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Hakan Nesser - Der Fall Kallmann / Eugen Kallmanns ögon

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    Der Fall Kallmann

    von

    3.6|4)

    Verlag: btb Verlag

    Bindung: Gebundene Ausgabe

    Seitenzahl: 576


    ISBN: 9783442757282


    Termin: Oktober 2017

    • Hakan Nesser - Der Fall Kallmann / Eugen Kallmanns ögon

      Spiegelungen

      Wie lebt es sich im Schatten eines Mordes? Wer war Eugen Kallmann? Warum musste der beliebte Gesamtschullehrer in der beschaulichen schwedischen Kleinstadt sterben? Wirklich nur ein Unglücksfall, wie die Polizei behauptet?

      Das sind nur einige Fragen, mit denen sich der neue Roman „Der Fall Kallmann“ von Hakan Nesser beschäftigt. Als Leon Berger, nach der langen Sommerpause seinen Dienst antritt, findet er im Pult unter Kallmanns Sachen eine Reihe von Tagebüchern, die sich als eine Mischung aus Dichtung und Wahrheit entpuppen und ihn schon bald daran zweifeln lassen, dass sein Vorgänger tatsächlich eines natürlichen Todes gestorben ist. Denn in seinen Einträgen behauptet Kallmann unter anderem, er würde die Gabe besitzen, in den Augen anderer Menschen erkennen zu können, ob sie gemordet haben. Und er scheint in den letzten Monaten seines Lebens einem nie entdeckten und nie gesühnten Verbrechen auf der Spur gewesen zu sein. Leon Berger will den Fall Kallmann lösen – seine privaten Ermittlungen setzen etwas in Gang, das schließlich die ganze Kleinstadt erschüttert.
      Das Cover ist ein echter Hingucker, der alle Blicke auf sich zieht. Eigentlich ist es gar nicht so spektakulär; es zeigt eine typisch skandinavische Landschaft, wie man sie überall und nirgends findet. Der Betrachter sieht einen düster wirkenden See, der rundum mit dichten Bäumen bewachsen ist. Von ihm geht eine leicht mystisch wirkende Stimmung aus, und man fühlt sich eher unbehaglich in seiner Haut. Der einprägsame Titel fällt aus dem Rahmen des Üblichen. Er ist nicht reißerisch aufgemacht, sondern zeichnet sich durch eine bewusste Zurückhaltung aus.
      Der Plot ist originell. Auch das Setting ist perfekt gewählt. Die Handlung spielt in einer ruhigen schwedischen Kleinstadt, hinter deren heiler Fassade dunkle Geheimnisse und menschliche Abgründe verborgen sind. Wir erfahren weder ihren exakten Namen noch ihre geographische Lage. Allzu weit entfernt von Stockhholm kann sie nicht sein, aber mehr gibt der Autor nicht über den Schauplatz der Handlung preis. Die Kleinstadt „K.“ kann überall und nirgends in Schweden liegen.
      Das Geschehen wird aus der Sicht von mehreren Protagonisten, mit zeitlichen Rückblenden, erzählt. Hierbei hat sich der Autor jeweils für die Ich-Perspektive entschieden. Die Aufzeichnungen der verschiedenen Erzähler erinnern in ihrer äußeren Form an Tagebücher. Auch Eugen Kallmann hat mehrere Tagebücher hinterlassen, die gewisse Rückschlüsse auf sein Leben ermöglichen und zahllose Fragen aufwerfen. So schließt sich der Kreis.
      Alle Protagonisten sind keine makellos strahlenden Helden, sondern kompliziert und vielschichtig angelegte Figuren, die mit ihren eigenen Dämonen kämpfen. Auch Eugen Kallmann ist eine komplexe Figur, die für andere Menschen schwer zu fassen ist.
      Meiner Ansicht nach handelt es sich weniger um einen Krimi oder Thriller als um eine psychologische Studie. Denn es steht nicht die Aufklärung eines mysteriösen Todesfalles, sondern die Auseinandersetzung mit menschlichen Abgründen im Mittelpunkt des Handlungsgeschehens. Längst vergangene Taten werden wieder ans Tageslicht gezerrt, und die Bewohner der schwedischen Kleinstadt müssen sich ihrer Vergangenheit stellen. Gleichzeitig werden sie aber auch mit antisemitischen Strömungen im liberalen Schweden konfrontiert, die ihre Spuren im Schulalltag hinterlassen.
      Das Buch trägt die Handschrift eines großen Literaten. Hakan Nesser schreibt in einem angenehmen Stil. Seine Sprache ist einfach, klar und schnörkellos, und der Roman lässt sich mühelos lesen. Das Buch ist vielschichtig angelegt, der Autor legt zahlreiche falsche Fährten, der Spannungsbogen wird zum Ende durchgehalten und eine Lösung des Falles im klassschen Sinne gibt es nicht. Auf diese Weise bleibt das Buch bis zur letzten Seite mysteriös und spannend. .Von mir gibt es für diese Leistung 5 Sterne. :-)
    • LEON BERGER, DER LEHRER, DER DEN FALL INS ROLLEN BRACHTE...
      Rätselhafte Todesfälle werden im neuen Buch des Bestsellerautors Nesser angekündigt! Trotzdem ist es kein Krimi, wie man ihn vom Autor gewohnt sein mag. „Der Fall Kallmann“ kommt für mich als Roman mit kriminalistischen Elementen daher.
      Roman, das steht auch so auf dem schön gestalteten, stimmigen Cover. Also, diese Bemerkungen im Vorfeld für alle diejenigen, die einen spannenden Kriminalroman erwarten. Das ist dieses Buch definitiv nicht!

