tonfall, mit möglichst vielen Fremdwörter durchsetzt
      Bücher müssen mit soviel Überlegung und Behutsamkeit gelesen werden, als sie geschrieben wurden.
      Henry D. Thoreau




      :montag: Ich lese gerade
    • 54. Ein schlecht ins Deutsche übersetztes Buch

      Neu

      Die Dolly-Reihe habe ich zwar nur auf Deutsch gelesen, aber das hier sagt der Wikipedia-Artikel dazu:

      Von Enid Blyton stammen nur die Bände 1 bis 6 der Reihe. Die Namen der Figuren und Orte wurden eingedeutscht, die Übersetzungen weichen auch sonst erheblich von den englischen Originalen ab. Sie wurden vor allem gekürzt, teilweise fehlen ganze Kapitel.
    • 54. Ein schlecht ins Deutsche übersetztes Buch

      Neu

      Puh, eine schwierige Frage. Denn eine gute Übersetzung muss natürlich alle Holprigkeiten des Originals übertragen, darf nichts glätten. So wirkt manchmal eine "geschmeidige" Übersetzung besser, entspricht aber nicht dem Tonfall des Originals. Und dann endet man, wenn man sich als Leser mal zwischen zwei Übersetzungen entscheiden kann, nach kurzem Vergleichen der unterschiedlichen Übersetzer-Entscheidungen fast unweigerlich dabei, plötzlich alle Varianten unschön zu finden. Ich zum Beispiel neige dazu, bei den Büchern von John Fante die Neuübersetzungen von Alex Capus zu wählen, einerseits weil die älteren deutschen Übersetzungen teilweise zu Mondpreisen verhökert werden, andererseits weil sich in die alte deutsche Übersetzung des Romans "Warten auf Wunder" (OT: "Dreams from Bunker Hill") ein schöner Schnitzer eingeschlichen hat (Quelle: deutsche Wikipedia):
      • Original John Fante: „I went to the library. I looked at the magazines, at the pictures in them. One day I went to the bookshelves, and pulled out a book. It was ‚Winesburg, Ohio‘.“
      • dt. Übersetzung Karl H. Mayer & Barbara Pohl: „Ich ging zur Bibliothek. Ich schaute die Illustrierten an, die Bilder darin. Eines Tages ging ich an die Bücherregale und zog ein Buch raus. Es war ‚Ohio‘ von Winesburg.“
      • dt. Neuübersetzung Alex Capus: „Ich ging zur städtischen Bibliothek, blätterte in Illustrierten, schaute mir die Bilder an. Eines Tages kam ich an den Bücherregalen vorbei und zog ein Buch heraus. Es war ‚Winesburg, Ohio‘ von Sherwood Anderson.“
      Im Grunde scheint mir die alte deusche Übersetzung (aus dem Goldmann-Verlag, unten angehängt) recht nah am Original: Der Satz mit den Illustrierten und den Bildern ist ähnlich abgehackt wie im Englischen. Wirkt aber auf mich auch etwas unrund im Deutschen. Aber "Ohio von Winesburg" geht natürlich gar nicht! #-o Doch warum fügt Capus bei der Bibliothek noch das Adjektiv städtisch und am Ende den Verfassernamen Sherwood Anderson hinzu? Doch wohl um es "geschmeidiger" zu machen. Damit keine Fragen beim Leser zurückbleiben. :roll: Hätte jetzt auch nicht sein müssen. Aber gut... Doch das Original lesen? :wink:
      Tom Wolfe "Die Helden der Nation" (278/464)
      Wolfgang Müller "Subkultur Westberlin 1979-1989" (426/543)

      Jahresbeste: Denton Welch (2018), Willa Cather (2017), Adrian Tomine (2016), Derek Raymond (2015), James Agee (2014), Ken Kesey (2013), Jim Nisbet & Richard Ford (2012) :king:
      Gelesen: 14 (2018), 119 (2017), 180 (2016), 156 (2015), 77 (2014), 58 (2013), 39 (2012)
      Letzter Buchkauf: Oskar von Reuth (Hg.) "Das Abschnappuniversum" (13.2.)
    • Neu

      Farast schrieb:

      Seta schrieb:

      Einzig die Übersetzung der Namen ging gar nicht
      Das ist etwas, was mir an so manchen Buch nicht gefällt. Diese wortwörtliche Eindeutschung von Namen. Das gibt es ziemlich oft. Noch nicht gelesen, aber ich bin beim Klapptentext der Weitseher-Saga schon über eingedeutschte Namen gestolpert. Ich finde das überflüssig und es dürften gerne die Original Namen bleiben. Hier z.B. Prinz Edel und König Listenreich.
      Das nervt mich auch bei Game of Thrones!

