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John Burnside - Ashland & Vine (ab 18.10.2017)

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    Ashland & Vine

    von

    4.5|1)

    Verlag: Jonathan Cape

    Bindung: Gebundene Ausgabe

    Seitenzahl: 352


    ISBN: 9780224093866


    Termin: Februar 2017

    • John Burnside - Ashland & Vine (ab 18.10.2017)

      Ab Mittwoch, 18.10. starten @Farast und ich eine MLR zu John Burnsides neuem Roman >Ashland & Vine<-
      Weitere Teilnehmer sind herzlich willkommen.

      Teilnehmer bis jetzt:
      Farast
      taliesin
      Achte auf die Stille und bewahre sie, denn sie bringt alle Träume des Menschen

      :study: Norman Davies - Verschwundene Reiche (MLR)
      :study: John Burnside - Ashland & Vine (MLR)
    • Da ist ja schon der Thread, Klasse!

      Lesen wir wieder ein Kapitel pro Tag? Wenn es zu wenig ist bzw. wenn es mal zu eng wird können wir ja wieder entsprechend anpassen. Ich fange heute mit dem Buch an. :D

      @bittersweetlight hattest du nicht auch mal Interesse an dem Buch?
      Bücher müssen mit soviel Überlegung und Behutsamkeit gelesen werden, als sie geschrieben wurden.
      Henry D. Thoreau




      :montag: Ich lese gerade
    • Farast schrieb:

      Lesen wir wieder ein Kapitel pro Tag? Wenn es zu wenig ist bzw. wenn es mal zu eng wird können wir ja wieder entsprechend anpassen. Ich fange heute mit dem Buch an.
      Ja, ich denke das passt. Bin jetzt auf Seite 12 des ersten Kapitels und habe mir schon einige Notizen gemacht. Burnside hat es auf jeden Fall raus
      Beschreibungen von Menschen (hier der Freund der Protagonistin) so zu gestalten, dass sich dem Leser ganz schnell die Nackenhaare aufstellen.
      Aber ich will nicht vorschnell urteilen.
      Ich lese heute Abend noch den Rest des Kapitels und schreibe dann morgen etwas dazu.
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      :study: Norman Davies - Verschwundene Reiche (MLR)
      :study: John Burnside - Ashland & Vine (MLR)
    • Backe Kuchen, hacke Holz

      taliesin schrieb:

      habe mir schon einige Notizen gemacht
      Ich merke gerade, dass ich noch nicht im "MLR-Modus" bin und habe in einem Rutsch das Kapitel gelesen, allerdings ohne Notizen zu machen. Das sollte ich im nächsten Kapitel wieder schleunigst ändern, denn ich dürfte vermutlich die Hälfte von dem was ich großartig fand wieder vergessen haben. ](*,)

      Wenn ich jetzt schreibe, dass ich mich direkt wohgefühlt habe, dann klingt das vielleicht leicht übertrieben, aber dem war so. Man gleitet direkt in die wunderbare Erzählweise von Burnside rein, versucht sich zurechtzufinden mit wem man es alles zu tun hat und wie die so ticken. Burnside macht eine sehr feine Personenbeschreibung, du sagst es: er hat es wirklich raus.

      Wen haben wir denn da alles. Zunächst mal Kate. Studentin, alkoholsüchtig und abhängig von Laurits, denn anders kann ich mir nicht erklären, wie sie auf so etwas bescheuertes kommt als von Haus zu Haus zu gehen und die Leute mit Hilfe einer von ihm erstellten Liste Fragen zu stellen, die niemand einen fremden Menschen fragen würde, weil sie ziemlich privat sind. Zu Häusern die Laurits (selbstverständlich :roll: ) sorgfältig ausgesucht hat und alles nur für seine Zwecke als Künstler. (Merkt man es schon? Ich kann diesen Laurits nicht leiden.)

      Laurits, der sich aus Langeweile mit Leuten streitet die ihm intellektuell unterlegen sind, der aus Langeweile Filme dreht und aus Langeweile trinkt. Rückwirkend sagt Kate über die Beziehung mit ihm, dass es keine Liebe war sondern ein Arrangement. Ein Mann mit einer dunklen Seite. Wobei ich die helle Seite noch suchen muss :roll:

      Dafür ist mir die dritte Person des Kapitels -Jean Louise- schon viel sympathischer. Ich bin gespannt welche Untiefen wir noch bei ihr entdecken werden. Interessanterweise gab es ein Haus, das nicht auf der Liste von Laurits stand. Ein Haus -welches zumindest mir- auf Anhieb gefällt. Es wirkt heimelig, wenn man es so ausdrücken darf.

      Die Beschreibung dieser ersten Szene hat mir ausgesprochen gut gefallen. Kates Rückblick auf ihrem Vater als Geist (Stichwort Geist, das kommt einem doch direkt bekannt vor), der Zugang zum Haus der "genügend Halbdunkel und Deckung" (Seite 23) bot für die "flinken Schatten" (einfach klasse wie Burnside mit wenigen Worten eine bestimmte Atmosphäre aufbaut) und als i-Tüpfelchen Jean Louise. Eine Frau die mit sich zufrieden ist oder zumindest scheint (ich bin da noch vorsichtig, man weiß ja nicht was da noch kommt, ist ja noch ziemlich am Anfang des Romans). Ich habe die Atmosphäre des ersten Gespräches sehr genossen. So ein Hauch von Altersweisheit, verknüpft mit einer äußerst interessanten Art.
      Und dann kommt ein Arrangement, das ich spannend finde und das auch unerwartet kam. Fünf Tage lang soll Kate nichts trinken, dann erzählt Jean etwas über sich. Das kommt so überaus überraschend. Oder auch nicht. Ich habe ja keine Ahnung wie sehr man ihr (Kate) die Alkoholabhängigkeit ansieht.
      Und zum Schluss des Kapitels wird klar, was dieses Haus so besonders macht. Es passt schlicht nicht zu dieser Vorstadt. Aber noch viel besser wie es Burnside ausdrückt:

      Seite 36 schrieb:

      (...) bevor das Viertel zu einer Abfolge adretter Vorstadtstraßen verkommen war, in dem ein Haus wie das ihre fehl am Platze wirkte.
      Viel besser deshalb, weil ich nicht das Gefühl habe das Haus passt nicht, sondern die Vorstadt drumherum passt nicht.

      Ich verlinke noch die deutsche Ausgabe des Romans. Das Cover der englischen Ausgabe gefällt mir im übrigen viel besser! Und jetzt bin ich auf deine Eindrücke gespannt.
      Bücher müssen mit soviel Überlegung und Behutsamkeit gelesen werden, als sie geschrieben wurden.
      Henry D. Thoreau




      :montag: Ich lese gerade
    • zu Kapitel 1 Backe Kuchen, hacke Holz

      Zuerst einmal ist mir ein Satz aus den dem Roman vorangestellten Zitaten aufgefallen.
      >May be a man has to sell his soul to get the power to do good.<


      Vielleicht verstehen wir diesen kurzen Satz erst im Laufe des Romans, aber Burnside hat ihn sicher nicht umsonst erwähnt.

      Farast schrieb:

      Wenn ich jetzt schreibe, dass ich mich direkt wohgefühlt habe, dann klingt das vielleicht leicht übertrieben, aber dem war so. Man gleitet direkt in die wunderbare Erzählweise von Burnside rein, versucht sich zurechtzufinden mit wem man es alles zu tun hat und wie die so ticken.
      Es ist natürlich auch die wunderbar flüssige Sprache, die den Leser sofort in die Erzählung hineinzieht. Vor allem die viel Gelassenheit ausstrahlende Atmosphäre
      im Haus von Jean Culver und die alte Dame selbst, die freundlich und irgendwie in sich ruhend erscheint. Da muss man sich doch wohlfühlen.
      Dann fiel mir noch auf, wie Burnside mit ein paar Sätzen den Gemütszustand von Kate schonungslos aufdeckt.
      I needed to break out of the sheer tedium of my repetitive existence. Get drunk, sober up, get paranoid, get drunk again. May be, by then, that was worse
      than anything else. That tedium of the self. Not myself, but the self as random burden, imposed on a whim by some malevolent visitor from an old fairy tale.
      Das er das so intensiv beschreiben kann, liegt wohl auch daran, dass er selbst diese Erfahrung schon durchlebt hat. Brillant erzählt!