      Aus verschiedenen Blickwinkeln (manchmal zu ausschweifend), in der Ich-Perspektive, wird der Fall Kallmann erzählt. Wer war dieser Eugen Kallmann? Was macht ihn zum Fall? Was meinte er, wenn er vom ungesühnten, nie entdeckten Verbrechen sprach bzw. schrieb? Starb er wirklich eines natürlichen Todes? Oder wurde bei seinem Sturz im Deutschen Haus nachgeholfen? Sein Nachfolger als Lehrer an der Bergtunaschule in K., Leon Berger, nimmt sich seinem geheimnisvollen Nachlass in Form der Tagebücher an. Diese Niederschriften erzeugen erst einmal neue Fragen, zumal ein letztes, möglicherweise wesentlich zur Erhellung des Falles beitragendes Tagebuch, zu fehlen scheint. Der junge Witwer Berger bleibt hartnäckig, initiiert eine kleine Detektivgruppe mit Mathe- und Physiklehrer Igor Masslind und der Beratungslehrerin Ludmilla Kovacs. Gemeinsam wollen sie den Fall Kallmann lösen und rühren damit an ein unheilvolles Geschehen in der Vergangenheit...

      Hakan Nesser versteht es mit seinen realen Schilderungen die Geschichte voranzutreiben, indem er seine Charaktere einfach agieren läßt. Das sind die 15jährige Schülerin Andrea Wester und ihre Mutter Ulrika sowie die bereits erwähnten drei Lehrer. Durch sie erfährt man von anderen Personen wie z. B. von Charlie Mattis, dem genialen Schüler, von Emma, der schwedisch/argentinischen Freundin von Andrea u. v. m.
      Durch sie bekommt man Einblicke in die gesellschaftlichen Verhältnisse in Schweden, in den Schulalltag, in die Lebensumstände der Menschen in der Mitte der neunziger Jahre und in die Probleme mit Rassismus und jungen Neonazis. Konkret berichtet wird von 1995 und 1996 mit Rückblicken ab 1980 in insgesamt 57 Kapiteln auf 570 Textseiten. Es endet im Mai 2015. Die furchtbaren Geheimnisse werden entwirrt. Auf alle meine Fragen erhielt ich eine Antwort.

      „Der Fall Kallmann“ konnte mich durch Sprachstil und Entwicklung der Geschichte trotz einiger Längen überzeugen.
      Von mir bekommt dieser Roman 4 von 5 Sternen und eine Lese-/Kaufempfehlung! :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5:
    • Für geduldige Leser

      Wer bei diesem Buch einen spannenden Krimi oder gar Thriller erwartet, wird ziemlich enttäuscht sein. Zwar ist der Autor für kriminalistische Literatur bekannt, doch ,,Der Fall Kallmann“ ist eher ein ruhiger Roman, ein literarisches Puzzle rund um den Tod des Lehrers Kallmann.

