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Jean-Michel Oughourlian - Cet autre qui m'obsède : Comment éviter les pièges du désir mimétique

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    Cet autre qui m'obsède : Comment éviter ...

    von

    4|1)

    Verlag: Albin Michel

    Bindung: Taschenbuch


    ISBN: 9782226326546


    Termin: März 2017

    • Jean-Michel Oughourlian - Cet autre qui m'obsède : Comment éviter les pièges du désir mimétique

      Ungefähre Übersetzung des franz.Titels: Der andere, der mich besessen macht: Wie die Fallen des mimetischen Verlangens vermeiden?

      Original : Französisch, 2017

      INHALT:
      Unser Gehirn ist derart gemacht, dass wir von der ersten Sekunde unseres Lebens an andere nachmachen, « imitieren ». Ohne es zu wissen übernehmen wir so ebenfalls ihre Wünsche, ihr Verlangen. Das Verlangen anderer weckt unser eigenes ! So können wir lernen, kommunizieren, empfinden, nachfühlen, Mensch werden. Doch die « Imitation » ist auch erster Antrieb unserer Rivalitäten, unserer Eifersucht, unserer Gewalt, die wir oft im Nachhinein mit unseren Gefühlen oder unserem Verstand rechtfertigen.

      Als Neuropsychiater und Psychologe arbeitete Oughourlian mit als erster daran, die mimetische Spirale zu erforschen. Neueste Entdeckungen über Spiegelneuronen ( de.wikipedia.org/wiki/Spiegelneuron ) untermauern seine Thesen. Darauf und auf René Girards Arbeiten aufbauend zieht er Konsequenzen für eine neue Psychologie. Wie funktioniert unser Gehirn, wie können wir einen Weg der Freiheit innerhalb der scheinbaren Gesetzmässigkeiten finden ? Wie wird aus der Mimesis ein Partner, und nicht eine Behinderung ?
      (Quelle : Elemente vom franz. Klappentext)

      BEMERKUNGEN :
      Ausgangspunkt der mimetischen Theorie von René Girard (siehe auch hier: en.wikipedia.org/wiki/Ren%C3%A9_Girard ) ist die Feststellung, dass menschliche Gesellschaften nur dann überleben können, wenn sie in der Lage sind, dem Ausbreiten der Gewalt innerhalb der Gruppe erfolgreich entgegenzuwirken. Ursache zwischenmenschlicher Konflikte ist das Aneignungsverhalten von Menschen, die in engem Kontakt miteinander leben: Dieses Verhalten stiftet Rivalität, Neid und Eifersucht, ist ansteckend, wird von allen Mitgliedern der Gruppe mitgetragen und führt zu raschen Gewalteskalationen, in denen das ursprüngliche Objekt keine Rolle mehr spielt: sie werden lediglich durch das Imitieren des Anderen in Gang gehalten.
      (Zitat aus der Buchbesprechung von Winfried Stanzick zu : Rene Girard- Ich sah den Satan vom Himmel fallen/Je vois Satan tomber comme l'éclair
      )
      Oughourlian steht in direkter Beziehung zu Girard, baut auf seine Thesen auf und… wendet sie seinerseits im Feld der Psychologie und Psychiatrie an. Als Therapeut arbeitet er damit und betont sein dadurch erworbenes Wissen, seine Erfahrungen. Um es mit ihm zu sagen : Wir sind durch die Mimesis/den Mimetismus der uns umgebenden Kultur, der uns gegebenen Modelle geprägt. Wie dann zur Freiheit finden ?

      « Die wertvollste Freiheit besteht darin, die Wirklichkeit zu sehen, wie sie ist, und sie anzunehmen. »

      Erste Aufgabe an uns also : Die mimetischen Mechanismen zu entziffern und zu erkennen, die sich zB in Eifersucht, Frustration, ständigem Vergleichen niederschlagen. Unsere Wahl und Freiheit besteht nicht in der Verneinung solcher Mechanismen, die integraler Bestandteil des Lernprozeßes sind, aber in aller Freiheit diese als solche zu erkennen und bewusst unsere « Modelle » auszusuchen. Wer von Vorbild oder Modell redet schließt die Gefahr einer Abdriftung zur Rivalität ein. Das alles zu erkennen bringt uns voran auf einem Weg der Freiheit. Doch es ist eine Form der Mühe, der Arbeit, die stets schwerer ist als das allgemeine Dahinterherschlafwandeln ohne bewußte Entscheidung. Also : Analyse unserer Wünsche/Sehnsüchte, ihres Entstehens. Die vorliegenden Modelle entdecken. Und es lernen, das zu erwarten, was wir besitzen anstatt Opfer unser Rivalitäten und Eifersüchte zu werden.