      Jean van der Vlugt schrieb:

      Puh, eine schwierige Frage. Denn eine gute Übersetzung muss natürlich alle Holprigkeiten des Originals übertragen, darf nichts glätten. So wirkt manchmal eine "geschmeidige" Übersetzung besser, entspricht aber nicht dem Tonfall des Originals. Und dann endet man, wenn man sich als Leser mal zwischen zwei Übersetzungen entscheiden kann, nach kurzem Vergleichen der unterschiedlichen Übersetzer-Entscheidungen fast unweigerlich dabei, plötzlich alle Varianten unschön zu finden. Ich zum Beispiel neige dazu, bei den Büchern von John Fante die Neuübersetzungen von Alex Capus zu wählen, einerseits weil die älteren deutschen Übersetzungen teilweise zu Mondpreisen verhökert werden, andererseits weil sich in die alte deutsche Übersetzung des Romans "Warten auf Wunder" (OT: "Dreams from Bunker Hill") ein schöner Schnitzer eingeschlichen hat (Quelle: deutsche Wikipedia):
      • Original John Fante: „I went to the library. I looked at the magazines, at the pictures in them. One day I went to the bookshelves, and pulled out a book. It was ‚Winesburg, Ohio‘.“
      • dt. Übersetzung Karl H. Mayer & Barbara Pohl: „Ich ging zur Bibliothek. Ich schaute die Illustrierten an, die Bilder darin. Eines Tages ging ich an die Bücherregale und zog ein Buch raus. Es war ‚Ohio‘ von Winesburg.“
      • dt. Neuübersetzung Alex Capus: „Ich ging zur städtischen Bibliothek, blätterte in Illustrierten, schaute mir die Bilder an. Eines Tages kam ich an den Bücherregalen vorbei und zog ein Buch heraus. Es war ‚Winesburg, Ohio‘ von Sherwood Anderson.“
      Im Grunde scheint mir die alte deusche Übersetzung (aus dem Goldmann-Verlag, unten angehängt) recht nah am Original: Der Satz mit den Illustrierten und den Bildern ist ähnlich abgehackt wie im Englischen. Wirkt aber auf mich auch etwas unrund im Deutschen. Aber "Ohio von Winesburg" geht natürlich gar nicht! #-o Doch warum fügt Capus bei der Bibliothek noch das Adjektiv städtisch und am Ende den Verfassernamen Sherwood Anderson hinzu? Doch wohl um es "geschmeidiger" zu machen. Damit keine Fragen beim Leser zurückbleiben. :roll: Hätte jetzt auch nicht sein müssen. Aber gut... Doch das Original lesen? :wink:
      Die zweite Übersetzung ist wirklich nicht gut. "So nah wie möglich, so frei wie nötig" war im Englisch-Leistungskurs immer der Grundsatz bei Übersetzungen, den Capus hier überhaupt nicht einhält und den Charakter des Originals völlig kaputtmacht.
      Why say 'tree' when you can say 'sycamore'?
      (Leonard Cohen)
    • Neu

      Jean van der Vlugt schrieb:


      Im Grunde scheint mir die alte deusche Übersetzung (aus dem Goldmann-Verlag, unten angehängt) recht nah am Original: Der Satz mit den Illustrierten und den Bildern ist ähnlich abgehackt wie im Englischen. Wirkt aber auf mich auch etwas unrund im Deutschen. Aber "Ohio von Winesburg" geht natürlich gar nicht! #-o Doch warum fügt Capus bei der Bibliothek noch das Adjektiv städtisch und am Ende den Verfassernamen Sherwood Anderson hinzu? Doch wohl um es "geschmeidiger" zu machen. Damit keine Fragen beim Leser zurückbleiben. :roll: Hätte jetzt auch nicht sein müssen. Aber gut... Doch das Original lesen? :wink:
      Das Einfügen des Wortes "städtisch" ist wirklich überflüssig, denn auch im Englischen kann eine "library" sowohl die Stadtbücherei als auch die eigene Bibliothek sein. Das sollte sich aber (in beiden Sprachen) aus dem Gesamtzusammenhang erschließen. Den Verfassernamen hat Capus als Service am Kunden hinzugefügt. Wer weiß schon auswendig, von wem das Buch ist, wer hat vor allem die Zeit und die Lust, das nachzuschlagen? Solche Kleinigkeiten stören mich nicht.

      Ich gebe Dir aber Recht: Capus versucht tatsächlich, den Text geschmeidiger zu machen. Verlage lassen ältere Werke gerne neu übersetzen, um sie an den heutigen Lesegeschmack anzupassen. Solche Glättungen können dann aber auch im Lektorat passieren. Viele stilistischen Eigenheiten im Englischen funktionieren halt auf Deutsch nicht. Was sich Original flüssig lesen lässt, auch wenn die Sätze knapp gehalten sind, führt bei einer 1:1 Übertragung im Deutschen dazu, dass man ständig stockt, dass der Text sperrig und manchmal sogar unverständlich wird.