      In einer Art Tagebuchform erzählen verschiedene beteiligte Personen aus der Ich-Perspektive, wie sie der Fall Kallmann beschäftigt.

      Zunächst steht der Lehrer Leon Berger im Mittelpunkt. Er verlor seine Frau und seine Tochter bei einem Schiffsunglück und zieht, auf Anraten seiner früheren Studienkollegin Ludmilla, in die schwedische Kleinstadt K., um dort ein neues Leben zu beginnnen. Dort tritt er die Nachfolge des sehr beliebten, doch auch sehr exzentrischen Lehrers Eugen Kallmann an. Dieser war am Ende des letzten Schuljahres tot in einem verlassenen Haus aufgefunden worden. Ein Unglücksfall?

      Als Leon Berger im Pult seines Vorgängers Tagebücher findet, die erkennen lassen, dass Kallmann sich mit alten und ungelösten Kriminalfällen beschäftigte und sogar behauptet, als Elfjähriger seine eigene Mutter ermordet zu haben, beginnt Berger zu recherchieren. Dabei wird er von Ludmilla Kovacs und seinem Kollegen Igor Masslind unterstützt, was die drei einander näher bringt.

      Eine weitere involvierte Figur ist die fünfzehnjährige Schülerin Andrea Wester, die Leon Berger stark an seine verschollene Tochter erinnert. Andrea vermutet schon lange, dass ihr Vater nicht ihr biologischer Vater ist. Auch ihre Suche hängt in irgendeiner Form mit Kallmann zusammen. Interessant ist, wie der Autor jeder Figur eine ganz eigene Sprache gibt. So sind die Kapitel aus Sicht des Lehrers Igor sehr intellektuell, fast schon gestelzt, während die Schülerin Andrea im jugendlichen Jargon erzählt. Dabei wirken alle Figuren authentisch und unverwechselbar. Die Geschichten der verschiedenen Figuren kreisen zwar um den Fall Kallmann, schweifen aber auch gelegentlich weit ab, sodass nicht der Kriminalfall im Mittelpunkt steht, sondern eher die verschiedenen Perspektiven der Beteiligten. Für diese klärt sich ,,Der Fall Kallmann“ erst 20 Jahre später tatsächlich auf.

      Für geduldige und literarisch interessierte Leser empfehlenswert. :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5:
    • Neu

      Langatmig

      Leon hat den Verlust seiner Frau und Tochter nicht richtig verarbeitet, als sich ihm die Möglichkeit bietet in K. eine Stelle als Lehrer anzunehmen. Freigeworden ist diese nach dem Tod von Eugen Kallmann. Starb er tatsächlich ohne Fremdeinwirkung, wie ich Polizei vermutet oder hatte doch jemand seine Finger im Spiel? Fragen, die sich nicht nur Leon nach dem Fund der Kallmannschen Tagebücher stellen. Weitere Konflikte in der Schule und K. sorgen für Unruhe.

      An sich war das Thema spannend und auch das Setting Schule spricht mich an, jedoch ist der Schreibstil nicht meine Welt. Mir war vieles deutlich zu langatmig, nicht selten erwischte ich mich beim Querlesen (mir entging trotzdem nicht großartig was, da man mit der Zeit irgendwann spürt, wenn weniger wichtiges kommt oder zumindest habe ich das Gefühl nichts in diesen Lesephasen verpasst zu haben). Ganz klar ging es mir zu langsam und detailverliebt voran. Hätte ich mit den Protagonisten mehr anfangen können, bzw. wären sie mir irgendwie ans Herz gewachsen, hätte ich es vielleicht auch geschätzt all ihre Facetten kennenzulernen, aber so hoffte ich,dass sich endlich mal was tut. In der zweiten Hälfte wurde es auch besser, aber so weit hätte ich erst gar nicht gelesen, hätte ich keine Rezension verfassen müssen. Die Kritik liegt auch daran,dass ich nach dem Klappentext eine spannende Geschichte erwartet habe und leider fast nur mit sozialen Gegebenheiten in K. gelangweilt wurde. Solche Aspekte mag ich eigentlich sehr in Büchern, aber hier ging es um fast nichts anderes, obwohl ich gänzlich anderes erwartet hatte.

