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Johann Emanuel Schikaneder - Die Zauberflöte

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    Die Zauberflöte: Große Oper in zwey Aufz...

    von

    5|1)

    Verlag: CreateSpace Independent Publishing Platform

    Bindung: Taschenbuch

    Seitenzahl: 64


    ISBN: 9781482712469


    Termin: März 2013

    • Johann Emanuel Schikaneder - Die Zauberflöte

      Mozart / Schikaneder – Die Zauberflöte (Operntextbuch)


      Der Operntext und sein Wert als Literatur – Zwischen Spott und Goethes Würdigung
      Zunächst möchte ich mit einer kleinen Ausführung zum Operntext (dem sogenannten Libretto) als solchen anfangen, denn dieser wird in seiner Bedeutung und in seinem Wert als Literatur häufig sehr stark kritisiert. So wird – wie vielen anderen Operntexten auch – dem "Zauberflöten"-Text oftmals vorgeworfen, er diene lediglich der Musik, dazu verfolge er simple Bühneneffekthascherei und bediene rein zu simplen Unterhaltungszwecken den Modegeschmack seiner Zeit; dagegen erhebe der "Zauberflöten"-Text aber keinerlei Ansprüche einen tieferen Sinn zu verfolgen – habe also keinen literarischen Tiefgang.

      Nun, ich sehe die Dinge hinsichtlich des "Zauberflöten"-Textbuches ganz anders – für mich ist es nämlich ein sehr vielschichtiger, zeitloser Text mit einer wunderschönen Botschaft. Doch an dieser Stelle kann ich sogar Goethe – unseren "Dichterfürsten" – für mich sprechen lassen. Dieser verteidigte nämlich den schon damals viel gescholtenen Schikaneder (Schikaneder war der Librettist/Textschreiber der "Zauberflöte" und somit offiziell hauptverantwortlich für den Text; wobei Schikaneder das "Zauberflöten"-Libretto eigentlich mit Mozart zusammen erdacht hatte). In Eckermanns Gesprächen mit Goethe erfahren wir:


      Goethe/Eckermann schrieb:

      Er [Goethe] gibt zu, daß der bekannte erste Teil [also Schikaneders „Zauberflöte“] voller Unwahrscheinlichkeiten und Späße sei, die nicht jeder zurechtzulegen und zu würdigen wisse; aber man müsse doch auf alle Fälle dem Autor zugestehen, daß er im hohen Grade die Kunst verstanden habe, durch Kontraste zu wirken und große theatralische Effekte herbeizuführen. (Quelle: Johann Peter Eckermann "Gespräche mit Goethe in den letzten Jahren seines Lebens")


      Und als Eckermann und Goethe über den "Helena"-Akt aus "Faust II" zu sprechen kommen, wünscht sich Goethe für diesen "Faust II"-Akt:


      Goethe/Eckermann schrieb:

      Wenn es nur so ist, daß die Menge der Zuschauer Freude an der Erscheinung hat; dem Eingeweihten wird zugleich der höhere Sinn nicht entgehen, wie es ja auch bei der ›Zauberflöte‹ und andern Dingen der Fall ist. (Quelle: Johann Peter Eckermann "Gespräche mit Goethe in den letzten Jahren seines Lebens")


      Also Goethe weiß hier im "Zauberflöten"-Libretto scheinbar Dinge zu würdigen, die nicht jedem so leicht zugänglich sind. Goethe spricht sogar von einem "höhere[n] Sinn", welcher vielen Zuschauern zwar entgeht, aber jedoch dem "Eingeweihten" erschließt sich dieser "höhere Sinn". Das klingt doch reichlich rätselhaft und nach gehörig Tiefgang. Dazu wird die "Zauberflöte" von Goethe mit seiner künstlerischen Intention hinter der "Faust"-Dichtung verglichen – und die "Faust"-Dichtung gilt immerhin als eines oder sogar das bedeutendste Werk der deutschen Literatur.