      Die Sprache des dreizehnkapiteligen Buches ist einfach und verständlich, nahezu « populärwissenschaftlich ». Oft ist der Autor sehr präsent, erzählt von seinen Erfahrungen, bringt sich klar ein. Dies kann eventuell nerven, ist aber eventuell auch schlichter Ausdruck, dass er Verantwortung für den Inhalt und die Thesen übernimmt. Er erklärt, schlußfolgert, zeigt einfache Therapiewege auf, bringt Beispiele aus der Praxis – er, der so viele Menschen mit verschiedenen Symptomen als Psychiater und Psychologe begleitet hat.

      Für mich eine bereichernde und inspirierende Lektüre !

      AUTOR :
      Jean-Michel Oughourlian wurde 1940 in Beirut/Libanon als Sohn eines armenischen Vaters und einer kolumbianischen Mutter geboren. Er kommt im Alter von zehn Jahren in Frankreich an, ist nun Neuropsychiater in Neuilly und Professor für Psychologie an der Sorbonne wie auch Essayist, Schriftsteller, besonders in Frankreich und den USA bekannt. (Quelle: fr.wikipedia.org/wiki/Jean-Michel_Oughourlian bzw siehe auch auf Englisch : en.wikipedia.org/wiki/Jean-Michel_Oughourlian )

      Nun, dieses Buch hat unzweifelhaft nahezu einen « spirituellen » und sehr bereichernden Ansatz. Dennoch ist die Einordnung beim französischen Verleger in die Reihe « Spiritualität » etwas kurz, eventuell auch irreführend. Es handelt sich schon um einen handfesten, wissenschaftlichen Ansatz, bzw um eine These.
      Auf Englisch sind andere Bücher des Autors schon erschienen.

      Broché: 155 pages
      Editeur : Albin Michel (1 mars 2017)
      Collection : SPIRITUALITE
      Langue : Français
      ISBN-10: 2226326545
      ISBN-13: 978-2226326546
      Marie-Hélène Lafon - Nos vies
      Michel Houellebecq - Non réconcilié (Gedichte)
      Marilyn Monroe - Tapfer lieben: Ihre persönlichen Aufzeichnungen, Gedichte und Briefe
      Swami Vivekananda - Karma-Yoga. Der Pfad der Arbeit

      (Un-)Gelesenes: buechertreff.de/user/2161-tom-leo/#shelfce
    • Herzlichen Dank für diese Vorstellung @tom leo welche immer wieder sehr anregend sind um Bücher abseits des Mainstreams zu lesen.
      Von deinem erwähnten Rene Girard gibt es ein Werk in deutsch in welchem er, ich zitiere: ...analysiert den Teufelskreis von Gewalt und Gegengewalt. Als Ursache macht er die Aneignung und Nachahmung gewalttätigen Verhaltens aus.
      Das Bewußtsein, vor dem Schlafengehen gute Lektüre zu haben, ist eines der angenehmsten Gefühle, die ich kenne.
      peter e. schumacher (1941 - 2013), Aphorismensammler und Publizist
    • Farast schrieb:

      Danke für deine Rezension @tom leo Da wäre eine Übersetzung auch wünschenswert!
      Keine Ursache! Das Buch ist tatsächlich erst dieses Jahr herausgekommen. Seien wir mal gespannt, ob es zu einer Übersetzung kommt! Immerhin ist dieser Autor doch auch international relativ bekannt, anerkannt.

      serjena schrieb:

      Herzlichen Dank für diese Vorstellung @tom leo welche immer wieder sehr anregend sind um Bücher abseits des Mainstreams zu lesen.
      Von deinem erwähnten Rene Girard gibt es ein Werk in deutsch in welchem er, ich zitiere: ...analysiert den Teufelskreis von Gewalt und Gegengewalt. Als Ursache macht er die Aneignung und Nachahmung gewalttätigen Verhaltens aus.
      Danke, serjena! Ja, Oughourlian hat mit Girard teils zusammengearbeitet und zählt diesen zu seinen "Meistern" (und nicht Rivalen). Was Girard eher gesellschaftlich erforscht, wendet hier Oughourlian halt auf der persönlichen, bzw interdividuellen Ebene an. Richtig gelesen: er erfindet einen neuen Begriff: das Individuum ist separat nicht denkfähig, konstituiert sich aber im Kontakt halt auch mit und an anderen...

      Als Einstieg in diesen absolut interessanten Themenkreis empfehle ich sehr die Werke Girards (die ich gelesen habe)!
      Marie-Hélène Lafon - Nos vies
      Michel Houellebecq - Non réconcilié (Gedichte)
      Marilyn Monroe - Tapfer lieben: Ihre persönlichen Aufzeichnungen, Gedichte und Briefe
      Swami Vivekananda - Karma-Yoga. Der Pfad der Arbeit

      (Un-)Gelesenes: buechertreff.de/user/2161-tom-leo/#shelfce
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