      Aber das Dilemma "Text und Stil möglichst nah übertragen" oder "Text lesefreundlich übersetzen" wird unter Literatur-Übersetzer/innen heiß diskutiert. Die Meinungen klaffen da weit auseinander. Es gibt Beispiele, wei man beides nicht machen soll. Ich glaube, es war bei der Übersetzung eines Buches von Herman Melville, da versuchte der Übersetzer tatsächlich den bereits im englischen ungewöhnlichen Stil Melvilles exakt ins Deutsche zu übernehmen, was dazu führte, dass er Sätze konstruierte, die fast nicht mehr lesbar waren. Und auf der anderen Seite der Skala findet man Bücher, die keinen eigenen Stil mehr haben, bei denen der Autor/die Autorin fast beliebig austauschbar sind. Ich denke, dass man hier einen goldenen Mittelweg suchen sollte, in dem man als Übersetzer/in versucht, so viel vom Stil des Autors zu übertragen, dass es der Text flüssig lesbar ist.
      Verführung Volljähriger zum Bücherkauf sollte nicht unter 5 Jahren Stadtbibliotheksmitgliedschaft bestraft werden!
    • Neu

      Magdalena schrieb:

      Die zweite Übersetzung ist wirklich nicht gut. "So nah wie möglich, so frei wie nötig" war im Englisch-Leistungskurs immer der Grundsatz bei Übersetzungen, den Capus hier überhaupt nicht einhält und den Charakter des Originals völlig kaputtmacht.
      Ich finde sie jetzt nicht völlig daneben. Aber auf jeden Fall neben der Spur. Zu elegant.

      Amethyst schrieb:

      Bücher, die keinen eigenen Stil mehr haben, bei denen der Autor/die Autorin fast beliebig austauschbar sind.
      Von einigen Neuübersetzungen der letzten Zeit war ich tatsächlich eher enttäuscht. Manches schien mir stromlinienförmig begradigt. Auch einige ruppige Krimis von früher (z.B. von Jim Thompson) haben ihren rotzigen Sprachstil zu Gunsten eines eher hochsprachlichen Tonfalls verloren.
      Ich bin ja zum Glück kein Anti-Übersetzungs-Schnösel. Und wenn die Übersetzung es schafft, dass ein ähnliches "Gefühl" zurückbleibt, bin ich es schon zufrieden. Ob man sich darauf verlassen kann? Wahrscheinlich leider nicht! Bei der Fante-Übersetzung von Capus bin ich da jedenfalls doch im Zweifel. Auch wenn die alte Übersetzung aller Orten als "holperig" bezeichnet wird. Vielleicht, wenn man ewig auf einzelnen verunglückten Formulierungen herumreitet. Aber das macht ja auch nicht glücklich. Inzwischen tendiere ich bei dem Fante-Roman jedenfalls zum Original. :-,

      Gonozal schrieb:

      Hier mal ein interessanter Artikel zu Übersetzungen.
      Interessante Zusammenstellung! :thumleft: Ich mochte vor allem "Captain Rinderherz". :loool: Darüber bin ich bei "Christine" letztens auch gestolpert. :wink:
      Tom Wolfe "Die Helden der Nation" (278/464)
      Wolfgang Müller "Subkultur Westberlin 1979-1989" (426/543)

      Jahresbeste: Denton Welch (2018), Willa Cather (2017), Adrian Tomine (2016), Derek Raymond (2015), James Agee (2014), Ken Kesey (2013), Jim Nisbet & Richard Ford (2012) :king:
      Gelesen: 14 (2018), 119 (2017), 180 (2016), 156 (2015), 77 (2014), 58 (2013), 39 (2012)
      Letzter Buchkauf: Oskar von Reuth (Hg.) "Das Abschnappuniversum" (13.2.)
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      Ich hab da auch keine Vergleichsmöglichkeiten, weil ich schlichtweg zu faul bin im englischen Original zu lesen. Und mir würden, zumindest eine ganze Weile bis ich wieder mehr "drin" wäre, die sprachlichen Feinheiten entgehen.
      Allerdings hatte ich schon manchmal das "Gefühl", eine Buch könnte schlecht übersetzt sein. Aber das ist heute nicht die Fragestellung :geek: .
    • Neu

      Ich bin auch kein Fachmann für Übersetzungen, und daher stößt mir nur
      ab und an was unangenehm auf.
      In diesem Fall der Untertitel von "Maus. The complete Story" von Art Spiegelman.
      Der heißt im Original "My father bleeds history" und dieser Untertitel ist so sehr passend -
      und im Deutschen heißt er : "Mein Vater kotzt Geschichte aus".
      Pfui Deibel.
      :study: Charles Dickens, David Copperfield (MLR)
      :musik: Hanya Yanagihara, Ein wenig Leben
      :study: Mariana Leky, Was man von hier aus sehen kann
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