      Farast schrieb:

      Laurits, der sich aus Langeweile mit Leuten streitet die ihm intellektuell unterlegen sind, der aus Langeweile Filme dreht und aus Langeweile trinkt. Rückwirkend sagt Kate über die Beziehung mit ihm, dass es keine Liebe war sondern ein Arrangement. Ein Mann mit einer dunklen Seite.
      Und wahrscheinlich ist er auch aus schierer Langeweile mit Kate zusammen. Wozu eigentlich? Um sie zu dominieren scheint mir eine Erklärung für sein abscheuliches
      Verhalten. Den Mann muss man einfach liebhaben............. :puker:

      Farast schrieb:

      Die Beschreibung dieser ersten Szene hat mir ausgesprochen gut gefallen. Kates Rückblick auf ihrem Vater als Geist (Stichwort Geist, das kommt einem doch direkt bekannt vor), der Zugang zum Haus der "genügend Halbdunkel und Deckung" (Seite 23) bot für die "flinken Schatten" (einfach klasse wie Burnside mit wenigen Worten eine bestimmte Atmosphäre aufbaut)
      Ja, das ist ganz sein Thema und man erkennt sofort, dass er sich da wohlfühlt. Kates Erinnerung an den Vater, die wieder auflebt, als sie das Geräusch des Holzhackens
      hört, das aus dem Garten des Hauses herüberhallt. Das ist so schön erzählt und man ist direkt von Kates Erinnerungen gefangen.
      As a child I convinced myself that the woods around my house went back to a time before the settlers arrived; ancient Iroquois lands, full of blue jays and
      cardinals and families of tender sweet-lipped deer. They were my private haunted realm when I was a child, my small promise of heaven and, at the same
      time proof of the history my father claimed as his own.........
      Manchmal aber, haben die Erinnerungen auch eine beklemmende Seite. In der Szene in der sie ein Lieblingsstück ihres Vaters im Kopfhörer hört und dann schweiß-
      gebadet zu sich kommt, davon überzeugt, dass sie beobachtet wurde, dass irgendjemand mit der Musik bei ihr war.

      Farast schrieb:

      Viel besser deshalb, weil ich nicht das Gefühl habe das Haus passt nicht, sondern die Vorstadt drumherum passt nicht.
      Ja, es wirkt wie eine kleine Oase inmitten der peinlich sauber gehaltenen, aber sterilen Vorstadthäusern.

      Jean Culver hat sofort gefühlt, dass mir der jungen Frau etwas nicht stimmt, aber es bleibt ein Rätsel, oder vielleicht nennt man es Schicksal oder gar Vorsehung,
      dass Kate vom Haus der alten Dame angezogen wird.
      Ich bin gespannt, ob Kate die Abmachung mit Jean keinen Alkohol zu trinken einhalten kann.

      Ein wunderbares erstes Kapitel, in dem auf wenigen Seiten soviel Stimmungen und Charakterzeichnungen enthalten sind, dass es schwer fällt alles aufzunehmen und
      entsprechend wiederzugeben.

      lg taliesin
      Achte auf die Stille und bewahre sie, denn sie bringt alle Träume des Menschen

      :study: Norman Davies - Verschwundene Reiche (MLR)
      :study: John Burnside - Ashland & Vine (MLR)
    • taliesin schrieb:

      Manchmal aber, haben die Erinnerungen auch eine beklemmende Seite. In der Szene in der sie ein Lieblingsstück ihres Vaters im Kopfhörer hört und dann schweiß-
      gebadet zu sich kommt, davon überzeugt, dass sie beobachtet wurde, dass irgendjemand mit der Musik bei ihr war.
      Ja, das war eine wirklich beklemmende Szene. Da habe ich unwillkürlich die Luft angehalten.

      taliesin schrieb:

      Ein wunderbares erstes Kapitel, in dem auf wenigen Seiten soviel Stimmungen und Charakterzeichnungen enthalten sind, dass es schwer fällt alles aufzunehmen und
      entsprechend wiederzugeben.
      Du sagst es! Und so versuche ich mich an dem zweiten Kapitel:

      Gregory Peck

      Da Burnside bestimmt nichts dem Zufall überlässt (oder ich bin mittlerweile paranoid bei seinen Büchern geworden :lol: ) musste ich mir noch mal vergegenwärtigen für welche Rollen Gregory Peck eingesetzt wurde. Es geht meistens um soziale oder politische Problematiken. Seine Paraderolle (die mir immer direkt einfällt) ist der Anwalt "Atticus" in "Wer die Nachtigall stört". Schauen wir mal für was wir das verwerten können oder auch nicht. Auf jeden Fall hat es Spaß gemacht im Internet über so einen tollen Schauspieler zu recherchieren.

      Und als Kontrastprogramm und direkter Ernüchterung bekommt man Laurits vorgesetzt. Im Rückblick ist es Kate auf jeden Fall klar, wieso sie sich ausgerechnet mit ihm zusammengetan hat.
      War ich mit Laurits zusammen, brauchte ich nicht zu reden. Brauchte niemand zu sein. Ich musste nicht einmal zuhören."

      Sie muss unheimlich gelitten haben als ihr Vater gestorben ist. Was ich jetzt hier in aller kürzester Form beschreibe, ist so unglaublich intensiv und gut umgesetzt von Burnside. Und so findet sie gerade das an Laurits faszinierend was mir unangenehm aufstößt, dass er

      Seite 40 schrieb:

      (...) grundlos log, er hatte bloß seinen Spaß und flunkerte beim Erzählen drauflos, so wie Dad es gern getan hatte (...)
      Das bringt sie zur Ruhe.

      Eine interessante Persönlichkeit der Vater von Kate. Und irgendwie höre ich ein Stückchen Burnside auch aus ihm heraus. Aber ein Stückchen steckt ja ohnehin immer in seinen Büchern. Er kümmert sich um seine Tochter, nachdem seine Frau verschwunden war. Braucht aber selbst immer wieder Zeiten nur für sich. Aber er kommt zuverlässig immer wieder zurück. Für ihn besteht die Welt aus einer Reihe ineinandergreifender Systeme. Über seine Herkunft weiß man wenig, nur das er mütterlicherseits von den Abenaki abstammen würde. Wenn ich es richtig verstanden habe, dann war auch das nicht wirklich sicher. Wobei ihm das in seinem Systemdenken half sich in dieser Welt zurechtzufinden.

      Wie Louise (seine Lebensgefährtin) bemerkte

      Seite 55 schrieb:

      Ein Abenaki zu sein, gestattete ihm, sich ein moralisches und spirituelles System zu schaffen, das in der Welt fehlte, mit der er es tagtäglich zu tun hatte.
      Die Gedanken von Kate über den Geist ihres Vaters, am Ende des Kapitels, sind noch sehr erwähnenswert. Wie sie ihn sich als Vogel vorstellt. Man spürt regelrecht die Freiheit, die Weite und das Offene. Wie seine Seele in diesem Vogel weiterlebt, irgendwo in einem der hohlen Knochen. Wie sie von einem Leben zum nächsten geht, bis an dem Tag an dem sie sich wiedertreffen. Ziemlich berührender Gedanke. Und sehr sentimental, kein Wunder das sie sich niemals mit Laurits darüber austauscht. Gut wissend wie er damit umgehen würde.

      Das ist wieder ein sehr intensives Kapitel, bei dem ich nur ein Bruchteil von dem wiedergeben kann, was es alles enthält.