      Die Autoren als "Eingeweihte"-Freimaurer
      Kommen wir nun zu den Autoren der "Zauberflöte": Mozart und Schikaneder. Der Hintergrund der beiden Autoren könnte uns auch auf eine Spur führen, wie der besagte "höhere Sinn" zu finden sein könnte. Mozart und Schikaneder waren nämlich beides Freimaurer – wie im übrigen auch Goethe. Und jetzt sind die Freimaurer keine bösen Weltverschwörer; wobei sie gerade durch ihre Nähe zu den Ideen der Aufklärung und der bürgerlichen Revolution tatsächlich im 18. Jhd. gesellschaftliche Veränderungen diskutierten. Doch beispielsweise schaute Goethe sehr skeptisch auf die Revolution in Frankreich und so bildeten die Freimaurer keine Einheit gegen die Monarchie, sondern hatten auch Adel und Monarchen (Friedrich II. oder Karl August) in ihren Freimaurerorden. Statt böser Weltverschwörung orientierten sich die Freimaurer an Idealen, die mit der Aufklärung und mit Humanität zusammenhingen; und vor allem waren die Freimaurer ein moderner Mysterienbund. Wer Freimaurer werden wollte musste sich einer Einweihungsprüfung unterziehen, die sich an den Weiheriten der antiken Mysterienkulturen orientierte. Hatte er die Prüfung bestanden, dann war er in den Bund eingeweiht – war also ein "Eingeweihter"! Vor diesem Hintergrund wären Mozart, Schikaneder und auch Goethe als Freimaurer eben solche "Eingeweihten". Es ist gut möglich, dass Goethe gegenüber Eckermann also einen solchen "Eingeweihten" im Sinne eines Mysterienbundes meinte, dem sich der "höhere Sinn" erschließt. Und eigentlich ist es kein großes Geheimnis mehr, dass Mozart und Schikaneder ihre positiven und allerdings auch ihre negativen Erfahrungen mit der Freimaurerei in der "Zauberflöte" verarbeitet haben. Hierzu wäre auch noch die Anekdote interessant, dass Schikaneder schon bald aufgrund seines extensiven Künstlerlebens mit Liebesaffären und ähnlichen Eskapaden von seinen Freimaurerbrüdern aus seinem Orden geschmissen worden ist. Und Schikaneder war nicht nur Librettist, sondern auch Schauspieler und Sänger sowie Theaterdirektor. So kam es, dass Schikaneder in seinem eigenen Theater bei Aufführungen der "Zauberflöte" die Rolle des Papagenos selbst spielte. Er hatte sich diese Rolle des Bonvivant, der immer nach Frauen Ausschau hält, förmlich auf den Leib geschrieben. Und nicht nur die Genußsucht teilt Schikaneder mit seinem Alter Ego Papageno, sondern Papageno hat ja auch so seine Schwierigkeiten mit den Eingeweihten von Sarastros Bruderbund. Also Freimaurer übersehen diese kritischen Nuancen gerne, doch die "Zauberflöte" ist keine reine und blinde Glorifizierung der Freimaurerei, sondern eine wertschätzende, aber auch kritische Auseinandersetzung.


      Die Handlung
      Die "Zauberflöte" zeigt den Kampf zwischen der Königin der Nacht und Sarastro, der den siebenfachen Sonnenkreis trägt und dem Bruderbund der Eingeweihten vorsteht. Sarastro raubt der Königin der Nacht die Tochter Pamina (in der Vorgeschichte). Als sich der junge Prinz Tamino in das Reich der Königin verirrt, sieht die nächtliche Monarchin in dem Prinzen eine Möglichkeit ihre Tochter zurückzubekommen. Über ein Bildnis ihrer Tochter erweckt sie in Tamino Liebe für die Entführte. Zusammen mit dem lustig-heiteren Vogelfänger Papageno an seiner Seite macht sich der junge Prinz in Sarastros Reich auf um dort seine Liebe zu befreien.
      Doch es kommt alles ganz anders: In Sarastros Reich trifft Tamino zunächst auf Priester des Bruderbundes, die ihm eine andere Sicht auf den Konflikt zwischen Nacht- und Sonnenreich eröffnen. Tamino lässt sich immer mehr auf die Priester ein und wechselt schließlich die Seiten. Er versucht sich an den Einweihungsprüfungen von Sarastros Bruderbund, an deren Ende ihm Pamina als Lohn versprochen wird. Als die Königin von Taminos Abtrünnigkeit erfährt und somit ihren ursprünglichen Plan gescheitert sieht, macht sie sich selbst auf, um die Dinge in Sarastros Reich zu regeln...


