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Becky Chambers - Der lange Weg zu einem kleinen zornigen Planeten / The Long Way to a Small, Angry Planet

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    Der lange Weg zu einem kleinen zornigen ...

    von

    4.3|11)

    Verlag: FISCHER Tor

    Bindung: Taschenbuch

    Seitenzahl: 544


    ISBN: 9783596035687


    Termin: Oktober 2016

    Das Buch ist der 1. Band der Reihe (3 Teile).

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    • Becky Chambers - Der lange Weg zu einem kleinen zornigen Planeten / The Long Way to a Small, Angry Planet

      Ein großartiges Buch über das Leben und wie wichtig Toleranz für das Zusammenleben ist ...

      Verlagsinfo

      Als die junge Marsianerin Rosemary Harper auf der Wayfarer anheuert, wird sie von äußerst gemischten Gefühlen heimgesucht – der ramponierte Raumkreuzer hat schon bessere Zeiten gesehen, und der Job scheint reine Routine: Wurmlöcher durchs Weltall zu bohren, um Verbindungswege zwischen weit entfernten Galaxien anzulegen, ist auf den ersten Blick alles andere als glamourös.

      Die Crewmitglieder, mit denen sie nun auf engstem Raum zusammenlebt, gehören den unterschiedlichsten galaktischen Spezies an. Da gibt es die Pilotin Sissix, ein freundliches und polyamoröses reptilienähnliches Wesen, den Mechaniker Jenks, der in die KI des Raumschiffs verliebt ist, und den weisen und gütigen Dr. Koch, der einer aussterbenden Spezies angehört.

      Doch dann nimmt Kapitän Ashby den ebenso profitablen wie riskanten Auftrag an, einen Raumtunnel zu einem weit entfernten Planeten anzulegen, auf dem die kriegerische Rasse der Toremi lebt. Für Rosemary verwandelt sich die Flucht vor der eigenen Vergangenheit in das größte Abenteuer ihres Lebens.

      Meine Meinung

      Anfangs war ich zwar noch nicht so überzeugt, wahrscheinlich weil ich nicht so genau wusste, was da jetzt auf mich zukommt. Es geht nämlich nicht um ein abenteuerlich kriegerisches Weltraumspektakel, sondern beginnt eher gemächlich mit der Vorstellung der Crew, den Einblicken in die GU (Galaktische Union) und den Hintergründen, wie die verschiedenen Spezies in dieser fiktiven Zukunft überleben.
      Nachdem ich mich darauf eingelassen hatte, war ich sehr begeistert von den vielen Nuancen, die Becky Chambers hier wunderbar zu transportieren versteht. Denn der Titel ist hier Programm: es ist ein langer Weg, den die Charaktere zurücklegen müssen und dabei erfährt man viel über ihr (das) Leben und die verschiedenen Motive, die jeder von ihnen in sich trägt.

      Rosemary zum Beispiel begibt sich mit einer neuen Identität auf die Wayfarer, um dort mit einem neuen Job ihre Vergangenheit hinter sich zu lassen.
      Ashby Santoso, der Captain des Raumschiffs, ist ein großartiger und toleranter Mensch, der auch seine Geheimnisse hat, aber sich immer für seine Crew einsetzt. Das muss er auch, denn die unterschiedlichen Spezies, die sich bei ihm tummeln, stellen ihn oft vor eine Herausforderung.
      Die zwei Techniker Jenks und Kizzy sind der humorvolle Part, die immer einen witzigen Spruch auf den Lippen haben, Arbis Corbin ist dagegen die Spaßbremse, ein eher zurückgezogener, pedantischer Mensch, den keiner von ihnen so wirklich gut leiden kann.
      Die Pilotin Sissix ähnelt einer Echse und ihre Rasse hat außergewöhnliche Eigenheiten, die teilweise höchst seltsam scheinen und vielleicht auch Unerständnis hervorrufen können, aber auch ganz besonders berührend wirken.
      Dr. Koch ist, ja, der Koch der Crew und versiert in Heilung und Kräuterkunde, der ein sehr schweres Schicksal zu tragen hat - ebenso wie der Navigator Ohan, der ebenfalls aus einer sehr kuriosen Spezies entstammt.
      Und nicht zu vergessen die KI des Schiffes, Lovey, die mit einem eigenen Bewusstsein ausgestattet ist und ein besonders Verhältnis zu einem der Crewmitglieder entwickelt.