      Am Wochenende werde ich wegen Familienzeit nicht online gehen. Kennst du ja schon von mir :wink: Aber ich werde weiterlesen, wenn du magst und Zeit hast kannst du gerne vorkommentieren. Ich werde dann am Montag entsprechend wieder einsteigen.
      Bücher müssen mit soviel Überlegung und Behutsamkeit gelesen werden, als sie geschrieben wurden.
      Henry D. Thoreau




      :montag: Ich lese gerade
    • zu Kapitel 2 Gregory Peck

      Farast schrieb:

      . Es geht meistens um soziale oder politische Problematiken. Seine Paraderolle (die mir immer direkt einfällt) ist der Anwalt "Atticus" in "Wer die Nachtigall stört". Schauen wir mal für was wir das verwerten können oder auch nicht.
      Die einzige Verbindung die ich da sehe, ist Laurits Interesse an sozialen und politischen Problemen in Amerika. Das Amerika der einfachen Menschen, die versuchen ihr altes noch funktionierendes Amerika zu erhalten und zu verteidigen.

      Farast schrieb:

      Und als Kontrastprogramm und direkter Ernüchterung bekommt man Laurits vorgesetzt. Im Rückblick ist es Kate auf jeden Fall klar, wieso sie sich ausgerechnet mit ihm zusammengetan hat.
      Das ist schon eine traurige Verbindung die die beiden da führen. Zumindest auf Kates Seite, die sich im Grunde nur verstecken will und froh ist in einer stillen Ecke ihren
      Gedankwen und ihrer Trauer nachugehen. Auch die Beschreibung ihres kargen weißen Zimmers, dass sie als Mönchszelle drückt nicht wirklich Freude aus. Mir erscheint
      das wie ein sehr trauriger Rückzugsort, der ein Ausbrechen aus der jetzigen Situation nur verhindern kann.

      Farast schrieb:

      Die Gedanken von Kate über den Geist ihres Vaters, am Ende des Kapitels, sind noch sehr erwähnenswert.
      Diese Rückblicke auf das Leben und die Gedanken und Gefühle des Vaters drücken eine furchtbare Sehnsucht nach verlorenen Zeiten aus. Ganz bedrückend fand ich
      ihren Versuch die Nähe des Vaters zur Natur, seine Verbindung zum mystischen, zu den alten Instinkten der Menschen die noch in und von der Natur lebten nachzuvoll-
      ziehen. Kate hatte nur als Kind Zugang zu diesem Reich. Als Erwachsene hat sie all dies verloren. Natur ist im besten Falle schön anzusehen, oder einfach nur noch
      Bäume und Wasser.
      Das ist ja auch das Problem der meisten modernen Menschen und daran krankt unsere Zivilisation. Die Rechnung wird sehr bitter ausfallen, denn ohne eine gesunde
      Natur wird es auch bald keine Menschen mehr geben. Aber ich schweife ab. Kurz noch Kates Beschreibung dieses fehlenden Zugangs, den der Vater und sie als Kind
      noch hatten. Es scheint eine unerfüllbare Sehnsucht zu sein, die ihr sehr zu Herzen geht.
      I wanted to stand outside on a winter`s night and listen, the way I could see him listening - and I wanted to hear what he heard...(..)
      For him , the woods were magical, the river was at least partly an old spirit from another time, but for me, even if I found them beautiful,
      in the end they were just trees and water. As a child I sometimes came close to believing. I would walk around in the dark, convinced I
      had some kind of sixth sense, that I could feel the gravity of every object in my path and navigate accordingly (...)
      After he died, though, that sense of the world just slipped away.and all I knew was what I didn`t want - which was pretty much everything.
      Das ist sehr bitter, aber wie du schon erwähnt hast, kommt dann am Ende des Kapitels dieser sehr schöne Gedanke der Seelenwanderung. Herrlich erzählt.
      To come back as a bird with a memory of the man sealed inside its hollow bones, a microgram of additional soul that would guide him to the life
      beyond and the life beyond that, till the time came when we met, not as the selves we had been, but still recognisable at some subtle gravitational
      level.

      Dieses Wochenende ist meine Zeit auch recht knapp, aber ich denke für ein oder zwei Kapitel wird die Zeit schon reichen.

      lg taliesin
      Achte auf die Stille und bewahre sie, denn sie bringt alle Träume des Menschen

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    • Kapitel 3 Patricia Neal

      Träume, Albträume, Halluzinationen, die Folgen des Entzugs, all dies beherrscht nun Kates Alltagsleben. Es wird hier klar, dass Kate nicht nur auf dem Weg
      in die Abhängigkeit war, sondern schon mittendrin. Auch hier spüren wir etwas von Burnsides persönlicher Geschichte und seine Beschreibung von Kates Zustand
      ist sozusagen mitten aus dem Leben. Ein ganz spezieller Traum hat aber zwei Seiten. Eine wunderschöne und eine dunkle, beängstigende Seite.
      Bei der Beschreibung des Nebels, der sie umhüllt und der gleichzeitig sie selbst ist, kommt der Leser förmlich selbst zur Ruhe und badet mit Kate in diesem
      Gefühl des Schutzes und der Ruhe. So wunderschön der erste Teil, so blutig und voller Paranoia ist der Schluss des Traums. Ein Wechselbad der extremen
      Empfindungen. Trotz der dunklen Seite beschreibt Kate diesen Traum als "utterly beautiful".....
      I say utterly beautiful, because I couldn`t find words to describe those dreams when I woke - and I needed to describe them , not to someone else,
      but to, or rather, for myself.
      Hier nun ein kleiner Auszug vom Beginn dieses Traums. Burnside in Hochform.........
      That first night I found myself on a wide shore - really, impossibly wide, stretching for miles in all directions, flat, very fine silty sand, grey mostly,
      but silver or even fox-coloured in places, a wide flat space where a thick fog had settled. That was where I was, inside that fog - but it was also me.
      I mean I was inside it and it was me, we were interchangeable, so everything I saw was me, as far as the eye could see, which wasn`t much, most
      of the time, but now and then there were flashes of damp light and the fog cleared slightly, just enough to see a flock of wading birds rise up off the
      sands and flicker away, almost silently, just a murmur of wings, then fog again and silence.

      Es ist schwierig sich aus diesen paar Seiten zu lösen, vor allem, wenn dann so ein Bruch in der Geschichte stattfindet. Mit beiden Füßen landet man hart in der
      Alltagswelt und einem Tag in der Beziehung mit Lauritz. :shock: Das Kerlchen ist mir ein Rätsel und wie wir lernen, hat auch er eine dunkle Seite; die summiert sich
      dann noch mit seinem sonstigen unsymphatischen Charakter.
      Schon abstoßend, seine Dokumentarfilme, die aus Schnitten von Pornos und blutigen Stierkämpfen zusammengesetzt sind. Auch Kate hat das Gefühl, dass sie
      da in einem seltsamen manipulativen Spiel gefangen ist, bei dem sie eigentlich nicht mitspielen will.
      Die erotischen Filme, die sie zusammen sehen und später im Bett nachvollziehen, wobei Lauritz einen Hang zur Gewalttätigkeit entwickelt der beängstigend ist.
      In diesen Momenten hat sie Angst, dass er zu weit geht und sie ernsthaft verletzt. Sie hat das Gefühl manipuliert zu werden und sich letztendlich nicht mehr
      wehren zu können. Der Alltag scheint hier ein schlimmerer Albtraum als der Entzug. Der Alltag hat diese faszinierende, schöne Seite nicht.
      I didn`t define anything that allowed for safety. I´m not saying that I wanted him to kill me, or hurt me badly, but I knew, somewhere in the pit of my
      stomach, that I wouldn`t be able to stop him if he did.
      Dann erzählt Lauritz ihr an einem Abend mit einer Menge Alkohol und Joints, dass er einen Film mit einer richtigen Geschichte (Ach neee!!!????) drehen wollte.
      Diese beruht auf einer wahren Begebenheit und bei Lauritz wird daraus eine Geschichte über Trauer, über das Leid einer alten Frau. Pures Leid auf Film.....
      Patricia Neal soll die Rolle der bösen Tochter spielen, weil Lauritz sie aufgrund eines schlechten Filmes nicht mehr leiden kann. (geht der Typ mir auf den Senkel!)