      Die Auflösung war soweit gelungen, aber unter dem Strich bleibt einfach,dass das Buch deutlich zu viele Seiten hatte, die für mich ersatzlos gestrichen hätten werden können. Fazit: Mein erster und letzter Nesser
    • Neu

      Klappentext:
      Wer war Eugen Kallmann? Warum musste der beliebte Gesamtschullehrer in der beschaulichen schwedischen Kleinstadt sterben? Wirklich nur ein Unglücksfall, wie die Polizei behauptet? Als sein Nachfolger im Schwedischunterricht, Leon Berger, nach der langen Sommerpause seinen Dienst antritt, findet er im Pult unter Kallmanns Sachen eine Reihe von Tagebüchern, die sich als eine Mischung aus Dichtung und Wahrheit entpuppen und ihn schon bald daran zweifeln lassen, dass sein Vorgänger tatsächlich eines natürlichen Todes gestorben ist. Denn in seinen Einträgen behauptet Kallmann unter anderem, er würde die Gabe besitzen, in den Augen anderer Menschen erkennen zu können, ob sie gemordet haben. Und er scheint in den letzten Monaten seines Lebens einem nie entdeckten und nie gesühnten Verbrechen auf der Spur gewesen zu sein. Leon Berger will den Fall Kallmann lösen – seine privaten Ermittlungen setzen etwas in Gang, das schließlich die ganze Kleinstadt erschüttert. (von der btb-Verlagsseite kopiert)

      Zum Autor:
      Håkan Nesser, geboren 1950, ist einer der beliebtesten Schriftsteller Schwedens. Für seine Kriminalromane erhielt er zahlreiche Auszeichnungen, sie sind in über zwanzig Sprachen übersetzt und mehrmals erfolgreich verfilmt worden. Håkan Nesser lebt abwechselnd in Stockholm und auf Gotland.

      Allgemeine Informationen:
      Originaltitel: Eugen Kallmanns ögen
      Erstmals erschienen 2016 bei Albert Bonniers Förlag, Stockholm
      Aus dem Schwedischen übersetzt von Paul Berf
      Kapitelweise wechselnd aus der Ich-Perspektive verschiedener Figuren erzählt
      570 Seiten


      Meine Meinung:
      Nesser schreibt Krimis.

      Schreibt Nesser wirklich Krimis? Oder nutzt er ganz einfach das gut verkäufliche Genre und sein Renommee darin, um etwas ganz Anderes zu transportieren?
      Das Personal des Buches ist nicht sicher, ob überhaupt ein Verbrechen geschehen ist, ob nicht die unfähigen Ermittler Recht hatten mit Kallmanns Todesursache "Unfall". Der Leser geht selbstverständlich davon aus, dass ein Mord geschehen ist. Damit hat er zwar Recht, aber alles ist ganz anders als gedacht.

      Auch darin ist Nesser groß: Hunderte von Seiten lang und breit eine Geschichte zu erzählen, sie aus verschiedenen Blickwinkeln zu beleuchten und dann eine Auflösung anzubieten, auf die man nicht kommen kann. Es scheint, als interessiere den Autor die Entwicklung seiner Figuren, die er nahe an der Realität und behutsam schildert, mehr als Verbrechen, Ermittlung und Mörder.
      Eine zusätzliche politische Dimension kommt dazu, und der Leser erfährt, dass selbst im dünn besiedelten nordschwedischen Raum das Vorpreschen politisch rechter Gesinnung Sorge bereitet.

      Wer Krimispannung erwartet, für den ist die Enttäuschung vorprogrammiert; wer einen ruhigen Schul- und Entwicklungsroman mit Rätseln aus der Vergangenheit, angesiedelt einer kleinstädtischen Region in Nordschweden mag: Zugreifen und lesen.
      Gesegnet seien jene, die nichts zu sagen haben und den Mund halten. (Oscar Wilde)