      Ihr seht, die Geschichte ist mit einer Fülle von fremdartigen Lebensarten gespickt, die man aber alle auf eine höchst anschauliche und unterhaltsame Art vor Augen geführt bekommt. Dabei schafft es die Autorin, jeden von ihnen auf besondere Weise darzustellen und zu zeigen wie es möglich ist, trotz unterschiedlicher Lebensauffassungen zusammenzuwachsen. Die intensive Arbeit auf der Wayfarer entwickelt ein symbiotisches Verhältnis und zeigt im Kleinen wie auch im großen Ganzen, wie mit Toleranz und Rücksichtnahme eine verständnisvolle Einheit möglich sein kann.

      "Die menschliche Besessenheit von "Glück" hatte er nie richtig verstanden.
      Kein Wesen konnte ständig glücklich sein, genauso wenig wie jemand dauerhaft
      im Zorn, in Langeweile oder in Trauer verharren konnte." S. 277

      Gerade diese Einblicke in andere Spezies durch die Rasse Mensch und andersherum zeigt, wie wichtig Akzeptanz ist, dabei hat mich ganz besonders ein Gespräch zwischen Dr. Koch und Rosemary über Schuld und Vertrauen berührt.

      "Die Erinnerungen griffen nach Dr. Koch und versuchten, ihn von seinem sicheren
      Beobachtungsposten wegzuziehen. Sie zerrten an ihm, flehten ihn an, nachzugeben.
      Doch das würde er nicht tun. Er war nicht der Gefangene dieser Erinnerungen.
      Er war ihr Wärter." S. 279

      Aber natürlich lernt man auch einige Hintergründe kennen, wie die Bündnisse in den Galaxien entstanden sind, wie sich der Handel und die Bündnisse entwickelt haben und wie die Arbeit der Wayfarer vonstatten geht, die auf ihrem Weg durchs All sozusagen "Zeittunnel graben", um ein schnelleres Fortbewegen zwischen den Planetensystemen zu gewährleisten. Dabei wird es manchmal auch ein bisschen technisch, wobei ich aber immer ganz gut mitgekommen bin.

      Überhaupt ist der Schreibstil einnehmend und trotz vieler Details flüssig zu lesen. Es gibt keinen Durchhänger oder langatmige Stellen; es geht konstant und mit gutem Tempo voran, wobei jetzt nicht unbedingt große Spannungsmomente zu erwarten sind, aber dafür viele originelle, berührende und bedeutende Momente. Dafür gibts gegen Ende noch eine dramatische Wendung, die mir sehr nahe gegangen ist. Überhaupt sind mir all die Figuren total ans Herz gewachsen und ich hoffe sehr, dass mir der ein oder andere auch im zweiten Band aus der Reihe über den Weg laufen wird!

      Fazit: 4.5 Sterne

      © Aleshanee
      Weltenwanderer

      Wayfarers

      1 - Der lange Weg zu einem kleinen zornigen Planeten
      2 - Zwischen zwei Sternen (ET Januar 2018)
      3 - Im Original: Record of a Spaceborn
      :study: "Das Vermächtnis der Lil´Lu" Band 5 von Marita Sydow Hamann
      Mein Bücherblog: Weltenwanderer
    • Inhalt: Wayfarer - Wandersmann, irgendwann in der Zukunft. Ein kleines Schiff, das seine besten Zeiten hinter sich hat, beherbergt eine kleine, überschaubare Mannschaft. Ihre Arbeit ist das öffnen von neuen Tunneln, die entfernte Teile der Galaxie miteinander vernetzen sollen. Und gerade diese Crew rund um Captain Ashby zieht einen großen Auftrag an Land: Erstmals soll ein Tunnel die übrige Galaxis mit dem Territorium der Toremi vernetzen. Doch bevor sie ihre Arbeit beginnen können, muss der Wayfarer den langen Weg zu eben jenem Planeten zurücklegen, der zum neuen Eingang werden soll.