      Kate erkennt durch diesen filmischen Schleier doch noch, dass Lauritz sie benutzt. Sie wird zur Figur in seinem Kosmos, einer Fallstudie zu seinen Filmchen.

      "Her task was to grieve, he said. To be alone. To commune with nature. That was the task and that was her story.


      I didn`t say anything. Was it my task also, to grief? Was that why I was there, in this apartment? Was I a case study?
      Man kann Kate nur raten ganz schnell wegzulaufen. Weiter mit Lauritz zu leben kann nur in einer Katastrophe enden. Die Frage ist nur, ob sie in ihrer jetzigen Verfassung
      überhaupt die Kraft dazu hat.
      Ein schwieriges Kapitel, das den Leser in einem emotionalen Schwebezustand zurücklässt. Irgendwo zwischen Faszination und Abscheu.........
      Achte auf die Stille und bewahre sie, denn sie bringt alle Träume des Menschen

      :study: Norman Davies - Verschwundene Reiche (MLR)
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    • Kapitel 4 Sacred Grounds (bis Seite 72 engl. Ausgabe)

      Kate ist auf dem Weg zu Jean Culver, wo sie direkt am Haus ein seltsames Mädchen entdeckt. Zuesrt dachte ich, das sei wieder eine Art Traumsequenz,
      aber das Mädchen ist real auch wenn sie laut Jean "Mad as a bag of snakes" ist. Jean scheint sich mit den Besuchen des Mädchens aber nicht unwohl zu
      fühlen, sie betrachtet sie wohl als kleine Zugabe ihres Gartens. Im ersten Gespräch geht es dann um die Erinnerungen der Kindheit. Jean Culver will wohl
      nicht nur ihre Geschichte erzählen, sondern erwartet auch von Kate, dass sie sich zurückerinnert und über ihre persönliche Gecshichte nachdenkt.
      Sehr schön beschrieben ist hier Kates Tagtraum, der sie dann direkt in eine schöne Erinnerung zurückführt. Die Erinnerung an ein Haus, dass für Kate Schutz
      und Geborgenheit repräsentiert, aber auch das Gefühl mit sich trägt, dass jemand sie beobachtet, auf sie wartet.
      And that was where I found the house that became part of my mind, a piece of my imagination, the place where, in stoned reveries and deep, frightening
      dreams, I sometimes find myself going from room to room, listening for something. For someone. In reality, I never saw the inside of that house, though I
      conjured it up in my imagination: a grandfather clock ticking in the hall, but everything quiet otherwise, nothing to hear and nobody there and, at the same
      time, the sense that somebody was waiting, listening or maybe looking down at me, from somewhere above.
      Irgendwie schön und trotzdem unheimlich dieser Tagtraum.

      Auf ihrem Weg zum Cafe >Sacred Grounds< lässt sich aber auch Jean auf Erinnerungen ein. Eher wehmütig erzählt sie von der Vergangenheit, von Gefühlen und Gerüchen
      der Kindheit und den Veränderungen, die die Gegend um ihr Haus in etwas anders, etwas steriles verwandelt haben. Fortschritt hat einen Preis und nimmt uns einiges, oder
      liegt es nur an wehmütigen Kindheitserinnerungen die einen romantischen Schleier über diese Zeit legen? Hat das, wie Kate sagt, jede Generation durchleben müssen?
      Still, she said, this old main street Walking home from the movie theatre on a summer`s night, that smell of candy and blossom on the air, the soft light
      all along the street and music coming out from somewhere, some new love song on the radio....
      und..........
      Once upon a time, everybody walked. We would walk into town to meet friends, We would walk around the neighbourhood and stop to chew the fat with people
      sitting out on their porches. I`m not talking about hiking here, I`m talking about the lost art of walking and the good that came of it. When did it first happen that,
      if you saw somebody walking in your neighbourhood, you called the police?
      Ich gehöre ja mittlerweile auch schon zu einer Generation die solche Gefühle nachvollziehen kann und ich kann Jean hier nur zustimmen, auch wenn es wehmütig und allzu
      romantisch verschleiert klingt........... :wink:

      Sacred Ground ist für Kate eher eine Enttäuschung, denn es entpuppt sich als ganz einfaches Cafe, aber wie so oft, liegt der Zauber eines Ortes nicht in seiner Fassade.
      Bevor Jean mit ihrer Geschichte beginnt, sagt Kate noch etwas, das mich an eine wiederkehrende Aussage aus Burnsides >Wie alle anderen< erinnert. Dieses Gefühl des
      Verschwindens, der Ablösung des eigenen Ichs von allem, dass Kate beschreibt, hat schon etwas verlockendes.
      I just liked the idea of vanishing, the lightness of it, the sheer lightness of the space I might leave behind.
      Nun beginnt Jean mit ihrer ersten Geschichte. Vorher weist sie noch einmal darauf hin, dass dies nichts mit Kates (bzw. Lauritz) Projekt zu tun hat.
      This isn`t the project, she said. It`s just a story.........

      Diese erste Geschichte überlasse ich dann dir, liebe @Farast . Ich denke, es wird spannend, was Jean uns zu erzählen hat.
      Achte auf die Stille und bewahre sie, denn sie bringt alle Träume des Menschen

      :study: Norman Davies - Verschwundene Reiche (MLR)
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    • taliesin schrieb:

      Kate hatte nur als Kind Zugang zu diesem Reich. Als Erwachsene hat sie all dies verloren. Natur ist im besten Falle schön anzusehen, oder einfach nur noch
      Bäume und Wasser.
      Das ist ja auch das Problem der meisten modernen Menschen und daran krankt unsere Zivilisation. Die Rechnung wird sehr bitter ausfallen, denn ohne eine gesunde
      Natur wird es auch bald keine Menschen mehr geben.
      Da gebe ich dir hundertprozentig recht, es ist wirklich unglaublich erschreckend wie wenig Menschen noch einen Bezug zur Natur haben. Und warum sie wichtig sein soll. Solange kein Spaßfaktor in irgendeiner Form besteht ist es "laaaangweilig". Und das man Natur auch noch schützen sollte, völlig überbewertet. Die Quittung wird hart werden.

      Kapitel 3 Patricia Neal

      Ich sehe wir sind was Laurits betrifft einer Meinung :mrgreen: Mir geht der Typ völlig ab. Mir ist das ein absolutes Rätsel was an seinen Filmen so besonders sein soll. Mir erscheinen sie recht pseudo-intellektuell und darüber hinaus ist er auch noch so überaus eingebildet was die Meinung über sich, die Welt und die Menschen betrifft. Wie du sagst ist es sehr abstoßend was er in diesem Dokumentarfilm zusammenbringt.

      Ich mache mir immer noch Gedanken darüber was ihre Beziehung zusammenhält. Wenn man so nimmt haben sie schon ein passendes Arrangement.