      Bücher sind auch Lebensmittel. (Martin Walser)
    • Neu

      @Marie
      Du weißt, dass ich mit manchmal mit Hakan Nesser und vor allem mit zu viel Philosophiererei meine Probleme hatte/ habe. Würde es sich Deiner Einschätzung nach für mich lohnen, dieses Buch zu lesen oder eher nicht?
      "Books are ships which pass through the vast sea of time."
      (Francis Bacon)
      :study:
      Paradise on earth: 51.509173, -0.135998
    • Neu

      @€nigma, ob Du es glaubst oder nicht: Schon während des Lesens habe ich mich gefragt, ob es ein Buch für Dich wäre, weil ich weiß, dass Du eine ambivalente Beziehung zu Herrn Nesser pflegst. :-k

      Es ist in diesem Buch nicht das Philosophieren an sich oder über Gott und die Welt, das es so "breit" macht und wie man es aus den Barbarotti-Krimis kennt, sondern viele viele Gedanken, die sich die Personen zu den Vorgängen in Vergangenheit und Gegenwart machen. Manchmal sogar wiederholt. Und manche Szenen sind breit ausgewalzt.

      Ich würde es aus der Bücherei leihen und anlesen. Wie ich Deine Bücherei kenne, hat sie es schon.
      Gesegnet seien jene, die nichts zu sagen haben und den Mund halten. (Oscar Wilde)

      Bücher sind auch Lebensmittel. (Martin Walser)
    • Fremdverschulden

      Neu

      Leon hat Frau und Tochter durch ein Fährunglück vor der tansanischen Küste verloren. Die Leiche seiner Frau Helena wurde gefunden und konnte identifiziert werden, während seine Tochter Judith weiterhin als vermisst gilt. Leon unterrichtet Schwedisch und Geschichte. Einem Monat vor seinem 45. Geburtstag verlässt er Stockholm und zieht in die schwedische Kleinstadt K. Dort findet er an der Bergtuna-Gesamtschule einen neuen Job. Ludmilla Kovacs, eine alte Bekannte aus der Studentenzeit an der Pädagogischen Hochschule in Uppsala, hatte ihm von der freien Stelle erzählt. Sie ist an dieser Schule Beratungslehrerin

      Leon tritt in große Fußstapfen. Sein Vorgänger Kallmann, war bei den Schülern beliebt. Er war unglaublich präsent und gleichzeitig distanziert. Um Kallmann rankten sich zahlreiche unbestätigte Gerüchte. Er starb bei einem Treppensturz und brach sich das Genick. Hinweise auf Fremdverschulden lagen nicht vor, dennoch gibt es viele Fragezeichen.
      Die einzelnen Kapitel werden von verschiedenen Personen erzählt. Neben Leon, erzählen die 15-jährige Andrea, Igor (ein Kollege), Ludmilla (Leons Jugendbekannte) und Ulrika (Andras Mutter), sie geben Einblick in ihre Gedankenwelt. Diese Personen versuchen alle auf ihre Weise, die Person Kallmann zu durchleuchten und Antworten zu finden. Interessant wird es, als Leon Kallmanns Tagebücher in seinem Schreibtisch entdeckt.

      Mir hat der Roman sehr gefallen. Er ist in einer wunderbaren Sprache geschrieben. Nesser versteht es die Spannung kontinuierlich anzufachen, so dass ich immer wieder gespannt war, wie es weitergeht. Die Charaktere sind gut ausgearbeitet, so dass es leichtfällt, sie sich vorzustellen. Meine Lieblingsprotagonistin ist die Schülerin Andrea, die sich in ihrer Familie als Fremdkörper empfindet. Eine geheimnisvolle Aura umgibt den Jungen Charlie Mattis, der zu Kallmann anscheinend in einer engeren Verbindung stand. Sympathieträgerin ist für mich Ludmilla, die Beratungslehrerin, die für Schüler wie Lehrer immer ein offenes Ohr hat und sehr einfühlsam ist. Die neonazistischen Strömungen an der Schule brachten einen verstörenden Aspekt in die Geschichte.

      Irgendwo hieß es: „Es gefiel Kallmann auf der Grenze zwischen Dichtung und Wahrheit zu balancieren.“ Ich würde sagen, genau wie sein Schöpfer, der Autor Håkan Nesser.

      Ein rundum gelungener Roman. Kein Krimi, aber eine wunderbare Charakter- und Gesellschaftsstudie, allerdings mit Krimielementen.
      :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5:
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