      Meine Meinung: Ja, es ist eine lange Reise zu....wem nochmal?
      Eigentlich hätte mir der Titel schon sagen müssen, dass der Weg das Ziel ist und es nicht primär um den kleinen Planeten geht, den es zu erreichen gilt. Von diesem Punkt ausgehend kann ich eine ganze Menge Kritik anbringen, die möglicherweise mit meinen falschen Erwartungen zusammenhängen. Dennoch drängt sich mir die Frage auf, warum dieser politische Strang mit den Toremis als Aufhänger verwendet wird. Das erinnert mich als Plot eher an Star Trek, wo die meisten Charaktere durch ihre Positionen zwangsläufig an politisches Geschehen geraten. Und bei der Crew vom Wayfarer ist das nicht ansatzweise der Fall. Das ist eine Truppe mit Angehörigen verschiedener Spezies, die sich gerade so viel für die großen Ereignisse interessiert, wie es sie selbst betrifft. Natürlich greift Ashby als Captain zu, als er oben erwähnten Auftrag bekommt, aber ziemlich schnell verflüchtigt sich der ursprüngliche Grund, der Aufhänger wieder in der Geschichte. Gewissensfragen und Bedenken werden dann - wie auch das spannungsmäßige Finale - auf wenigen Seiten am Ende abgehandelt.

      So viel zu Erwartung und Enttäuschung. Ich hatte dementsprechend selber einen langen Weg mit diesem Buch und war versucht abzubrechen, bis ich nicht gequälten zwei Dritteln eine Erleuchtung bekam: Man stelle sich die Geschichte als Serie vor, die einzelnen Kapitel als Folgen und schließlich macht das gesamte Konzept einen Sinn! Das Buch hat episodenhafte Abschnitte, die häufig einzelne Crewmitglieder oder Planetenbesuche in den Fokus stellen und dann in einem Kapitel komplett abhandeln. Dementsprechend ist das Figureninventar sehr groß, während es nur die Crew als kleinen Kern gibt. Auch die fehlende Spannungskurve im Ganzen ist einleuchtend, sowie die ständige "Was sollte das jetzt?"-Fragerei im Hinterkopf.

      Als ich nun endlich Konzept begriffen hatte und den Anspruch Chambers, Charaktere und Beziehungen zu fokussieren, war es schon etwas spät, um das Ruder herumzureißen - und das Finale hat dann auch nicht viel Positives beigetragen und soll vor allem auf den Nachfolger/Ableger hinarbeiten. Dabei sind die Charaktere an sich wirklich nett ausgearbeitet, auch wenn ich mir ein paar mehr Ecken und Kanten gewünscht hätte. Man mag fast alle auf Anhieb und das Bild wird auch nie getrübt. Viele Crewmitglieder sind darüber hinaus auch Menschen, sodass die Identifikation mit ihnen noch leichter fällt. Gleichzeitig gibt es immer wieder Momente, an denen geschickt Zweifel an der Sinnhaftigkeit gewisser menschlicher Gewohnheiten eröffnet werden, wenn Angehörige anderer Spezies sich darüber wundern oder aufregen.

      Fazit: Meine falsche Erwartungshaltung hat mich vermutlich vom Genuss von 250 Seiten guter Sci-Fi-Literatur abgehalten. Das Buch ist dennoch okay gewesen für mich und bestimmt lesenswert für viele andere. Das Ende kann man aber getrost vergessen. Manchmal sollte doch das Ziel etwas stärker das Ziel sein.
      "All we have to decide is what to do with the time that is given to us."
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