      Seite 68 schrieb:

      Er war gelangweilt, ich trauerte. Manchmal läuft das auf dasselbe heraus.
      Beide in sich aus verschiedenen Gründen eingekapselt. Und beide nicht beziehungsfähig. Sie nicht, weil sie noch vom Tod ihres Vaters traumatisiert ist und trauert. Und er nicht weil er sich eh nur selbst mag und ansonsten gelangweilt ist.


      taliesin schrieb:

      Träume, Albträume, Halluzinationen, die Folgen des Entzugs, all dies beherrscht nun Kates Alltagsleben.

      taliesin schrieb:

      Ein ganz spezieller Traum hat aber zwei Seiten. Eine wunderschöne und eine dunkle, beängstigende Seite.
      Bei der Beschreibung des Nebels, der sie umhüllt und der gleichzeitig sie selbst ist, kommt der Leser förmlich selbst zur Ruhe und badet mit Kate in diesem
      Gefühl des Schutzes und der Ruhe. So wunderschön der erste Teil, so blutig und voller Paranoia ist der Schluss des Traums. Ein Wechselbad der extremen
      Empfindungen. Trotz der dunklen Seite beschreibt Kate diesen Traum als "utterly beautiful".....
      Das war ein sehr seltsamer Traum. Und mich hatte es auch überrascht, dass Kate diese Träume als schön bezeichnet. Surrealistisch auf jeden Fall, aber schön? Wobei ich den Anfang mit dem Nebel anders empfunden hatte, eher beängstigend. Der Schluss war dann nur noch blutig und wie du schreibst voller Paranoia.

      taliesin schrieb:

      Das Kerlchen ist mir ein Rätsel und wie wir lernen, hat auch er eine dunkle Seite; die summiert sich
      dann noch mit seinem sonstigen unsymphatischen Charakter.
      Absolute Zustimmung!

      taliesin schrieb:

      wobei Lauritz einen Hang zur Gewalttätigkeit entwickelt der beängstigend ist.
      In diesen Momenten hat sie Angst, dass er zu weit geht und sie ernsthaft verletzt. Sie hat das Gefühl manipuliert zu werden und sich letztendlich nicht mehr
      wehren zu können.
      Man möchte ihr wirklich zurufen: Geh endlich von diesem Kerl weg! Er zieht dich nur noch tiefer runter.

      taliesin schrieb:

      Diese beruht auf einer wahren Begebenheit und bei Lauritz wird daraus eine Geschichte über Trauer, über das Leid einer alten Frau. Pures Leid auf Film.....
      Und eine Auflösung, ein Ende kommt schon mal gar nicht für ihn in Frage. Nur pures Leid. Man darf nicht weiter darüber nachdenken, was das heißt.

      taliesin schrieb:

      Patricia Neal soll die Rolle der bösen Tochter spielen, weil Lauritz sie aufgrund eines schlechten Filmes nicht mehr leiden kann. (geht der Typ mir auf den Senkel!)
      Geht mir auch so!

      taliesin schrieb:

      Ein schwieriges Kapitel, das den Leser in einem emotionalen Schwebezustand zurücklässt. Irgendwo zwischen Faszination und Abscheu........
      Ja, so ist es und man ist froh, als es zu Ende war. Obwohl es wirklich wahnsinnig gut geschrieben ist.
      Bücher müssen mit soviel Überlegung und Behutsamkeit gelesen werden, als sie geschrieben wurden.
      Henry D. Thoreau




      :montag: Ich lese gerade
    • Kapitel 4 Sacred Grounds (bis Seite 72 engl. Ausgabe und bis Seite 119 deutsche Ausgabe)

      Was heißt eigentlich "Sacred Grounds"? Kann man heiliger Boden sagen? Wenn dann ist es ein passender Name für das Café.

      taliesin schrieb:

      Sehr schön beschrieben ist hier Kates Tagtraum, der sie dann direkt in eine schöne Erinnerung zurückführt. Die Erinnerung an ein Haus, dass für Kate Schutz
      und Geborgenheit repräsentiert, aber auch das Gefühl mit sich trägt, dass jemand sie beobachtet, auf sie wartet.
      Ja, das war auf eine Seite schön, aber auch wieder unheimlich, wegen des Gefühls beobachtet zu werden.

      taliesin schrieb:

      Auf ihrem Weg zum Cafe >Sacred Grounds< lässt sich aber auch Jean auf Erinnerungen ein. Eher wehmütig erzählt sie von der Vergangenheit, von Gefühlen und Gerüchen
      der Kindheit und den Veränderungen, die die Gegend um ihr Haus in etwas anders, etwas steriles verwandelt haben. Fortschritt hat einen Preis und nimmt uns einiges, oder
      liegt es nur an wehmütigen Kindheitserinnerungen die einen romantischen Schleier über diese Zeit legen? Hat das, wie Kate sagt, jede Generation durchleben müssen?
      Das hast du schön gesagt!

      taliesin schrieb:

      Ich gehöre ja mittlerweile auch schon zu einer Generation die solche Gefühle nachvollziehen kann und ich kann Jean hier nur zustimmen, auch wenn es wehmütig und allzu
      romantisch verschleiert klingt...........
      Ging mir auch so, dass ich das nachvollziehen konnte.

      taliesin schrieb:

      Sacred Ground ist für Kate eher eine Enttäuschung, denn es entpuppt sich als ganz einfaches Cafe, aber wie so oft, liegt der Zauber eines Ortes nicht in seiner Fassade.
      Du sagst es! So ist es nun mal mit Erwartungen. Und so ein klein wenig konnte Kate es hin und wieder auch schon merken, dass es eben nicht auf die Fassade ankommt, sondern auf den Inhalt. Ein kleiner hetzerischer Gedanke meinerseits, vielleicht sollte sie es auch mal auf diesen Laurits übertragen und welche Konsequenzen man daraus ziehen könnte. :twisted: Aber ich bin guter Dinge, dass sie noch darauf kommen wird und den Schlussstrich zieht.

      Zur ersten Erinnerung von Jean. Aufgewachsen in Alabama. In einem dieser entzückenden Städtchen wo jeder jeden kennt.

      Seite 94 schrieb:

      Wichtig ist, dass sie heute im Grunde nicht mehr existiert. Vielleicht tat sie das nie. Vielleicht war sie von Anfang an Fiktion ...
      Nicht nur Kate fragt sich da, warum Jean das so betont. Man bekommt das Gefühl von etwas irrationalen oder ähnlichen. Was Jean über die ersten Erinnerungen erzählt stimmt. An viele meiner Kindheitserinnerungen kann ich mich tatsächlich nur deshalb erinnern, weil mir die Geschichte anhand eines Fotos erzählt wurde. Aber ich habe auch ganz frühe weniger deutliche Erinnerungen bei denen ich ungefähr zwischen 2 und 3 Jahre alt gewesen sein muss. Jetzt schweife ich ab.

      Jeans Mama ist bei ihrer Geburt gestorben, was sie allerdings sehr spät erfahren hatte. Und auch nur deshalb weil sie durch einen längeren Krankenhausaufenthalt länger nachdenken konnte und ihren Bruder auf den Kopf zu sagte, was ihr lange Zeit verschwiegen blieb.

      Was mich an der Erzählung von Jean so besonders fasziniert sind die Ebenen. Zum einen ist da die reine Geschichte. Zum anderen die vielen Zwischentöne, die einem immer wieder beim lesen innehalten und darüber nachdenken lassen. Man könnte wieder seitenweise zitieren.

      Dieser eine Wutanfall von Jeremy war wirklich heftigst. Unglaublich diese Gewalt die er Billy Hardy angetan hatte. Und wenn Jean nicht so geschrien hätte, dann wäre das übelst ausgegangen. Und es hinterlässt ein mulmiges Gefühl, wenn Jean andeutet, dass sie sich nicht sicher ist, ob etwas in ihm Spaß daran gefunden hat. (Seite. 104)
      Ein weiteres Puzzlestück ist, dass Jeremy später Soldat wurde.

      Und jetzt zum Teil der Geschichte ihres Vaters. Der aus Stolz oder sonstigen Gründen solange trauerte und alleine blieb (oder auch nicht in Hinblick auf sein Ende....), obwohl ihm schon bewusst war, dass es noch andere Frauen geben hätte können. Den die Kinder mit seinem Vornamen, Thomas, angesprochen haben. Was schon ziemlich distanziert klingt. Kein Vater sondern sowas wie ein größerer Freund.
      Ich bin schon sehr neugierig darüber, was genau alles Jean damit meint, wenn sie erzählt, dass es sein Gerechtigkeitsgefühl war das ihn letztlich umgebracht hatte. Er war Anwalt (nein, ich denke gerade nicht an Gregory Pecks Paraderolle als Atticus Finch :-, ) und dem Gesetzt sehr verbunden. Ein Mann der alle Bewohner der Stadt kannte, mit all ihren Geheimnissen. Der sich sicher fühlte. Und ein Dorn im Auge von einigen einflussreichen Leuten wird, die einen "Killer" auf ihn hetzen. Und dann noch Jeremy, der das alles beobachtete. Klingt ja fast nach einem Roadmovie, wenn man das so schreibt. Und das nächste interessante Puzzelteil ist die Frau bei der Jeans Vater war. Wir werden bestimmt noch mehr über sie erfahren. Im Moment wissen wir nur ihren Namen Catherine Bassett und das Thomas "delikate Geschäfte" mit ihr zu erledigen hatte.
      Erwähnenswert ist noch die Tatsache, dass Jeremey ihr alles später erzählte was er beobachtete, weil er Jean damit verletzen (!) konnte.