      Fazit
      Das "Zauberflöten"-Textbuch bietet:

      - kurzweilige Unterhaltung als märchenhaft-phantastisches Abenteuer mit Action, Liebe und Humor

      - Raum zum "Selbst Denken" (die Figuren täuschen sich gegenseitig und den Zuschauer – was ist wahr und was nicht?)

      - zeitgenössischer Diskurs in einer Zeit der Umbrüche und Gegensätze, der aber auch auf heutige Probleme übertragbar ist (Beispielsweise verglich Attila Csampai – Jahrgang 1949 – den Übergang Taminos vom Reich der Königin in Sarastros Sonnenstaat mit dem Übergang von Westdeutschland in die DDR bzw. auch andersherum. Also jedes System, jede Ideologie versucht sich natürlich dem neuen Besucher von seiner positiven Seite zu zeigen und nicht die Propaganda der Gegenseite zu bestätigen.)

      - Schauspiel im Geiste und in den Bildern der antiken und freimaurerischen Mysterien



      Sonstiges
      - Herausgabe von Holzinger ist eine ungekürtzte Ausgabe (meine erste Reclam-Ausgabe hatte willkürliche Kürzungen und auch aktuellere Ausgaben lassen keine Besserung erkennen)



      Gesamtbewertung
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    • Ich hoffe, man sieht es mir nach, wenn ich direkt noch einige Gedanken zum Inhalt darstelle, die meine Einschätzung und Sichtweise nachvollziehbarer machen.
      Hierbei werde ich teilweise auch auf das Ende eingehen, um einige einfach erscheinende Elemente, die aber eigentlich sehr vielschichtig angelegt sind, aus meiner Sicht verständlicher zu machen. Ich werde aber nochmal kleine Spoiler-Hinweise geben; wobei die "Zauberflöte" als das meist gesehene Bühnenstück auf deutschsprachigen Bühnen zumindest vom einfachen Handlungsverlauf den meisten ja aber sowieso bekannt sein wird.


      Also:


      Annäherung an den Inhalt


      Was mir an der "Zauberflöte" so gut gefällt, ist das sie sehr facettenreich ist und einem ganz viele unterschiedliche Anknüpfungspunkte liefert. Zunächst ist Mozarts und Schikaneders Zauberoper ein Spektakel und kurzweiliges Unterhaltungsstück. Darüber hinaus kann man sich aber auch an den vielen Rätseln versuchen, sich diesen annähern, und immer wieder etwas neues entdecken. Der Text ist dabei eine ganz wichtige Grundlage, je mehr man in diese Rätselwelt vordringen möchte.


      Man muss bei der "Zauberflöte" auch selber denken, und darf den Figuren und schon gar nicht dem einfachen Farbenspiel nach dem "Schwarz-Weiß-Denken" schlechter Märchen folgen. Die "Zauberflöte" schickt sich ja ganz bewusst an, auf uns wie ein harmloses Märchen zu wirken. Eigentlich steckt in ihr aber ein freimaurerischer Diskurs über die Gesellschaft und die Freimaurerei selbst. In ihrem Kern zeigt sie den Konflikt zwischen der alten Ordnung von Monarchie und Kirche gegen die neue Ordnung von bürgerlicher Revolution und Aufklärung/Wissenschaft. Und es ist ein starkes Stück im monarchisch-habsburgerischen Wien, dass am Ende (Achtung kleiner Spoiler) die Königin der Nacht als Repräsentantin der alten Ordnung (also Königin = Monarchie; und Nacht wie das Mittelalter mit Ständeordnung und Kirche – engl. ja auch "Dark Ages") von Sarastro, dem Vertreter der neuen Ordnung (freimaurerisch-aufklärerischer Bruderbund; Sonnenkreis = Aufklärung / geistige Erleuchtung – wie engl. "Enlightenment" oder franz. "Siècle des Lumières"), besiegt wird.