      Da gibt es noch eine Menge mehr über dieses Kapitel zu schreiben. Man kann einfach nicht alles unterkriegen.
      Bücher müssen mit soviel Überlegung und Behutsamkeit gelesen werden, als sie geschrieben wurden.
      Henry D. Thoreau




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    • zu Sacred Grounds

      Farast schrieb:

      Nicht nur Kate fragt sich da, warum Jean das so betont. Man bekommt das Gefühl von etwas irrationalen oder ähnlichen. Was Jean über die ersten Erinnerungen erzählt stimmt. An viele meiner Kindheitserinnerungen kann ich mich tatsächlich nur deshalb erinnern, weil mir die Geschichte anhand eines Fotos erzählt wurde. Aber ich habe auch ganz frühe weniger deutliche Erinnerungen bei denen ich ungefähr zwischen 2 und 3 Jahre alt gewesen sein muss. Jetzt schweife ich ab.
      Ja, geht mir auch so. Einige Bilder aius meiner Kindheit haben sich mir so tief eingeprägt, dass ich sie jederzeit hervorrufen kann. Seltsamerweise sind ein paar dieser
      Erinnerungen direkt mit Gerüchen und auch Klängen verbunden. Der Rest stammt aber auch aus Erzählungen meiner Eltern, oder halt alten Fotos.

      Farast schrieb:

      Was mich an der Erzählung von Jean so besonders fasziniert sind die Ebenen. Zum einen ist da die reine Geschichte. Zum anderen die vielen Zwischentöne, die einem immer wieder beim lesen innehalten und darüber nachdenken lassen. Man könnte wieder seitenweise zitieren.
      Ja, sie wirft zwischendurch immer auch Fragen auf, und diese Zwischentöne geben ihrer Erzählung noch mehr Farbe und Intensität.

      Farast schrieb:

      Erwähnenswert ist noch die Tatsache, dass Jeremey ihr alles später erzählte was er beobachtete, weil er Jean damit verletzen (!) konnte.
      Seltsam, nicht wahr? Auf der einen Seite der treusorgende Bruder, der sie beschützt, auf der anderen ein Pulverfass mit einer dunklen gewalttätigen Seite.
      Burnside ist ja oft mit dem rationalen und dem großen Bruder, dem Irrationalen beschäftigt. Die Figuren haben fast alle eine dunkle, irgendwie unberechenbare Seite
      die in bestimmten Situationen zum Vorschein kommt und nicht kontrollierbar ist.

      Heute Abend werde ich das nächste Kapitel >First and second loves< lesen und dann morgen dazu schreiben..... :study:
      Achte auf die Stille und bewahre sie, denn sie bringt alle Träume des Menschen

      :study: Norman Davies - Verschwundene Reiche (MLR)
      :study: John Burnside - Ashland & Vine (MLR)
    • Kapitel 5 First and second loves

      Auch dieses Kapitel birgt wieder die Gefahr in sich zuviel zu schreiben, bzw. abzuschweifen. Es ist nicht einfach sich da zurückzuhalten, was allerdings auch am
      Thema liegt, das Burnside hier wählt. Es geht halt um das Erzählen von Geschichten, um das rekapitulieren von Erinnerungen. Darüber hinaus auch um die Wirkung
      von Geschichten sowohl beim Zuhörer, als auch beim Erzähler. Ich muss mich zuerst einmal daran gewöhnen, denn das ist ein ganz anderes Thema als wir von es
      von Burnsides anderen Werken gewohnt sind.

      Anfangs hören wir dann Kates Erzählung über ihre Verbindung zu Lauritz, die irgendwie immer von Abhängigkeiten und sicher nicht von Liebe bestimmt wird. Aber in
      diesem Kapitel geht es um Liebe, um die Klischees die sich darum ranken, aber auch die Wahrheiten die sie in sich trägt. Jean Culver erzählt über ihre erste große
      Liebe und sie erzählt von Glück und Verlust. Über all dem könnte dieses Zitat liegen, das mir sehr gut gefallen hat:
      It`s not the first love that counts, not the second, not the last. It`s the one that has mixed two destinies in the common life.
      Immer wieder finden wir nun Parallelen zu Kate in Jeans Gecshichte. Vor allem der Tod des Vaters, der Jean und ihren Bruder zu Waisen macht. Auch Jean erlebt,
      so wie Kate, ein Trauma und dieser Satz sagt eigentlich alles.
      I would lie on my bed, staring up at the ceiling, and it felt as if time was about to stop, as if, at any moment, nothing would ever happen again.
      Besser kann man es kaum ausdrücken.

      Die beiden wachsen bei ihrer Tante Charlotte auf und wie Jean das beschreibt ist diese Zeit weder besonders gut noch schlecht und das Einzige, das sie da an
      positivem herauszieht ist, dass sie dort erkennt, was sie in ihrem Leben tun will. Mit 21 flieht sie aus dem Haushalt und eröffnet mit tatkräftiger Hilfe von Lee ein
      Gartencenter. Alles scheint perfekt, denn Jean ist verliebt in Lee und die beiden nähern sich einander an. Das Problem ist aber, dass Lee eine andere Lebensvor-
      stellung hat als Jean. Um es kurz zu machen, Lee trifft ihren vermeintlichen Mr. Right (der Typ klingt wirklich zu perfekt) und die Beziehung der beiden Frauen ist
      wohl zu Ende. Mehr erfahren wir in diesem Kapitel nicht, aber wir wissen, dass Lee Jeans große Liebe war und ich habe so das Gefühl, dass die Geschichte hier
      noch nicht vorbei ist. Vor allem, weil Jean folgendes sagt:
      Don`t look so tragic. We`re nowhere near the tragic part yet.
      Is there a tragic part?, I said.
      She smiled. We`re talking about love, she said. There`s always a tragic part.
      Auf dem nun folgenden Spaziergang zum Ende des Dorfes erfahren wir Jeans Gedanken zur Heirat und die sind nicht gerade positiv.
      ...but the only marriages I have seen at first hand were dim, secret chambers of misery, from which, now and then, the prisoners emerged to put
      on brave faces and act as if everything was fine.
      Am Schluß des Kapitels kommen wir wieder auf das Thema Wirkung von Geschichten. Kate macht sich Gedanken und die scheinen in die richtige Richtung
      zu führen:
      I had begun to feel a growing apprehension. But why? Whatever had happened was far in the past, and it couldn`t be undone now, no matter how
      involved in Jean`s story I allowed myself to become. Yet wasn`t that part of how stories work? Wouldn`t it be different, if what she was telling me
      now was happening now, so I could entertain the illusion that I, or someone , could do something to change the course of events?
      It crossed my mind, then, that I had been living with Lauritz for too long.
      Die Geschichte scheint zu wirken, aber warten wir ab.............
      Achte auf die Stille und bewahre sie, denn sie bringt alle Träume des Menschen

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    • Kapitel 5 First and second loves

      Ergänzend zu deinen Gedanken ging mir am Anfang des Kapitels noch folgendes durch den Kopf, was die Beziehung Kate-Laurits betrifft. Wenn Kate nur ihre eigenen Projekte in Laurits Abwesenheit verfolgen kann, dann "nutzt" sie ihn quasi auch auf eine Weise aus, indem sie ihn als Ausrede benutzt, damit sie sich nicht intensiver um ihre eigene Filmkunst kümmern kann. Und gleichzeitig hofft sie durch eine Art "Osmose" von ihm inspiriert zu werden.
      Sie muss eine unglaubliche Angst vorm Scheitern haben und eine ziemlich schlechte Meinung von sich selbst.
      Ich finde es gut, dass sie Pläne hat und Filme drehen möchte, aber ihr fehlt das nötige Selbstvertrauen um es durchzuziehen. Und verrückterweise hält sie Laurits für genial und gleichzeitig sieht sie schon wo seine Schwächen liegen.