      Also man muss sich dazu vor Augen führen, dass als die "Zauberflöte" ihre Uraufführung 1791 in Wien hatte, die bürgerliche Revolution in Frankreich (Sturm auf die Bastille 1789) einen bedrohlichen Schatten auf die anderen Monarchien Europas warf. Bald wurde sehr energisch gegen jegliches Aufrührertum vorgegangen. Die habsburgische Monarchie reagierte mit Verhaftungen, Zensur und 1795 sogar mit einem Verbot der Freimaurerei. Brisanterweise endet die "Zauberflöte" mit den Worten (wieder ein kleiner Spoiler):

      Mozart/Schikaneder schrieb:

      Es siegte die Stärke, und krönet zum Lohn
      Die Schönheit und Weisheit mit ewiger Kron'.

      Weisheit, Stärke und Schönheit sind die drei Ideale der Freimaurerei (auch als die drei Säulen) bekannt. Die Freimaurerei feiert also ihren Sieg über die Monarchie der Königin der Nacht.

      Dennoch ist die "Zauberflöte" nicht ganz so einfach zu verstehen. Der Kampf zwischen Licht und Dunkelheit, zwischen Aufklärung und Monarchie, ist nicht gleichzusetzen mit dem Kampf zwischen Gut und Böse. Die "Zauberflöte" ist ein freimaurerischer Diskurs, und wie bereits gesagt: es waren auch Adel und Monarchen in der Freimaurerei. So zeigt die "Zauberflöte" auch positive Anknüpfungspunkte für die alten Werte, die alte Ordnung. Die Freimaurer der "Zauberflöte" haben das Gleichgewicht von Gefühl und Vernunft verloren (eine Parallele zur echten Freimaurerei). Taminos Gefühlsunterdrückung gegenüber Pamina treibt diese fast in den Selbstmord; doch es sind Paminas Gefühle, die sie alle Hindernisse auf dem Prüfungsweg überwinden lassen, sodass sie zu Taminos Rettung kommen kann und ihn sogar auf dem Prüfungsweg führt. Auf diese Weise verdient sich Pamina die Einweihung in den Bruderbund (eine weitere Parallele zur echten Freimaurerei, die Frauen aus ihren Orden ausschloss – Paminas Einweihung also ein absolutes Novum und der unverkennbare Wunsch der "Zauberflöten"-Macher, in welche Richtung sich die Freimaurerei ihrer Meinung nach künftig entwickeln sollte). Dazu sehen wir auf der untersten Ebene im Reich der Königin den fröhlichen Lebemann Papageno, während im Reich des aufgeklärten Sarastro auf unterster Ebene der gepeinigte Monostatos ein leidvolles Leben als Sklave fristen muss – Ja, das Lichtreich Sarastros ist eine Sklavenhalter-Gesellschaft (eine weitere Parallele zur Freimaurerei, denn der bekannte Freimaurer und große Vertreter der neuen, bürgerlichen Ordnung in Amerika George Washington war ebenfalls ein Sklavenhalter wie Sarastro). Es gibt die geflügelten Worte, die ich sehr anregend finde, nach denen man eine Gesellschaft nicht nach ihrem Umgang mit ihren höchsten, sondern mit ihren schwächsten Mitgliedern bewerten sollte ("A Nation should not be judged by how it treats its highest citizens, but it's lowest ones" Nelson Mandela). Vor diesem Hintergrund erscheint das Reich der Königin der Nacht gegenüber Sarastros Sonnenreich doch sogar moralisch überlegen.

      Die Lösung und Botschaft der "Zauberflöte" scheint mir die Zusammenführung der Gegensätze, wie sie der alten Generation (Königin der Nacht und Sarastro) leider noch nicht gelingt, aber dafür der jüngeren mit Pamina (Tochter der Königin der Nacht; Gefühl) und Tamino (Ziehsohn seines Ordensvaters Sarastro; Vernunft/Gefühlsunterdrückung). Goethe hat diese Idee in seiner "Zauberflöte II" weiterentwickelt und in seinem "Helena"-Akt in "Faust II" vollendet. Hier werden die Gegensätze von Pamina und Tamino wie auch die Gegensätze von Helena und Faust in der Liebe zusammengeführt und daraus erwächst als Synthese-Produkt ein geflügelter Kindersegen. Das Kind kann sich Kraft seiner von Goethe verliehenen Flügel also bildlich zu etwas Höherem erheben (wie die Synthese eine dritte, höhere Einheit der zwei vereinigten gegensätzlichen Einheiten darstellt).