      taliesin schrieb:

      Es geht halt um das Erzählen von Geschichten, um das rekapitulieren von Erinnerungen. Darüber hinaus auch um die Wirkung
      von Geschichten sowohl beim Zuhörer, als auch beim Erzähler.
      Das ist wirklich ein sehr vielschichtiges und wunderbares Buch . Ständig analysiert man von allen Seiten was man liest und ständig beginnt man mit den Gedanken abzuschweifen.

      taliesin schrieb:

      Um es kurz zu machen, Lee trifft ihren vermeintlichen Mr. Right (der Typ klingt wirklich zu perfekt) und die Beziehung der beiden Frauen ist
      wohl zu Ende. Mehr erfahren wir in diesem Kapitel nicht, aber wir wissen, dass Lee Jeans große Liebe war und ich habe so das Gefühl, dass die Geschichte hier
      noch nicht vorbei ist.
      Das glaube ich auch! Da wird uns noch mehr erwarten. Und wie ich sehe, haben uns auch die gleichen Zitate gefallen.
      Bücher müssen mit soviel Überlegung und Behutsamkeit gelesen werden, als sie geschrieben wurden.
      Henry D. Thoreau




      :montag: Ich lese gerade
    • Farast schrieb:

      dann "nutzt" sie ihn quasi auch auf eine Weise aus, indem sie ihn als Ausrede benutzt, damit sie sich nicht intensiver um ihre eigene Filmkunst kümmern kann. Und gleichzeitig hofft sie durch eine Art "Osmose" von ihm inspiriert zu werden.
      Sie muss eine unglaubliche Angst vorm Scheitern haben und eine ziemlich schlechte Meinung von sich selbst.
      Ja, das stimmt. Sie sucht sich ihre Nische um nicht ganz verloren zu sein in dieser "Beziehung".
      Fehlendes Selbstbewusstsein und die Angst alleine unterzugehen hindern sie noch daran sich zu lösen und sozusagen ihr eigenes Ding zu beginnen. Aber vielleicht hilft ihr
      ja Jean und ihre Geschichte ein wenig die richtigen Entscheidungen zu treffen.
      Achte auf die Stille und bewahre sie, denn sie bringt alle Träume des Menschen

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    • Kapitel 6 Der gute Krieg

      Bei der Überschrift habe ich mal gestutzt: Ein guter Krieg? Krieg kann nie gut sein. Aber schauen wir mal.

      So langsam versteht Kate was ihre Trauer betrifft.

      Seite 153 schrieb:

      Vielleicht war es ja doch Trauer, die all dies zusammenführte, und der Grund, warum ich es nicht zugeben konnte, war der, dass dann für mich kein Ende in Sicht gewesen wäre. Ich verstand nicht, dass ein Ende bereits ein Anfang war.

      Der alte Schlachthof zu dem sie Laurits begleitet ist ein seltsamer Ort. So ein typischer Burnside-Ort mit einem Hauch mysteriösen. Ein Ort voller vergangener Brutalität den die Tiere meiden. Den Bogen den Burnside dann später in dem Kapitel schlägt und der sein Ende in Jeremys Geschichte findet, ist genial, finde ich. Schwierig in Worte zu fassen warum es so für mich ist. Ich habe als Leser schon hier den Hauch einer Ahnung verdrängter Schrecken. Und Schrecken kann so vielfältig sein.
      Mysteriös auch der Mann der mit Laurits gesprochen hatte. Vielleicht erfahren wir da noch mehr.

      Eine weitere Kindheitserinnerung von Kate, die in ihrer Grundschulzeit spielt. Sie verliert etwas für sie wichtiges und ist ziemlich niedergeschlagen deshalb. Und ihr Vater zeigt ihr, dass das Leben trotzdem weitergeht, indem er sie lauschen lässt. Und sie fängt an ihre Umwelt wahrzunehmen, den Verlust nicht den ersten Platz einzuräumen.

      Seite 163 schrieb:

      Mein Vater wollte genau dies, wollte, dass ich der Welt lauschte, wie ich sie jederzeit hören konnte, der Welt, die hörbar war, auf die ich aber nie achtgab, ihr Hintergrund, der Klang verstreichender Zeit, der Unterschied zwischen einem gewöhnlichen Laut und dem nächsten, der ihm ähnlich schien, bis ich genauer hinhörte und mir all die winzigsten Unterschiede auffielen, diese Musik der Welt, die weiterspielte, während ich mir nur selbst leidtat.

      Wie beschwingt und innerlich leichter ist Kate, als sie wieder zu Jeans Haus geht. Sie fühlt wieder das kleine Mädchen in sich, von dem sie gar nicht mehr wusste, dass sie sie verloren hatte. Eine sehr schöne Szene, fast schon filmreif :wink: :)
      Bevor Jean weitererzählt, gehen sie beide zu einem Hofverkauf, bei dem der Erlös einer todkranken Freundin Jeans helfen soll, die eine letzte Reise zu dem Ort machen möchte, an dem sie am glücklichsten war. So etwas finde ich ja herrlich, wenn man es noch unternehmen kann. Bevor man stirbt, noch einmal dorthin reisen zu dürfen, wo man glücklich war.

      1947 hat es wohl keine große Chance für die Liebe zwischen Jean und Lee geben können. Bei einem derartig erzkonservativen Land wie die USA war da noch nicht mal der Hauch davon zu erhalten. Und vermutlich -wie allüberall- auch heute noch schwierig. :wuetend:
      Und gleichzeitig erfahren wir die Geschichte von Jeremy und Gloria. Was Jeremy da erlebt hatte, diese entsetzlichen Bilder müssen sich in sein Herz und seine Seele eingebrannt und ihn stark traumatisiert haben.
      Und so erfahren wir von der "als ob-Philosophie" von Hans Vaihinger. Eine Philosophie von der ich zum ersten Mal höre. Stellenweise klingt es sogar witzigerweise gar nicht mal so schlecht. Solange man die Realiät nicht völlig ausschließt und sich die Welt so gestaltet wie es einem gefällt. Aber so hin und wieder in einer Blase zu leben und das eine oder andere auszuklammern ist das schlechteste auch nicht. Und als innerer Selbstschutz für Menschen wie Jeremy könnte es bis zu einem bestimmten Punkt gut tun, bevor sie völlig zusammenbrechen. Allerdings sollte der gesunde Menschenverstand nicht an den Nagel gehängt werden, bevor man völlig zur Spielfigur irgendwelcher Machthaber wird. Und je länger ich darüber nachdenke, klingt es dann doch nicht so gut. Da gibt es doch passendere Möglichkeiten.

      Eindeutig hält Jean von Gloria so wenig wie von dem von Lee gewählten Partner. Gloria erscheint ihr Leer. Nur "für eine zeitweilige Funktion zum Leben erweckt" (Seite 180). Auch hier eine erschreckende Vorstellung.

      Erwähnenswert finde ich noch Jeans Antwort zu Kates Gedanken über "als ob" und das es Jeremy vielleicht gut getan hat und ihm geholfen hatte einen Sinn im Leben zu finden:

      Seite 183 schrieb:

      "Dinge ergeben keinen Sinn", sagte sie. "Zumindest nicht zu unseren Bedingungen. Damit müssen wir uns einfach abfinden."
      Darüber lässt es sich auch nachdenken. Denn was man tatsächlich überhaupt nicht selbst ändern kann, darüber sollte man sich keine Gedanken machen. Jeremy wird die Menschen niemals nie wieder lebendig werden lassen können.

      Und ergänzend sagt Jean zu Kates Einwand, dass es Menschen schwer fallen könnte, sich damit abzufinden, noch etwas sehr wichtiges:

      Seite 183 schrieb:

      "Eine ganze Welt", sagte sie. "Und die ist geordnet. Oft verhält sie sich zwar nicht so, wie wir es wollen, und manchmal tut sie uns auch schrecklich weh, dafür ist sie auf vielfältigste Weise aber auch sehr schön."
      Eine so einfache und leichte Sichtweise, aber auch hin und wieder so schrecklich schwer umzusetzen. Und wiederum sehr passend zu Kates Kindheitserinnerung.

      Dieses Kapitel greift in so wunderbare und vielfältige Art ineinander und spiegelt sich in so vielfältiger Weise, finde ich.

      Mit Schrecken (in Hinblick auf unsere MLR) habe ich auf meinem Familienkalender gesehen, dass die nächsten Tage sehr voll bei uns werden. Über Geburtstagsfeier (mein Sohn wird 10, sein erster "runder" Geburtstag :drunken: ) bis zu Brückentag am Montag und zwei Feiertage in Folge, werde ich wohl erst wieder am Donnerstag weiterschreiben können :pale: Dann aber wieder in alter Frische :)
      Bücher müssen mit soviel Überlegung und Behutsamkeit gelesen werden, als sie geschrieben wurden.
      Henry D. Thoreau




      :montag: Ich lese gerade
    • Farast schrieb:

      Mit Schrecken (in Hinblick auf unsere MLR) habe ich auf meinem Familienkalender gesehen, dass die nächsten Tage sehr voll bei uns werden.
      Das ist kein Problem. Niemand hetzt uns......... :wink:
      Ich habe das Problem, dass meine beiden Hunde krank sind. Vor allem die 14-jährige Hündin, die Herzmedis nehmen muss, macht mit ensthaft Sorgen.

      ich schaue also mal wie weit ich mich konzentrieren kann um zu posten. Wird also auch bei mir etwas langsamer.
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    • zu Kapitel 6 Der gute Krieg

      Ich denke mit >Der gute Krieg< ist eher der Krieg, oder besser der Kampf mit sich selbst, gegen die Trauer und das Leid, das wir im Laufe des Lebens erleben
      müssen gemeint.

      Farast schrieb:

      Den Bogen den Burnside dann später in dem Kapitel schlägt und der sein Ende in Jeremys Geschichte findet, ist genial, finde ich. Schwierig in Worte zu fassen warum es so für mich ist. Ich habe als Leser schon hier den Hauch einer Ahnung verdrängter Schrecken. Und Schrecken kann so vielfältig sein.
      So habe ich das auch empfunden. Das ist einfach brillant zusammengeführt und die verschiedenen Ebenen die er zusätzlich ineinandergreifen lässt. Die beiden Pole
      Schönheit, Befreiung im Verbund mit dem Leid und der Trauer, das hier auf verschiedenen Ebenen eingesetzt wird, sind so geschickt verbunden und sprachlich so wunder-
      bar wiedergegeben, dass man nur staunen kann. :pray:

      Farast schrieb:

      . Aber so hin und wieder in einer Blase zu leben und das eine oder andere auszuklammern ist das schlechteste auch nicht. Und als innerer Selbstschutz für Menschen wie Jeremy könnte es bis zu einem bestimmten Punkt gut tun, bevor sie völlig zusammenbrechen.
      Diese >als ob< Philosophie hat schon ihre Fallstricke. Sparsam eingesetzt kann sie sicher helfen einen Fluchtpunkt zu schaffen, der eine Zeitlang Sinn macht. Aber
      als Lebensphilosophie ist das wohl eher kontraproduktiv. Irgendwann muss man sich den Dingen des Lebes stellen.

      Farast schrieb:

      Dieses Kapitel greift in so wunderbare und vielfältige Art ineinander und spiegelt sich in so vielfältiger Weise, finde ich.
      Meiner Meinung nach, das bisher intensivste und faszinierendste Kapitel des Romans. Ich bin schlichtweg begeistert. Burnside ist einfach ein genialer Geschichtenerzähler
      und seine Geschichten enthalten eine Lebensfülle und Lebendigkeit die ihresgleichen sucht.
      Achte auf die Stille und bewahre sie, denn sie bringt alle Träume des Menschen

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    • Kapitel 7 - Dreaming Korea

      Man könnte sagen, dass dies ein Kapitel über das Alleinsein, über Einsamkeit und über Sehnsüchte ist. Jean erzählt ihre Geschichte mit Lee weiter, über die
      Trennung und das Gefühl der Verlassenheit. Darin verwoben zusätzlich die Geschichte ihres Bruders, seiner Frau und den Kindern Jennifer und Simon..
      Die Verbindung mit Lee nimmt ein jähes Ende, aber die Trennung scheint endgültig. Andererseits die Beziehung ihres Bruders, die schon kurz nach der Heirat
      an der Gefühlskälte seiner Frau zerbricht. Aber ganz nach Jeremies >Als ob< Philosophie wird die Ehe aufrechterhalten, in einem Haushalt, in dem die Fassade
      der guten Ehe nach innen und nach außen aufrechterhalten wird. Das die Kinder diese Vorstellung durchschauen, macht sie zu sehr einsamen Menschen, denn
      wie Jean sagt, braucht jeder Mensch die Berührung eines anderen Menschen, das Gefühl geliebt zu werden.
      Nobody should be ashamed of what is needful. A father. A mother. A lover. A touch, a word, a body. And for a long time, I would lie awake, wishing there
      was somebody next to me. Somebody to touch.
      Natürlich bemerken die Kinder, dass hier etwas nicht stimmt. Sie wachsen inmitten einer Lüge auf.

      Theirs was a house of unspoken hurts and fears, and that`s what the children grew up with. No out-and-out lies, no fights, no arguments, it was all very
      civilised, but those children knew something was wrong.
      (...) and all Jeremy and Gloria did was to deny them an explanation - and all the time, it felt like some terrible sin was just about to be exposed, or worse,
      confessed.
      So ziehen sich die Kinder in ihre eigene Welt zurück, schaffen sich ihre eigenen Träume, ihre eigenen Illusionen. Schwer zu lesen, denn man weiß, dass die KInder
      mit den Folgen leben müssen und das es schwer wird. Wie Jean auch anfangs zu Kate sagte: Es ist schwierig die Bastarde im Kopf loszuwerden.

      Jean ist so in ihrer Erzählung gefangen, dass es scheint als hätte sie vergessen, dass Kate anwesend ist. Kate durchbricht diesen Zauber und erkennt, als Jean sie
      ansieht, warum sie sich von Anfang an zu ihr hingezogen fühlte. Eine sehr schöne Szene:
      (...) now she was back and I realised with something of a shock that it was this quality of attention - an attention that fixed on me like a flashlight picking
      out some lost thing in the dark - that had drawn me to her in the first place.
      Am Ende des Kapitels dann eine der schönsten aber auch melancholichsten Szenen des Romans. Soviel Sehnsucht und Trauer in ein paar Zeilen.
      Jean ist zu Besuch bei Gloria während Jeremy in Korea stationiert ist. Simon, sein Sohn vermisst seinen Vater und als Jean sieht, wie er träumend am Fenster
      in der Sonne sitzt, spricht sie ihn an und fragt, über was er gerade nachdenkt.
      (...) when Simon came in and sat down in a chair by the window. The sun was on his face, and he had his eyes closed. And it was odd, how still he was,
      sitting in that chair with the sun on his face. So, just for fun, when there was a break in the conversation, I asked him what he was thinking.
      `For a moment he stayed exactly as he was, then he opened his eyes very wide and looked at me.
      "I`m dreaming Korea," he said.

      Jean verabredet sich mit Kate für den nächsten Tag und es scheint, als ob sie dann auch von Kate endlich einen Teil ihrer persönlichen Geschichte hören will.
      Bisher ist Kate ja immer sehr ausweichend auf Fragen nach ihrer Mutter oder ihrem Vater gewesen. Aber weglaufen geht nicht für immer und ich glaube, dass
      Jean hier auch den wunden Punkt trifft. Es wird Zeit, dass Kate die Bastarde in ihrem Kopf bekämpft, denn nur so kann sie sich davon befreien.
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