      Also statt unseren Diskussionsgegner in Grund und Boden zu Reden, die andere Kultur oder Religion (die Ökumenische Bewegung ist ja zumindest innerhalb des Christentums langsam immer mehr angesehen) absolut verdrängen zu wollen, sollten wir vielleicht versuchen die positiven Werte und das positive Wissen mit unserem zu vereinen.

      Dies ist im Übrigen ebenso der Geist der antiken Mysterien; wie die Weisheit des griechisch-römischen Weisheitsgottes (!) Apollo als Inschrift des Apollo-Tempels (!) von Delphi in antiken Zeiten verkündete: "Alles in Maßen". Und diese antiken Mysterien sind natürlich auch ein ganz wichtiges Element der "Zauberflöte". Die "Zauberflöte" zeigt sogar eine Mysterienweihe und arbeitet darüber hinaus bildreich und symbolisch Mysterienvorstellungen ein. Diese sind mir ein ganz besonders schönes Rätsel, welches mir sehr am Herzen liegt, und zudem es für mich immer wieder etwas zu entdecken und zu durchdenken gibt.
    • Herzlichen Dank für das nette Feedback!


      Und freut mich darüber hinaus, dass das "Zauberflöten"-Libretto hier doch auf einiges oder (zumindest dem ersten Eindruck nach) sogar auf reichliches Interesse zu stoßen scheint.


      Ja, der Operntext ist als Literatur aus meiner Sicht weit unterschätzt – ein besonders markantes Beispiel ist Goethes "Faust"-Dichtung, die große Einflüsse von Musiktheater und Operntradition aufweist.


      Rhythmik und Reimform des "Fausts" legen eine Vertonung ja durchaus nahe. So wundert es nicht, dass Goethe seinen "Faust" von Mozart vertont sehen wollte:

      Eckermann/Goethe schrieb:

      »Doch«, sagte ich, »gebe ich die Hoffnung nicht auf, zum ›Faust‹ eine passende Musik kommen zu sehen.«
      »Es ist ganz unmöglich«, sagte Goethe. »Das Abstoßende, Widerwärtige, Furchtbare, was sie stellenweise enthalten müßte, ist der Zeit zuwider. Die Musik müßte im Charakter des ›Don Juan‹ sein; Mozart hätte den ›Faust‹ komponieren müssen. (Quelle: Johann Peter Eckermann "Gespräche mit Goethe in den letzten Jahren seines Lebens")

      Gerade der zweite Teil der "Faust"-Dichtung (und ganz besonders der "Helena"-Akt) lassen sich als eine Oper verstehen – die wahrscheinlich bedeutendste Dichtung der deutschen Literatur ähnelt also ungemein einem Libretto!
      Vor diesem Hintergrund wären die alten und hartnäckigen Vorurteile (ein Librettist sei gar kein Dichter; ein Libretto sei gar keine Literatur; bzw. das Libretto reiche qualitativ nicht an die in der Literaturwissenschaft üblicheren Texte heran) aus meiner Sicht schleunigst zu überdenken.

      Goethe war im Zuge seiner Italienreise der Oper zeitweise sogar so zu getan, dass er sich dazu hinreißen ließ, in der Opernform sogar die "günstigste aller dramatischen" Formen zu vermuten:

      Johann Wolfgang von Goethe schrieb:

      Diese reine Opernform, welche vielleicht die günstigste aller dramatischen bleibt, war mir so eigen und geläufig geworden, daß ich manchen Gegenstand darin behandelte. (Quelle: Goethe "Tag- und Jahreshefte")

      Naja, so weit muss man sicherlich nicht unbedingt gehen. Doch die Operntradition hält so manche Überraschungen bereit, und ist beispielsweise seit ihren Ursprüngen den von mir so geschätzten Mysterien besonders zu getan (z.B. Claudio Monteverdis "L’Orfeo" / "Orpheus" aus dem Jahre 1607). Bei Zeiten werde ich gerne nochmal etwas aus der Welt der Oper oder Mysterien vorstellen.

      Viele Grüße,
      Mr. Mystery
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